Die sinnlose Gesellschaft
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Die sinnlose Gesellschaft

Das Humankapital eines fiktiven Geldwerts

  1. 460 Seiten
  2. German
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Die sinnlose Gesellschaft

Das Humankapital eines fiktiven Geldwerts

Über dieses Buch

In knapp 30 Jahren hat sich die weltweit verfügbare Geldmenge zu fast 90% von der Realwirtschaft abgesetzt. Jeder Einkauf und Verkauf ist durch ein Buchgeld belastet das seinen Wert nicht mehr wirklich darstellen kann, weil es zum größten Teil nur aus Zahlungsverpflichtungen besteht. Jeder Staat muss unter dieser Bedingung um die Stabilität seiner Währung bangen, wenn er nicht die Oberhand über fremde Währungen hat. Die Konkurrenz um die Wertsicherheit ihrer Währungen hat die Nationalstaaten gegeneinander aufgerieben und sich mit der Globalisierung des Kapitals durch die groteske Aufhäufung fiktiver Kapitalwerte extrem verschärft. Das fiktive Kapital dominiert inzwischen jeden Warenhandel aus realer Produktion und bestimmt ihren Existenzwert. In Dienstleistungsgesellschaften werden die Menschen selbst zu Wertträgern des Finanzkapitals und für die Geldverwertung entsprechend zugerichtet und eingenommen.Das hat den Charakter dieser Gesellschaften grundsätzlich verändert. Nicht als Bestandteil einer realen Produktion, sondern als eigenständige Existenzform einer fiktiven Kapitalverwertung müssen die Menschen in ihren unmittelbaren Begegnungen, in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen einen Sinn für ihr Leben finden, der in ihrer Gesellschaft nur noch in ihnen selbst aufscheinen kann, isoliert und abstrakt hiervon sich auf sich selbst reduziert. Der Zerfall ihrer Gesellschaft in allen sozialen und wirtschaftlichen Formationen springt ins Auge und lässt sich politisch nicht mehr restaurieren. Das Versagen der "repräsentativen Demokratie" und der "sozialen Marktwirtschaft" verlangt nach einer gründlichen Analyse des ganzen globalen Kapitalverhältnisses, um daraus Schlüsse für längst anstehende Veränderungen der gesellschaftlichen Lebensgrundlagen der Menschen zu ziehen, die eine Subversion der pervertieren Existenzformen möglich machen. Hierzu soll dieses Buch beitragen.

