Meine Wolle Kriwanek-Story
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Meine Wolle Kriwanek-Story

Eine besondere Begegnung

  1. 124 Seiten
  2. German
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Meine Wolle Kriwanek-Story

Eine besondere Begegnung

Über dieses Buch

Wird ein Schwabe zwischen dreißig und vierzig gefragt: Kennst du Wolle Kriwanek? dann kommt meist die Antwort: Na klar! Doch will man von diesem Schwaben mehr über Wolle Kriwanek wissen, erhält man nur verwässerte Antworten. Klar ist lediglich, dass Wolles Hit - und Ohrwurmliste lang ist. Für viele Schwaben sind seine Songs schon neue Volkslieder.Der Autor, möchte mit diesem Buch den Schwäbischen Liedermacher, den Musiker der Rock, Blues und Jazz seit dreißig Jahren vereint, genauer durchleuchten.

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Information

Jahr
2017
ISBN drucken
9783868123692
eBook-ISBN:
9783868123708

COMEBACK ALS LEHRER

1986 war es für Wolle keine ganz einfache Zeit, weil er sich entscheiden mußte, was er machen sollte. Sollte er seine Musiklaufbahn an den Nagel hängen und wieder zurück zur Schule gehen? Was ihm die Entscheidung leichter machte, war die Tatsache, daß seine damalige Plattenfirma, die „Ariola“, Wolle und seiner Band Songs vorschreiben wollten, die sie eindeutig in die Schlagerecke gedrückt hätten. Zudem wollte Ariola alles ganz genau vorgeben, was die Kriwanek- Band zu tun und zu lassen hätten. Darauf ließen sich aber die Musiker nicht ein und Wolle sagte: „Nein, so nicht, dann gehe ich lieber wieder zurück zur Schule.“ Und kündigte einen gut dotierten drei Jahres Plattenvertrag. Doch bei der Entscheidung, wieder als Lehrer sein Brot zu verdienen, spielte auch eine Rolle, dass die Verkaufszahlen von Wolles Platten zurück gingen, weil das Schwäbische zu diesem Zeitpunkt weitgehend ausgelutscht war.
Als Wolle eines Abends mit einem Freund in einer Kneipe saß, kam ein ehemaliger Studienkollege auf ihn zu und fragte ihn, was er denn gerade so machen würde? Wolle erzählte ihm, dass er gerade auf der Suche sei nach einer neuen Schule. Daraufhin schlug ihm der frühere Studienkollege vor, sich in der Bodenwald- Schule zu bewerben, in der er auch unterrichten würde.
Schon am nächsten Morgen rief ihn der Kon-rektor der Schule an und sagte zu ihm: „Mensch Wolle, du kennst mich vielleicht nicht, aber ich kenne dich noch aus der Studienzeit. Komm doch mal vorbei und schaue unsere Schule an. Es könnte dir ja vielleicht Spaß machen, bei uns anzufangen.“
Wolle besichtigte die Schule, redete mit einigen Lehrern, die dort beschäftigt waren, bewarb sich und erhielt die Stelle. Bis zum heutigen Tag unterrichtet er an der privaten Bodenwald- Schule eine Sonderschule für Erziehungshilfe, am Heim, deren Träger die Diakonie ist. Aber obwohl Wolle an einer privaten Sonderschule unterrichtet, besitzt er noch seinen Beamtenstatus. Da er an einer privaten Schule arbeitet, ist er zwar noch vom Staatsdienst beurlaubt, jedoch im Interesse des Bundeslandes Baden- Württemberg, „zum Dienst an einer privaten Sonderschule“.
Bei dem Comeback als Lehrer war es für Kriwanek auch schwierig, weil er das Gefühl hatte, dass nun seine Jugend und seine Sturm- und- Drang- Zeit vorbei waren und dass er nun „vernünftig“ werden musste und deshalb wieder als Lehrer arbeiten sollte.
Was ihm aber zusätzlich schwer zu schaffen machte, waren die Presseberichte, die zum Teil lauteten: „Der Versager des Jahres.“ In diesen Berichten haben die Journalisten sein Comeback als Lehrer oft als Versagen als Musiker ausgelegt, aber ohne dabei über die Hintergründe zu berichten.
Es gab auch einige Leute, die fragten: „Warum hast du nur Schwäbisches gemacht? Denn schließlich hat Schwäbisch eh noch nie eine große Zukunft gehabt. Hättest du Englisch oder zumindest Hochdeutsch gesungen, dann hättest du ganz andere Chancen bekommen, um weiterhin als Profimusiker Geld für deinen Lebensunterhalt zu verdienen.“
