Um Gottes Willen
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Um Gottes Willen

Miniaturen über Gott und die Welt

  1. 72 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Um Gottes Willen

Miniaturen über Gott und die Welt

Über dieses Buch

Fundamentalismus, göttliche Attribute, menschliche Vorstellungen und Ziele: Wie soll man das alles verstehen?Sowohl akute politische Konflikte als auch grundsätzliche philosophisch-religiöse Probleme werden in Miniaturen thematisiert. Das Buch versucht, auf die aufgeworfenen Fragen in pointierter Weise Antworten zu geben.

Häufig gestellte Fragen

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Information

Jahr
2017
ISBN drucken
9783746014814
eBook-ISBN:
9783746038902

Göttliche und menschliche Gesetze

Ich hatte manchmal das Gefühl, dass Gott sich bei einigen Antworten auf meine Fragen herausredete. Darum überlegte ich mir eine neue Taktik.
„Bist du damit einverstanden, dass ich dich dieses Mal einem Kreuzverhör unterziehe, bei dem die Antworten nur aus Ja und Nein bestehen dürfen?“, fragte ich ihn.
„Ich bin immer offen für Experimente. Mal sehen, wo uns das hinführt! Leg los!“, forderte mich Gott auf.
„Gibt es göttliche Gesetze?“
„Ja!“
„Gibt es menschliche Gesetze?“
„Ja!“
„Widersprechen sich menschliche und göttliche Gesetze manchmal?“
„Ja!“
„Stehen göttliche Gesetze über den menschlichen?“
„Ja!“
„Ist es daher legitim, wenn man wegen der göttlichen Gesetze die menschlichen Gesetze bricht?“
„Nein!“
„Das ist unlogisch!“
„Ja!“
„Dann ist es falsch!“
„Nein!“
„Unlogisches ist deiner Meinung nach also richtig?“
„Nein!“
„Du widersprichst dir ja schon wieder!“
„Nein!“
„Ich geb´s auf. Mit deinen Antworten kann man ja nichts anfangen.“
„Ja!“
„Du gibst es auch noch zu!“
„Ja!“
„Dann antworte doch anders!“
„Nein!“
„Das hat keinen Sinn, wir hören auf!“
„Ja! Ich mache dir einen Vorschlag: Du stellst dieselben Fragen noch einmal, aber ich darf meine Antworten erklären.“
„Einverstanden. Gibt es göttliche Gesetze?“
„Ja, aber sie werden, je nach Religion, Zeitalter und Person, unterschiedlich wahrgenommen. So stellt für den Einen das Recht auf Leben ein absolutes, göttliches Recht dar, für den anderen gilt dieses Recht nicht für Glaubensfeinde, d.h. der Kampf gegen Ungläubige, also für den eigenen Glauben, hat höchste Priorität, also auch eine höhere Priorität als das Recht auf Leben, auch als das Recht auf das eigene Leben.“
„Gibt es menschliche Gesetze?“
„Alle Gesetze in Gesetzbüchern sind menschliche Gesetze.“
„Stehen göttliche Gesetze über den menschlichen?“
„Ja, denn kein menschliches Gesetz kann einem den Glauben an göttliche Gesetze verbieten. Glaubensinhalte können nicht verboten werden. Was für den Gläubigen wahr ist, ist nicht justiziabel.“
„Ist es daher legitim, wenn man wegen der göttlichen Gesetze die menschlichen Gesetze bricht?“
„Nein! Menschliche Gesetze stellen Taten oder Aufrufe zu Taten, nicht Glaubensinhalte unter Strafe. Gesetze stellen in Demokratien einen von den Staatsbürgern legitimierten Minimalkonsens für alle verschiedenen Religionen dar. Alle Glaubensinhalte sind geschützt, aber ihre tatsächlichen Konsequenzen finden ihre Schranken in allgemeinen Gesetzen. Wenn also ein Gläubiger einen anderen wegen seines anderen Glaubens tötet, ist er trotz seiner Annahme, er handle im Sinne Gottes, ein Verbrecher. Da er die gesetzlich garantierte Plattform des allgemeinen Zusammenlebens verlassen hat, hat er sich schuldig gemacht. Würde sein Handeln legitimiert, könnte jeder, also auch er, mit dem Anspruch auf Legitimität von einem anderen getötet werden. Aufrufe zur Befolgung mancher göttlichen Gesetze – oder was man dafür hält – sind trotz ihres religiösen Kontextes Aufrufe zu Verbrechen und damit selbst Verbrechen.
Wenn andererseits menschliche Gesetze in Staaten eine Staatsreligion festlegen und andere Religionsausübungen verbieten, überschreiten sie ihre Befugnis, weil sie sich nun selbst den Nimbus eines Werkzeuges Gottes geben, also quasi-göttlichen Anspruch erheben. Religiös ist das eine unerhörte Hybris, politisch eine Aufforderung zum Bürgerkrieg, rechtlich die Offenbarung eines Unrechtsstaates, dem man zumindest in dieser Hinsicht nicht zur Gesetzestreue verpflichtet ist.
Kein heiliges Buch steht über der demokratisch legitimierten Verfassung, weil die Verfassung die Gläubigen in ihrem eigenen Glaubensbereich schützt und ihre Autonomie akzeptiert. Keine Verfassung, die demokratisch legitimiert ist, kann es hinnehmen, dass ihre Gesetze, durch welche göttlichen Gesetze auch immer, gebrochen werden.“
„Wie kommt es, dass du dich so viel vehementer für die Befolgung der menschlichen Gesetze einsetzt als für die Befolgung der göttlichen?“
„Ich befürchte, dass es ohne die Befolgung der menschlichen Gesetze bald keinen mehr gibt, der mir noch Fragen stellen könnte.“

