Der Festungskurier Band 14 dokumentiert den Tag der Landesgeschichte in der Festung Dömitz vom 5. Oktober 2013, gemeinsam veranstaltet vom Museum Festung Dömitz und vom Historischen Institut der Universität Rostock. Das Thema lautete: Sammlungen und Museumsprojekte in Mecklenburg-Vorpommern. Folgende Vorträge werden in diesem Band veröffentlicht: Andrea Bärnreuther: Rostock – Hafen der Wissenschaften. Ideen, Visionen und Planungen der Universität Rostock auf dem Weg zum Doppeljubiläum Torsten Fried: Fürstliche Repräsentation im Doppelpack Orden auf MünzenWolf Karge: Fritz-Reuter-Nationalmuseum in Schwerin – eine unverwirklichte IdeeAngela Ziegler: Vom Wachsen, Werden und Kämpfen um die Bewahrung und Verbreitung des Thünenerbes

- 108 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub
Der Festungskurier Band 14
Über dieses Buch
375,005 Studierende vertrauen auf uns
Zugang zu über 1 Million Titeln zu einem fairen monatlichen Preis.
Mit unseren Lerntools kannst du noch effizienter lernen.
Information
Fürstliche Repräsentation im Doppelpack Orden auf Münzen
VON TORSTEN FRIED
Höfische Ritterorden stellten von Fürsten geschaffene Standesvertretungen dar, in denen sich die Mitglieder einer Satzung mit genau definierten Rechten und Pflichten unterwarfen.3 Die Exklusivität dieser Gemeinschaften sicherte jedem Einzelnen eine exponierte Stellung, auch und gerade gegenüber den fürstlichen Standesgenossen. Außerdem wurde das Feld der Außenpolitik berührt, da Orden als Instrumente der Diplomatie, als „Vertragswerke und Pakte“ fungierten.4 Mit einer solchen Mitgliedschaft war ein enormer Prestigegewinn verbunden. Dabei kam es in erster Linie darauf an, die Ordenszugehörigkeit durch entsprechende Zeichen zu visualisieren. Genauso wie weltliche Orden und ihre äußeren Kennzeichen dienten aber auch Münzen als Mittel der Herrschaftsrepräsentation.5 Im Folgenden soll es nun darum gehen, das Auftreten von Ordenszeichen auf Münzen zu erfassen und zu deuten, die von mecklenburgischen Herzögen geprägt wurden. Hierbei wird der Schwerpunkt auf Christian I. Louis von Mecklenburg-Schwerin (1658–1692) und auf Herzog Adolf Friedrich IV. von Mecklenburg-Strelitz (1752–1794) gelegt.
Auf Herzog Christian I. (später mit dem Beinnamen Louis) von Mecklenburg-Schwerin muss der französische König Ludwig XIV. (1643–1715) eine nicht geringe Faszination ausgeübt haben, die sicher vordergründig dessen Herrschaftsund Lebensstil betraf. Seine Orientierung nach Frankreich ist aber ebenso als Ausdruck realpolitischer Gegebenheiten zu verstehen. Immerhin waren alle Versuche des Herzogs gescheitert, sich sowohl in seinen innen- als auch außenpolitischen Zielsetzungen der Unterstützung des Kaisers zu versichern.6 Um das angestrebte Bündnis umsetzen zu können, wurde auch die Religion bemüht. Aus dem protestantischen Mecklenburg kommend, konvertierte der Herzog im September 1663 zum katholischen Glauben.7 Ein solcher Schritt beförderte wiederum seine Aufnahme in die bedeutendsten französischen Orden, obwohl für ihn als Ausländer eine solche Voraussetzung zumindest beim Orden vom Heiligen Michael, nicht zwingend notwendig war.8 Am 4. November investierte König Ludwig XIV. den mecklenburgischen Herzog in den Orden vom Heiligen Geist; tags zuvor war seine Aufnahme in den Michaelsorden erfolgt.9 In freudiger Erwartung dieser Feierlichkeiten hatte er seinen Räten bereits am 2. November mitgeteilt:
Und darbei wird’s gewiß nicht bleiben. Es wird allen Benachbarten verwundern und Mich bei ihnen mehr considerable mache, geschweige was Güstrow (mit Gustav Adolf, seinem Cousin und Herzog von Mecklenburg-Güstrow, stand er auf Kriegsfuss – T. F.) und Wolfenbüttel dazu sagen werden. Ebenso erwartete er dadurch mehr gütige Bezeigung, Affektion, Allianz und Conföderation.
