1792. Die Truppen deutscher Fürsten sind gegen das revolutionäre Frankreich zu Felde gezogen, müssen sich aber bald wieder zurückziehen. Mitten unter ihnen: der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe. Von Frankreich kommend, besteigt er in Trier ein Boot, das ihn nach Koblenz bringen soll. Doch nach der Hälfte der Strecke bricht ein Sturm los. Schließlich kann sich die Reisegesellschaft bei Trarbach ans Ufer retten, wo Goethe für einige Stunden die Gastfreundschaft des Kaufmanns Ludwig Böcking genießt.

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Goethe in Trarbach und sein Besuch bei Ludwig Böcking
- 68 Seiten
- German
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Goethe in Trarbach und sein Besuch bei Ludwig Böcking
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Information
| Goethe in Trarbach.

Hier ist nun von vornherein zu bemerken, daß dem Dichter für diese Partie seines Buches das Wagnersche Tagebuch keine Aufschlüsse geben konnte. In Trier löste sich Goethe von dem zurückflutenden Heere und aus der kriegerischen Umgebung des Herzogs, um bei Freunden in Pempelfort bei Düsseldorf und in Münster wieder stille Friedensluft zu atmen, nach welcher er sich geradezu krankhaft sehnte. War er doch nur auf den Ruf seines fürstlichen Herrn einst nach Frankreich gezogen. Denn obwohl es ihm nicht an persönlichem Mute gebrach, was er während dieses Feldzuges mehrfach gezeigt hatte, der Krieg lag ihm nicht,5 und das beschämende Entweichen des verbündeten Heeres mit all’ seinen gräßlichen Nebenerscheinungen an Krankheit, Not und Unordnung, ohne daß es eine direkte Niederlage erlitten hätte, verursachte ihm eine seelische Verstimmung, die still immer weiter fraß. Auch Wagner wäre mit seinem von ihm unzertrennlichen Pudel gern nach Hause gegangen, aber die Dienstpflicht und die verehrende Liebe zum Herzog hielten ihn noch zurück. Von seiner Moselfahrt bis Coblenz und seiner Rheinfahrt bis Düsseldorf bewahrte Goethe nun zwar manches im Gedächtnis, doch gab es auch | hier allerlei Lücken. Manches war ihm entschwunden. So befindet sich noch heute ein Zettel im Goethe-Schiller-Archiv in Weimar, auf welchem John,6 der langjährige Sekretär des Dichters, der von demselben auch die Kampagne in Frankreich in die Feder diktiert bekam, die Frage aufwirft, ob der Name des Handelsmannes an der Mosel, welcher vor 30 Jahren dort lebte und dessen Firma wahrscheinlich noch existiere, nicht ausgemittelt werden könne. Goethe hatte diesen Namen also vergessen und hat ihn auch später nicht in die Kampagne aufgenommen. Noch bei der Abfassung derselben wußte er ihn nicht und hat ihn anscheinend erst später wieder erfahren. Mit mehr Erfolg wandte er sich am 22. Januar 1822 um nähere Einzelheiten der Mosel- und Rheinfahrt an seinen früheren Diener Götze. Bis zu dieser Zeit war also die Partie über Trarbach noch nicht fertig gestellt, während die vorangegangenen Stücke damals schon druckfertig waren und zum Setzer gingen. Dieser Götze war ihm einst mehr als ein zuverlässiger Diener gewesen. Er nennt ihn später einen getreuen Zögling und Gefährten. Daher hat dieser seinem ehemaligen Herren auch zeitlebens die herzlichste Anhänglichkeit bewahrt. Er hat ihn nicht nur in Frankreich auf das rührendste betreut, er blieb ihm auch, als er 1794 seinen Dienst verließ, weiter treu verbunden. Als der Greis 1828 auf der Dornburg den Tod Karl Augusts betrauerte, erfreute er ihn aufmerksam mit Wein | und 20 Lebensmitteln und versah noch 1830 seinen Garten mit schönen Gartenkieseln. Das sauber geschriebene Rechnungsbuch Götzes mit der Aufschrift: »Einnahme und Ausgabe auf der Reise nach Coblenz 1792.« ist noch vorhanden7 und gewährt den Eindruck einer peinlichen Gewissenhaftigkeit. Ob Goethe dieses Rechnungsbuch wegen seiner genauen Datierung auch benutzt hat, wird zwar niemals angedeutet, ist für uns aber belanglos, denn für die Moselfahrt bietet es nichts. Nur lesen wir wohl gern noch aus ihm heraus, daß Goethe auf der Hinreise zum Kriegsschauplatze, die ihn am 8. August von Weimar zunächst nach Erfurt führte und dann über Gotha, Eisenach, Fulda...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Zu dieser Ausgabe
- Vorwort
- Kampagne in Frankreich
- Goethe in Trarbach
- Impressum
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