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Information

Jahr
2019
ISBN drucken
9783947823628
eBook-ISBN:
9783947823123

Die globale Kapitalisierung der Nationalstaaten

Geld hatte schon im Mittelalter eine zentrale Funktion im Kreditwesen für den Handel oder für Investitionen in die Kirche oder den Staat oder in Kriege usw. Und das Kapital hatte sich schon seit Beginn der Industrialisierung weltweit als Warenhandelskapital und Geldhandelskapital zu einander verhalten. Das war auch der Grund, warum die Wechselgeschäfte (4) im Kredithandel überhaupt durch die Probleme der Transportwege und ihrer Zeitdauer für den Terminhandel nötig und einsetzbar wurden. Der war anfangs einfach nur eine Art Transportversicherung, mit der die so genannten Wechsel (das sind unabdingbare Zahlungsverpflichtungen) auf den Termin einer Anlieferung disponiert wurden, damit keiner der Beteiligten durch unglückliche Umstände während einer Lieferzeit von Monaten geschädigt wurde. Im Handel mit Bodenschätzen wurde die Ausbeutung von Devisen betrieben, die schließlich die Anbaukulturen der armen Länder soweit monopolisiert hatten, dass sie sich einem politischen und militärischen Kolonialismus nicht mehr entgegensetzen konnten. Der Übergang zu einem imperialen Welthandel der mächtigen Staaten war schließlich die einfachste Möglichkeit, ein Weltgeld einzurichten, in das sich viele Währungen transformieren lassen mussten, um im Warenhandel mit den Reichen sich zu erhalten. Das war zum Ende des 19. Jahrhunderts die Grundlage eines weltweiten Kreditsystems mit Staatsanleihen, das die Weltwirtschaftskrisen und Weltkriege des 20. Jahrhunderts zur Folge hatte. Die Voraussetzungen und Mittel hatte der Kapitalismus seit Langem selbst geschaffen und auch längst an den Börsen mit Produktbewertungen und Staatsverschuldungen gehandelt und die Nationalstaaten wurden nicht müde, ihre Währungsprobleme durch Staatsanleihen aufzulösen. Diese wurden damit zu einer weltumspannenden Wirtschaftsgrundlage der Weltpolitik.
Deren wesentliche Grundlage ist daher selbst ein Kapitalvorschuss in die Geldzirkulation, durch den Geld mehr Wert schaffen konnte, als es selbst darstellte. Das verlangt lediglich die Anwendung von Geld als Kaufmittel, wodurch Menschen, Länder und ganze Kontinente, die es als Zahlungsmittel für ihren Grundbedarf nötig hatten, zur Lieferung von Produkten verpflichtet wurden, die in den besser gestellten Ländern die Lebenshaltungskosten reduzierten und somit deren Mehrwert erhöhten. Als Vorschuss in produktive Arbeit ist jeder Kredit eine Art von Spekulation auf den „Gewinn“ einer Geldsumme, der z.B. durch Investitionen in die Produktivkraft der Arbeit entstehen kann, weil dadurch weniger menschliche Arbeit und Kosten in sie eingehen und die Konkurrenzlage des angewandten Kapitals verbessert wurde.
Man könnte alle Kapitalvorschüsse als eine Art Kredit verstehen, wenn man davon absieht, woraus sie ihren Wert beziehen und wofür sie vergeben werden. Als Vorschuss in ein Zahlungsmittel sind sie etwas gänzlich anders als ein Kredit in das Kaufmittel Geld, durch den dessen Wert weitergehend verwertet werden soll. Und einige Vorschüsse verfolgen hierbei auch noch ganz gemischte Absichten. So sind z.B. ganz gewöhnliche Aktien zu einem bestimmten Teil tatsächlich Anlagen in ein produktives Kapital, das damit Mehrwert produzieren soll, zum größeren Teil aber meistens die Bezahlung für die Nachfrage nach diesen Papieren, also der aktuelle Preis für ihren Einkauf, weil nur eine bestimmte Menge dieser Papiere ausgegeben wurden. Der Vorschuss ist dabei zugleich existent als Wert und als Preis, durch den eine fiktive Kapitalmasse des Finanzhandelskapital in einem Existenzwert gebunden wird, ohne als Kredit mit Zins und Zinseszins zu funktionieren und auch nicht auf die bloße Auszahlung von Dividenden spekuliert, sondern eine reine Geldanlage ist, durch