In Planungs- und Entscheidungsprozessen mit vielen Beteiligten, die zudem meist eine unterschiedliche Interessenlage vertreten, muss deutlich werden, welche späteren Entscheidungen im politischen Raum tatsächlich unterstützt werden können und welche nicht: überzogene Erwartungen bergen die Gefahr der Enttäuschung und Frustration. Mit dem Instrument einer strategischen Standortbilanz könnte Wissen an die Entscheidungsträger verteilt werden. Haben sich die Akteure erst einmal zu einer abgestimmten Strategie für die Entwicklung ihres Standortes durchgerungen, stehen sie vor der komplexen Aufgabe, dass zwar trotz formulierter Zielvorstellung dazu noch keine entsprechende Zielevaluation vorhanden ist. In diesem Fall würde der Standort ohne Kompass oder geeignete Feedback-Instrumente losziehen und daher auch nicht wissen, wie viel des Weges bereits zurückgelegt wurde und wo genau man nun eigentlich steht. Wenn man sich für Standortvergleiche ein Gerüst von Kriterien erarbeitet hat, so hat man damit bereits eine Vorauswahl getroffen. Denn bei sinnvoller Anwendung wird man sich dabei auf die Tatbestände und Sachverhalte festgelegt haben, die einem wichtig erscheinen. Ein Vergleichsmodell aus unwichtigen Faktoren aufbauen zu wollen würde wenig Sinn machen. Trotzdem werden nicht alle in den Vergleich einbezogenen Kriterien immer gleich wichtig sein. Zum einen dürfte es grundsätzliche Unterschiede und Abstufungen geben. Zum anderen dürften sich bestimmte Kriterien in ihrer Bedeutung unterscheiden, je nachdem welcher Bereich in den Bewertungsprozess einbezogen werden soll. Und schließlich könnte die Bedeutung von Kriterien nicht nur im Zeitablauf sondern vor allem auch je nach den Anforderungen einer spezifischen Vergleichssituation schwanken. Jede intensive Beschäftigung mit relevanten Entscheidungskriterien bedeutet einen Gewinn. Eine wiederholte Durchrechnung der in den Vergleich aufgenommenen Alternativen schärft den Blick für Unterschiede und Relationen. So kommt es meist weniger auf die zwischen einzelnen Vergleichszahlen liegenden absoluten Differenzbeträge an. Oft viel wichtiger und aussagefähiger sind Relationen, d.h. die Verhältnisse, in denen sich die jeweiligen Standortfaktoren untereinander positionieren.

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Über dieses Buch
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Information
Thema
Volkswirtschaft1 Immaterielles Vermögen mit Entwicklungschancen
Mit immer stärker werdender Wettbewerbsintensität bis hin zur
Verdrängung im Standort- und Kostenwettbewerb sind
Wissensvorsprünge oft noch der einzig mögliche, ggf. alles
entscheidende, Wettbewerbsvorteil. Wissen, das als
erfolgskritisches Kapital aber erst einmal identifiziert werden
muss, um es nutzen- und gewinnbringend einsetzen zu können. Die
Standortökonomie liefert Instrumente für wissensintensive
Standorte, die ihre zukünftige Entwicklung des vorhandenen Kapitals
erfolgreich steuern wollen. D.h. für die Realisierung von
Entwicklungschancen müssen zuvor auch alle immateriellen
Vermögenswerte gehoben werden. Mit Hilfe einer eigens hierfür
entwickelten Standortbilanz gelangt die Wirtschaftsförderung zu
Erkenntnissen über das Zusammenwirken von Standortprozessen und
relevanten Ressourcen. Denn wer Kompetenzen aufbauen will, braucht
zu allererst eine angemessene Transparenz über seine kritischen
Erfolgsfaktoren. Erst Transparenz identifiziert Ansatzpunkte zur
Verbesserung. Der Identifizierungsprozess weist in die Richtung von
Wissensfeldern/-quellen, in denen gesucht werden muss, um
Kompetenzen zu stärken oder neu aufzubauen. Auch eine
Identifikation des eigenen Nicht-Wissens, der eigenen Wissenslücken
und Fähigkeitsdefizite kann einen heilsamen Auslöser darstellen.
