Ein Jahr nach dem 400. Stadtjubiläum Glückstadts liegt nun Band 2 der Glückstädter Frauengeschichte(n) vor. Auch im Jahr 2018 können viele verschiedene Frauencharaktere entdeckt werden. Schwerpunkt dieses Bandes bilden die Frauen des 19. Jahrhunderts, aber auch ausgestorbene Frauenberufe und vergessene Berufszweige sowie von ihrer Biografie her starke und markante Frauen und Mädchen kommen nicht zu kurz.Wichtig ist uns, dass dieses Buch, das wir nach wie vor in ehrenamtlicher Arbeit erstellt haben, bewahrt, zusammenträgt, dokumentiert, Fragen aufwirft und irgendwann erweitert wird. Denn wir beide konnten und können nur das nach bestem Wissen und Gewissen publizieren, was uns in der so wichtigen Oral History, den mündlichen Befragungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, mitgeteilt und was uns an schriftlichen Materialien von Privatleuten und dem so ungemein wichtigen und unersetzlichen Stadtarchiv Glückstadts zur Verfügung gestellt werden konnte. Unser Anliegen ist nicht, zu bewerten, zu kritisieren oder unangemessen zu loben sowie zu tadeln.

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Fortunae - 400 Jahre Frauengeschichte(n) in, aus und um Glückstadt. Band 2
- 184 Seiten
- German
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Fortunae - 400 Jahre Frauengeschichte(n) in, aus und um Glückstadt. Band 2
Über dieses Buch
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Information
Das erste Jahrhundert von 1617 bis 1717 Ereignisse in Glückstadt
Am 22. März 1617 wird Glückstadt durch König Christian IV. von Dänemark und Norwegen gegründet, indem er in Fredriksborg das Gründungsprivileg nach lübschem Recht ausfertigt.
1619: König Christian IV. ruft Einwanderungswillige nach Glückstadt, besonders wegen ihres Glaubens verfolgte Reformierte aus den Niederlanden und sephardische Juden aus Portugal. Ein Privileg des Königs vom 3. August garantiert ihnen Religionsfreiheit, uneingeschränkte Bürgerrechte sowie Freiheit des Handels und Gewerbes.
Bis Herbst 1620 ziehen 129 Einwohner nach Glückstadt, 70 leisten den Bürgereid und seit 3. Februar ist Wichbold von Ancken erster Bürgermeister.
Am 21. November 1632 bestellt König Christian IV. Andreas Koch zum königlichen Buchdrucker: Die heute noch bestehende Buchdruckerei Augustin, Am Fleth 36/37, wird gegründet. Sie druckte u. a. die Zeitung „Glückstädter Fortuna“.
Im Jahr 1705 wird ein neues Provianthaus für die Festung erbaut. Das alte (von 1633) kann so nicht mehr stehen bleiben und wird niedergerissen. Eine Sturmflut beschädigt das Kastell auf der Südmole massiv. Dabei werden Hafenmauer und Schloss weggerissen.
Das erste Jahrhundert von 1617 bis 1717 Inhaltsverzeichnis
- Hedwig Catharina Bach
- Friederike Amalie Prinzessin von Dänemark, verheiratete Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorf
- Hexen in, aus und um Glückstadt, Teil 2
- Catrine Klöckers
Hedwig Catharina Bach
Die älteste Einwohnerin im Jahr 1803 war Hedwig Catharina Bach, und wenn die Angaben alle richtig sind, war sie 95 Jahre alt oder stand im 95. Lebensjahr und war Witwe. Sie wohnte unter der Adresse ihres Schwiegersohns, des Unteroffiziers Otto Obbenhausen (46, geb. 1757), und ihrer Tochter Anna Feronica Cicilie Bach, der sie im Alter von 53 Jahren das Leben schenkte – also eine sehr alte Mutter war, auch oder gerade für damalige Verhältnisse.
Hedwig Catharina Bach wurde demnach im Jahr 1708 geboren. Was konnte sie alles in knapp einem Jahrhundert an Glückstädter Geschichte miterlebt haben, vorausgesetzt, dass sie auch hier geboren wurde. Leider ist ihr Geburtsname nicht mit dokumentiert worden, dies muss ich noch recherchieren.
Die Eheleute, also Tochter und Schwiegersohn, standen einem der größten Haushalte in dem Jahr in Glückstadt mit insgesamt 19 Personen vor, und zwar in der Kleinen Deichstraße 28 (heute: Kleine Deichstraße 3). Sechs kleinere Kinder – fünf Töchter und ein Sohn –, eine 40-jährige Mietsfrau und Witwe namens Margarethe Dassau, 1763 geboren, die Eheleute, die Großmutter Hedwig Catharina Bach und neun einquartierte und ledige Soldaten im Alter von 24 bis 54 Jahren bildeten die Anwohnerschaft. Die Kinder bildeten als älteste zwölfjährige Tochter Ottina Catharina Margarethe (geb. 1791), dann Dorothea Catharina Hedwig (10, geb. 1793), Elisabeth Catharina Agneta (8, geb. 1795), Jochim Peter Hinrich (6, geb. 1797), Catharina Margarethe Magd[alena] (3, geb. 1800), und als damals jüngstes Kind die einjährige Cicilie Margarethe Elisabeth (geb. 1802).
