Auto, Postkutsche, Eisenbahn, Toaster, Kleidung, Flugzeug, Küche, Radio, Zigarren, Aktienhandel, Teebeutel, Tacos, Fast Food, Kino, Fotoapparate, Quirl, U-Bahn, Lift, Waschmaschine, Kühlschrank, Beleuchtung, Buchlesen, Auto, Schreibtisch, Büro, Eiskeller, Telefon, Fußball, Schreiben, Pudding, Mahlzeiten, Geschirrspüler, Fernseher, Reisverschluss, Kaffeefilter, Handball, Rolltreppe, Malerei, Futurismus, Drucktopf, Schuhe, Selbstbedienung, Konservendose, Kosmetik, Eierkocher, Rasierer, Suppe, Musik, Pferderennen, Kugelschreiber, Museum, Tanzen, Bergsteigen, Einkaufen.Falls Sie diese Vielzahl von Stichworten inhaltlich nicht verbinden können, lesen Sie einfach weiter.Beschleunigung, Hektik, Tempo bestimmen in der heutigen Zeit das Leben der Menschen. Alle genannten Stichworte - und viele mehr - sind Beispiele dafür, wie und wo sich unser tägliches Leben während der Jahre bzw. Jahrhunderte beschleunigt hat.Wann haben Sie zuletzt gesagt oder gedacht: Das dauert heute wieder. Wann ist es endlich fertig? Gestern? Heute? Vor ein paar Stunden/Minuten?Übrigens: Das Buch umfasst ca. 86.900 Wörter, das bedeutet bei einer durchschnittlichen Lesegeschwindigkeit von 180 Wörtern 483 Minuten oder ca. 8 Stunden Lesezeit und Lesevergnügen. Wenn Sie einen Schnell-Lese-Kurs absolviert haben, können Sie vielleicht 50 % schneller lesen, d.h. sie benötigen nur noch 321 Minuten oder gut 5 Stunden. Ein etwas genauerer Blick zu Beschleunigungen im täglichen Leben: Im Haushalt lassen sich vielfältige Bespiele dafür finden: -vom Eiskeller zum Kühlschrank-vom Kohlenkeller zur Zentralheizung-vom Waschtag in der Waschküche zur Waschmaschine.Doch auch beim Menschen und am Menschen lassen sich Beschleunigungen feststellen: -beim zu Fuß gehen-beim Lesen und Schreiben-beim Ankleiden und Entkleidengeht heute alles schneller.Sogar das Geldverdienen oder -verlieren geht heute schneller, im Millisekundentakt (0, 001 Sekunden) kann man tausende oder millionen von Euro im Aktienhandel verdienen oder verlieren. Das vorliegende Werk stellt auf anschauliche Weise anhand von 111 Beispielen verschiedene Beschleunigungen des täglichen Lebens dar. Zahlreiche Bilder, Grafiken und Tabellen ergänzen die Beispiele.

- 484 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub
Über dieses Buch
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Information
Der beschleunigte Mensch
Die bereits häufiger erwähnten Jahre um die Wende zum 20. Jahrhundert brachten auch Beschleunigungen hervor, die sich direkt am Menschen auswirkten. Zunächst im Gesicht des Mannes.
Beschleunigung am Menschen
Rasierklinge und Rasierapparat - Schneller zur Schönheit beim Mann
Kommt Zeit, kommt Bart.
Unbekannt
Aphorismen.de
Aber Bart-ab braucht weniger Zeit.
Ein bei vielen Männern sich täglich wiederholendes Ritual - außer sie tragen einen Drei-Tag-Bart - ist die Rasur. Vor der Erfindung und Verbreitung des elektrischen Rasierapparats war die Nassrasur eine (auch zeit-) aufwendige und teilweise schmerzhafte Angelegenheit.
