Immer am Wochenende
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Immer am Wochenende

Ein Stück in Stücken

  1. 132 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Immer am Wochenende

Ein Stück in Stücken

Über dieses Buch

Ende der 1970er Jahre: Säuselnde Schlagermusik, Zinnteller und Blümchentapeten können nicht darüber hinwegtäuschen. Er ist nicht eben herzlich, der Umgangston in der Familie Beck. Man tut sich schwer im Umgang untereinander und geht sich bestmöglich auf die Nerven, obwohl oder gerade weil man auf einander angewiesen ist. Bleibt zumindest die Hoffnung, dass es wenigstens dieses Wochenende mal so harmonisch zugeht wie bei all den anderen Familien auch. Doch die Chancen stehen nicht gut, denn unter der Oberfläche der erträumten Idylle brodelt es. Der Gerichtsvollzieher kommt ins Haus, die bessere Tante überraschend zu Besuch, während der Sohn sich freikaufen lässt und mal wieder die Religion wechselt. Dann zerbricht auch noch das Puppenhaus und der Badeausflug wird zum Desaster. Mit Blut und Polizei und Pipapo. Und was sollen zu all dem die Kanadier sagen, die Dschinn und der Talmud?Chana Tausendfelds Theaterstück schildert die Abgründe einer angeschlagenen Kleinfamilie in deren Streben nach einer heilen Welt unvermeidbare Konflikte ausbrechen.

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Information

Jahr
2018
ISBN drucken
9783752835052
eBook-ISBN:
9783752882698
Auflage
2
Thema
Drama

