Borreliose Jahrbuch 2018/2019
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Borreliose Jahrbuch 2018/2019

Borreliose Wissen

  1. 132 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Borreliose Jahrbuch 2018/2019

Borreliose Wissen

Über dieses Buch

Wo die Schulmedizin versagt, öffnen Patientenerfahrungen neue Horizonte. In diesem Sinne sammeln die Autoren Neues und Wissenswertes aus Diagnostik, Behandlung, Forschung und Lehre, national und international. Aus dem Inhalt: congenitale Lyme-Borreliose, von der Mutter im Mutterleib auf das Kind übertragen, Anstieg von Antidepressiva, Diclofenac im Gespräch, Antibiotikaresistenz durch Mobilfunk und WLAN, Neuroborreliose und Hautkrebs, alles über Morgellons und der erste internationale Kongress, Borreliose in Europa, Meldepflicht steht im Fokus und unschöne Aspekte aus der Gesundheitspolitik, die uns das Fürchten lehren.

Häufig gestellte Fragen

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Information

Gesundheitspolitik

Meldezahlen RKI

Das Robert Koch-Institut (RKI) sammelt die Zahlen meldepflichtiger Krankheiten. Normalerweise hat jeder Bundesbürger mit Computer Zugang zum Meldesystem SurvStat, um sich tagesaktuell gemeldete Krankheiten, unterteilt nach Bundesländern, Meldejahren und –monaten abzurufen. Das war seit Anfang November 2018 bis Redaktionsschluss nicht mehr möglich. Angeblich sei man gehackt worden.

Borreliose in meldepflichtigen
Bundesländern 04.12.2018

Bundesland Mio:
Eiw.
2014 2015 2016 2017 2018
Nov.
Bayern 12,8 3163 2974 4591 3536 4747
Berlin 3,5 635 627 896 763 707
Brandenburg 2,5 1419 1196 1765 1759 1461
Meck.- Vorpom. 1,6 791 784 993 1090 776
Rheinland- Pfalz 4,0 985 1076 1454 1083 1510
Saarland 0,9 193 166 197 196 369
Sachsen 4,0 1361 1338 2166 1882 1967
Sachsen-Anhalt 2,2 385 362 506 573 491
Thüringen 2,1 393 334 570 450 526
Die enormen Zuwächse in Bayern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland (ausschließlich alte Bundesländer und erst seit 2011 und 2013 meldepflichtig geworden) lassen den Schluss zu, dass diese Meldesysteme andere Kriterien ansetzen, als die neuen Bundesländer, in denen die Meldepflicht seit Anfang der 90er Jahre existiert.
Wie unrealistisch diese RKI-Meldezahlen sind, offenbaren die Statistiken der Krankenkassen. Auf der Suche nach abgerechneten Borreliose verweigerte sich die Techniker Krankenkasse schriftlich, während AOK, Barmer und DAK ihre Auswertungen des ICD-10-Codes A69.2 zur Verfügung stellten. Selbst der Verband der Privaten Krankenversicherungen (PKV) behauptete, sie würden diese Diagnosen gar nicht archivieren, obwohl steigende Krankheitskosten immer als Grund für Beitragserhöhungen vorgeschoben werden. Aber rechnen und explorieren können wir auch so.
Versicherte 2016 % 2016 2017% 2017
AOK 26,3 Mio 0,369 100.000 0,35 101.500
Barmer 9,2 Mio 0,476 43.977 0,471 43.515
DAK 5,8 Mio 0,476 30.851 0,487 29.683
Hochrechnung der Prozentzahlen auf Basis von AOK, DAK und Barmer, weil Zahlen verweigert wurden
Techniker BKK 10,2 Mio 0,440 46.818 0,436 43.600
+Übrige 19.5 Mio 0,440 85.800 0,436 85.020
RKI 9 Bundesländer 12.331* 10.332*
*Meldezahlen unterliegen in diesen Statistiken immer geringen Schwankungen, die sich manchmal auch für zurückliegende Jahre zeigen. Wer diese Korrekturen vornimmt und weshalb, ist nicht zu erfahren.

„Patientenwohl“?

Das „Patientenwohl“ kann nicht eine „politische“ Angelegenheit sein. So wie die Forderung besteht, dass sich die SPD neu ausrichten soll, weil sie ihre Klientel verloren hat, so gehört es auch zu einem neuen Denkansatz, bezüglich des Patientenwohls. Die Medizin hat den Bezug zum Menschen verloren. „Der Mensch als Industriepalast“ (Arzt Fritz Kahn circa 1923) trägt heute ökonomische Früchte wie nie. Der Mensch ist zum Ersatzteillager degeneriert oder hat „übergeordneten“ Algorithmen zu gehorchen. Der Machbarkeitsanspruch der Medizin trägt inzwischen Züge einer Verachtung des Ursprünglichen des Menschen. Dabei wenden sich immer mehr ab, wenn eine Therapie nicht den Erfolg bringt – der Patient vom Arzt (schlicht tituliert mit „Zweitmeinung“) oder der Arzt vom Patienten: „Das ist psychisch“ – „Mein Arzt findet nichts“ (AWMF_pl051-001). Dabei fehlt jegliche Betrachtung von Seele und Geist, weil diese Begriffe nicht Bestandteil von Wissenschaft sind und unter den gegebenen Umständen auch nicht sein können. Die Medizinphilosophie führt ein Schattendasein. Der „Mensch“ ist das letzte Rad am Wagen der humanen Medizin.
Leserbrief von Günther Binnewies* am 06.03.2018 im Deutschen Ärzteblatt
*Von 2005 bis 2009 Vorsitzender im BFBD; Ehrenmitglied

