Der lachende Mann - Vollständige Ausgabe
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Der lachende Mann - Vollständige Ausgabe

  1. 524 Seiten
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Der lachende Mann - Vollständige Ausgabe

Über dieses Buch

"Er war das Erzeugnis des Verhängnisses und der Vorsehung. Das Unglück hatte seine Hand auf ihn gelegt und das Glück auch. Zwei entgegengesetzte Schicksale bildeten sein seltsames Los. Ein Fluch lag auf ihm und ein Segen. Er war verworfen und auserwählt. Wer war er? Er wusste es nicht. Wenn er sich betrachtete, so sah er einen Unbekannten. Aber dieser Unbekannte war grausig. Gwynplaine lebte wie in einem Zustande des Geköpftseins; er trug ein Gesicht, das ihm nicht gehörte. Dies Gesicht war schrecklich, so schrecklich, dass es amüsant war. Er erregte solche Furcht, dass er Lachen erregte. Er war ein teuflischer Possenreißer."Der zehnjährige Gwynplaine, seines väterlichen Erbes beraubt, grausam entstellt und während eines Schneesturms am Strand ausgesetzt, überlebt wider alles Erwarten. Bei einem umherziehenden Gaukler findet er ein Zuhause, wächst heran, wird zum Publikumsmagneten und begegnet seiner großen Liebe. Doch dann bricht das Unerwartete über ihn herein...Eingehüllt in eine Anklage gegen die Ungerechtigkeit und Ungleichheit in Großbritanniens politischem System, entfaltet sich anhand der Geschichte des jungen Gwynplaine ein philosophisches Meisterwerk voller Menschenkenntnis und Lebenserfahrung, die exemplarische Schilderung einer tragischen Entwicklung, eines Mannes, der unschuldig zum Spielball seines Geschickes wird.Vollständige Ausgabe, 4 Bände in einem Band. Sorgfältig mit dem französischen Original abgeglichene und sprachlich schonend überarbeitete Neuausgabe der Übersetzung von Georg Büchmann aus dem Jahre 1869.

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Information

Jahr
2018
ISBN drucken
9783746099033
eBook-ISBN:
9783744867009

Victor Hugo.

Der lachende Mann.

Vierter Band.

Sechstes Buch.

Ursus in seiner Vielseitigkeit.

I.

Was der Misanthrop sagt.

