Weiß auch ich, dass ich nichts weiß?
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Weiß auch ich, dass ich nichts weiß?

Gedanken zu Sokrates und Platon

  1. 32 Seiten
  2. German
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  4. Über iOS und Android verfügbar
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Weiß auch ich, dass ich nichts weiß?

Gedanken zu Sokrates und Platon

Über dieses Buch

Anhand der "Apologie des Sokrates" Platons sowie seiner Dialoge Euthyphron, Theätet, Kriton, Phaidon und des Höhlengleichnisses aus dem "Staat" wird der Frage nachgegangen, was es mit dem Ausspruch des Sokrates "Ich weiß, dass ich nichts weiß" auf sich hat.

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Information

Jahr
2018
ISBN drucken
9783848257850
eBook-ISBN:
9783848248148
Dies ist der fünfte Vortrag, den ich hier im Museum halte: Thema der drei ersten waren Schriftsteller und Gelehrte aus dem alten Rom des ersten Jahrhunderts nach Christus. Im vierten ging es um die Insel Atlantis, von der uns der griechische Philosoph Platon erzählt hat. Von ihm und seinem großen Vorbild und Lehrer Sokrates soll heute die Rede sein.
Das meiste, was wir von Sokrates wissen, geht auf Berichte seiner Schüler zurück und ist historisch nicht sicher bezeugt. Vieles davon ist verloren gegangen, anderes von verschiedenen Autoren unterschiedlich überliefert. Die meisten Angaben über ihn finden wir bei Platon; dabei ist es oft recht schwer zu unterscheiden, was wirklich auf seinen Lehrer Sokrates zurückgeht und was seiner eigenen Darstellung geschuldet ist. Sokrates selbst hat nämlich nichts Schriftliches hinterlassen. (Die Situation ist in etwa vergleichbar mit der von Jesus, über den wir auch aus verschiedenen Quellen einiges wissen, ohne immer sicher sein zu können, ob es historisch verbürgt ist.)
Trotzdem will ich hier mit dem beginnen, was wir aus dem Leben des historischen Sokrates wissen, und erst dann dazu übergehen, Ihnen sein Wirken und seine Lehre, wie wir sie von Platon vorgetragen bekommen, vorzuführen. Dabei verzichte ich darauf, auch nur zu versuchen, die Lehren beider Philosophen auseinanderzuhalten. Das ist nämlich in der Wissenschaft schon oft vergeblich versucht worden. Ich halte den Tatbestand für sehr gravierend, dass Platon von der Begegnung mit Sokrates so beeindruckt war, dass er darauf sein ganzes Leben nur noch der Philosophie widmete, anstatt eine politische Karriere anzustreben, wie es seinem Stand angemessen gewesen wäre. Ich nehme an, dass Platon seinen Lehrer, den er in fast allen seinen Werken zum Hauptgesprächsführer macht, so dargestellt hat, wie er ihn erlebt hat und wie es dessen Denken und Handeln entspricht.
Historisch sicher ist nur der Tod des Sokrates im Jahre 399 vor Christus; wie Sie sicher alle wissen, ist er vom höchsten Gericht in Athen wegen seines öffentlichen Wirkens zum Tode verurteilt worden. Da man auch weiß, dass er in seinem 70. Lebensjahr starb, kann man auf sein Geburtsjahr schließen: 470 oder 469 v. Chr.
Sein ganzes Leben hat er in seiner Heimatstadt Athen verbracht, mit Ausnahme der Zeiten, in denen er auf Feldzügen seine Bürgerpflicht erfüllte (Potidaia, Delion, Amphipolis). Denn in seine Lebenszeit fiel der Peloponnesische Krieg (431-404), den das demokratische Athen gegen das aristokratische Sparta um die Vorherrschaft in Griechenland führte. Sparta siegte, wodurch auch in Athen die Demokratie merklich erschüttert wurde. In diese Zeit fällt auch eine – gut belegte – Begebenheit, die sich ereignete, als Sokrates – ein einziges Mal in seinem Leben – einer von 50 Prytanen, also athenischer Ratsherr war: Im Jahr 406 hatte bei den Arginusen – das sind drei Inseln im Ägäischen Meer südlich von Lesbos – eine Seeschlacht zwischen Athen und Sparta stattgefunden. Am Ende dieser für Athen siegreichen Schlacht war ein starker Sturm aufgekommen, so dass sich die athenischen Feldherren dazu gezwungen sahen, die Bergung der Toten und Schiffbrüchigen abzubrechen. Daraufhin hatte die Volksversammlung die Hinrichtung der Feldherren verfügt. Sokrates verweigerte sich als einziger Prytane diesem Beschluss, weil er nach seiner Ansicht rechtswidrig war. Dem Bericht über diese Begebenheit kann man schon viel über seine Geradlinigkeit entnehmen.
Fest steht auch, dass Sokrates eine Wende in der Philosophie herbeigeführt haben muss; denn die Philosophen, die vor seiner Zeit wirkten, werden bis heute Vorsokratiker genannt. Sie hatten sich vor allen Dingen mit Natur und Kosmos und ihrem Entstehen befasst, während Sokrates die Philosophie „vom Himmel auf die Erde herabholte“, wie es der Römer Cicero einige hundert Jahre später ausdrückte. Von nun an befasste man sich in erster Linie mit Problemen der Lebenspraxis, mit den Problemen also, die den Menschen und sein soziales Umfeld betreffen.
Ganz zutreffend ist es allerdings nicht, dass dieses Umdenken erst mit Sokrates begonnen haben soll; denn kurz vor seiner Zeit und auch noch gleichzeitig mit ihm hatten sich – vor allem in Athen – die sogenannten Sophisten als Weisheitslehrer etabliert. Auch sie hatten diese Fragen schon im Blick. Sie zogen umher und lehrten gegen hohes Honorar. Sie kümmerten sich hauptsächlich um die Söhne aus vornehmen Elternhäusern, denen sie...

Inhaltsverzeichnis

  1. Widmung
  2. Vorwort
  3. Textbeginn
  4. Literatur
  5. Impressum

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