Nötig war Wasser, das allerdings früher oft zunächst langwierig erhitzt werden musste, und ein scharfes Rasiermesser. Der Gang zum Barbier verlor nicht nur bei gutsituierten Männern allmählich an Bedeutung, zuhause musste die Klinge selbst geschliffen bzw. geschärft werden. Da Rationalisierung und Beschleunigung überall angesagt waren, stellte sich die zu dieser Zeit übliche Rasur als zu zeitaufwendig da, sie hatte also Beschleunigungspotenzial. In der Werbung der Firma Gillette für einen mit Wechselklingen ausgestatteten Rasierer aus dem Jahre 1906 hieß es: “If the time, money, energy and brain-power which we have wasted in barber shops of America were applied in direct effort, the Panama canal could be dug in four hours.“265
Die Klingen für die Rasiermesser mussten/sollten häufig gewechselt werden. Damit dieses auch tatsächlich gemacht wurde, gab es als Anregung einen Satz Klingen, auf deren Rückseite >Montag<, >Dienstag< usw. standen. So musste jeden Tag eine neue Klinge in das Messer eingespannt werden.266
Sollte dann tatsächlich noch einmal ein Barbier aufgesucht werden, mag die Beschreibung aus dem Roman >Babbitt< (erschienen 1922) von Sinclair Lewis typisch sein. Auch deshalb, weil der seinerzeit führende Literaturkritiker Henry Louis Mencken den Roman dafür lobte, dass er das >wahre Amerika< zeige. Nachdem die Männer auf dem Weg zum Büro aus den Zügen gesprungen, über die Straßen gehetzt waren, verschwanden sie in Expressaufzügen. Im Friseurladen keuchten sie dann: „Rasieren Sie mich ein bisschen fix. Bin eilig“. 267
Die Familie Gilbreth haben wir ja ebenfalls bereits kennen gelernt. Aber nicht nur die Ehefrau Lilian, auch ihr Ehemann Frank (1868-1924) war ein ausgewiesener Rationalisierungsexperte. Er setzte als einer der ersten die Fotografie bei Bewegungsstudien und Zeit-analysen ein. Die Kinder der Familie berichten in der Familien-Biografie über den Vater: „Er benutzte sogar zum Einseifen des Gesichts zwei Rasierpinsel, weil er auf diese Weise die Rasierzeit um siebzehn Sekunden verkürzen konnte. Eine Zeitlang versuchte er, sich mit zwei Messern zu rasieren, aber das gab er bald auf.“268 Der Zeitspareffekt betrug nach Aussage des >Experten< ca. 24 Sekunden. Gelegentlich wurde dieser Effekt durch das Verbinden und/oder Pflastern mehr als ausgeglichen.

Abb: 107: Gillette Safety Razor Bildquelle: Goodrum S. 114, Anzeige aus dem Jahr 1906
Bleiben wir am Gesicht, hier ereignete sich eine weitere weitreichende Beschleunigung.
Papiertaschentücher - Schneller zur freien Nase
Sagt, ist noch ein Land außer Deutschland, wo man die Nase
eher rümpfen lernt als putzen?
Georg Christoph Lichtenberg, Aphorismen, Schriften, Briefe,
München 1974, S, 97
(Sudelbücher Heft E, Nr. 316)
Winterzeit ist Schnupfenzeit ist >Tempozeit<. Ein Gespräch läuft dann häufig so ab: >Hatschiiiiie<, >Gesundheit<, >Hast Du mal ein Tempo für mich<, >Na klar< und ein Papiertaschentuch wird gereicht.
Diese Taschentücher haben die Stofftaschentücher fast völlig aus dem Alltag verdrängt.
>Ein Tempo bitte< ist heute ein Synonym für >Ein Papiertaschentuch bitte! < Selten hat sich ein Produktname so umfassend für einen Gattungsnamen eingeprägt.
Im Juli 1929 wurde das Warenzeichen >Tempo< beim Reichspatentamt in Berlin für die Vereinigten Papierwerke Nürnberg eingetragen. >Tempo< ist ein Tuch des Zeitgeistes der wilden und schnellen 1920er Jahre.
Während dieser Jahre beschleunigten auch die neu entwickelten Waschmittel den Waschvorgang und entlasteten die Hausfrau.269 Am schnellsten aber ist das >Nicht-Waschen<(Müssen), getreu dem Prinzip >Wisch-und-weg<. Das garantiert >Tempo<: den schnellen Abtransport der körpereigenen Sekrete, ohne Zwischendeponie im Stofftaschentuch in der Hosentasche mit anschließendem Waschzwang. Auf diese Aspekte wies bereits der erste Aufdruck aus dem Jahre 1929 hin: >Seidenweich! Saugfähig! Hygienisch! Kein Waschen mehr!< Doch seitdem gab es zahlreiche Verbesserungen des Papiers und Maßnahmen zur schnelleren Benutzung. Der sogenannte >Tempo-Griff< wurde 1963 eingeführt. Er erlaubt es, mit einer Hand alles schneller zu erledigen. In der Werbung hieß es damals: „Tempo mit besond`rem Griff – rasch entfaltet, nur ein Griff“. Die sogenannte >Z-Faltung< der Taschentücher wurde 1975 eingeführt und erleichterte die Handhabung nochmals. Der schnelle Verschluss der Verpackung kam 1988 hinzu.
