Totempfähle - auf fünf Kontinenten
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Totempfähle - auf fünf Kontinenten

von der Steinzeit bis heute

  1. 440 Seiten
  2. German
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Totempfähle - auf fünf Kontinenten

von der Steinzeit bis heute

Über dieses Buch

Totempfähle in Korea, Somalia, auf den Südseeinseln – und sogar bei den Germanen? Sie sind tatsächlich auf allen fünf Kontinenten zu finden – und das in großen Mengen... Diese hohen geschnitzten und bemalten Stämme mit den Abbildungen von Menschen, Vögeln und verschiedenen Tieren stammen wie die Schwitzhütten, die Feuerläufe und die Familienaufstellungen aus der "Kindheit der Menschheit" – die frühesten Totempfähle sind in Göbekli Tepe gefunden worden, wo die ersten Tempel der Menschen stehen, die am Ende der Eiszeit um ca. 10.000 v.Chr. erbaut worden sind. Der "klassische Totempfahl" mit dem Vogel an seiner Spitze ist vor über 12.000 Jahren aus der Verbindung von zwei Elementen entstanden: einem beschnitzten Stamm, der einen Ahnen repräsentiert, und einem "Vogel-Stab". Dieser "Vogel-Stab" ist eine Vogelstatuette auf einem Stock und weist auf das fundamentale spirituelle Erlebnis hin: Bei einem Beinahe-Tod erlebt der Betreffende, wie er seinen Körper verläßt und über sich selber schwebt und sich von oben her sehen kann – er wird sozusagen zu einem Vogel. Dies ist der Ursprung der Erkenntnis, daß die Menschen eine Seele haben. Solch ein Vogel-Stab wurde bereits vor 18.000 Jahren in der Höhle von Lascaux neben einen verunglückten Jäger gemalt – und auch sie finden sich fast überall. Die Totempfähle sind die archaische Verkündung der Erkenntnis, daß der Tod nicht das Ende ist. Aber es gibt noch viele weitere Verwendungen der Totempfähle, die von einem Bestattungs-Pfahl über einen Wächter bis hin zu der mit geschnitzten Bildern erzählten Mythe reichen. Die Totempfähle sind jedoch nicht nur eine archäologische Kuriosität aus längst vergangenen Zeiten, sondern können auch noch heute ausgesprochen hilfreich sein – man kann z.B. ein "magisch-spirituelles Selbstbildnis" in der Form eines Totempfahls anfertigen... ein ausgesprochen wohltuendes Erlebnis...

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Information

Jahr
2015
ISBN drucken
9783734758041
eBook-ISBN:
9783738674811

IV Totempfähle in Mesopotamien, Ägypten und Europa

Die Altsteinzeit stimmt zeitlich weitestgehend mit der letzten Eiszeit überein – beide begannen vor ca. 2.700.000 Jahren und endeten um 10.000 v.Chr. Während der letzten 600.000 Jahre der Altsteinzeit hat es eine weitestgehend einheitliche Jäger-Kultur in Eurasien südlich der bis zu 2km hohen Eisschicht im Norden von Europa, Asien und Nordamerika gegeben, die von Spanien über Mesopotamien bis nach Indien und China reichte.
Nach dem Ende der Eiszeit um 10.000 v.Chr. entstanden jedoch verschiedene eigenständige Kulturen in Mesopotamien/Europa, China/Ostsibirien und auch in Amerika, das ab 14.000 v.Chr. von Ostasien aus besiedelt worden ist.
Im Folgenden wird zunächst die Entwicklung der Totempfahl-Symbolik in Mesopotamien beschrieben, von der auch die altägyptische und die europäische Totempfahl-Symbolik abstammt.

