Chaj! Wir leben noch!
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Chaj! Wir leben noch!

20 Jahre Chor Inspiration

  1. 100 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Chaj! Wir leben noch!

20 Jahre Chor Inspiration

Über dieses Buch

In einem fränkischen Dorf entsteht aus der musikalischen Begeisterung einiger Weniger ein Chor, der sich der interkulturellen Musik widmet. Vor allem die Wiederbelebung der untergegangenen ostjüdischen Musikkultur liegt den Musikerinnen und Musikern am Herzen. Die Gruppe erkannte und ergriff die Aufgabe, diese versunkene Musik der durch das "Dritte Reich" vernichteten jüdischen Kultur auf ihre Weise wieder zu beleben und ihr ein originelles, eigenständiges Gesicht zu geben. Musik als Geist, als innerster Brand der Sehnsucht nach dem Einen, Heiligen, alles Verbindenden: Das erlebte die Gruppe bei der Arbeit an den vielen sehr verschiedenartigen Chorwerken, kleinen und großen Sätzen, Liedern und Songs.

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Information

Jahr
2011
ISBN drucken
9783837035506
eBook-ISBN:
9783844859300

WER ODER WAS 1ST INSPIRATION? STIMMEN (1)

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Gabriele Netal-Backöfer, Chorleiterin
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Gabriele prägt nun seit 20 Jahren mit ihrem musikalischen Charisma den Chor, zuerst in ihrer Memmelsdorfer Zeit, dann nach ihrer Eheschließung von ihrem neuen Wohnort Lauf aus.
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20 Jahre INSPIRATION! Ein aufregendes Datum. Viele Bilder, Gedanken und Erinnerungen ranken sich da herum. Ich weiß, dass ich, wenn ich über den Chor schreibe, auch über mich selbst schreibe, denn meine eigene Geschichte ist mit der von INSPIRATION eng verflochten.
Im Jahr 1988 als junge Gemeindereferentin in Memmelsdorf - anfangs noch etwas schüchtern und tastend - hatte ich doch bald den Eindruck: Hier leben Menschen, die es mir angetan haben, die mich magisch anziehen, mit denen ich Visionen teilen kann. Wie eine elektrische Spannung ist da etwas hin und her geflossen, gleiche Schwingungen, das unbestimmte Gefühl, zur richtigen Zeit an den richtigen Ort geraten zu sein, eine jugendliche Aufbruchsstimmung und dann die Musik, die uns mitgenommen hat und in der wir uns miteinander und beieinander beheimaten konnten.
Unsere ersten Singversuche und Auftritte haben in mir einfach nur Euphorie ausgelöst – Mashiti, Gottesdienste, Gospel-Open-Air. Ich bin wie auf Wolken geschwebt, habe eine ungeheure Energie gespürt, eine tiefe Verbindung zu Menschen, die ich eigentlich noch gar nicht lange kannte. Die Musik, die ich seit dem Abitur völlig zur Seite gelegt hatte hat sich in meinem Leben wieder neu Bahn gebrochen - wie eine Urgewalt. Diesmal aber nicht unter dem Anspruch von Leistung und Perfektion sondern eher wie eine „göttliche Energie“. Es war eine Art „musikalisches Pfingsterlebnis“.
Bald war klar, dass ich in dem Chor eine Leitungsfunktion übernehmen würde. Ich hatte aber nicht die Rolle der „Alleinherrscherin“ (es hat eh keiner drauf geachtet, was ich zusammendirigiere), sondern eher die einer „Hebamme“ - um das ans Licht zu bringen, was in der Musik und unter uns geboren werden will.
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Gabriele mit ihrer ersten Band SINAI. In den ersten Jahren trat INSPIRATION gelegentlich mit SINAI zusammen auf. Auch sie spielten vorzugsweise hebräische Tanzlieder
