2017
eBook - ePub

2017

Das Glas ist voll

  1. 356 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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2017

Das Glas ist voll

Über dieses Buch

Dies ist - rein rechnerisch - Band 9. Der wuchs so schnell heran, nicht wegen eines ausufernden Privatlebens sondern wegen der Wahrnehmungen, die das Land prägen. Es ist also Kommentierung dessen, was hier tagein tagaus serviert wird. Das schlägt abwechselnd »dem Faß den Boden aus« oder treibt in den Katarakt von Schreikrampf. Das meinen die nicht im Ernst, geht es mir wiederkehrend durch den Kopf. Es geht um die Schulen, die »Bildungsrepublik«, ich sehe viel Enteignung, mir klingeln die Ohren von »mehr Europa«, von Gender und Ökologie. Natürlich hat das »organisierte Verbrechen« seinen Platz. - Meine Streifzüge gehen auch durchs Feuilleton, durch gelesene Bücher, bisweilen einfach durch Rezensionen, durch Bilder, durch Filme, durch meine Phantasien, durch einige Reisen, dieses Mal Südafrika, durch meine Workshops.Es ist ein Erlebnisbuch, welches Fortsetzung findet - und seit 1985 läuft, also viel Zeitgeschichte aufnimmt. Es ist anstrengend und schärft die Sinne, ob ablehnend oder zustimmend, ist nicht entscheidend. Es ist unterhaltsame Auseinandersetzung - mit jedem Tag, der mir vor die Füße gesetzt ist. Daran ändern wir ja nichts, zum Glück!

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Information

Jahr
2018
ISBN drucken
9783746044644
eBook-ISBN:
9783744851183
Auflage
1
Thema
Poetry

Hier geht’s los:

1.1 Der Wahnsinn geht weiter – vom Grenzturm aus verfolgen wir die Befeuerung des Himmels über Bremen und Marßel. Auf dem Kreisel vor dem Haus sodann Austausch von Glückwünschen zu etwas Champagner und wir jagen die restlichen Bestände in die Luft. Bei den Nachbarn ist es warm, Berliner Pfannkuchen mit zu viel Marmelade.
Frieden in Syrien? Ein Witz angesichts der Versammlung von sogenannten Erzfeinden, die sich politisch, religiös, ethnisch und sonstwie abgrenzen: Türkei – nichtarabisch, mehrheitlich sunnitisch, Erzfeind von Saudi-Arabien/sunnitisch, der nichtarabische Iran/Schiiten ist genauso Erzfeind. Assad kontrolliert zehn Prozent des Staatsgebiets und setzt auf Iran. Dann natürlich Erzfeind Israel, das es einzukreisen gilt von der pan-schiitischen Fremdenlegion bis hin zur libanesischen Hizbullah. – Das ist wie Europa vor hundert Jahren! Wir haben es bezahlt. – Iraner kaufen in Damaskus Grund und Boden auf. Staaten sind Militärorganisationen, sie bieten keinen Schutz. Den bieten nur Moscheen und Stämme. Fünf Ereignisse können die Situation eskalieren, notiert RAINER HERMANN. Truppen für kommende Schlachten sind die Millionen junger Männer ohne Aussicht, Gruß von GUNNAR HEINSOHN, der mehrere Dutzend von ihnen in Bereitschaft sieht.
Ja, die Erde ist eine Scheibe, das Grau avanciert, die Aussichten werden auch nicht durch Gedenk- und Jahrestage heller – aber sie fördern immer noch Einsicht: so der 150. Jahrestag des ‚Kapital‘, Band eins. Wie nahe das Denken des scharfen Analytikers beim Weltgeist des Lehrers HEGEL siedelte, vermag ich Laie kaum mit wenigen Worten aufzumachen. Seis drum, der Weltgeist war, wurde der große Verführer. Ihn im Prinzip kapitalistischer Aneignung dingfest zu machen, gab den Treibern kommender Umwälzungen einen leichtfertigen Freifahrtschein. –
Aber der Weltgeist ist überall, er kostümiert sich nach Tagesbedarf. – Die Gewißheit des verbleibenden Aufenthalts gewinnt da an Zuversicht, wir planen Kultur- und Reiseeinsatz.
2.1. Marion hat Rügen gebucht, Elvis (Hund!) ist bei Edeltraut eingezogen, wir packen und es geht ab. Ohne besondere Vorkommnisse passieren wir die Rügen-Brücke und drücken uns zwischen den eng gesetzten Stahl-Leitplanken durch bis Goeren, vom ‚Rasenden Roland‘ begleitet, der geputzt parallel fährt. – Marions Doppelkopfdamen sorgen für einen Komplett-Abend im Hotel Hanseatic, vom Staff freundlich begleitet. Soviel Geld ging selten in die Kasse.
SHAKESPEARES Sonette sind bestürzend aktuell, was ja allenthalben von ihm gilt. SOPHIE BRANDS hat eine feine Übersetzung fabriziert, erlaube ich mir anzumerken, so:
Es ist kein Wucher unerlaubter Art,
wenn einer Glück erwirbt, für das er leistet.
3.1. Es ist beschlossen und geht über den Strand nach Sellin, bei beständigem Niesel und der Berghang rutscht. Dort ist auf der Seebrücke das alte Strandhaus aus den zwanziger Jahren dreiteilig wiedererrichtet, drinnen zur Linken in perfekter Restauration die einstige Jugendstileinrichtung, bis ins Detail des Spiegelaufsatzes, der Geländer und Deckenleuchten, museal. Darin Menschen! Wir laufen zur Spitze, wo der Interessierte eine riesige Tauchkugel besteigen kann, die ihn zum Meeresboden bringt.
Zurück ins schon fast mondäne Städtchen, übertroffen wohl von Kühlungsborn, aber auch von feinster ‚Möblierung‘. Nach einer Großtasse Kakao ziehen wir weiter zum Bahnhof. Der Zug kommt – ey, keuch, rauch, quietsch, voll der Zug! Drinnen alles alt, in der Wagenmitte der Ofen, davor ein Eimer Brikett, äschd! (eine Folge ‚Hausmeister Krause‘ wollte ich haben, 24 gabs, das fordert, nervt und prägt, kommst du nicht weg von) Also, der Zug, ächd keuch, qualm, ey stink, schnüffel ... der Lederriemen zum Hochziehen des Fensters, kenn‘ ich von 1950 auf der Strecke Bad Doberan – Heiligendamm. Voll de Verbindung. – Erschöpft im Hotel, im Zimmer ist es schön und voller Wonnen. – Nach dem Essen beim nahen Italiener versammeln wir uns alternativlos zum Kartenspiel.