Wolle wollte zwar weiterhin Profi- Musik machen, aber nicht um jeden Preis, denn er wollte mit seiner Band die Musik machen, mit der sich alle vier Musiker identifizieren konnten, und deshalb war damals für Wolle Hochdeutsches oder Englisches einfach nicht denkbar. Zudem war er bisher mit der Band als „Berufsschwabe“ unterwegs, und zum einen wollte das Publikum von ihm nichts anderes hören, und zum anderem konnte sich Wolle einfach nicht von seinen schwäbischen Wurzeln ganz trennen.
Zu dieser Zeit kam aber dann der glückliche Umstand, dass er für das Rundfunk- Kabarett des SDR „Blitzableiter“ nur hochdeutsche Texte schrieb, was dazu führte, dass Wolle sich langsam entschlossen hatte, die nächste Platte nur in Hochdeutsch aufzunehmen, die unter dem Titel „So und nicht anders“ erschienen ist.
Wolle Kriwanek hatte aus Überzeugung den Lehrer- Beruf ergriffen und ist bis heute mit Leib und Seele dabei. Dass die Musik so erfolgreich dazwischen kam, war nie geplant und überwiegend Paul Vincent zu verdanken.
Wolle hatte sich die ganze Zeit über auch immer als Lehrer gefühlt. Deshalb war es für ihn nicht so tragisch, seine Profikarriere zu beenden und wieder zurück in die Schule zu gehen.
Die Zeit als Profi- Musiker sah Wolle immer als ein gut bezahltes Hobby an. Er kannte aber auch genug hervorragende Musiker, die mit der Musik kaum Geld verdienten und deshalb zum Beispiel morgens im Großmarkt gejobbt hatten, um abends auf der Bühne zu stehen. Doch für Wolle kam das einfach nicht in Frage, weil er Gott sei Dank einen Beruf hat, den er über alles schätzt. Da lag es für ihn nahe, wieder als Lehrer zu arbeiten und parallel dazu seine Musik zwar nicht mehr hauptberuflich auszuüben, aber dafür nebenher auf professionelle Weise.
Wolle Kriwanek ist mit Leib und Seele Lehrer und hat einen engen Bezug zu seinen Schülern. Probleme gibt es natürlich immer wieder, mit Schülern, die in Wolles Schule gehen. Dort werden überwiegend Lernbehinderte und erziehungsschwierige Kinder unterrichtet, die schon größeren Streß machen können als Schüler von herkömmlichen Regelschulen. Doch Wolle versucht auf seine pädagogische Weise, den Problemen entgegenzutreten, da ist natürlich einmal die Musik, durch die er die Schüler sehr gut erreichen kann, zum anderen macht er aber seit Anfang der 90er Jahre verstärkt erlebnispädagogische Unternehmungen.
Wolle hatte immer schon eine große Liebe zu England, weshalb er kurz nachdem er wieder in den Schuldienst trat, einen Kontakt zu einer Schule in England geknüpft hatte, die vergleichbare Jungen unterrichtet wie die Bodenwald Schule, um eine Schulpartnerschaft zu knüpfen. Seit 1988 finden nun regelmäßig Schüleraustausche statt, und weil der Kontakt so intensiv ist und viele unterschiedliche Facetten hat, gab es sogar schon einen Europapreis.
In Zusammenhang mit der Partnerschaft war Wolle zum Beispiel mit den englischen und seinen Schülern drei Wochen wild campen an der Nordspitze Schottlands. Aber es wurden auch in Deutschland Skilandschulheime veranstaltet, oder englische Schüler kamen auch schon, um Betriebspraktikas in deutschen Firmen zu machen.
Ein tolles Erlebnis war, als Wolle, der sehr eng mit dem früheren Fußballnationalspieler Jürgen Klinsmann befreundet ist, ihn einmal gefragt hatte, ob er ihn mit einer Schülergruppe im Training besuchen dürfe. Damals spielte Jürgen Klinsmann in einer englischen Mannschaft (Tottenham Hotspurs) und war in England Sportler des Jahres gewesen und der Fußballer überhaupt. Doch Jürgen antwortete: „Nein. Denn weißt du was, Wolle? Wir drehen den Spieß um und ich besuche die Schüler einfach in der Schule, das gibt ihnen viel mehr.“
Die beiden machten einen Termin aus und verbrachten gemeinsam einen ganzen Tag in der Schule. Das wurde ein grandioses Erlebnis für die Schüler.
Zwischendurch spielte Jürgen mit den Kindern ein Fußballspiel. Während des Spieles passierte für alle Insider etwas ganz Ungewöhnliches. Ein Junge mit stark autistischen Verhaltensmerkmalen, das heißt, eine nahezu unüberwindbare Sperre, Kontakt zu Menschen zu suchen und aufnehmen zu können, zog immer engere Kreise um Jürgen, scheinbar ohne ihn dabei zu beachten. Jürgen bemerkte das trotz des Trubels sehr bald und kickte dem Jungen einen Ball zu und der spielte ihn tatsächlich zurück, immer wieder.