1989 begann die Beschäftigung mit der jüdischen Musik. War für eine Entdeckungsreise. Hatten die Gospels meine Begeisterung geweckt, die jüdische Musik ging viel tiefer. Sie berührte in mir Seelenschichten, von denen ich bisher nur eine blasse Ahnung gehabt hatte. Sind es meine Prager Wurzeln, die mir diese östlichen Klänge so zutiefst vertraut erschienen ließen? War es meine heißhungrige und aufregende Beschäftigung mit dem Alten Testament während des Studiums? Jedenfalls erschien es mir beim Entdecken dieser Lieder, als käme ich heim in eine Welt, die mir vertraut ist und in der meine Seele aufgeht.
Dass ich in diesen Jahren mit Vera und Heiner Olmer zwei mal in Israel war, vertiefte meine Bezug zu vielen Liedern und der „jüdischen Seele“, die aus ihnen spricht. Und als es dann noch in den folgenden Jahren den absoluten „Run“ auf unser jüdisches Konzertprogramm gab, gewann ich den Eindruck, an einer großen und wichtigen Botschaft dran zu sein.
In Memmelsdorf waren wir so etwas wie eine große Lebensgemeinschaft von Jungen und Alten, Männern und Frauen – irgendwie wie in biblischen Zeiten! Und ich hatte einen Platz darin! Es war eine wunderschöne Zeit für mich, in der ich mich selbst entdecken und viel Nähe erfahren durfte! Allerdings hatten wir damals auch keine Garantie, dass es uns im nächsten Jahr noch geben würde.
INSPIRATION war in den ersten Jahren etwas ganz zerbrechliches und flüchtiges – und ich sehe es als großes Geschenk, dass sich diese „erste Liebe“ immer wieder erneuert und nun schon ein halbes Leben lang getragen hat.
Bei unserem ersten jüdischen Abend trat Karlheinz in mein Leben und irgendwann war klar, dass wir unseren Weg zusammen weitergehen würden.
„DER CHOR SOL OHÄBIDEI1 SINGEN UND DAS BRAUTPAR SOL TANTSEN“ schrieb der kleine Nils Pelikan an unserer Hochzeit im Juni 1992 auf einen Zettel und hat Karlheinz und mir damit einen unvergesslichen Höhepunkt unseres gemeinsamen Festes geschenkt.
Im Herbst 1992 zog ich von Memmelsdorf nach Simonshofen und damit war das Ende von INSPIRATION für viele in greifbare Nähe gerückt. Aber nicht für mich!
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Beim Hochzeitsgottesdienst Netal/Backöfer.
Sepp Kuffer dirigiert „das Volk“
Ich war wild entschlossen, am Chor festzuhalten – aller Vernunft zum Trotz. Und so fuhr ich erst allein, dann mit einem Baby, dann mit zwei Kindern zu Proben zu Konzerten und Chorwochenenden, wo Lisa (Dippold) sie mir abnahm und nur zwischendurch zum Stillen wieder brachte – oder ich ließ sie bei Karlheinz, der in dieser Zeit verständlicherweise nicht immer gut auf den Chor zu sprechen war.
Oft war es nach der Probe spät oder das Wetter war schlecht – und nachdem ich keine gute Autofahrerin bin, wurden diese Fahrten oft genug ein Horrortrip. Schmerzlich war es manchmal auch für mich, zu erleben, wie viel ich einsetzen musste, um die Probenarbeit aufrecht zu halten und wie unverbindlich manche andere mit den gemeinsamen Absprachen umgingen.
Im Nachhinein weiß ich, dass ich in diesen Jahren oft weit über die Grenze meiner Kraft hinausgegangen bin, um die Chorarbeit weiterzuführen, aber ich konnte und wollte INSPIRATION einfach nicht aufgeben. Zu kostbar waren mir all die Kontakte, zu wertvoll das gemeinsame Musizieren, die oft tief bewegenden Konzerte.
Erst viele Jahre später – eigentlich bei der Ehrung durch Dr. Löbl – habe ich für mich die klare Bestätigung bekommen: es war richtig, am Chor festzuhalten.