Gewissen

„Gibt es das, dass man aus logischen Gründen einem Recht geben muss, dabei jedoch spürt, dass es falsch ist, aber nicht weiß, warum?“, fragte ich Gott bei einem Spaziergang.
„Wenn es das nicht gäbe, hättest du es kaum formuliert. Man kann es vielleicht so beantworten: Entweder ist die Logik falsch oder das Gefühl! Hast du Lust, mir das Problem darzustellen, denn sicher geht es um etwas Konkretes.“
„In einem Punkt muss ich den Fundamentalisten zumindest von der Logik her recht geben, obwohl es mir, wie gesagt, doch irgendwie nicht gefällt. Ich weiß aber nicht, was der Grund für meine Ablehnung ist.
Sie verlangen, dass Gott die alleinige Rechtsquelle ist. Gott äußert sich in den heiligen Büchern. Die Heilige Schrift, mithin Gott, soll die alleinige Rechtsquelle sein, z.B. für Moslems der Koran, für die Christen die Bibel. Damit wäre einfür allemal klar, was göttliches Recht ist, an das man sich unbedingt halten muss. Jedenfalls sind die Fundamentalisten konsequent. Das Einzige, was sich nicht mehr ändern kann,...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Gotteslästerung
  3. Gewalt
  4. Asketismus
  5. Selbstkasteiung
  6. Zweifel
  7. Kirche
  8. Sekte
  9. Scheinreligion
  10. Existenz
  11. Allmacht
  12. Allwissenheit
  13. Ewigkeit und Endlichkeit
  14. Prinzipientreue
  15. Vergebung
  16. Sichtweise
  17. Fehlinterpretation
  18. Gottes Wort
  19. Göttliche und menschliche Gesetze
  20. Gewissen
  21. Werkzeug Gottes
  22. Göttliche Legitimation des Rechts
  23. Gottesstaat
  24. Gehorsamkeit gegenüber den Gesetzen
  25. Ermahnung
  26. Impressum