Die Novemberrevolution
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Die Novemberrevolution

Leer unter dem Arbeiter- und Soldatenrat

  1. 132 Seiten
  2. German
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Die Novemberrevolution

Leer unter dem Arbeiter- und Soldatenrat

Über dieses Buch

In der ostfriesischen Kleinstadt Leer hat sich, wie in vielen anderen Städten Deutschlands, am 9. November 1918 ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet. Unter der Führung des Tischlergesellen und Gewerkschafters Conrad Bruns bestimmte er bis März 1919 die Geschicke in der Stadt. Arbeiter, in der Stadt stationierte Soldaten und Teile des Bürgertums versuchten in Zusammenarbeit mit dem städtischen Magistrat als Revolutionäre wider Willen, in der Stadt "Ruhe und Ordnung" aufrechtzuerhalten, nachdem der Krieg verloren gegangen und die Monarchie zusammengebrochen war.

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Anhang

Lebensmittelunruhen

Nach der Einsetzung der Nationalversammlung und der Wahl des Bürgervorsteherkollegiums sind wieder geordnete politische Verhältnisse in der Stadt eingekehrt. Der Übergang von der Revolutionszeit in die Demokratie erfolgt bruchlos, dank eines breiten Willens zur Zusammenarbeit und zur personellen Kontinuität.
Der Alltag der Menschen wird dadurch jedoch nicht besser. Die Versorgung nicht nur mit Nahrungsmitteln wird immer schlechter. Mitte März können die Leeraner Tageszeitungen an einigen Tagen nicht erscheinen, weil es kein Papier gibt. Streiks im Ruhrgebiet haben Auswirkung auf die Kohleversorgung in Ostfriesland. In Leer können einige Betriebe mangels Kohle nicht mehr arbeiten, das Gaswerk muss auf Reserven zurückgreifen und drosselt die Abgabe: Zwischen 14 und 17 Uhr wird das Gas gesperrt, nachts bleiben die Laternen aus. In Aurich gibt es zeitweise sogar nur fünf Stunden am Tag Gas.
Ein immer drängender werdendes Problem ist die Wohnungsnot in der Stadt. In einer Sitzung des Bürgervorsteherkollegiums fordert Conrad Bruns Mitte März die Stadtverwaltung zum Handeln auf, weil vielen Menschen die Obdachlosigkeit drohe. Die Stadtverwaltung beschränkt sich zunächst darauf, per Bekanntmachung möblierte Zimmer zu suchen. Anfang April ist die Wohnungsnot „in verschärftem Maße“ zu spüren, es werden Zwangsmaßnahmen angedroht, falls leerstehende Wohnungen nicht gemeldet werden. Der Magistrat erlässt eine „Verordnung über Maßnahmen gegen Wohnungsnot“, mit der er sich weitgehende Eingriffe in den Wohnungsmarkt ermöglicht. Er verbietet die Umnutzung und den Abriss von Wohnungen und behält sich das Recht vor, Mietpreise festzusetzen.
Im April verschlechtert sich die Versorgung mit Lebensmitteln. Eier und Butter werden teurer, die Fleischzuteilung wird weiter eingeschränkt, und bald tauchen in den Zeitungen wieder Klagen über die „unverschämten Wucherpreise“ der Bauern auf. Ebenso der Vorwurf, dass die Landwirte lieber an auswärtige Hamsterer verkaufen. Als Schutzmaßnahme „gegen Eindringlinge aus dem Industriegebiet“ schlägt der Kreistag am 21. März vor, nachts bewaffnete Patrouillen auf Streife zu schicken und wichtige Straßen mit Schlagbäumen und Posten zu sichern, um den Abtransport von illegal geschlachtetem Vieh zu verhindern.
Die schlechte Versorgungslage führt zu einer Radikalisierung der Arbeiterschaft. Am 6. April tritt, aus Emden organisiert, zum ersten Mal die KPD in Leer mit einer öffentlichen Versammlung in Erscheinung.
Auf einer Volksversammlung am 10. April, zu der der Arbeiterrat möglicherweise als Reaktion auf die KPD-Versammlung aufgerufen hat, geht es ebenfalls um die Lebensmittelknappheit. Erstmals ist die Rede davon, dass Arbeiter hungern. Engelke Eimers, offenbar immer noch Vorsitzender der Lebensmittelkommission, gibt einen Lagebericht zur „Aufklärung und Beruhigung der erregten Gemüter“, Conrad Bruns ruft zur Zurückhaltung auf: „Alle Demonstrationen führen nicht zum Ziel!“ Am Ende wird beschlossen, eine Kommission zu bilden, die die Lebensmittelvorräte „in Stadt und Kreis besichtigt“.
Eine Woche später, es ist die Karwoche 1919, spitzt sich die Lage zu.
Am Gründonnerstag, 17. April, ziehen einige hundert Menschen zunächst im Rheiderland los, um „Speck und Butter gegen mäßige Preise, nötigenfalls zwangsweise“ einzukaufen. Augenzeuge ist der Pastor von Landschaftspolder, Dr. Wilhelm Nordbeck: „Durch Landschaftspolder und Heinitzpolder zogen an jenem Tag etwa 200 Menschen, alte und junge Arbeiter und Knechte. In den ersten Bauernhäusern verlangten sie Speck und Butter, und als sie beides bekommen hatten, fragten sie nach dem Preis. Die Antwort lautete, man wolle die Sachen schenken; die Bauern waren froh, den Haufen Menschen los zu werden. Nachher war das Fragen nach dem Preis unterblieben, die Leute waren immer ungeberdiger geworden und zuletzt war es zu argen Ausschreitungen gek...

Inhaltsverzeichnis

  1. Über den Autor
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Vorwort
  4. Einleitung
  5. Die Machtübernahme
  6. Räte im Kreisgebiet
  7. Das Bürgertum reagiert
  8. Die Republik Oldenburg-Ostfriesland
  9. Aufgaben des Arbeiter- und Soldatenrats
  10. Der Sicherheitsdienst
  11. Ein wenig Normalisierung
  12. Neue Soldaten in der Stadt
  13. Konflikte mit der Bürgerschaft
  14. Konflikt mit dem Kreisbauern- und Landarbeiterrat
  15. Parteienbildung nach dem Krieg
  16. Die Wahl zur Nationalversammlung
  17. Die Wahl des Bürgervorsteherkollegiums
  18. Das Ende des Arbeiter- und Soldatenrats
  19. Zusammenfassung
  20. Anhang
  21. Hinweise
  22. Weitere Informationen
  23. Impressum