Die Identifikation von Fähigkeitsdefiziten und Wissenslücken bietet
einen Ausgangspunkt für die Entwicklung von Standortstrategien
2 Trends mit Standortauswirkungen
Trendforscher haben Thesen erarbeitet, die auch die Zukunft
eines Standortes tangieren könnten (und daher in langfristigen
Planungen und Strategien berücksichtigt werden müssen) wie
beispielsweise:
Sich wiederholende Tätigkeiten werden entweder vollständig von
Computersystemen übernommen oder in Niedriglohnländer
verlagert.
Computer und Internet werden die Arbeitswelt noch weiter
verändern: über kurz oder lang werden alle sich wiederholenden
Tätigkeiten an Maschinen delegiert oder ins Ausland verlagert.
In Hochlohnländern verbleiben nur noch außerhalb von Routine
liegende Tätigkeiten, Arbeit hierzulande entsteht nur noch
außerhalb von Routine (Produktlabel: Designed in Germany,
made in China).
Damit wächst der Bedarf an
kreativen Wissensarbeitern erheblich. Denn gerade solche kreativen
Wissensarbeiter verachten Routine und sind deshalb auch nicht
ersetzbar.
Der Dienstleistungssektor (Anwälte, Wirtschaftsprüfer,
Steuerberater) wird die wegfallenden Routine-Jobs nicht auffangen
oder ausgleichen. Im Gegenteil: hier greift die zukünftige
Automatisierung manchmal noch stärker als in der
Industrie.
Die Kernbelegschaften der
Unternehmen schrumpfen, die flexiblen Randbelegschaften gewinnen an
Bedeutung.
Unternehmen arbeiten beispielsweise in der Zukunft verstärkt auf
Projektbasis: jeweils für ein Projekt stellt ein Projektleiter der
Kernbelegschaft Teams (zum Teil von außen) zusammen, die über das
Internet zusammenarbeiten.
Die Projektarbeit nimmt zu, die
Unternehmen wollen "Arbeitszeit on demand". Der Projektleiter
handelt die Verteilung der Aufgaben und die Einkünfte zu Beginn des
Projektes mit den Beteiligten aus.
Damit wird die pauschale Entlohnung von Arbeitszeit zum
Auslaufmodell, d.h. ein über Stundenzahlen geregeltes Arbeitspensum
ist für Wissensarbeiter überholt.
Die heutige Informationstechnik versetzt Firmen in die Lage,
ihre Arbeit über Zeitzonen und geografische Grenzen hinweg zu
verteilen. Immer mehr Unternehmen schließen sich daher in
Geschäftsnetzen zusammen, in denen jeder seine Stärken einbringt,
um gemeinsam schneller neue Produkte und Prozesse zu entwickeln.
Indem Unternehmen ihre Fähigkeiten mit fremden Kompetenzen
verbinden, entstehen Business Networks mit neuen
Alleinstellungsmerkmalen. Diese multilaterale Vernetzung von
Ressourcen, Prozessen und intellektuellen Fähigkeiten hat nicht
zuletzt auch Auswirkungen auf Standortentscheidungen
Insbesondere in Planungs- und Entscheidungsprozessen mit vielen
Beteiligten, die zudem meist eine unterschiedliche Interessenlage
vertreten, muss deutlich werden, welche späteren Entscheidungen im
politischen Raum tatsächlich unterstützt werden können und welche
nicht: überzogene Erwartungen bergen die Gefahr der Enttäuschung
und Frustration. Oft wird ein Projekt durch subjektive
Einschätzungen behindert, die nicht verifiziert werden: es fehlt
meist nicht an Wissen, sondern an Informationsaustausch. Mit dem
Instrument einer strategischen Standortbilanz könnte Wissen an die
Entscheidungsträger verteilt werden.
