Das Miteinander von Kirchengemeinde und Stadtteil zu pflegen und zu fördern, war ein wesentlicher Grund für die alljährliche Einladung zum Neujahrsempfang im Gemeindehaus St. Markus. Die Neujahrsempfänge sollten außerdem eine Gelegenheit zum Danken sein. Die Ansprachen hatten jeweils einen thematischen Schwerpunkt, der mit Vorgängen im alten bzw. neuen Jahr zu tun hatte und Bezüge zum Stadtteil und der Kirchengemeinde herstellte. Allgemein Menschliches, gesellschaftlich Relevantes, Gemeinde- und Kirchenpolitisches sowie grundlegend Theologisches sollten dabei so zur Sprache kommen, dass es auch für Kirchenferne nachvollziehbar sein würde. Die Neujahrsansprachen waren quasi weltliche Predigten.Der Autor war von 1980 bis 2010 Pastor an der evangelisch-lutherischen Kirche St. Markus in Hamburg-Hoheluft.

- 128 Seiten
- German
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Information
Miteinander von Stadtteil und Gemeinde
18. Januar 2001
Ich möchte mal über die Hoheluftchaussee predigen. Die trennt, was zusammengehört. Das ist theologisch ein Thema und gemeindlich eine Herausforderung, auch für unseren Stadtteil. Ja, in welchem Stadtteil leben wir eigentlich? Es gibt das Eppendorfer Wochenblatt, und es gibt das Eimsbüttler Wochenblatt. (Es gab übrigens auch mal eine Hohelufter Zeitung.) Es gibt das Bezirksamt Eimsbüttel, und es gibt das Bezirksamt Nord. Wo gehöre ich eigentlich hin? Ich wohne an der Hoheluftchaussee - meine Frau und ich und unsere zwei Kinder. Wir wohnen an der Trennlinie, auf der Grenze.

Pastorat Hoheluftchaussee
Als ich mit meiner Frau im November 1979 an der Kreuzung Hoheluftchaussee / Breitenfelder Straße stand und einer aus dem Kirchenvorstand dieser Gemeinde damals mit seinem Arm über die Kreuzung wies und sagte: „Das Haus da drüben wird ihr Pastorat sein!“, da haben wir gesagt: „Da ziehen wir nie im Leben ein, an diese Rennstrecke!“
Wo ist denn hier der Lebensraum? Wie sollen wir denn da zur Ruhe kommen? Wo ist denn hier die Lebensmitte?
Lukas gefällt es da. Er liebt die gute Verkehrsanbindung. Und: Hier ist was los. Das hat unser 15jähriger mit den Seniorinnen und Senioren gemein. Wenn die in der Gärtnerstraße