N ACHDEM Ursus durch die Pforte des Gefängnisses von Southwark Gwynplaine hatte verschwinden sehen, blieb er verstört in dem Winkel stehen, wo er sich zur Beobachtung aufgestellt hatte. Noch lange dröhnte ihm das Knarren der Schlösser und Riegel in den Ohren, welches das Freudengeheul des einen Unglücklichen verschlingenden Kerkers zu sein scheint. Er wartete. Worauf? Er spähte. Wonach? Solche unerbittliche Pforten, wenn sie einmal geschlossen sind, öffnen sich nicht sobald wieder; sie sind durch ihren Aufenthalt in der Finsternis in Stokkung geraten und gelähmt, und bewegen sich schwer, namentlich, wenn es sich darum handelt, jemand in Freiheit zu sehen. Hinein immerhin! aber heraus ist etwas anderes. Ursus wußte es. Aber Warten ist etwas, womit man nicht nach Gutdünken aufzuhören vermag; man wartet wider Willen; die Handlungen, welche wir begehen, machen eine angesammelte Kraft frei, welche verharrt, selbst wenn sie gegenstandlos wird, welche sich unserer bemeistert, uns in ihrer Gewalt hält und uns zwingt, noch einige Zeit lang das fortzusetzen, was nun keinen Zweck mehr hat. Ein unnützes Belauern ist eine lächerliche Stellung, die wir alle bei Gelegenheit einmal eingenommen haben, ein Zeitverlust, den jeder auf etwas Verschwundenes aufmerksame Mensch mechanisch erleidet. Niemand entgeht diesen Erstarrungen. Man beharrt mit einer Art zerstreuter Hartnäckigkeit. Man weiß nicht, warum man an dem Orte bleibt, an dem man sich befindet; aber man bleibt. Was man aktiv angefangen hat, setzt man passiv in erschöpfender Zähigkeit, aus der man sich matt und müde aufrüttelt, fort. Ursus, obwohl von den andern Menschen so verschieden, blieb, wie jedweder andere, durch jenes träumerische Aufmerken an den Platz wie angenagelt, in welches uns ein Ereignis versenkt, das alles über uns vermag, und über das wir nichts vermögen. Er betrachtete abwechselnd die beiden Mauern, bald die hohe, bald die niedrige, bald die Pforte mit der Galgenleiter, bald die mit dem Totenkopf; er war gleichsam durch diesen aus einem Kerker und einem Kirchhof zusammengesetzten Schraubstock eingefangen. Durch die vermiedene und unbeliebte Straße gingen so wenig Leute, daß man Ursus nicht bemerkte.
Endlich trat er aus der ihn bergenden Ecke, einer Art zufälligen Schilderhauses, in dem er auf dem Posten stand, und entfernte sich langsam. Der Tag neigte sich; so lange hatte seine Wache gedauert. Von Zeit zu Zeit wendete er den Kopf um, um sich die entsetzliche niedrige Pforte anzusehen, in welche Gwynplaine eingetreten war. Sein Auge war gläsern und ausdrucklos. Er erreichte das Ende des Gäßchens, schlug eine andere Straße, dann wieder eine andere ein, und fand gedankenlos denselben Weg wieder, den er mehrere Stunden vorher zurückgelegt hatte. Dann und wann drehte er sich um, als könnte er noch immer die Gefängnistür sehen, obgleich er nicht mehr in der Straße war, wo der Kerker lag. Allmählich näherte er sich dem Tarrinzeau-Field. Die dem Jahrmarkte benachbarten öden Pfade lagen zwischen Gartenzäunen. Gebückt schritt er an den Hecken und Gräben vorbei. Plötzlich hielt er an, richtete sich empor und rief: Um so besser.
Zu derselben Zeit versetzte er sich zwei Faustschläge auf den Kopf und zwei auf die Hüften, was den Mann verrät, der die Dinge ansieht, wie sie angesehen werden müssen.
Und er brummte in seinen Bart hinein, dabei manchmal die Stimme laut erhebend:
„Es geschieht ihm recht, dem Lumpen, dem Spitzbuben, dem Rüpel, dem Taugenichts, dem Aufwiegler. So weit hat er es mit seinen Äußerungen über die Regierung gebracht, der Rebell. Ich hatte einen Rebellen bei mir zu wohnen. Ich bin ihn los. Ich habe Glück, Er war eine Gefahr für uns. Ins Loch gesteckt! Recht so. Die Gesetze sind ausgezeichnet. Der Undankbare. Ich hatte ihn erzogen. Was hat man nun von der Mühe? Wozu mußte er sprechen und schwatzen? Der mischte sich in Staatsangelegenheiten. Sieh’ einmal. Während er es mit Pennies zu tun hatte, zog er über die Steuern, über die Armen, über das Volk, über Sachen, die ihn nichts angingen, los. Er erlaubte sich Bemerkungen über die Sechser. Höhnisch und boshaft erörterte er die königliche Kupfermünze, beleidigte er die Farthing Ihrer Majestät. Ein Penny ist dasselbe wie die Königin. Und das heilige Gepräge, alle Wetter! das heilige Gepräge, ist das eine Königin oder nicht? Ehrerbietung vor ihrem Grünspan. Alles steht in der Regierung im Zusammenhang; das muß man wissen. Ich habe Erfahrung, ich habe Einsicht in die Dinge. Da kommt einer und spricht: Entsagst du denn der Politik? Liebe Freunde, um die Politik bekümmere ich mich gerade so viel, wie um die störrische Haut eines Esels. Einmal habe ich von einem Baronet einen Schlag mit dem Stock bekommen. Ich habe mir damals gesagt: Das genügt, jetzt begreife ich die Politik. Das Volk hat nur einen Farthing, es gibt ihn, die Königin nimmt ihn, das Volk dankt ihr; das ist ganz einfach. Das Übrige ist die Sache der Lords, der geistlichen und weltlichen. Hm! Gwynplaine ist unter Schloß und Riegel; er sitzt auf der Galeere. Es ist recht, billig, ausgezeichnet, verdient und gesetzlich. Es ist seine Schuld. Plappern ist verboten. Bist du ein Lord, Dummkopf? Der Wapentake hat ihn verhaftet, der Justice of the quorum ihn weggeführt, der Sheriff verwahrt ihn. In diesem Augenblicke wird ihn irgendein Sergeant absuchen. Wie diese geschickten Leute einem die Verbrechen auszurupfen verstehen! Eingesteckt, Schlingel! Schlimm für dich, desto besser für mich. Meiner Treu, ich bin es zufrieden. Ich gestehe aufrichtig, daß ich Glück habe. Welcher unsinnige Einfall, diesen Jungen und dieses Mädchen von der Straße aufzuraffen! Vorher lebten wir so ruhig, Homo und ich. Was hatten diese Strolche in meiner Bude zu suchen? Wie habe ich sie gehätschelt, als sie noch kleine Knirpse waren! Wie habe ich sie mit meinem Zugseil geschleppt! Eine nette Gesellschaft habe ich gerettet, er, grauenhaft häßlich, sie einäugig auf beiden Augen. Und ihretwegen habe ich alles entbehrt. Wie habe ich ihretwegen an den Brüsten des Hungers gesaugt. Und nun wird das groß und liebelt miteinander. Kröte und Maulwurf. Höchst idyllisch. Und das lebte in vertraulichem Verkehr mit mir. Das mußte mit der Justiz enden. Die Kröte hat über Politik gesprochen. Gut, ich bin ihrer entledigt. Als der Wapentake kam, bin ich zuerst dumm gewesen; man zweifelt immer an seinem Glück; ich habe geglaubt, ich sähe nicht, was ich sah, es wäre unmöglich, ein Alpdrücken, eine Posse, die mir ein böser Traum spielte. Aber nein, nichts ist wirklicher; es ist plastisch. Gwynplaine sitzt in aller Form. Es ist ein Streich der Vorsehung. Schönen Dank, gnädige Frau. Mit dem Aufsehen, das dieses Ungeheuer machte, hat es die Aufmerksamkeit auf meine Häuslichkeit gelenkt, und meinen armen Wolf zur Anzeige gebracht. Lebe wohl, Gwynplaine. Nun bin ich sie beide los. Denn Dea wird den Tod davon haben. Wenn sie Gwynplaine nicht mehr sehen wird – die Närrin! als ob sie ihn sähe, – wird sie keinen Grund haben, fortzuleben; sie wird sagen: Was soll ich auf dieser Welt? Sie wird gehen, auch sie. Glückliche Reise. Hol’ euch der Teufel alle beide. Ich habe sie stets verabscheut, diese Geschöpfe. Krepiere, Dea. Nein, wie zufrieden ich bin.“
II.