Die Entsorgung geht dann ebenfalls mit >Tempo< - einfach in den Papierkorb. Hier gilt das Ex-und-Hopp-Prinzip. Eine Vorbereitung auf die nächste Niesattacke besteht allenfalls darin, genügend Vorrat zu haben und entsprechend rechtzeitig für Nachschub zu sorgen. Eine >Nachbereitung< - Waschen, Trocknen, Bügeln - entfällt vollständig.

Abb. 108: Tempo Taschentuch
Bildquelle: Privat/Autor
Bildquelle: Privat/Autor
Verlassen wir das Gesicht, bleiben aber bei >Äußerlichkeiten<, so zeigen die Kleidung und Mode, zu welchen vielfältigen Beschleunigungen es im Wechsel der Jahrhunderte gekommen ist.
Mode/Kleidermode - Schneller zur Schönheit
Moden sind ein Medikament, das die verhängnisvollen
Wirkungen
Des Vergessens, im kollektiven Maßstab kompensieren soll.
Je kurzlebiger eine Zeit, desto mehr ist sie an der Mode
ausgerichtet. (…)
Darum ist die Neuheit eine unerläßliche Bedingung der Mode.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, VI, Das Passagenwerk,
Hrsg. Tiedemann, Rolf, Schweppenhäuser, Hermann, Frankfurt
1982, S. 124, S. 131
Fast alle gesellschaftlichen Erscheinungen unterliegen einem modischen Wandel. Mode ist überall und überall ist modischer Wandel. Nicht zufällig kam der Begriff Mode in etwa zur gleichen Zeit auf wie die Begriffe Zeitung und Uhr und akzentuierte den Aspekt der Kurzfristigkeit. Eine Mode bzw. Moden gibt es u.a. bei den Sportarten, bei den Urlaubszielen, dem Freizeitverhalten, den Wohnungseinrichtungen, den Haustieren oder dem Haus, bei Brillen, Haarfrisuren (männlich, weiblich), am deutlichsten und klarsten jedoch bei der Kleidung. August Bebel trat Anfang des 20. Jahrhunderts vehement gegen >Modetorheiten< und >Modenarreteien< ein: „In diesem Hetzen und Jagen von einer Mode zur anderen und von einem Stil zum anderen spiegelt sich die Nervosität des Zeitalters am prägnantesten wider.“270
Wer hat nicht schon in den Kleiderschrank gesehen und sich gefragt: >Das ist vom letzten Jahr, kann ich das heute noch anziehen?<. Wahrscheinlich stellen sich Frauen diese Frage häufiger als Männer. Speziell die Modebranche hat es geschafft, dass Frauen beim Blick in ihren Kleiderschrank ihre Kleidungsstücke immer mit dem aktuell Modischen vergleichen und feststellen: alles veraltet, quasi die psychologische Variante einer >geplanten Obsoleszenz<. Und: dass das, was sie im Kleiderschrank haben, von gestern ist und das, was sie noch nicht haben, von heute und der aktuellen Mode entspricht. Konsequenz dieser Erkenntnis ist: >Das-im-Schrank-Hängende ist veraltet und muss durch etwas Neues aktualisiert werden<. Da der eine Pol des Vergleichs - die Mode - sich ständig verändert, findet ein immer schnelleres Ver-alten statt.271 Auch hierzu hat sich August Bebel geäußert, auch wenn seine Vermutung nicht eingetreten ist: „Man wird sich zweifellos zweckmäßiger und...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Der beschleunigte Haushalt zum Ersten: Die Küche und alles was darin ist
- Der beschleunigte Haushalt zum Zweiten: Viele kleine Helferlein für die Beschleunigung
- Der beschleunigte Haushalt zum Dritten: Schnelleres Einkaufen, schnellere Essenszubereitung, schnelleres Essen
- Der beschleunigte Haushalt zum Vierten: Mahlzeiten, bitte schneller
- Der beschleunigte Haushalt zum Fünften: Schnelles Spülen, Waschen, Putzen und Staubsaugen
- Das Wohnzimmer innen wird beschleunigt
- Der beschleunigte Mensch
- Sport – Beschleunigung all überall
- Kulturelle Beschleunigung - auch das gibt es
- Kommunikation Vom Kommunizieren mit Rauch, Brieftauben und mit Lichtgeschwindigkeit
- Anstelle einer Zusammenfassung: Überlegungen: Was tun mit der >gewonnenen Zeit<?
- Literaturverzeichnis
- Impressum
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