Endspiel in Theben
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Endspiel in Theben

Die Elite im Todeskampf mit ihrem Unbewussten

  1. 80 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Endspiel in Theben

Die Elite im Todeskampf mit ihrem Unbewussten

Über dieses Buch

Die westlichen Eliten im Todeskampf mit ihrem Unbewussten.Die Zusammenfassung eines Gesprächs über unsere Zeit, über ihre psychologischen und philosophischen Wurzeln und Konnotationen. Das Büchlein steht inhaltlich in Bezug zu anderen Texten des Autors. Ihre Kenntnis ist jedoch nicht Voraussetzung.

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VOM ABRAKADABRA GEGEN DIE VERNUNFT

Die neue Denke, die seit drei, vielleicht fünf Jahren im Westen aufkommt und zunehmend den Diskurs bestimmt, ist das bildungsmässig weitgehend voraussetzungslose, unkritisch moralisierende Sophistik-Abrakadabra, mit dem Ziel, alles wegzufegen, was letzten Endes der «Liebe» im Weg steht - nötigenfalls die ganze Kultur. Weg muss jedes Konstrukt oberhalb des Einzelnen, damit die freie Paarung zum neuen Schöpfungsakt einer Gesellschaft werden kann, die dem säkularisierten Paradies entspricht. Ein erotisiertes Kindheits-Utopia allgemeinsten Zuschnitts, asymptotisch wie alles Totalitäre, die neue Ewige Philosophie, jene des narzisstisch überhöhten Puer und der narzisstisch überhöhten Puella. Es handelt sich um die Enddenke der modernen Kolosseumsgesellschaft, bevor diese erst in einen neuen religiösen Synkretismus und danach in unvermeidlichen Fundamentalismus abschmiert. Die Zeit der politischen Vernunft, der Ontologie und der wissenschaftlichen Empirie ist vorüber.
Wenn man Trump heute schon einigermassen richtig verorten will - was immer noch niemand tut -, müsste man ihn als den konservativen, narzisstischen Vorkämpfer einer neuen Epoche sehen. Insofern nämlich, als - durch den realen Donald Trump, den man hasst, radikal enthemmt - heute zunehmend jeder sein eigener, utopistischer Trump sein will. Alle, die ihre Stimme erheben, nehmen sich heute die Freiheit heraus, einfach drauflos zu denken, zu reden und zu handeln. Vor allem Links und bei Linksgrün. Es wimmelt inzwischen von anti-istischen Trump-Masken, in Europa sowieso, neu auch in den USA. Die Demokraten dort füllen sich derzeit gerade mit solchen Abrakadabristen auf, bunt, total anti-istisch, mit allgemeinem Fluchtpunkt «Liebe». Es ist die Offene Gesellschaft, die sie herbeisehnen, deren Avantgarde sattsam bekannte Terakapitalisten finanzieren.
Dabei wird bereits aufs Wildeste jongliert. Man ist inzwischen so durchgekocht, dass man es gar nicht mehr bemerkt. «Wie wir unseren Lebensraum vermüllen», heisst der Titel zu einem Video, das einen plastikvermüllten Fluss in einem Slum zeigt. Man kennt es: Wenn Konservative von «wir» reden, wird seit Jahrzehnten von den Vertretern der Eliten reflexartig hinterfragt, wer das denn sei, dieses «wir»? Doch angesichts des Plastikmülls in einem Fluss irgendwo in der Dritten Welt scheint sich diese Frage nicht auf die gleiche Weise zu stellen. Denn hier gilt ein anderer Satz: Je weniger etwas mit dem zu tun hat, was die meisten von uns in ihrem Leben erleben, umso mehr seien sie es, die es verursachen würden. Oder auch: Je mehr etwas von den meisten Leuten als etwas gesehen wird, was sie real angeht, umso fragewürdiger sei diese Einstufung. Das «wir» des Grossteils der Bevölkerung eines Landes sei fragwürdig, es existiere eigentlich überhaupt nicht. Hingegen seien «wir» für die vermüllten Slums, Flüsse und Strände in der grossen weiten Welt draussen verantwortlich, weil «wir» es seien, die alles wegschmeissen würden. Wir fühlen uns also immer noch für alle Menschen verantwortlich, zwar nicht mehr als Kolonialherren, sondern als Universalsündenböcke. Was sechs Milliarden Menschen