Was der Misanthrop tut.

ER erreichte das Wirtshaus Tadcaster.
Es schlug halb sieben, halb nach sechs, wie die Engländer sagen. Es war kurz vor dem Eintreten der Dämmerung.
Meister Nikleß stand in der Tür. Sein bestürztes Gesicht hatte sich seit dem Morgen nicht wieder in die gewöhnliche Form bringen lassen wollen, und der Schrecken war auf demselben geronnen.
Schon von fern rief er Ursus zu:
„Nun?“
„Nun was?“
„Wird Gwynplaine zurückkehren? Es ist die höchste Zeit. Das Publikum wird gleich kommen. Wird heut Abend die Vorstellung des lachenden Mannes vor sich gehen?“
„Ich bin der lachende Mann“, sagte Ursus, und blickte den Wirt mit auffallendem Grinsen an.
Dann ging er eine Treppe hoch, öffnete das Fenster neben dem Wirtshausschild, bückte sich, streckte den Arm aus, langte nach dem Anschlagzettel, worauf Gwynplaine, der lachende Mann und nach dem Anschlagebrett, worauf das besiegte Chaos stand, hob dieses vom Nagel, riß jenen ab, steckte beide unter seinen Arm und kam wieder herunter.
Meister Nikleß folgte ihm mit den Augen.
„Warum nehmt Ihr das ab?“
Ursus lachte abermals laut auf.
„Warum lacht Ihr?“, sprach der Wirt.
Ursus antwortete:
„Ich ziehe mich ins Privatleben zurück.“
Meister Nikleß begriff und gab seinem Stellvertreter, dem aufwartenden Govicum den Befehl, jedem Ankömmling zu sagen, daß heute Abend keine Vorstellung Statt finden würde. Er entfernte die als Theaterkasse dienende Tonne aus der Tür und schob sie in eine Ecke des niedrigen Saales.
Einen Augenblick nachher stieg Ursus in die Green-Box.
Er legte die beiden Anschläge in einen Winkel und trat in das, was er „den Pavillon der Frauen“ nannte.
Dea schlief.
Sie lag angekleidet auf dem Bette, mit geöffnetem Mieder, wie sie bei ihrer Mittagsruhe pflegte.
Neben ihr träumten Winos und Fibi, jene auf einem Fußschemel, diese an der Erde sitzend.
Trotz der vorgerückten Stunde hatten sie ihr Göttinnentrikot noch nicht angetan, was ein Zeichen tiefer Entmutigung war. Sie waren in ihren wollenen Brusttüchern und ihren grobleinenen Kleidern verblieben.
Ursus schaute Dea an.
„Sie übt sich für einen längeren Schlaf“, flüsterte Ursus.
Er wendete sich an Fibi und Winos.
„Ihr wißt, es ist aus mit der Musik. Ihr könnt Eure Trompeten in die Schublade legen. Ihr habt wohl daran getan, Euch nicht als Göttinnen auszustaffieren. So seid Ihr sehr häßlich, aber Ihr habt wohl daran getan. Behaltet Eure schlampigen Unterröcke an. Heute Abend ist keine Vorstellung, morgen auch nicht, übermorgen auch nicht, überübermorgen auch nicht. Gwynplaine ist fort, ganz weg.“
Und er schaute Dea abermals an.
„Was wird das für ein Schlag für sie sein! Als ob man ein Licht ausbläst.“
Er blies seine Backen auf:
„Puh! Und dann ist’s aus.“
Er lachte leise und trocken.
„Fehlt Gwynplaine, fehlt alles. Es wird sein, als ob ich Homo verlöre. Es wird noch schlimmer sein. Sie wird einsamer sein, als jede andre. Solche Blinden patschen in mehr Traurigkeit umher, als wir.“
Er ging zu der Luke im Hintergrunde.
„Wie lang die Tage werden! Man kann noch um sieben Uhr sehen. Wir müssen aber doch den Talg anzünden.“
Er schlug Feuer und zündete die Laterne an der Decke der Green-Box an.
Er neigte sich über Dea.
„Sie wird sich erkälten. Frauen, Ihr habt ihr das Mieder zu weit aufgeschnürt. Es gibt ein französisches Sprichwort:
On est en avril,
N’ôte pas un fil.“
Er sah eine Nadel am Boden blinken, hob sie auf und steckte sie an seinen Ärmel. Dann ging er in der Green-Box gestikulierend auf und ab.
„Ich bin im vollen Besitze meines Verstandes. Ich bin zurechnungsfähig, überaus zurechnungsfähig. Ich finde dies Ereignis ganz in der Ordnung und heiße gut, was geschieht. Wenn sie erwachen wird, so werde ich ihr die Sache ganz klar vortragen. Die Katastrophe wird nicht lange auf sich warten lassen. Gwynplaine ist fort. Gute Nacht, Dea. Wie hübsch das alles geordnet ist. Gwynplaine im Gefängnis, Dea auf dem Kirchhof, beide einander gegenüber. Ein Totentanz! Zwei Schicksale, welche durch die Kulisse abgehen. Wir müssen die Kostüme ablegen und das Bündel zu schnüren, nämlich den Sarg. Es waren zwei mißlungene Geschöpfe, Dea ohne Augen, Gwynplaine ohne Gesicht. Dort oben wird der liebe Gott Dea den Blick und Gwyplaine die Schönheit wiedergeben. Der Tod legt alles bei. Alles ist gut. Fibi, Winos, hängt eure Tambourins an den Nagel. Eure Talente im Lärmmachen werden verrosten, schöne Damen. Man wird nicht mehr spielen und nicht mehr trompeten. Das besiegte Chaos ist besiegt. Mit dem lachenden Mann ist es aus. Trara trara ist tot. – Dea schläft immer noch. Sie tut ganz wohl daran. An ihrer Stelle würde ich gar nicht aufwachen. Oh, sie wird schnell wieder einschlafen. Solche Lerche stirbt bald. Das kommt davon, wenn man sich mit Politik beschäftigt. Welche Lehre! Und wie recht haben die Regierungen. Gwynplaine verfällt dem Sheriff, Dea dem Totengräber. Das geht parallel, in lehrreicher Symmetrie. Ich hoffe doch, daß der Wirt die Tür gut verrammelt hat. Wir werden heut Abend unter uns en famille sterben. Ich nicht, Homo auch nicht, aber Dea. Ich werde fortfahren, mit meinem Wagen umherzukutschieren. Ich gehöre nun einmal auf die Irrwege des Vagabundenlebens. Ich werde die beiden Mädchen entlassen; ich werde auch nicht eine behalten. Ich habe Hang dazu, ein alter Liederjan zu werden. Ein Dienstmädchen bei einem Wüstling gibt zu viel Gelegenheit. Ich wünsche keine Versuchungen mehr. Sie geziemen meinem Alter nicht. Turpe senilis amor. Ich werde meine Reise ganz allein mit ...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Erster Band: Vorrede
  3. Erster Teil: Das Meer und die Nacht
  4. Erstes Buch: Die Nacht nicht so schwarz als der Mensch
  5. Zweites Buch: Die Urca auf hoher See
  6. Drittes Buch: Das Kind in der Finsternis
  7. Victor Hugo: Der lachende Mann
  8. Victor Hugo: Der lachende Mann
  9. Victor Hugo: Der lachende Mann
  10. Zu dieser Ausgabe
  11. Impressum