Dem aufgeräumten Abend folgt die Lektüre von KARIN (KATHRINE) KRESSMANN TAYLOR: ‚Adressat unbekannt‘, 1938. So radikal, wie da eine Freundschaft binnen Monatsfrist zerbricht, habe ich selten eine Beschreibung des deutschen Aufbruchs in die Selbstvernichtung gelesen. Der kurze Briefwechsel zeigt die Geburt, den Ausbruch des feisten, vernachlässigten Deutschen aus einem hängenden Dasein, aus dem Ressentiment, welches endlich gegen den aufstehen darf, der zum Schuldigen erklärt wurde. Dieser Aufbruch, der dem braunen Terror den Raum freigibt und in der Hysterisierung des Alltags der Sehnsucht nach Größe näherkommen will. Ekel des Nachgeborenen. – Das Nachwort der ELKE HEIDENREICH ist bereits zuviel (natürlich des Guten), aber wohl unvermeidlich.
Die beiden Frauen aus der Doppelkopfrunde kommen mit ihren Rädern viel herum in der Republik und sind folglich von der Entwicklung hier im Osten beeindruckt. Sie finden, daß sie im Westen durch vergleichsweise ärmliche Gebiete reisen, zumal in NRW.
4.1. Aufbruch nach ‚Prora‘ unter Führung bei Eiseskälte. Die Volksgemeinschaft habe er aus der Frontgemeinschaft abgeleitet, bemerkte ADOLF HITLER bereits 1927. Der Riesen-Kraft-durch-Freude-Bau blieb dann im Rohzustand stehen, als es ins neuerliche Fronterlebnis ging, diesem Grundbaustein im Leben dieses Führers. Der Architekt der KdF-Front, CLEMENS KLOTZ, gelangte auf die „Gottbegnadetenliste“, jene Sonderregelung des Herrn über Leben und Tod, HEINRICH HIMMLER, welche die Gelisteten 1944 vor dem ziemlich sicheren Tod an der Front freistellte.
Heimwärts unterbrechen wir in Binz. – Im Aussichtsturm des Hotels, auf der Heiratsplattform, umgibt uns Hagel und graue Sicht auf das schäumende Meer.
5.1. Die hochwertige Prora-Broschüre verhaspelt sich in den Kategorien. Sie stellt sich nur mit dem marxistischen Wortgut gegen die ‚Volksgemeinschaft‘ und will sodann entlarven, dazu noch die Öko-Klage über gefällte Bäume, die längst nachgewachsen sind. – Dabei erfüllt dieser Begriff alle Anforderungen der Diktatur, insbesondere stützt er ihren Rassismus, er ist Brückenfunktion zum Völkischen, wie er das „Artfremde“ ausschließt, er schließt also ein und grenzt aus. Er bereitet die Rechtlosstellung und Verfolgung der Ausgeschlossenen vor. Die Eingeschlossenen (sic!) hingegen organisiert er hierarchisch im Führer-Gefolgschaftsmodus, in nationaler Arbeit, militärisch und hysterisch. Wer nicht teilnimmt am permanenten Machtrausch und Aufmarsch, gefährdet seine Existenz. Wer nicht arbeitet, soll nicht essen und wird eingesetzt, vernutzt. Die Volksgemeinschaft bildet so einen unnachgiebigen Pflichtenkreis mit Berechtigungsschein, den Kriegseinsatz zur Ressourcenbeschaffung mit all seinem Völker- und Rassenmord eingeschlossen. Alles zu seiner Zeit, denkt der Hitler, genannt ‚der Führer‘, 1933.
Der rassestrukturierte Zugriff auf das Volk schert sich nicht um Klassen. Und der klassenteilende Zugriff praktiziert Ein- und Ausgrenzung ebenso, in der DDR von der ‚Aktion Ungeziefer‘ über die Lager bis Hoheneck. Eingeschlossen den nationalistisch überwölbten Ansatz mit dem Vaterland als identitätstiftendem Anker. Im Mantel des aktuellen religiösen Zugriffs, also im islamistischen Kleid, geht es noch gröber zu.
Leicht zu erkennen, daß der demokratische Ansatz mit der Pluralität von Interessen und Positionen der anstrengendste ist, mit all seinen Ausbeulungen, Eruptionen und dem gerne lauthalsen Streit. Dabei unter der schier übermenschlichen Anforderung, jeden nach seiner Façon zu belassen, im Rahmen von Respekt und Akzeptanz vereinbarter Regeln.
Wir packen uns ein für einen Spaziergang durch eisigen Wind über die umliegenden Höhenzüge von Klein-Zicker. Alle Gaststätten sind verschlossen bis auf eine Tür zur Toilette. Schließlich nach einem schwergängigen Windbeutel -Anmutung einer Sättigungsbeilage- zurück ins Hotel. Ich folge dir in die Sauna, erschöpft. – Letzter Doppelkopfabend, wir laden auf unser Zimmer, die Gäste mit Gestühl, mein Kleingeld ist weg.
EVA BRAUNS Hund hieß Anastasia, liebevoll nannte sie ihn Stasi‘ – als ahnte sie, wie es weitergehen würde.
6.1. Um 10 Uhr ab Goeren, zurück aus der Kälte. – Zu Hause ‚schneidet‘ Jonas meinen Laptop zurecht, meine Verzweiflung weicht Milde. – Die wunderbaren Sonette schließen ab.
„Werde erwachsen Donald, Du bist Präsident“, twittert JO BIDEN, nachdem zehn Geheimdienste des Landes den Moskauer Eingriff ins Wahlverfahren bestätigen.