ausserhalb des Westens anrichten, seien in Wirklichkeit «wir» gewesen. Jene Milliarden verfügen offenbar über keinerlei Zivilisationswillen und Kulturbewusstsein, da selbst der Müll in ihren Städten, auf ihren Stränden und in ihren Flüssen von «uns» verursacht worden sei, weil «wir» zu wenig getan haben, um sie davor zu bewahren. Dieses «wir» sind durchaus mal «wir hier», mal auch «wir Menschen», wobei diese «Menschen» wiederum hauptsächlich die sind, die «wir» meinen. Früher waren sie «Eingeborene» und «Primitive», heute sind es «Missbrauchte» und «Arme», durch «uns» und unsere Machenschaften. Und so hätten «wir» denn die Pflicht, überall dort für diese Anderen aufzuräumen, sie auszustatten und zu alimentieren.
Die Feststellung, dass der dortige Müll von der dortigen Bevölkerung stammt, gilt nicht nur nichts, sondern ist rassistisch und gehört auf den Index. Die Tatsache, dass die dortige Bevölkerung seit Jahrtausenden so gelebt hat, was früher kaum auffallen konnte, weil die Abfälle organisch waren, rasch verrotteten und von Tieren gefressen wurden, und dass dieselbe Bevölkerung heute mit Plastik ebenso verfährt wie mit organischen Abfällen, darf nirgends ungestraft einfach so festgestellt werden. Denn es würde bedeuten, dass jene Bevölkerungen im Grunde nichts dazu gelernt haben, ausser unsere Konsumgewohnheiten zu imitieren. Die Schuldigen daran seien nun nicht ihre Machthaber - obschon diese inzwischen vielerorts fast ein Jahrhundert Zeit hatten, nachzuholen, was nachzuholen ist - und schon gar nicht die lokale Bevölkerung, von der nichts verlangt werden dürfe. Von ihr etwas zu verlangen, was wir von uns selbst verlangt haben und verlangen, sei eine koloniale Geste, rassistisch, und damit moralisch-ethisch von vornherein disqualifiziert.
Demnach kann man dort auch nicht tun, was man bei uns tut. Man kann dort nicht einen Mittelstand wie den unsrigen fördern, es wäre kulturrassistisch. Kein Programm wie jenes des europäischen Neunzehnten Jahrhunderts kann für die grosse weite Welt heute noch zum Rezept gemacht werden. Vielmehr seien jene Milliarden durch Aufnahme, Teilhabe und Inklusion zu entwickeln, das heisst, so wie sie gerade sind zu integrieren, vollumfänglich auszustatten und zu ermächtigen. Mit andern Worten, es sei alles nur ein Problem der Kapitalverteilung. Auf eine solche läuft am Ende alles hinaus. Es gehe hier nicht um Kultur, Kulturentwicklung oder um Zivilisation, sondern ausschliesslich um das Empowerment der Individuen, ohne dass diese sich in irgendeiner relevanten Dimension zuvor oder dadurch verändern müssten.
Der von der gesellschaftlichen Produktion abgehobene, späte, verspielte Aristokrat hat jedes Bewusstsein dafür verloren, dass hinter allem, was genossen werden kann, pickelharte Leistung steckt. Denn er besitzt diese Leistung immer schon in Form von Kapital, das ihm zufliesst, und er kann es verteilen, wenn er will. Es sieht dann kurze Zeit so aus, als funktioniere das, bis das Leistungsfundament, auf das es gebaut ist, schwächelt, weil es torpediert worden ist. Die moderne Geistelite des Westens ist in ganz ähnlicher Lage. Sie ist verspielt, denkt und schafft abgehoben, und sie ist sehr oft staatlich alimentiert. Das Kapital fliesst ihr zu. Schaut man genau hin, besteht fast nirgends ein direkter Zusammenhang zwischen Ausstattung und eigener Leistung. Dadurch erscheint dieser Elite alles durch Weiterverteilung des Kapitals lösbar. Doch geht das nur in Ländern, wo die grosse Mehrheit der Bevölkerung nicht zu den Nutzniessern gehört und die Produktion vorantreibt. Es ist auch nur solange so, als man sie tun lässt, was notwendig ist, um die Maschine am Laufen zu erhalten. Schröpft man diese Bedauerlichen zu stark, bricht das Fundament ein, regelt man zu sehr ihre Gedanken, verlieren sie die Motivation und die Produktion geht zurück. Das sind seit Jahrtausenden bekannte Phänomene – seit Cheops -, doch in Zeiten wie der unseren werden sie nicht mehr beherzigt. Sie werden als Ausgeburten politisch unkorrekter Denk- und Handlungsweise disqualifiziert und aus dem offiziellen Diskurs ausgeschlossen.