Das von der Martha-Stiftung erbaute neue Seniorenzentrum St. Markus
an der vielbefahrenen Gärtnerstraße
an der vielbefahrenen Gärtnerstraße
– die ist ja ähnlich stark befahren – aus dem alten und demnächst dem schönen neuen Seniorenzentrum St. Markus aus dem Fenster schauen, dann können sie das Gefühl haben: Egal, wie alt sie sind, sie stehen mitten im Leben. Das hat was. Nur – mit 90 und gehbehindert über die breite Straße zu kommen, das kann schon ein Problem sein.
Die Hoheluftchaussee hat was Gutes und was nicht so Gutes. In zwanzig Jahren haben wir – ich könnte es jetzt auf zweierlei Weise sagen: In zwanzig Jahren haben wir uns gewöhnt, auch an das nicht so Schöne der Hoheluftchaussee. Und anders gesagt und etwas positiver formuliert: In zwanzig Jahren haben wir heimatliche Gefühle entwickelt. Wir wohnen gern hier. Vielleicht hat das mit den menschlichen Kontakten zu tun – mit Ihnen und Euch.
Gute menschliche Beziehungen lassen einen die äußeren Gegebenheiten in einem anderen Licht sehen und über manches hinwegsehen, was nicht so toll ist. Wie der Volksmund sagt: „Liebe macht blind.“ Was ja eigentlich heißt: „Liebe sieht mehr“ – sie nimmt hinter dem Unvollkommenen das Gute und Schöne wahr. Diese Sichtweise gilt sicherlich auch für heimatliche Gefühle und für die menschlichen Beziehungen im Stadtteil.
Aber auch Verliebten werden dann über kurz oder lang die äußeren Gegebenheiten nicht ganz egal sein. Sie beginnen an sich selbst zu arbeiten, sich herauszuputzen und dann auch ihr gemeinsames Heim schön herzurichten.
Wenn uns unser Stadtteil am Herzen liegt, dann werden wir vielleicht das Bedürfnis spüren, auch unseren Stadtteil zu verschönern.
Mir schrieb vor ein paar Tagen jemand: „Immer wieder, wenn ich durch den Eppendorfer Weg gehe, bin ich über die Schandflecke vor Ihrer Kirche entsetzt. Gibt es keine Möglichkeit, sich gegen die Altglas- und Altpapierbehälter zu wehren? Es kann doch nicht in Ihrem Interesse sein, wenn der Zugang zur Kirche durch übervolle Container und vor allem durch daneben abgestellten Müll ‚verschandelt’ wird. Ohnehin ist das Umfeld, z. B. durch den alten Bunker am Spielplatz nicht gerade einladend, um in der Kirche Ruhe und Frieden zu finden. Mit freundlichen Grüßen ...“


Handlungsbedarf vor der Markuskirche!
Recht so! Geben wir unseren Empfindung doch Ausdruck und schauen wir mal, ob sich nicht das eine oder andere bewirken lässt, dass die äußeren Gegebenheiten schöner werden. Da ist auch politischer Wille vonnöten.
Was die Hoheluftchaussee anbetrifft, hat sich aus gegebenem Anlass eine Arbeitsgruppe zusammengetan.
Es sollen ja in Kürze tausend Menschen, vielleicht auch mehr, hier in unsere Nachbarschaft ziehen – auf das Gelände des ehemaligen Falkenried Fahrzeugbaus. Die Bauarbeiten für die Wohnungen, die Geschäfte, die Lofts sollen bald beginnen. Da werden dann auch Menschen aus anderen Stadtteilen, vielleicht auch von noch weiter her kommen und werden sich interessieren, und werden sich auch das Umfeld anschauen. Lässt sich hier leben? Sie werden auch mal über die Hoheluftchaussee gehen. Werden sie dann sagen: „Nee, hier möchte ich nicht wohnen!?“ Vielleicht geht von den Interessenten dann auch mal einer über unseren Kirchplatz und um die Kirche herum – und schaut mal in die Kirche hinein, wenn’s grad Mittwoch ist, zwischen elf und eins, und sagt dann: „Ach doch, hier zieh ich her.“

Gelände der Fahrzeugwerkstätten Falkenried Ende des 19. Jahrhunderts
Foto: Postkarte
Foto: Postkarte



Neubauten auf dem ehemaligen Gelände der Fahrzeugwerkstätten Falkenried
Das Umfeld spielt schon eine Rolle. Man will ja nicht irgendwo wohnen, sondern da, wo’s schön ist. Und wenn man viel Geld ausgeben soll, dann soll auch alles stimmen.
Also haben sich die beiden Bezirksämter zusammengetan. Bauabteilungen, Stadtplanungsämter usw., haben sich eine Beratungsgesellschaft bestellt und haben Vertreter der Parteien beider Bezirke eingeladen, den Einzelhandelsverband und auch Optiker Prigge und Herrn Jacobus von Alligator Lederwaren und einen Pastor von St. Markus. Thema des Treffens und geplanter weiterer Treffen: die Hoheluftchaussee. Denn da besteht wohl Handlungsbedarf. Jedenfalls soll es nach Meinung der Organisatoren nicht dazu kommen, dass potentielle Wohnungskäufer so reagieren wie meine Frau und ich damals im November 1979: „Da ziehen wir niemals hin!“