In Pjöngjang läßt Chefe die halbe Stadt antreten und erklärt, daß Nordkorea zur Atommacht aufgestiegen ist. Vom Einsatz ist einstweilen nicht die Rede.
Wahlaussichten der SPD bei 20%.
‚Nafri‘ ginge garnicht, meint SIMONE PETER, auf polizeiliche Abkürzungen Bezug nehmend und sieht Rassistisches am Werk.
An ‚Limo‘ wird sie sich auch stören, steht für linksmotivierte Straftäter.
„Am Sonntag -morgen- wird Dame SHIRLEY VERONICA BASSEY achtzig Jahre alt.“
19 Uhr: WOLFGANG BELTRACCHI portraitiert OTTO WAALKES, seine Ausstellung mit tausend Leuten, mir laufen die Tränen. Rundum glücklich ist er, nur die Zeit wird knapp, bemerkt er. Sie hat mich eingeholt, vom Krach in der Haft, der U-Haft erzählt er, ein Geschrei wie im Affenstall. So treffen große Ruhe und große Nervosität aufeinander. Alles sehr analog!
8.1. Im Digitalen ist die Kopie des Menschen beinahe fertig. Liegt die vor, brauchts das Original nicht länger, Wahlen eingeschlossen. Das ist folgerichtig. Die Aufregung über das Sowjet-Kadersystem mit seinem Paten IGOR SETSCHIN oder über SIMONE PETER, wie sie die polizeiliche Kontrolle der Domplatte an Sylvester anklagt, klingt da eher wie ein Spot aus dem Unterhaltungsprogramm. – Vor 17 Jahren schon verfolgte ich die Aussichten nach dem ‚Homo S@piens‘ des RAY KURZWEIL. Nun kommen wir ihnen näher, jedoch in einem anderen Format, als er es voraussah.
Abends zieht mich die Stimme des KLAUS MARIA BRANDAUER vom Schreibtisch weg. Es ist ein anderer TOBIAS MORETTI, der den ambivalenten LUIS TRENKER gibt, ebenso beeindruckend, nahe bei HANNA SCHYGULLA, die Darstellerin der LENI RIEFENSTAHL und schließlich die Figur des GOEBBELS, in Physiognomie wie Sprachduktus: mit Verachtung führt er seine Monologe mit LUIS, läßt ihn kommen und gehen – so spielte ROLF HOPPE den HERMANN GÖRING, zwei Figuren, die erst im nackten Terror erblühten.
9.1. Marion fährt wieder zur Schule.
Aus dem ‚morning briefing‘ des ‚Handelsblatts‘:
... deshalb hinterließ uns ROGER WILLEMSEN in einem jetzt postum veröffentlichten Manuskript folgende Lageeinschätzung: „Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten.“
Das staatliche Fürsorgesystem staffiert mit fürstlicher Pension aus, bis ins Kommunale. Schon eine Periode als Bürgermeister genügt zur Amtsmüdigkeit, das restlaufzeitlange Ruhegeld wird erst ab 6000 Zusätzlichen gekürzt. Der Pleitegeier auf dem Dach dreht sich nach dem Wind.
Das Abwettern beginnt, in zehn Tagen hat der neue Präsident in Nordamerika das Sagen. – Die Terminvereinbarung mit der Steuerberaterin gerät zu einer furiosen Inspektion. Da kommt Unsicherheit nach hinten und nach vorne auf. Mein größeres rechtes Auge spricht mich an – neben dem Ressentiment ist Selbstgerechtigkeit die Krätze am Übergang zur Außenwelt. Sich diesem beständigen Abrieb und Verschleiß zu stellen, d. h. der Alterung, dem abnehmenden Widerstand, dem Eindringen fremder Materie, der Verunreinigung des geschützten Interieurs zuzusehen, ohne den Arzt aufzusuchen, ohne Hautcreme, bietet Aussicht auf Gewinn. Du hattest ein Leben, wenn Du es gesehen hast, erlebt hast, es an dir hochgekrochen ist, wenn deine Hygieneformeln versagt haben. – Dabei sprach die Steuerberaterin nur übers Geld.
Alles aus 2016 deutet darauf hin, daß 2017 seine Schlußfolgerungen sein werden. Das ist nicht neu.
STEPHEN HAWKINGS wird 75, Scham befällt mich, alles ist kleinlich. Kopf hoch, sagt er, selbst wenn Sie in ein Schwarzes Loch fallen, gibt es einen Ausweg.
DAVID BOWIE, lebte er, wäre gestern 70 geworden, welche Sucht nach Leben.
Derweil schlägt ELISABETH SCHARFENBERG, der Fraktion der Grünen-Partei im Bundestag zugehörig, bezahlten Einsatz für Geschlechtsverkehr und/oder vergleichbare Handlungen mit/an Pflegebedürftigen und Schwerkranken vor. Ob die Geltendmachung solchen Bedürfnisses rezeptpflichtig sein soll oder ein einfacher „Antrag auf Sexualassistenz“ genügen soll, so BORIS PALMER, blieb offen. – So stürzt der gemeine Teilnehmer am Informationszirkus von einer Welt in die nächste, unverbunden, nur getaktet, wie Fließband, so schildert MATTHIAS HORX das Drama der Überforderten. – Mitten hinein ringt mir der Badener Galerist einen dritten Zeitraum zu fünf Metern meines malerischen Talentes, naja Umtriebs ab. Mein widerständiges Pöbeln brachte eine Absenkung auf 60 pro Meter.