die Geld gegen seinen Wertverfall gebunden und als völlig unabhängiges Vermögen jenseits der Realökonomie durch die Bestimmung von Handelspreisen verwertet werden soll. Das fiktive Kapital wird dadurch zu einer selbständigen Kapitalmacht, in der sich immer größere Geldmengen als nicht realisierbarer Mehrwert und zugleich als Vorgriff auf eine Wertrealisation aufhalten und bewegen und auch als Eigentumstitel in die Realität zurückkommen, „Frischgeld“ abgreifen kann. Bei der Spekulation auf Derivate und Staatsanleihen geht es nicht mehr um die Produktivkraft der Arbeit, nicht mehr um die Wertrealisierung ihrer Produkte. Da geht es um eine Geldzirkulation, die sich hiergegen verselbständigt hat, um Wertspannen der Preisbildungen auf dem Finanzmarkt, die sich an den Terminen der Wertrealisierung festmachen. Das hat deren Richtung umgepolt, indem es durch Aufhäufung der umlaufenden Geldmenge einen Wert zu entziehen sucht, den die Menschen beibringen sollen, die das Geld als Zahlungsmittel verwenden, ihre Gebühren, Mieten, Steuern, Abgaben usw. bezahlen müssen.
Je mehr Kapital das Preisgefälle vorbestimmt, desto weniger Wert behalten die Produkte, die damit bezahlt werden. Und das beschleunigt vor allem die Geldzirkulation (5), die im Computerhandel schon aus Sekundenbruchteilen unglaubliche Gewinne aus Preisvorteilen abschöpfen kann. Das hatte auch die Erfindung einer internationalen Superwährung, der so genannten Bitcoins möglich gemacht, die wie die Nachfrage nach Wertpapieren funktioniert, indem sie über die weltweite Vernetzung von Computern alle Nachfragen nach dieser Währung hochrechnet und in Realzeit ihren aktuellen Preis darstellt und somit für jeden Kaufakt anwendbar macht. Aber ganz gleich, ob Geld in klassische Wertpapiere der Finanzindustrie oder in Bitcoins angelegt wird, es geht dabei nur noch um den Geldwert selbst, dessen Kaufkraft die Nationalstaaten durch ihre Finanzpolitik und durch die Besteuerung ihrer Bevölkerung wieder einbringen muss, um in der Konkurrenz auf dem Weltmarkt des Devisenhandels zu bestehen. Der Mehrwert aus dem beschleunigten Geldumsatz über die Preisbildung hat schon von Grund auf einen Haken: Der stoffliche Inhalt der Reichtumsproduktion wird dem Kapital entzogen, seine Realwirtschaft „geschleift“, um einen immer fiktiveren Geldwert, um das Wertwachstum eines fiktiven Kapitals zu bedienen, nur um durch das Kreditvolumen seines Geldes im „Freihandel“ auf dem Weltmarkt überleben zu können. Dessen Achse hat sich aus dem Verhältnis von Kredithandel und Devisenhandel herausgeschält und sich von daher fast jedem politischen Eingriff entzogen: Wer durch seine reale Wirtschaftskraft einem Land seinen Geldwert schneller zu reduzieren vermag, als es für sein Geld als Zahlungsmittel erwirtschaften kann, der obsiegt auch im Derivatenhandel durch die Kredite, die er hierfür aufnehmen kann. Und wer im Derivatenhandel hohe Geldsummen einzusetzen vermag, der treibt die Preise in die Höhe, die das Zahlungsmittel entwerten (6).
Die Nationalstaaten sind die einzige politische Gewähr für ihre Währung und fördern von daher alles, was fremdes Geld ins Land bringt, auch wenn es damit ihre Infrastrukturen verwüstet. Und eine Frage gerät damit immer mehr in den Vordergrund: Was macht die stoffliche Wertsubstanz hierbei aus, wodurch lassen sich die Menschen dazu verpflichten, den Geldwert zu halten oder zu steigern, wenn sie mit ihrem Geld nicht mehr oder kaum noch die Preise für ihren Lebensunterhalt bezahlen können? Mieten können nicht unendlich steigen, Gebühren nicht beliebig erhöht werden. Nach wie vor relativiert sich alles am Einkommen und Auskommen der Menschen. Lediglich der nationalpolitische Druck auf ihre Existenz kann ihre Abhängigkeit vertiefen, ihre Bereitschaft zur Existenzsicherung um jeden Preis, auch um den Preis ihrer Selbstaufgabe erzwingen. Es geht ums Ganze, und wer nicht mehr folgen kann, scheitert an seiner eigenen Währung.