Teure Lyme-Borreliose

In Deutschland wirken zwar einige sogenannte Gesundheitsökonome; aber keiner von ihnen käme auf die Idee, die Behandlungskosten von Borreliosepatienten hochzurechnen. In den USA schätzt man zwischen einer und drei Millionen Patienten mit chronischer Borreliose. Chronische Borreliose bedeutet kein unabwendbares Schicksal, sondern dauerhafte Minderbehandlung von Anfang an und Reglementierung in die Zukunft. Daher summieren sich Schätzungen für die Behandlung dieser chronisch Erkrankten auf jährlich wenigstens 75 Milliarden Dollar.
Diese Hochrechnung gründet auf den Basiszahlen des CDC (vergleichbar mit dem deutschen Robert-Koch-Institut), das von rund 300.000 jährlichen Neuerkrankungen ausgeht. Eine Studie der John Hopkins Universität analysierte, dass 40 Prozent der Borreliose-Patienten nicht frühzeitig diagnostiziert werden. Bei einer Umfrage unter 3.000 chronischen US-Borreliose-Patienten berichtete die Mehrheit, dass sie seit zehn und mehr Jahren erkrankt sei. Ein Fass ohne Boden. Deutsche Gesundheitspolitiker verschließen die Augen und befürworten eher Kampagnen der Pharmaindustrie, die Borreliose in ihren Arztfortbildungen als leicht zu heilende Krankheit darstellen.

Morbi-RSA hängt noch immer in der Luft

Die Innungskrankenkassen (IKK) wehren sich gegen Manipulationen im Morbiditäts-Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA). Die 1994 eingeführte Regelung, die ungleichen Versichertenstrukturen der Gesetzlichen Krankenkassen finanziell über den Gesundheitsfonds auszugleichen, führte in der Vergangenheit zu Mogeleien mit den 80 Diagnosen; angeblich die häufigsten und finanziell belastetenden Erkrankungen Deutschlands. Krankenkassen mit Versicherten, die mit einer dieser Diagnosen belegt seien, profitieren finanziell durch staatliche Ausgleichszahlungen aus dem Gesundheitsfonds. Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass die Diagnose Lyme-Borreliose in ihren verschiedenen Ausprägungen mit Diagnosen wie Depression, Multiple Sklerose und Parkinson belegt würde, die in den Morbi-RSA passen würden. Das lohnt sich für die Krankenkassen wie auch für die Ärzte.
Verschiedene Krankenkassen hatten in der Vergangenheit Ärzte ermuntert, ihre Diagnosen im Sinne des Morbi-RSA abzuändern, sodass mehr staatliche Unterstützung generiert werden konnte. Der aktuelle Bericht des Bundesrechnungshofes verweise nun auf unlautere Verträge zwischen Kassen und Kliniken, so IKK-Vorstandsvorsitzender Hans-Jürgen Müller; er lehne solche Praktiken strikt ab. Müller verwies in einer Pressemitteilung aus September 2018 auf Berechnungen, wonach rund zehn Prozent der Abrechnungen fehlerhaft sein dürften. Somit hätten bei durchgeführten Prüfungen bis zu sieben Milliarden Euro von den Kliniken an die gesetzlichen Kassen zurückfließen müssen, die nun fehlen.
Auch der alternierende IKK-Vorstandsvorsitzende Hans Peter Wollseifer prangert diese Praktiken an, die zu einer Schieflage der gesetzlichen Krankenkassen führten. So flössen festgestellte Falschabrechnungen nicht in den Morbi-RSA ein. Er erwarte ein entschiedenes Vorgehen des Bundesversicherungsamtes. Reformforderungen des Morbi-RSA liegen derweil auf Eis.
Es ist bekannt, dass der Wissenschaftliche Beirat des B...

Inhaltsverzeichnis

  1. Über das Buch
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Einleitung
  4. Diagnostik
  5. Therapie
  6. Forschung
  7. Gesundheitspolitik
  8. Arzt und Patient
  9. Gutachter
  10. Patientengeschichten
  11. Verschiedenes
  12. Literatur
  13. Das Geschäft mit der Gesundheit
  14. Bücher von den Autoren
  15. Literatur vom Borreliose und FSME Bund
  16. Zu guter Letzt
  17. Impressum