1. Akt

1. Szene

Freitag morgens. Frühstück.
Die Mutter betritt in grünem Schlafanzug stark hustend die Küche. Sie gähnt, reibt sich ihren Schlaf aus den Augen, danach geht sie zum Tisch und entnimmt einer Schachtel eine Zigarette und zündet sie sich an. Sie legt zuerst die Schachtel und dann das Feuerzeug zurück auf den Tisch, direkt unter den Lichtkegel der Deckenlampe. Sie nimmt einige kräftige Züge an der Zigarette und beginnt sogleich erneut zu husten. Sie nimmt noch einen Zug und legt den Glimmstängel im Aschenbecher ab. Nun beginnt sie damit den Frühstückstisch für zwei Personen zu decken. Aus dem Hängeschrank über der Spüle holt sie zwei Teller, zwei Tassen und zwei Unterteller. Aus der ersten Schublade des Unterschranks neben dem Herd entnimmt Kaffeelöffel und Messer. Ein Kaffeegedeck stellt sie auf die Schmalseite des Tisches an welcher sich ihr Stammplatz auf der Sitzbank befindet. Das andere Gedeck platziert sie auf die Längsseite des Tisches. Schließlich bedient sie die Kaffeemaschine, füllt Wasser in die Kanne und setzt Kaffee an. Dann holt sie einen Brotlaib aus dem ersten Unterschrank und schneidet mit der Brotschneidemaschine vier Scheiben ab, holt dann aus dem ersten Hängeschrank einen Brotkorb und legt die Brotscheiben hinein. Dann stellt sie den Brotkorb auf den Tisch und holt aus dem Kühlschrank Milch, Butter, Käse und Wurst, die sie auf Tellern ebenfalls auf den Tisch platziert. Sie drückt ihre verqualmte Zigarette aus, zündet übergangslos eine neue an, die sie sogleich wieder im Aschenbecher ablegt. Sodann verlässt sie die Küche, um ihren Sohn zu wecken.
Kurz darauf öffnet sich die Schiebetür in der Holzwand und Susi, die Tochter tritt mit zerwühlten Haar, verschlafenen Gesicht, mit Unterhose und T-Shirt bekleidet die Küche. Sie gähnt und streckt sich ausgiebig, während sie etwas durcheinander zum Tisch und dann erschreckt zur Uhr blickt und sich dann mit einer theatralischen Geste an die Stirn greift.
Susi (zu sich selbst): „Au Scheiße … jetzt ist es schon wieder nach zehn! Was mach ich … denn bloß!?
Sie überlegt kurz, beugt sich über den Tisch und nimmt schnell und heimlich zwei Züge von der brennenden Zigarette, und setzt sich dann mit dem Rücken zur Tür. Von draußen ist die Stimme der Mutter zu hören: „Ja, jetzt sofort, sonst wird der Kaffee wieder kalt …“
Mutter (eintretend): „Ich glaub ich spinn! Was, machst du denn noch hier?
Susi (verlegen): „Ich hab’ verschlafen.“
Sie dreht sich kurz zur Mutter, die hinter stehen geblieben ist.
Mutter: „Ja, das seh ich auch. Hat dich der Papa nicht geweckt?
Susi: „Ich glaub schon, aber ich bin wieder eingeschlafen.“
Mutter (empört): „Ja, wie stellst du dir das denn vor? Du hast doch letzte Woche schon mal gefehlt und in der Woche davor auch schon. Macht dir die Arbeit kein Spaß mehr? Was glaubst du, wie mich der Brenner anschaut, wenn du dauernd fehlst? So geht’s doch nicht weiter …das ist jetzt … der dritte … der dritte Vorfall in den drei Wochen, … wo du jetzt dort bist. Du kannst doch nichtlaufend fehlen. Wenn das jeder machen würde ...!
Susi unterbricht ihre Mutter: „Ja, ich weiß. Tut mir leid, aber was soll ich jetzt machen?
Die Mutter setzt sich auf ihren Platz auf der Eckbank neben dem Fenster. Sie schaut überrascht zum Aschenbecher, schüttelt den Kopf, nimmt dann einen Zug von der Zigarette und legt sie mit einem erneuten Husten zurück.
Was wohl? In die Arbeit gehen, was sonst. Was tust du denn noch rum?
Susi (missmutig): „Was? Jetzt noch? Bis ich von hier weg komm ist es halb elf und bis ich dort bin kann ich gleich Mittag machen. Ich kann ja nicht sagen, dass ich bis Mittag geschlafen hab’, oderhalb elf ist doch viel zu spät. “
Die Küchentür geht auf und der großgewachsene Sohn betritt die Küche. Er ist mit knielangen schwarzen Boxershorts und einem bedrucktem schwarzen T-Shirt begleitet, auf dem in großen weißen Lettern „läuft“ zu lesen steht.
Ricky: „Morgen! Was ist um halb elf zu spät?
Susi (ihn ignorierend): „… außerdem ist heut ja eh schon Freitag. Da hören die sowieso früher auf.“
Mutter: „Nur wenn all gut mitgearbeitet haben.“
Susi (abwehrend): „Nö, letzte Woche hat die dicke Türkin auch gefehlt und trotzdem haben wir früher fertig gehabt.“
Der Sohn lümmelt sich gebeugt auf den Holzstuhl und lauscht schmunzelnd. Er nimmt sich eine Scheibe Brot und beginnt damit zu frühstücken.
Mutter (entnervt): „Na dann bleibst halt daheim, wenn unbedingt meinst.“
Sie steht auf und holt den Kaffee von der Maschine und gießt welchen in die einzelnen Tassen, wofür niemand dankt.
Susi atmet erleichtert auf.
Ricky (zur Schwester): „Kein Appetit heute?
Mutter und Tochter starren auf den Brotkorb, die Mutter nimmt noch einen kräftigen Zug von der Zigarette und drückt sie sodann im Aschenbecher aus.
Mutter (zum Sohn): „Seit wann bist du eigentlich schon auf?“
(zur Tochter): „Geh, hol dir einen Teller und ne Tasse, oder meinst, dass ich dich auch nicht bedienen soll?
Susi (steht missmutig auf) und murmelt „ja, so wie den …da“. Sie holt sich aus den Schränken Teller, Tasse, Besteck und schneidet sich drei Scheiben Brot mit der Maschine ab und setzt sich wieder. Die Mutter indessen sieht den Sohn erwartungsvoll an. Der kaut noch auf seinem Brot herum und antwortet dann: „Seit sechs vor halb sechs, also fünf-uhr-vierundzwanzig.“
Mutter (irritiert): „Was ...?
Susi: „Was gehst denn überhaupt noch ins Bett? Kannst doch gleich wach bleiben.“
Die Mutter hustet zwei, dreimal, nimmt dann einen kräftigen Schluck von ihrem Kaffee, ehe sie sich eine weitere Zigarette anzündet. Sie steht auf und geht zur Kaffeemaschine und gibt weiteres Pulver in den Filter und noch etwas Wasser für weiteren Kaffee. Dann setzt sie sich wieder, ihre Kinder schweigen unterdessen.
Susi blickt auf ihre leere Tasse und fragt: „Gibt‘s noch Kaffee?
Mutter (verärgert): „Jetzt hab’ ich mich gerade hingesetzt. Hättest nicht vorher was sagen können? Ich steh jetzt nicht nochmal auf. Hol dir selber einen. Aber jetzt wart erst mal, bis der Kaffee durchgelaufen ist, sonst gibt es wieder so eine Sauerei.“
Mutter (zum Sohn): „Und machst du jetzt so früh schon auf?“
Ricky: „Beten.“
Susi lacht los: „Ach beten nennt man das jetzt? So wie vorgestern früh im Bad, oder?
Mutter: „Was war da?“
Susi: „Er hat sich einen runtergeholt.“
Ricky: „Du träumst!
Susi: „Ich? Von Dir? Sicher nicht.“
Sie steht auf und holt die Kaffeekanne und schenkt allen ein oder nach. Zum Bruder zugewandt: „Bitte schön, der Herr!
Mutter: „Ich möchte einmal erleben, dass wir als Familie ein friedliches Wochenende erleben, so wie in den anderen Familien.“
Ricky faltet seine Hände und verneigt sich mit einem Lächeln kurz zur Schwester: „Allah sei Deiner Seele gnädig!
Susi: „Fängt er mit dem Scheiß wieder an!
Sie beginnt wie ihre Mutter zu frühstücken. Während diese sich ein Marmeladenbrot streicht, belegt Susi sich eine Scheibe Brot mit Wurst und legt es zusammen.
Ricky (in zitierendem Tonfall mit erhobenen Zeigefinger: „Und siehe, wahrlich Dschehenam wird die Ungläubigen umfassen.“
Sus...

Inhaltsverzeichnis

  1. Personen
  2. Zeit
  3. Ort
  4. Inhaltsverzeichnis
  5. 1. Akt
  6. 2. Akt
  7. 3. Akt
  8. Über das Stück und seine Autorin
  9. Begründung einer Ungetöteten
  10. Weitere Informationen
  11. Impressum

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