Die Zeit, in der Usain Bolt der Welt davonlief
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Die Zeit, in der Usain Bolt der Welt davonlief

  1. 36 Seiten
  2. German
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Die Zeit, in der Usain Bolt der Welt davonlief

Über dieses Buch

»Vielleicht war Bolt deshalb überall so beliebt, weil er eine Zeitlang völlig konkurrenzlos war und gar nicht gegen seine Gegner lief. Er war nicht der Jamaikaner, der sich mit Amerikanern und Kanadiern mass. Er war der Mensch, der sich mit der Zeit mass. Er war einer von uns allen, der schnellste unter uns Menschen, und wir wünschten uns, dass er unsere Art weiterbrachte. Wenn es um Weltrekorde geht, spielen Nationen keine Rolle mehr. Das Streben nach menschlichen Bestleistungen eint die Völker und Länder - mehr kann man vom Sport oder von einem einzelnen Sportler doch nicht verlangen, oder?«Eine kleine Dokufiktion über einen Jahrhundertsportler.

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Information

Jahr
2019
eBook-ISBN:
9783746070483
ISBN drucken
9783748166696
Auflage
1
Demian Baldvin (33), Schriftsteller aus Freiburg, Schweiz.
»Als ich mich für den 100-Meter-Lauf zu interessieren begann, gab es beim Weltrekord noch diese Hundertstelgeschichten: Carl Lewis 9.86; Leroy Burrell 9.85; Donovan Bailey 9.84. Der Sprint war, so glaubte ich, auf einem so hohen Niveau angekommen, dass die Bestzeit, wenn überhaupt, nur noch unwesentlich verbessert werden konnte. Zwar war Ben Johnson schon außerirdische 9.79 gelaufen, aber eben nur dank seiner muskelbildenden Steroide. Der menschliche Körper stieß an seine Grenzen. Da tauchte plötzlich ein schlaksiger junger Kerl auf, von dem ich zunächst nicht wusste, wie man seinen Vornamen ausspricht: Usain Bolt. Und machte dieses kleinliche Senken der Bestmarke samt ihrer Läufer lächerlich. 9.72; 9.69; 9.58. Nachdem sie das Wasser zuvor mit dem Löffel aus dem Brunnen genommen hatten, kam Bolt und tauchte einen Becher hinein.«
Hans Blume (42), Sozialarbeiter aus Berlin- Pankow, Deutschland.
»Durch Usain Bolt haben sich bei mir zwei Ansichten geändert, nämlich jene über Leichtathleten und jene über Jamaika.
Auf meinem Gymnasium waren die Leichtathleten richtige Spießer. Ernste Typen, die pflichtbewusst trainierten. Typen, die die Finger von Alkohol ließen. Typen, denen es nicht genügte, im Sport gut zu sein, sie mussten auch in Mathe brillieren.
Zur gleichen Zeit galt Jamaika bei mir als so etwas wie der Gegenentwurf zur verbissenen Leichtathletik. Eine Insel der Ruhe und Gelassenheit. Dort lagen sie in Hängematten am Strand, hörten Bob Marley und kifften.
Heute denke ich sowohl bei Leichtathletik als auch bei Jamaika zuerst an Usain Bolt, was irgendwie schräg ist, bei den höchst gegensätzlichen Konzepten aus meiner Jugend, die ich immer noch ein wenig in mir trage. Aber Bolt zeigte mir, dass auch Leichtathleten ganz lockere Typen sein konnten, und dass Jamaika aus mehr als Cannabis-Dunst und Reggae-Rhythmen bestand. Ich denke, das gereichte beiden zum Vorteil.«
Shamim Mehedi (78). Ziegenhirte aus Bangladesch.
»Usain Bolt … Nein, das sagt mir nichts. Den Namen hab ich noch gar nie gehört. Hat der was erfunden? Wissen Sie, ich interessiere mich nicht für die Angelegenheiten anderer, und schon gar nicht für berühmte Leute. Ich bin zufrieden hier oben und brauche sie nicht.«
Brenda Dawkins (22), Lehrerin aus Falmouth, Jamaika.
»Für die Kinder hier ist Usain Bolt natürlich ein Held. Alle wollen so sein wie er. Natürlich wird nie jemand so werden wie er, so schnell wird es keinen zweiten Bolt geben. Aber noch glauben die Kinder daran, und das ist das Wichtigste. Dass man an sich glaubt. Er dient ihnen als Beispiel, dass sie alles sc...

Inhaltsverzeichnis

  1. Textbeginn
  2. Impressum