Es haben sich in all den Jahren wichtige Dinge ereignet und durch INSPIRATION ist die Welt „irgendwie reicher geworden“ (oder wie auch immer man das ausdrücken mag!) und dazu konnte ich meinen Teil beitragen. Manchmal habe ich gespürt: der Chor ist so etwas wie mein erstes Kind – es gibt irgendwie keine Alternative, als daran festzuhalten.
Meine anderen zwei Kinder haben es zunehmend genossen: Sie waren gerne bei Proben dabei, waren bei Konzerten immer die besten Fans, haben es geliebt, am Schluss die Körbchen zu halten und mit Charme und Hartnäckigkeit das Geld für uns einzutreiben. Und dann erst die Chorwochenenden: Ein Eldorado für Kinder, mit langen Gängen zum Fangen - Spielen, einem eigenen, freien Leben fern ab vom Treiben der Erwachsenen, Fußball am Bolzplatz und Nächte im Klosterkeller, wo sie die letzten Jahre immer für das Ambiente sorgten.
Irgendwann waren dann auch die einsamen Fahrten zum Chor zu Ende, Karlheinz, Petra und Martina stiegen mit ein ins Boot und nun ist es eine vergnügliche Sache vor und nach den Proben noch eine Stunde zum Ratschen zu haben!
Chorleiter sind ja im allgemeinen Menschen mit der Ausstrahlung, alles im Griff zu haben.
Nicht so bei mir! Meine Schwächen in Bezug auf Organisation und Management wurde schon bald offensichtlich. Und so wurden mir sanft und fast unmerklich alle wichtigen Kompetenzen aus der Hand genommen:
Erst die Verwaltung der Noten, dann die Finanzen, die Terminplanung und die Außenkontakte, die Programmgestaltung, die Bereithaltung des Notenständers und der Stimmgabel - für alles fanden sich Menschen, die das viel besser machen, als ich!
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Kleiner Spottgesang auf Gabrieles chaotisches Element vo Erwin.
Und als dann Angela noch das Einsingen übernommen hatte, blieb nur noch das übrig, was ich wirklich kann! Das Dirigieren und Gestalten! Dabei bin ich aber nicht so autoritär, wie ich manchmal tue: Zugegeben, es macht mir schon manchmal Spaß, den Alt als träge Masse zu bezeichnen, die Männerstimmen als „Gesangsverein“ zu beschimpfen und den Sopran wiederholt in eisige Höhen zu schicken. Aber ich tue es (meist) nicht aus Bosheit, es dient einfach dem Ziel der Sache näher zu kommen.
Beim Dirigieren sind meine Präsenz und viele meiner Sinne aufs äußerste gefordert:
Ich möchte darauf hören, was das Stück mir sagen will, ich höre hinein in den Chorklang, nehme Anregungen daraus auf und versuche die eigentliche Gestalt des Klangs zu finden, und schließlich versuche ich auch im Kontakt mit mir zu bleiben: bei welcher Art der Interpretation geht mir das Herz auf? Wann habe ich den Eindruck: Nun ist es stimmig, nun haben wir die Schwingung gefunden, die uns untereinander und mit dem Stück verbindet?
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Und dann gibt es natürlich auch „pädagogische Aspekte“ - zum Beispiel vor Konzerten: Wie muss ich „schimpfen“, um das Beste ...

Inhaltsverzeichnis

  1. Titelseite
  2. Impressum
  3. Inhaltsverzeichnis
  4. Chaj!
  5. Die Vision
  6. Die Gründung
  7. Wer oder was ist INSPIRATION? Stimmen (1)
  8. Das Programm
  9. Stimmen (2)
  10. Die wichtigen Rand-Erscheinungen
  11. Stimmen (3)
  12. Das Geheimnis wird gelüftet
  13. Die Ehrungen
  14. Chronik 1988 - 2008

Häufig gestellte Fragen

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