Alles wirkte so beiläufig. Später bei weiteren Gesprächen mit den Schülern war es tatsächlich so weit, der Junge stand direkt neben Jürgen, und es war eine unverhoffte Kontaktaufnahme geknüpft.
Aufgrund dieses Erlebnisses lag es wahrscheinlich für Jürgen Klinsmann auch nahe, dass er einen schönen Geldbetrag, der 1999 bei seinem Abschiedsspiel zusammen kam, speziell für den Erhalt dieses Schüleraustausches zukommen ließ.
Im Zusammenhang der Erlebnispädagogik geht Wolle oft mit seinen Schülern auf die Schwäbische Alb, um Höhlenbegehungen zu machen, und zwar nicht Begehungen wie zum Beispiel die in der Bärenhöhle, wo Lampen an den Wänden hängen, sondern Höhlen, bei denen die Schüler auf ihre Taschenlampen angewiesen sind.
Einmal ging er sogar mit seiner Klasse in die „Falkensteiner Höhle“, die eine wasserführende Höhle ist, tauchen. Ein andermal machte Wolle mit den Schülern eine Kanalbootfahrt in Frankreich. Dabei war für die Kinder ein tolles Erlebniss, dass sie selber schippern und schleusen durften.
So macht Wolle bis heute immer wieder mit seinen Schüler erlebnispädagogische Unternehmungen. Denn die Erlebniss-Pädagogik liegt ihm besonders am Herzen, und er versucht sie auch sonst im Unterricht einfließen zu lassen, weil es gerade den Mädchen und den Jungen, die Wolle unterrichtet, oft an einem gesunden Selbstvertrauen fehlt. Zwar entsteht oft der Eindruck, als hätten sie ein starkes Selbstbewußtsein, weil sie wild und heftig auftreten, doch das Verhalten dient meist, um Unsicherheit und Ängste zu verdecken.
Das Ziel, das Wolle mit der Erlebniss - Pädagogik verfolgt, ist, den Kindern ein Stück Selbstvertrauen, zurückzugeben, damit sie lernen, sich auf sich selbst verlassen zu können und ihre Fähigkeiten im Alltag besser einzuschätzen.
Bei der Arbeit sieht Wolle selbstverständlich nicht schon am Ende eines Arbeitstages das Ergebnis, das er mit den Schülern geleistet hat, so wie zum Beispiel jemand, der an einer Maschinen oder im Finanzamt arbeitet, sondern er sieht es oft erst im Laufe von einem oder sogar mehreren Jahren. Was natürlich zu Tiefs und Frustrationen führen kann, weil es auch durchaus vorkommt, dass er über längere Zeit keine unmittelbaren Erfolge sieht. Doch mit der Zeit zeigen sich dann kleine Erfolge, die bestätigen, dass wenn man länger an der Konzeption festhält und mit den Schülern intensiv arbeitet, es letzten Endes doch funktioniert.
Einmal durfte Wolle überzeugende Ergebnisse sehen, als er ein und dieselbe Klasse vom 5. bis zum 9. Schuljahr durchgezogen hatte. Mit diesen Schülern aus dieser Zeit hat er bis auf wenige Ausnahmen bis heute noch einen sehr engen Kontakt, der auch sehr persönlich ist und sich wahrscheinlich auch nie ganz verlieren wird.
Die Erlebnis-Pädagogik ist eine kostspielige Angelegenheit. Deshalb ist Wolle auch immer auf der Suche nach Geldgebern, für weitere Aktivitäten und Unternehmungen. Denn bedauerlicherweise muß vieles selber finanziert werden, weil von öffentlichen Stellen nur bedingt finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden.
Bei vielen positiven Erlebnissen muß Wolle aber auch bedauerlicherweise immer wieder mit ansehen, wie ehemalige Schüler nach der Schulzeit auf die schiefe Bahn gerate...

Inhaltsverzeichnis

  1. Widmung
  2. Motto
  3. Inhaltsverzeichnis
  4. Vorwort
  5. Einleitung
  6. Die Eltern
  7. Kindheit
  8. Jugend und Schulzeit
  9. Studienzeit
  10. Die erste richtige band „Muli and his Missfits“
  11. Schwäbische Gehversuche
  12. Paul Vincent- mehr als ein weggefährte
  13. Wolle Kriwanek und Vincents Fliegerner Rock & Roll Zirkus
  14. Wolle als Filmstar
  15. Die Karriere Läuft an
  16. Familie
  17. Der Durchburch
  18. Die Karriere hält sich mit einigen Tiefs
  19. Comeback als Lehrer
  20. Comeback aus der Funkstille
  21. Der sozial- und gesellschaftlich engagierte
  22. Stimmband
  23. Älteres und Neueres
  24. Quellen
  25. Discografie
  26. Bildernachweis
  27. Impressum

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