Ein Reporter fragt, ob das Haus der Geschichte in Bonn das Mordfahrzeug vom Berliner Breitscheidplatz in den ‚zeitgeschichtlichen Bestand‘ aufzunehmen gedenke – einer von täglichen Orientierungsverlusten, die in der Musealisierung des Terrors Erkenntnis suchen.
Das Staat&Bank-Syndikat der ‚Group of Thirty‘, aus Spanien bekannt, findet Bargeld geschäftshindernd. Es nutzt die ‚USAid‘, einen Laden für sogenannte Entwicklungshilfe, um „Cashless Payment Partnership“ zu verkaufen, so als Kondition. Das hat in Indien wohl geklappt, Australien ist interessiert, der EZB-Chef ist Teil des Systems totaler Fiskalität – PHILIP PLICKERT hat ein wenig recherchiert und entdeckt das zwanglos changierende Komplott von Banken und Staat, das totale Geschäft zu totaler Kontrolle, herkulischer Kampf gegen ‚das Böse ist immer und überall‘.
10.1. Kleiner Aufbruch in die Sparkasse zum Coaching – und es wird ereignisreich, gegen die Schwergängigkeit zum Jahresende. Der Gang durchs Haus fordert, alle kennen mich, sprechen mich an – mit Namen und guten Wünschen, ich kenne sie ja auch, nur oft ohne Namen. Heimwärts beschaffe ich einen Karton mit Sekt & Gebäck für den nächsten Besuch.
Abends lädt die örtliche Wirtschaftsversammlung zum Jahresauftakt. Wir sind die letzten, jedoch wieder zu früh, die Bürgermeisterin spricht – noch. Erst als vor ihren Augen einer umkippt und im Rettungswagen davonstiebt, kürzt sie ab. Der Saal honoriert solche Aufmerksamkeit mit Applaus.
11.1. Nach dem Teilzeitgesetz produziert das Gesamtfürsorge-Ministerium der ANDREA NAHLES ein Vollzeitgesetz, da die vom Vollzeitmodus Geschundenen nun vom Teilzeitmodus gebeutelt sind. Die Freude über solche Kreativität ist nur bei der Chefin einzigartig. – Derweil erreicht die Steuereintreibung des erfolgreichsten Ministeriums Höchstwerte seit der Vereinigung. – Die Opposition beharrt auf der Verkehrswende, Greenpeace auf der Fleischwende. Die Planwirtschaftstruppen im Großformat. – Ich wende mich vorauseilend schon mal im Grab um.
Wenn doch das Wählen aufhörte, dann könnte nur noch Europa gewählt werden, selbst von den Widerständigen. WERNER MUSSLERS Agenda des JUNCKER’schen Regelbruchs kommt auf ein Dutzend fürs abgelaufene Jahr. Die Bedrängten freuts, der Rest hält die Schnauze, weil er die wohlfeile Gefälligkeit des Kommissionschefs nächste Woche brauchen könnte. Korruptive Allianzen sind das.
A propos, den MARTIN WINTERKORN hats erwischt – Ruhestand. Immerhin 3100 Rente, Vorteil: täglich. – Nach abklingender Aufregung bleibt Frau ANDREAE in Rage, weil der Steuerzahler über die Abschreibung Millionen trage. Daß über private Versteuerung mehr ans Amt geht als der Konzern abführt, entgeht der Grünen-Fraktionschefin. So bleibt das Geschrei allerseits.
Erholung bietet FREDDY LANGERS ‚Route 66‘-Report:
„... das Echo der zugeschlagenen Autotür ist noch nicht verhallt, da wird das Gaspedal schon bis zum Bodenblech durchgetreten. Brachial geht es los mit einer ostinaten Basskadenz, die vier Minuten lang auf einen bis zur Stumpfsinnigkeit durchgeschlagenen Takt wiederholt wird ... darüber Tom Pettys Sprechgesang ..., auf der 66 zwischen zwei Tankstellen, den Landmarken der Nation“.
Das ist so schön zu lesen und zu schauen, daß der Autor in Bensheim vorlesen wird, allerdings erst nächstes Jahr! Am 21. Mai 2018 in Bensheim.
Die ‚Literatur für mehr Europa‘ ist in der Offensive, die Rezensionen zeigen Sinkflug der Qualität an, dramatisch bei CLAUS OFFE, deftig bei JÜRGEN RÜTTGERS, bemüht immerhin bei FRANK-WALTER ST. Versteigt sich doch Erstgenannter zu der Schwindsucht, es seien die Ultraliberalen, Marktradikalen, kurz eine ‚neoliberale Verschwörung‘ gewesen, so der Rezensent, welche die Kunstwährung durchgesetzt habe und so am Zustand des Kontinents Schuld trüge. Das sind Projektionen einer Wissenschaft im Verschwörungsmodus. Im schroffen Widerspruch der Tatsachen waren es eben jene, w...

Inhaltsverzeichnis

  1. Hinweise
  2. Vorwort
  3. Textbeginn
  4. Namensverzeichnis
  5. Impressum