Satirische Lyrik und kritische Kurzprosa zu den gesellschaftlichen Verhältnissen und zur Religion.

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Information
Das Kreuz mit dem Kreuz
oder
Humanistische Aufklärung statt Religionspropaganda
Deutschlandradio Kultur – vorher Berlin, davor RIAS (West) und DS (Deutschlandsender) Kultur (Ost) – hat sich ordentlich gemausert: Empfang deutschlandweit und – werbefrei. Während des Kalten Krieges erreichte der RIAS Berlin und etwas DDR um Berlin herum, ein bayrischer Ableger München. Der Deutschlandsender, zwischendurch zusammen mit der Berliner Welle in Stimme der DDR umbenannt, sollte als Gegenstück zum Deutschlandfunk in Köln – heute auch unter dem Dach des Deutschlandradios – Schwestern und Brüdern in der BRD den DDR-Sozialismus schmackhaft machen. Das ist, wie bekannt, damals nicht so recht gelungen.
Wenn ich mich nicht irre, spielten früher beim Deutschlandsender und auch beim RIAS religiöse Sendungen kaum eine Rolle. Heute dagegen hört man im Deutschlandradio Kultur alle naselang irgendeine Kirchenfürsten-Befragung, irgendwelche Religionsnachrichten oder gar „Gottes Wort“. Ahnungslose Zeitgenossen könnten bei solcherart Religionspropaganda meinen, ganz Deutschland hätte tagein tagaus nichts anderes im Sinn, als in irgendeine Kirche zu rennen. Doch ist das die heutige deutsche Wirklichkeit?
Nach Erhebungen der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) im November 2006 ergab sich für die Religionszugehörigkeit in der BRD folgendes Bild:
| Religionsfrei | 32,5 % |
| Römisch-katholisch | 31,0 % |
| Evangelisch | 30,8 % |
| Sonstige | 5,7 %. |
Während Katholiken und Evangelen in den Rundfunkräten Sitz und Stimme haben, ist die große Gruppe der Religionsfreien dort nicht vertreten. Diese Nichtvertretung findet auch immer mehr im Politischen Feuilleton von Deutschlandradio Kultur seinen Niederschlag. Namen wie Oskar Lafontaine, Gregor Gysi, Friedrich Schorlemmer, Michael Schmidt-Salomon, Horst Herrmann oder Karlheinz Deschner sind dort nur noch selten oder nie zu finden.
Jüngstes Beispiel für diese Entwicklung ist das Feuilleton vom 24.12.2007. „Copyright für christliche Symbole!“, fordert Astrid von Friesen. „Warum feiern Un-Gläubige nicht einfach ihre eigenen Feste?“, fragt sie empört. Da wäre zunächst zu klären, was denn „Un-Gläubige“ sind. Nach christlichem – oder, allgemeiner, religiösem – Verständnis sind Ungläubige jene Menschen, die nicht an einen der vielen Götter (Katholiken-, Evangelen-, Juden-, Muslimen-Gott usw.) glauben; korrekt handelt es sich aber um Nicht-Gottgläubige. Ihre Zahl wird in Deutschland ständig größer und könnte in zwanzig Jahren mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen. Und unsere „eigenen Feste“ würden wir immer noch feiern, wenn die, überwiegend aggressiv, missionierenden Christen unseren heidnischen Vorfahren nicht ihren Christuskult nebst zugehöriger Feiertage aufgezwungen hätten.
Auch das wunderschöne, selbst jedem nicht gottgläubigen Humanisten zu Herzen gehende Christenlied „Stille Nacht, heilige Nacht“ gönnt die engherzige Christin den „Ungläubigen“ nicht. Da sind wir Humanisten großzügiger: Von mir aus könnte Astrid von Friesen die „Internationale“, „Brüder zur Sonne zur Freiheit“ oder alle anderen Arbeiter- und Kampflieder jeden Tag dreimal singen, da hätte ich überhaupt nichts dagegen.
Der „aufgeweichte“ Sonntag liegt nicht nur den Kirchenoberen, sondern auch AvF am Herzen. Glaubt sie doch besagter Sonntag wäre den Menschen vor über 3500 Jahren „in den Zehn Geboten sozusagen von Gott“ geschenkt worden. „Sozusagen.“ Ganz sicher ist sie sich nicht; na ja, ist ja auch schon ’ne Weile her. Der Sonntag – also, das ist eine lange Geschichte. Schließlich haben die Sozis der Weimarer Republik 1919 im Artikel 139 der Weimarer Reichsverfassung folgendes festgelegt: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.“ Und dieser herzerwärmende Seelentröster wurde unverändert in Artikel 140 des Bonner Grundgesetzes von 1949 übernommen. Also ich kann mit dem „Erhebungs-Sonntag“ gut leben. Der Sonntag ist meistens mein Schlampertag. Ob sich aber die Forderung der Kirchenmänner nach Sonntagsruhe auf Dauer gegen die Profitgier der Ackermänner durchsetzen wird, wage ich zu bezweifeln.
„Und wie wäre es“, fragt Frau von Friesen schließlich, „wenn Engel, Weihnachtsbäume und jede Wiederholung von ‚Stille Nacht, heilige Nacht’ mit einem Copyright belegt wäre, die Verwendung also – wie bei jedem Musik-Hit – bezahlt werden müsste ...“ Ich denke, das wäre gut, wenn auch nicht für die Kirchen, denn beim Geld hört ja bekanntlich die Freundschaft auf. Ein Christen-Copyright würde die Austrocknung der Kirchen vermutlich beschleunigen. Ich mache mir nichts aus Weihnachtsengeln und Weihnachtsbäumen, auch von den Weihnachtsliedern gefallen mir nur wenige. Auf Weihnachtsgeschenke kann ich gut und gerne verzichten. Dennoch wünsche ich mir von Deutschlandradio Kultur Aufklärung statt Religionspropaganda, und zwar ganzjährig – nicht nur zu Weihnachten.
Dezember 2007
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Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Zum Geleit
- Reichtum und Armut in Deutschland 2009
- Reichtum und Armut in der Welt 2009
- Lied der Partei
- Die Partei – 2003
- Der Teufel in Brandenburg
- Das Lied von Berlin
- Friedenslied 2003
- Ossi, die NATO und der Frieden
- Ami, go home!
- Ami go home 2003
- Deutschland, Europa und die NATO
- Nordatlantikvertrag
- Ossi, Nazi und das rechte Auge
- Die CDU ist nicht per du
- zipperts wochenschau: Links-TV
- Das Kreuz mit dem Kreuz
- Impressum
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