Diese Entwicklung wurde mit der Globalisierung des fiktiven Kapitals dadurch betrieben, dass die Nationalstaaten zu Konkurrenten und Händler ihrer Landeswährungen werden mussten, um im Welthandel ihrer Produkte überhaupt handlungsfähig zu bleiben. Die Zollschranken mussten weitgehend fallen und das nationale Kapital weitgehend ungebunden über den Freihandel sich auf alle Produkte und Währungen der Welt beziehen können, selbst wenn es dabei seine nationalen Sicherheiten aufgeben musste. Denn es gab keine wirkliche Währungsgrundlage für den Welthandel, die in der Lage gewesen wäre, diesen Handel materiell abzudecken.
Das ganze Gold der Welt würde bei Weitem nicht mehr ausreichen, um die Wertsummen zu decken, die bis zum Vertragsabschluss von Bretton-Woods damit besichert waren, durch die stabile Währungssysteme beschlossen wurden. Mit der Kündigung der Verträge durch den US-Präsidenten Nixon im Jahr 1971 wurde der Petrodollar zu einer Weltwährung, die den Wert des US-Dollars durch die Preise der Ölförderung relativ stabil halten konnte, soweit die Ölförderländer, die OPEC-Staaten sich daran hielten. Das Weltgeld, das den so genannten Freihandel bewerten kann, war zunächst durch den Devisenhandel bestimmt, der durch die „Leitwährung“ der USA als Weltmaßstab der Ölpreise weltweit verbindlich wurde, weil die ganze Welt von einer hocheffizienten Energiegewinnung abhängig geworden war. Wer Öl einkaufen musste, konnte seinen Wert nur in US-Dollar bemessen und musste diesen für die eigene Währung dadurch abdecken, dass in den USA damit eingekauft wurde. Es war die beste Absatzsicherung, die den USA damit möglich war. Und solange die dort angebotenen Waren auch gebraucht wurden, ging das zumindest für die USA gut. Es war die Gewähr für einen gediegenen Absatzmarkt und damit für deren Status als Weltmacht. Und ihre Macht hielt demnach auch die politischen Einflussbereiche der Welt in Schach. Die Spaltung der Welt war darin begründet und hat die politischen Kräfte der „Förderländer“ gebunden - vor allem die Regionen von „Kleinasien“, unter deren Boden die größten Ölvorräte noch verfügbar waren und über deren Boden der Glaube des Islam verbreitet war. Die kriegerische Gewalt gegen sie hatte hier ihre Ursprünge.
Doch mit dem Welthandel wurde auch die Weltproduktion angetrieben, bei den reichen Ländern mit einem geringeren Produktivitätswachstum, bei den ärmeren mit einem sehr hohen. Je reicher und selbständiger dadurch die abhängigen Staaten wurden, desto geringer war ihr Interesse, bei den USA einzukaufen (7). Auch mit dem EURO ließ sich schließlich der Ölpreis auszeichnen und auch dort war genügend Kaufkraft zu sichern, die durch die politischen und militärischen Machtstrategien der USA wirtschaftlich immer unsicherer wurde. Als die USA sich auch bei den BRICS-Staaten hoch verschuldet hatten, begann auch ihre Weltmacht zu schwinden und die politische Präsenz von China weltweit zu erstarken. Inzwischen handeln alle Staaten auch auf ihren Börsen mit internationalen Verbindlichkeiten. Ihr Geldwert war zum größten Teil durch seine Potenz auf dem Weltmarkt und immer weniger von der eigenen Produktion abhängig. Durch den Devisenmarkt wurde der Geldwert selbst im Verhältnis der Währungen, also als Verhältnis der Wirtschaftskraft von Nationalstaaten gehandelt. Die Wertdifferenzen der Währungen bereicherten das Weltgeld durch den Mehrwert, der den schwächeren Ländern über die geringere Kaufkraft ihrer Währung entnommen wurden, indem deren Produkte durch Kredite verrechnet werden, die diesen Ländern gewährt wurden, um sie auf dem Weltmarkt handelsfähig zu halten. Die Preise dieser Produkte übereigneten dem Weltgeld, das von der Weltbank als Kredit verwaltet wurde, einen Mehrwert, der aus dem Wirtschaftsvermögen der armen Ländern bezogen wurde und diese letztlich weiter schwächten.