Eine Variante dieser Logik zeigt der folgende Tweet, der zunächst nicht viel damit gemein hat: «Out of his German car, into a French elevator, opens Italian door, sprays Indian Musk, wears Taiwan pyjamas under a Korean air conditioner, checks time on Swiss watch, rests on American couch, opens Swedish bag, gets China made pen and writes: “Do not befriend Non-Muslims.”»2 Der dargestellte, traditionelle, oft fundamentalistische Muslim agiert und denkt wie der verspielte Aristokrat, von dem gerade die Rede war. Da er keine Ahnung hat von der Leistung, die er täglich kraft seines ihm zufliessenden Kapitals konsumiert, achtet er sie so gering, dass er es seinen Glaubensbrüdern untersagt, sich mit den Produzenten all dessen anzufreunden, von dem sie ununterbrochen profitieren. Der auf diese Weise von einem Muslim karikierte Muslim entspricht einem Herrscher, einem Kolonialherren, der all jene, auf deren Schultern er steht, für so gering achtet, dass es nicht in Frage komme, sich auf sie freundschaftlich einzulassen. Der westliche Elitarist verhält sich im Übrigen gleich, nur sind seine Ungläubigen die eigenen Landsleute, die seine Ideologie nicht teilen. Sie sind gerade gut genug, das Kapital herbeizuschaffen, das er zu verteilen gedenkt, doch eigentlich sind es Unberührbare. Der fundamentalistische Muslim hat überraschend viel gemeinsam mit dem westlichen Elitaristen, so wie früher die Aristokraten aller Länder und Kulturen Entscheidendes gemeinsam hatten: ihre Geringschätzung des produzierenden und zahlenden Volkes. Doch wurde heute der Muslim zum Nutzniesser des Elitaristen. Dieser wird aber vom Muslim zu den Unberührbaren gezählt, die er verachtet. Immerhin macht er mit ihm aber solange gemeinsame Sache, als dessen Macht noch nicht an ihn überging.
«Und damit kommt der Hass. Auf Linke, die verharmlosen, dass Gewalt das Problem von migrantischen Männern ist. Auf Feministinnen, die sagen, alle Männer müssen in die Pflicht genommen werden, weil das Problem strukturell sei. Köpfe glühen vor Wut, Online-Kommentarspalten bieten ein Ventil für den Hass.»3 Die Muggels beginnen, ihre Eliten zu hassen, weil diese alle Arten von Tricks anwenden, um von ihnen zu profitieren, die sich aber auf nichts von ihnen einlassen. Sind die Täter Migranten, ist selbst die schlimmste Tat nicht mehr debattenfähig, da eine jede solche Debatte Widersprüche aufzeigen müsste, die nicht ins aristokratische Weltbild passen. Geht es um Vergewaltigung, so seien alle Männer in die Pflicht zu nehmen, insbesondere die, die von sich glauben, gewaltfrei zu sein. Und wieder um Widersprüche zuzudecken, die sonst unweigerlich aufbrächen.
Es handelt sich um die Methode des Prokrustes. Man zwingt den Anderen zu festen Formulierungen, man zwingt ihn, entweder Ja oder Nein zu sagen. So oder so geht er jedoch später geschädigt daraus hervor. Zum Beispiel ...

Inhaltsverzeichnis

  1. Über das Buch
  2. Motto
  3. Inhaltsverzeichnis
  4. Mein Lieber
  5. Vom Abrakadabra gegen die Vernunft
  6. Disqualifizieren ist das neue Widerlegen
  7. Denke zirkulär, moralisiere!
  8. Vom Teufelszeug
  9. Die spinozistische Moderne
  10. Wahn und Wahnstimmung
  11. Zwischen Wort und Objekt
  12. Macht und Vernunft
  13. Die Vernunft in Deutschland
  14. Machtkulturen im Clinch
  15. Herrschende Untertanen
  16. Fundamentale Spiegelungen
  17. Die Situation und der unbewusste Komplex
  18. Die Grosse Verwandlung
  19. Dialektik und Politik
  20. Mogelpackungen
  21. Louis redivivus
  22. Impressum