3 Strategische Standortbilanz
Eine strategische Standortbilanz gibt Antwort auf folgende
Fragen: Wer sind wir ? Welche zentralen Leistungen erbringen wir ?
Was haben wir an besonderen immateriellen Ressourcen vorzuweisen ?
Was sind unsere Alleinstellungsmerkmale ? In welche Netzwerke sind
wir eingebunden ? Wo liegen unsere besonderen Stärken ? Welche
Strategie verfolgen wir und was tun wir, um sie umzusetzen ? Welche
Defizite haben wir erkannt und welche Verbesserungen setzen wir in
diesen Bereichen um ? Hinsichtlich zukünftiger Entwicklungen und
Potentiale würde eine solche Standortbilanz vor allem die folgenden
drei "Wo-Wohin-Wie"-Kernfragen beantworten:
wo stehen wir heute ?
(Eröffnungsbilanz: mit Bewertungen, quantifizierten Indikatoren
u.a.)
wohin wollen wir?
(Standortentwicklungskonzept = STEK)
wie kommen wir dorthin ?
(Maßnahmen, Aktionen).
D.h. es sollte nicht über Maßnahmen oder Aktionen entschieden
werden, bevor nicht ein zumindest vorläufiger Zielplan erarbeitet
und verabschiedet wurde: Die Beantwortung des "wie kommen wir
dorthin ?" ist erst nach Beantwortung des "wohin wollen wir ?"
möglich !
4 Stadtentwicklung im Umbruch
Die Stadtentwicklung und Raumplanung stehen vor einem Umbruch: an vielen Standorten haben Wanderungsbewegungen, Alterung der Gesellschaft u.a. unübersehbare Probleme geschaffen. Während sich die Planungsüberlegungen der meisten Standorte in der Vergangenheit überwiegend wachstumsbezogen orientiert haben, geht es heute um eine mehr differenzierte Betrachtungsweise. Für die erforderliche Neuorientierung für den Umgang mit der sich weiter ausdifferenzierenden räumlichen Entwicklung müssen Städte und Gemeinden daher eigenständige Leitbilder entwickeln. Da die Menschen aufgrund der Konzentration der nicht lokalgebundenen Arbeitsplätze in den Metropolregionen häufiger umziehen, erhöhen sich in vielen Wohngebieten auch die Fluktuationsraten.
Stadtentwicklung ist rechtlich mit einem hohen Interventionsinstrumentarium ausgestaltet. Für ein starkes Engagement des privaten Sektors ist als Grundlage für einen konstruktiven Dialog der Handlungsfelder mit besonderem Bedarf ein allseits verständliches Instrument erforderlich (z.B. eine Standortbilanz mit Strategiemodulen). Dabei kommt es nicht darauf an, städtebauliche Problemfelder durch pfiffige Instrument...
Inhaltsverzeichnis
- 1 Immaterielles Vermögen mit Entwicklungschancen
- 2 Trends mit Standortauswirkungen
- 3 Strategische Standortbilanz
- 4 Stadtentwicklung im Umbruch
- 5 Antworten für die Zukunft
- 6 Welches ist die beste Position ?
- 7 Disparität von Standortentwicklungen
- 8 Absehbare Informationsanforderungen
- 9 Globale Konkurrenz bei Ansiedlungen
- 10 Standortfrage wird leicht zur Schicksalsfrage
- 11 Standort und Geschäftsumfeld
- 12 Standorte brauchen Visionen
- 13 Von der Vision zur Strategie
- 14 SWOT-Strategien
- 15 Leitbild begleitet Strategie
- 16 Szenariodenken - denn die Zukunft ist ungewiss
- 17 Benchmarking - von anderen lernen
- 18 Eigenbild- und Fremdbildperspektive
- 19 IT-gestützte Standortsuche
- 20 Adäquate Zielevaluation
- 21 Standort-Check international
- 22 Standortvergleiche haben erst gewichtet Aussagekraft
- 23 Vergleichsergebnisse kreuzweise absichern
- 24 Der richtige Blick für Relationen
- Impressum
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