Seine Wahl zum Ordensritter brachte Christian Louis einen immensen Zuwachs an symbolischem Kapital, das umso mehr Gewinn abwarf, je stärker die öffentliche Wahrnehmung abgesichert war. Auf seinen danach geprägten Gold- und Großsilbermünzen ist nun selbstredend der gekrönte mecklenburgische Wappenschild von den Insignien der beiden Orden umgeben (Abb. 1).10

Abb. 1: Herzog Christian I. Louis von Mecklenburg-Schwerin, Taler 1670, Ø 45 mm
Mit einem genau so gestalteten Wappen versah Pierre Lombard (um 1613–1682) seinen den Herzog zeigenden Kupferstich von 1670 (Abb. 2).11 Trägt hier der Dargestellte selbst keine Ordensinsignien, so gibt es ein gemaltes Porträt von Charles Beaubrun (1604–1692), auf dem sich das abgebildete Kleinod problemlos als das des Ordre du Saint-Esprit identifizieren lässt (Abb. 3).12 Ein zum Verwechseln ähnlich komponiertes Gemälde von Claude Lefèvre (1632–1674) zeigt den Sonnenkönig – auf seinem Harnisch in exakt gleicher Ansicht der Orden.13 Fand das neue Wappen über das Münzbild sicher weite Verbreitung, werden dagegen nur wenige zur Kenntnis genommen haben, dass Christian Louis auch seine Intitulatio durch den Zusatz „Ritter der Orden des allerchristlichsten Königs“ ergänzte und entsprechende Siegeländerungen vornahm.14 Ähnlich wird es bei seinen Waffen gewesen sein, die er mit dem neu dekorierten Wappen kennzeichnen ließ – und dennoch verzichtete er nicht darauf. Hierzu zählt eine doppelläufige Pistole des französischen Büchsenmachers Bertrand Piraube (tätig um 1686–1705), der zu den bedeutendsten Meistern seines Faches gehörte. Seine Arbeiten versah er mit der Signatur PIRAUBE AVX GALERIES A PARIS, da er als königlicher Hofbüchsenmacher im Louvre ein eigenes Atelier besaß.15 Noch heute eindrucksvoll und im Thronsaal des Schweriner Schlosses zu bewundern, ist eine Tapisserie in der Größe von ca. 2,30 x 2,30m, die der Mecklenburger in Auftrag gab und die sein Wappen mit den französischen Orden zur Schau stellt.16

Abb. 2: Pierre Lombard, Bildnis des Herzogs Christian I. Louis von Mecklenburg-Schwerin, 1670, Kupferstich, 38 x 30 cm (man achte auf den Orden vom Heiligen Geist und den Michaelsorden)

Abb. 3: Charles Beaubrun, Bildnis des Herzogs Christian I. Louis von Mecklenburg-Schwerin, Öl auf Leinwand, 119 x 95 cm (man achte auf den Orden vom Heiligen Geist)
Auf jeden Fall wird deutlich, wie sehr Christian Louis daran gelegen war, aus diesen Ordensmitgliedschaften den größtmöglichen Prestigegewinn zu ziehen. Eine kursorische Inaugenscheinnahme der fürstlichen Münzen im Heiligen Römischen Reich offenbart, dass Herzog Christian Louis durchaus innovativ vorgegangen ist. Bis dato findet sich auf Münzen eigentlich nur der Orden vom Goldenen Vlies, ob nun bei Geprägen Albrecht von Wallensteins (1583–1634)17 oder – ein anderes zeitgleiches Beispiel – Pfalzgraf Wolfgang Wilhelms, Herzog von Neuburg und Jülich-Berg (1614–1653).18 Der Mecklenburger könnte sich daran orientiert haben, indem er anstatt der Kette mit dem Widderfell die Zeichen der zwei französischen Orden in das Rückseitenbild seiner Münzen integriert hat. Eine Anleihe bei den Münzen seines französischen Vorbilds Ludwigs XIV. scheidet aus, da auf ihnen das gekrönte Wappen bar aller Ordenszeichen erscheint.19 Eine interessante Parallele zwischen Christian Louis und Wolfgang Wilhelm20 besteht darin, dass beide zum katholischen Glauben wechselten und ihnen unmittelbar danach die Aufnahme in einer Ordensgemeinschaft gewährt wurde. Diese Situation ließ bei den Konvertiten ein verstärktes Bedürfnis wachsen, ihre Herrschaft zu legitimieren, was sie zu besonderen Anstrengungen antrieb. Münzen konnten dabei äußerst hilfreich sein.