IV 1. Die Totempfähle in der Jungsteinzeit in Mesopotamien

Als um 10.000 v.Chr. die letzte Eiszeit endete, veränderte sich die Situation für die damaligen Jäger-Sippen sehr deutlich, da damals in einigen Flußauen sehr fruchtbare Orte entstanden, an denen so viel Wild lebte, daß die Jäger nicht mehr weitestgehend als Nomaden leben mußten. Dadurch entstand die Möglichkeit einer größeren Ortsbindung als zuvor.
Es hat bereits in der frühen Altsteinzeit einfache „heilige Orte“ gegeben, die aus einem gepflasterten Platz und einem kleinen „Altar“ bestanden haben (Bilzingsleben in Thüringen, 400.000 v.Chr.) und ab 35.000 v.Chr. wurden mit recht großem Aufwand Höhlen reich bemalt, aber nach dem Ende der Eiszeit gab es die Möglichkeit, über mehr als tausend Jahre hinweg an demselben Ort zu leben, wodurch die Ortsbindung ein ganz anderes Ausmaß zu zuvor erhielt.
Ein solcher Ort ist Göbekli Tepe („Bauchberg“) im Südosten der Türkei an der Grenze zu Syrien. Dort wurden im Norden der 50km x 30km großen Tiefebene des Balikh, der einer der größten Nebenflüsse des Euphrat ist, auf einem hohen Berg die ersten Tempel errichtet. Von diesem Berg aus kann man die ganze fruchtbare und damals Wild-reiche Ebene des Balikh überschauen.
Diese Tempel hatten die runde Form der altsteinzeitlichen Hütten und hatten einen Durchmesser von ca. 6-8m. Sie bestanden im Wesentlichen aus einer runden Mauer, auf der sich ein Dach in der bisherigen Bauweise aus Stangen und Fellen befand. In der Mauer befanden sich meist acht senkrechte Steinplatten, die stilisierte Menschen darstellen sowie zwei weitere Steinplatten im Zentrum dieser Hütten. Die Bauweise dieser Tempel entsprachen den altsteinzeitlichen Wohnhütten, die aus einem runden Steinfundament bestanden, die mit einem Dach aus Stangen und Fellen gedeckt waren und zu der oft ein vermutlich ebenfalls überdachter Gang führte. Diese ersten Tempel sind wahrscheinlich aus der Schwitzhütte weiterentwickelt worden, die ebenfalls wie diese Wohnhütten aufgebaut waren.1
Steinfundament einer sibirische Hütte; ca. 22.000 v.Chr.
Eskimo-Hütte: Rundmauer mit Zeltdach und Eingangs- Gang; Ostkap von Sibirien, ca. 1900 n. Chr.
Eskimo-Jagdhütte; heute
Rekonstruktion einer Hütte aus Mammutknochen (Ritualhütte?, Schwitzhütte?); Ukraine, ca. 13.000 v.Chr.
Rekonstruktion eines Tempels: mehrere Rundmauern, Eingangs-Gang, Mittelpfosten, das Dach ist hier nicht dargestellt; Göbekli Tepe, ca. 10.000 v.Chr.
Aus dieser frühen jungsteinzeitlichen Kultur sind mehrere Totempfähle erhalten geblieben. Da die Tempelanlagen auf dem Berg Göbekli Tepe erst zu einem sehr kleinen Teil ausgegraben worden sind, ist es recht wahrscheinlich, daß sich noch weitere Totempfähle finden werden.
Rings um den größten „Tempelberg“ von Göbekli Tepe gab es noch weitere Tempel. In einem von ihnen, der in der Nähe von Nevali Cori 20 km nordwestlich von Göbekli Tepe liegt, wurde noch ein weiterer Totempfahl gefunden.

IV 1. a) Der Totempfahl von Nevali Cori

Totempfahl (obere Bruchstücke)
Rekonstruktionszeichnung (obere Bruchstücke)
erweiterte Rekonstruktionszeichnung
Venus von Laussel
Dieser Totempfahl stand in einer Wandnische des Tempels von Nevali Cori und ist von dem Archäologen Klaus Schmidt aus mehreren Bruchstücken zusammengesetzt worden. Er besteht aus aus zwei Frauenköpfen, auf denen sich ein Vogel befindet, und zu denen möglicherweise noch ein weiteres Vogelpaar gehört, da die Steinart und die Pfostendicke beider Bruchstücke übereinstimmen. Dieser Totempfahl ist vermutlich ca. 3m hoch gewesen. D...

Inhaltsverzeichnis

  1. Widmung
  2. Bücher von Harry Eilenstein
  3. Inhaltsverzeichnis
  4. I Was sind Totempfähle?
  5. II Die grundlegende Symbolik der Totempfähle
  6. III Totempfähle in der Altsteinzeit
  7. IV Totempfähle in Mesopotamien, Ägypten und Europa
  8. V Totempfähle bei den Indianern
  9. VI Totempfähle in Ostasien und Ozeanien
  10. VII Totempfähle in Afrika
  11. VIII Zusammenfassung
  12. IX Das Umfeld der Totempfähle
  13. X Die verschiedenen Arten des Totempfahls
  14. XI Totempfahl-Elemente
  15. XII Selbstgestaltete Totempfahl
  16. XIII Die Wirkung eines Totempfahls
  17. XIV Totempfahl-Tänze und Lieder
  18. Impressum

Häufig gestellte Fragen

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