Das Weltgeld des fiktiven Kapitals der Spekulation

Zu einem Mehrwert des Weltgeldes war das Geld in seinen Börsennotierungen ursprünglich durch Vorschüsse in den Weltmarkt, also durch einen weltweiten Kredithandel geworden, durch den Mehrwert aus dem Warenhandelskapital zu schöpfen war um Mehrwert für das Finanzhandelskapital zu produzieren. Das Wirtschaftswachstum des real produzierenden Kapitals hatte aber indes durch die anwachsende Produktivität der Arbeit und den damit sinkenden Wert der Arbeitskraft die Wachstumsmöglichkeiten der Verwertungsrate bereits stark ausgeschöpft und die Konkurrenzverhältnisse auf den Waren- und Geldmärkten extrem intensiviert: Technologische Fortschritte konnten immer weniger Konkurrenzvorteile beibringen, weil die technische Automation sich selbst entwertete, immer billiger wurde, und weil immer weniger technischer und menschlicher Aufwand durch Kopien und Massenbedarf pro Marktwert möglich geworden war. In der reinen Kreditwirtschaft häufte sich das fiktive Kapital auf, das aus der Realwirtschaft heraus schwitzte, weil ihre Wertrealisierung weltweit immer mehr stockte und versackte. Das Finanzkapital wich dem durch neue Markttechniken aus, die sich weniger auf die direkte Investition in die reale Produktion und mehr auf den realen Geldumlauf bezogen.
Der Kampf um die Wertverhältnisse der einzelnen Währungen wurde zur eigenständigen Grundlage einer Geldverwertung, die sich gewinnbringend für die währungsstarken Länder erwiesen hat. Das Wertwachstum des Finanzhandelskapitals konnte ja die Verwertungschancen der Realwirtschaft schon dadurch kontrollieren, dass die Geldmenge des internationalen Kapitals Das Vermögen der Nationalstaaten schon in deren Geldsumme übertroffen hatte. Konkurrenz bestärkt immer nur den Starken und schwächt immer mehr den Schwachen. Das Kapital machte sich daher immer intensiver im Devisenhandel stark und spekulierte gegen ganze Staaten. Mit der Konkurrenz der Nationalstaaten auf den Finanzmärkten der Welt hat sich dann auch etwas Entscheidendes geändert: Es war ein Aktienmarkt entstanden, der sich selbst wie ein Casino um Einsätze von Players bemühte, die alleine auf die Geldverwertung von Devisen setzten. Die Geldanleger boten dort nicht mehr nur ein reelles Geld für Investitionen in das Wirtschaftswachstum an, die von wirtschaftlichen Unternehmungen zur Steigerung ihrer Produktivität, zur Intensivierung der Ausbeutung der Arbeit verwendet werden sollten. Sie suchten Verbraucher ihres Geldeinsatzes, ihrer Kredite und Vorschüsse, die ihnen ein bloßes Wertwachstum ihres Geldeinsatzes dadurch bescheren sollten, dass sie davon abhängig gemacht wurden wie ein Süchtiger von seinem Suchtmittel. De facto wurden sie hierdurch zahlungsunfähig gemacht, die als fiktives Kapital von Zahlungspflichtigkeiten fortbestanden. Ihre faul gewordenen Kredite eröffneten einen äußerst lukrativen Handel mit Schuldverschreibungen über Staatsanleihen, ein Handel mit Verlusten, die über die Geld entwertung auf den Devisenmärkten zu Lasten der Bevölkerungen der immer armer werdenden Länder gedeckt werden mussten. Die Entwertung ihrer Währung wurde durch einen Terminhandel über ihre Zahlungstermine betrieben. So war eine Wertakkumulation des Weltgeldes aus dem Derivatenhandel geboren, der wie eine Rückversicherung Wert aus einem eigenständigen Schuldgeldsystem beziehen konnte. Es wurde zum Werkzeug einer weltumspannenden Negativverwertung.