Noch einmal kam Herzog Christian I. Louis im wahrsten Sinne des Wortes mit einem französischen Orden in Berührung, als er am 8. Januar 1670 in einer öffentlichen Versammlung im Regensburger Dom dem französischen Gesandten Robert de Gravel die Insignien des Michaelsordens übergab.21 Nicht ohne Selbstzufriedenheit hielt er fest:
Gleich anitzo komme Ich aus der Kirchen und habe den Gravel zum Ritter geschlagen. Es ist sehr wohl abgegangen, in presence vieler Kur- und Fürstlichen Gesandten. Es ist ein überaus großer Zulauf von Dames und Cavalir gewesen.22
Ein solcher von König Ludwig XIV. bewusst inszenierter zeremonieller Akt war als Machtdemonstration gegenüber dem Reichstag als einer der zentralen Einrichtungen des Reiches angelegt, denn immerhin agierte mit dem Mecklenburger ein Reichsfürst stellvertretend für den französischen König bei dieser Solennität von beachtlicher Wirkmächtigkeit. Selbst nach seinem Tod 1692 wurde das Kapitel „Christian Louis und die französischen Orden“ mit einem Epilog fortgeschrieben. Mit den ihm zuteil gewordenen Mitgliedschaften verband sich schließlich eine solch symbolische Repräsentation von Macht, dass seine Nachfahren nicht bereit waren, den eigentlichen Gegenstand der Machtvisualisierung – so wie es vorgeschrieben war – wieder an das Ordenskapitel zurückzureichen. In einer Notiz aus dem Jahr 1695 beklagte sich der französische Botschafter in Hamburg darüber, dass die herzogliche Familie das „collier de l’ordre“, das König Ludwig XIV. dem verstorbenen Herzog verliehen habe, nicht herausgeben will.23
Inwieweit Orden mit Wappen eine Verbindung eingehen, ist nicht zuletzt eine heraldische Fragestellung. Als sogenannte Prunk- oder Prachtstücke ergänzen sie das Vollwappen; sind also Beigaben, die von außen in die Heraldik kommen und grundsätzlich entbehrlich sind.24 Was die Präsenz von Orden auf (Wappen tragenden) Münzen angeht, nur so viel: Feste Regeln lassen sich zumindest bis weit in das 18. Jahrhundert nicht ablesen. Ordenszeichen wurden den Wappen hinzugefügt oder auch nicht. Carl Teske, der im offiziellen Auftrag des Mecklenburg-Schweriner Großherzogs Friedrich Franz III. (1883–1897) die Wappen des Hauses Mecklenburg beschrieb, widmete den Orden gerade einmal 20 Zeilen.25 Sein Kommentar: Es war vielfach (!) gebräuchlich, denjenigen fremdherrlichen Orden, deren Inhaber die betreffenden Fürsten waren, den Wappen derselben hinzuzufügen. Dass keine zwingende Notwendigkeit bestand, lässt sich mit Hilfe einer simplen Vorgehensweise veranschaulichen: zuerst ein Blick in die Verleihungsliste eines Ordens und dann ein zweiter auf die Münzen des jeweiligen Fürsten. In Ermangelung eines aussagekräftigen Beispiels aus Mecklenburg sei auf einen „Nachbarn“ verwiesen, der sich zudem mit Münzen bestens auskannte: Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Lüneburg (1704–1714). Schon auf seiner ersten Kavalierstour 1655 schrieb er aus Straßburg, dass er angefangen habe, Münzen zu sammeln.26 Im Jahr 1700 zählte man seine Sammlung in Wolfenbüttel zu den berühmtesten Münzkabinetten Europas. Der Herzog wurde zwar am 9. Januar 1693 in den dänischen Elefantenorden aufgenommen (Nr. 151),27 sein fünffach behelmtes 14feldiges Wappen auf den Rückseiten seiner Münzen ist jedoch ohne entsprechende Ordenszeichen geblieben.28 Gleichwohl prangt seine Devise als Ritter dieses Ordens, nämlich „Constanter“, auf verschiedenen von ihm verausgabten Talern.29 Inwieweit Anton Ulrich die am 1. Dezember 1693 neu erlassenen Statuten des Elefantenordens kannte, sei dahingestellt. Nach Paragraph 7 musste jeder Ordensbruder, solange er lebte, das Ordenszeichen in seinem Wappen führen, damit jeder wisse, dass er Mitglied dieses Ordens sei.30 Zumindest bei Wappendarstellungen auf Münzen ist diese Verpflichtung wohl nicht mit dem erforderlichen Nachdruck umgesetzt worden – selbst dänische Könige als die Ordenssouveräne legten mitunter keinen Wert darauf.31 Vergegenwärtigung von Herrschaft funktionierte nun einmal nicht ohne den Fürsten; er entschied darüber, welche Möglichkeiten genutzt wurden. Ordenszeichen konnten hinzugefügt oder weggelassen werden. Über die in Ordensstatuten festgelegten Normen setzte man sich dabei ohne zu Zögern hinweg: Sei es nun, wie beim Elefanten...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Ernst Münch: Vorwort
- Andrea Bärnreuther: Rostock – Hafen der Wissenschaften. Ideen, Visionen und Planungen der Universität Rostock auf dem Weg zum Doppeljubiläum
- Torsten Fried: Fürstliche Repräsentation im Doppelpack Orden auf Münzen
- Wolf Karge: Fritz-Reuter-Nationalmuseum in Schwerin – eine unverwirklichte Idee
- Angela Ziegler: Vom Wachsen, Werden und Kämpfen um die Bewahrung und Verbreitung des Thünenerbes
- Der Festungskurier: Themen der Tagungen
- Impressum
Häufig gestellte Fragen
Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Erfahre, wie du Bücher herunterladen kannst, um sie offline zu lesen
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
- Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
- Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Wir sind ein Online-Lehrbuch-Abo, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 990 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Erfahre mehr über unsere Mission
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Erfahre mehr über die Funktion „Vorlesen“
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Ja, du hast Zugang zu Der Festungskurier Band 14 von Kersten Krüger im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus Geschichte & Weltgeschichte. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.