Entwicklungsperspektive Hoheluftchaussee, Gutachterteam OSP-BPW
Ich finde es ganz reizvoll, sich mal in die Situation von Außenstehenden hineinzuversetzen und unseren Stadtteil, die Hoheluftchaussee insbesondere, einmal mit den Augen der newcomer zu betrachten, mit den Augen derer also, deren Aufmerksamkeit nicht schon durch langjährige Gewöhnung erlahmt ist.
Bei dem ersten Treffen mit der Beratergesellschaft ist mir erstmals klar geworden, dass das Entrée in unseren Stadtteil an der Hoheluftbrücke ziemlich verschenkt ist. Wenn mein Schwieger-Urgroßvater damals in den Jahren zwischen den
Kriegen von seinem Haus in der Bismarckstraße 145 zu seiner Feinmechanik-Firma im Lehmweg hinüberging und einen Augenblick an der Hoheluftbrücke verweilte und in den Stadtteil hineinschaute, dann hatte er rechter Hand ein viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus vor sich, das mit seiner halbrunden Wölbung den aus der Hamburger Innenstadt kommenden Besucher gefällig in den schönen Stadtteil Hoheluft hineinwies.

Blick auf das Entrée der Hoheluftchaussee am Isebekkanal
hinter der U-Bahn-Station Hoheluftbrücke. Foto: Postkarte
hinter der U-Bahn-Station Hoheluftbrücke. Foto: Postkarte
Nach rechts und links über den Isebekkanal ist der Blick auch heute noch ganz schön. Aber nach vorn hin ist irgendwie gesichtslose Leere. Das Blockhaus macht noch am meisten her. Aber sonst? Kein schöner markanter Kirchturm – demnächst wird vielleicht ein 14stöckiges Hochhaus der Blickfang sein. Aber der Platz selbst an der Hoheluftbrücke ist doch ziemlich ungestaltet. Da müsste vielleicht etwas hin, das signalisiert: „Nun betreten Sie den Stadtteil Hoheluft. Herzlich willkommen!“
Ans andere Ende, an die Troplowitzstraße, könnte dann entsprechend vielleicht etwas hin, das aussagt: „Danke für Ihren Besuch im Stadtteil Hoheluft. Gute Fahrt und auf Wiedersehen.“ Früher hätte man noch hinzufügen können: „Und viel

Grenzhaus an der Troplowitzstraße. Hier begann die dänische Verwaltung.
Foto: Postkarte
Foto: Postkarte
Spaß in Dänemark!“ Denn an der Troplowitzstraße beim heutigen Minimal stand das Grenzhaus. Da betrat man Ausland, da hatte man auch Zoll zu entrichten.
Um in die Gegenwart zurückzukehren – die Frage ist schon: Hat unser St...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Dank und Wunsch nach bleibender Verbindung: 15. Januar 1998
- Wir brauchen beides: Kirche und Wirtschaft: 14. Januar 1999
- Menschliche Beziehungen im Stadtteil: 13. Januar 2000
- Miteinander von Stadtteil und Gemeinde: 18. Januar 2001
- Heimat im Stadtteil: 17. Januar 2002
- Vertrauen und „Kein Krieg gegen den Irak!“: 16. Januar 2003
- Sparen?: 15. Januar 2004
- Die Ambivalenz des Lebens: 13. Januar 2005
- Fußball und Religion: 12. Januar 2006
- Die Gemeinde zukunftsfähig halten: 18. Januar 2007
- Politik und Kirche im Dienst am Menschen: 13. Januar 2008
- Träume zu haben, ist vernünftig: 15. Januar 2009
- Kochen und Theologie – Himmel und Erde: 14. Januar 2010
- Weitere Informationen
- Hinweise
- Impressum
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