Die Suche der armen Staaten nach einer Lösung ihres chronisch gemachten Geldmangels wurde immer mehr von der Sucht des Kapitals nach politischer Macht bestimmt. Das fiktive Kapital suchte eine neue Art seiner Wertrealisation durch die Sucht nach Geld, wo es absolut nötig ist, um Existenzen zu erhalten. Wie die Drogendealer trugen die Geldhändler notleidenden Staaten ihr überflüssig gewordenes Geld nach und lockten sie in die Schuldenfalle einer prozessierenden Verarmung, die über den Derivatenhandel der National- und Weltbanken Gewinne einbrachten. Die Globalisierung des Kapitals verlief über den Devisenhandel, der an die Terminierung von Kreditverhältnissen geknüpft wurde und damit eine ungeheuerlich politische Macht erfuhr. Es schien so, als ob das Kapital sich hierdurch wirtschaftlich wie politisch als absolute Weltmacht dauerhaft einrichten können sollte. Der Kapitalismus wurde als alternativloses System, als Sieger der Weltgeschichte gefeiert.
Das funktioniert natürlich am besten, wo die Preisspanne zwischen arm und reich groß genug war, um den Geldwert der Armen durch das Weltgeld so zu bestimmen, wie es dann auch von der Weltbank vorgegeben werden konnte. Wo der Preis für Wertpapiere, Eigentumstitel, Kommunikationsgebühren usw. weit über dem nationalen Geldwert liegt, geht es um die Substanz der ganzen Wirtschaft, um die Sicherheit der eigenen Währung - nicht weil sich übermäßige Ausgaben oder Vorteile im Handel ergeben hätten, sondern weil die Existenzen davon abhängen. Weil die gehandelten Preise nicht mehr so sehr vom Produktwert der Waren und auch nicht mehr vom Warenhandelskapital abhängig waren, wurden sie immer mehr vom Wert der Zahlungstermine bestimmt, von der Preisspanne zwischen der Ausgabe eines Zahlungsmittels Geld zum schließlich realisierbaren Kaufmittel Geld am Termin des Zahlungsausgleichs von Vorfinanzierungen. Der Handel ist damit zu einem Geschäft um den Geldwert geworden, darum, wie viel Wert ihm zu entziehen ist, wenn man seine Preise - den Tauschwert als solchen - politisch bestimmen kann, indem man sich Zahlungspflichtigkeiten aneignet (8) und aus den Ruinen der nationalwirtschaftlichen Insolvenzen Festungen des Kapitals macht. So kann sich diese schließlich durch die politische Verfügung einer Austeritätspolitik über die Lebensbedingungen eines Existenzwerts gerade dort verfestigen, wo Finanzmittel nicht mehr im nötigen Ausmaß produktiv verwertbar sind und die Versicherung ihres Werts durch den Derivatenhandel zu optimieren war.
Dringend verlangt wird dies von einem Kapital, das ohne Anwendung ist und als fiktives Kapital die schlechte Perspektive hat, seinen Wert entweder vollends zu vernichten oder durch allerlei Geldaktivität Risiken zu mindern oder aus Preisen für Gebühren aller Art Mehrwert in die Bedingungen der Lebensproduktion, in die Grundkosten der Selbsterhaltung, besonders in das variable Kapita...

Inhaltsverzeichnis

  1. Über den Autor
  2. Danksagung
  3. Inhaltsverzeichnis
  4. Zur Einführung
  5. Die globale Kapitalisierung der Nationalstaaten
  6. Die politische Kultur einer Dienstleistungsgesellschaft
  7. Der Zerfall der repräsentativen Demokratie
  8. Die Utopie einer menschlichen Gesellschaft
  9. Index
  10. Impressum

Häufig gestellte Fragen

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