Die Soldaten waren Henrich Christian Wohlers (37, geb. 1766), Anthon Wennino (36, geb. 1767), Franz Christian Rademacher (53, geb. 1750), Johann Conrad Dreyer (36, geb. 1767), Samuel Friedrich Kupfer (54, geb. 1749), Hinrich Indeweh (25, geb. 1778), Carl Tosander (27, geb. 1776), Christoph Friedrich Westphal (24, geb. 1779) und der Artillerist Hinrich Reinhold (46, geb. 1757).
Christine Berg nach www.danishfamilysearch.com/cid1956352

Das Haus in der Kleinen Deichstraße 3 im Januar 2018. Hier lebte u.a. Hedwig Catharina Bach mit der Familie. Ob es vor über 200 Jahren in der Grundform auch so aussah? (Foto: Christine Berg)
Friederike Amalie Prinzessin von Dänemark, verheiratete Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorf
So manch erhellende Fundstelle bekommt man nach wie vor beim Lesen. Als ich im Herbst 2017 den Roman „Die Familie Floddien“ von Gertrud von Stokmans, die in diesem Band auch einen Eintrag hat, mit großem Vergnügen verschlang, kam ich auf Seite 297 an eine Stelle, wo Frau Professor Karthäuser (der Ehefrau Minna Detlefsen nachempfunden, siehe Band 1) sagt: „Na, alles, was mit dem wirklichen Leben zusammenhängt. So, zum Beispiel, daß die Tochter des dänischen Königs Friedrich III 1667 hier Hochzeit hielt, als sie einen Herzog von Schleswig heiratete, und 1648 die Elbe so stark gefroren war, daß man von dem benachbarten Bielenberg, nach Asel auf der anderen Seite hinübergehen konnte.“
Das kam mir irgendwie bekannt vor. Hat doch ihre Mutter, Sophie Amalie von Braunschweig-Calenberg, wohl zumindest etliche Tage in Glückstadt verbracht, um den Hochzeitsfeierlichkeiten, die am 1. Oktober 1643 stattfanden, Folge zu leisten (siehe ebenfalls Band 1). Sophie Amalie von Braunschweig-Calenberg wurde am 24. März 1628 auf Schloss Herzberg geboren und war eine Prinzessin aus dem Haus der Welfen. Sie wurde durch Heirat mit Friedrich III. von Dänemark und Norwegen (1609–1670), dritter Sohn des Königs Christian IV. von Dänemark und dessen erster Gemahlin Anna Katharina von Brandenburg, Königin von Dänemark und Norwegen. Am 20. Februar 1685 verstarb sie in Kopenhagen.
Friederike Amalie (geb. am 11. April 1649; verstorben am 30. Oktober 1704 in Kiel) war eine dänische Prinzessin und wurde als Ehefrau von Herzog Christian Albrecht zur Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorf. Sie war die zweite Tochter und das dritte Kind des dänischen Königs Friedrich III. und seiner Frau Sophie Amalie.
Schon ehe sie zehn Jahre alt war, verhandelte ihr Vater König Friedrich III. mit Herzog (namentlich ebenfalls) Friedrich III., dem Vater ihres späteren Ehemanns, über eine Eheschließung. Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf war der erstgeborene Sohn von Johann Adolf und Augusta, Tochter von König Friedrich II. von Dänemark, d.h. letztlich ehelichte er eine Verwandte, wie es in diesen Hochadelsfamilien als eine frühe Form von „Networking“ über Generationen üblich war.
Die Spannungen zwischen Dänemark und Schleswig-Holstein-Gottorf beendeten die Heiratspläne zunächst. Im Jahr 1666 machte die Schwächung des Gottorfer Bündnispartners Schweden durch den Zweiten Bremisch-Schwedischen Krieg eine Klärung des Verhältnisses mit Dänemark nötig. Nach längeren Verhandlungen schloss Christian Albrecht am 12. Oktober 1667 den Glückstädter Rezess mit Friedrich III. von Dänemark. Darin inbegriffen war auch die Einigung über das Testament des im Jahr 1667 kinderlos verstorbenen Grafen Anton Günther von Oldenburg und Delmenhorst, der beide aus dem Haus Oldenburg stammenden Herrscher Dänemark und Schleswig-Holstein-Gottorf gleichermaßen als Erben bestimmt hatte.
Die Hochzeit am 24. Oktober 1667 auf dem Glückstädter Schloss diente der Besiegelung des Vertrags. Die sehr kurzfristig anberaumte Vermählung fand, ungewöhnlich für eine Hochadelshochzeit, ohne große Pracht im Kreis der dänischen Königsfamilie statt. Im Ehevertrag verpflichtete sich die Braut, männliche Nachkommen zu gebären. Als Leibgedinge erhielt sie das Kieler Schloss als Witwensitz. Der sogenannte Rantzaubau – der Westflügel des Amalienbaus – liegt in Kiel zur Förde hin. Er ist mir seit meiner Kindheit bekannt und hieß immer nur „Kieler Schloss“; dass es der Witwensitz von Friederike Amalie war, habe ich nun erst gelernt!2
Die Ehe litt unter dem Konflikt zwischen Friederike Amalies Mann und ihrem älteren Bruder, der im Jahr 1670 als Christian V. König von Dänemark wurde. Zweimal musste die Herzogsfamilie ihre Residenz Schloss Gottorf verlassen und in Hamburg Zuflucht suchen. Wegen der hohen Schulden des Herzog und der Militärausgaben war das kulturelle Leben nicht auf dem Niveau des dänischen Hofs, doch setzte Herzog Christian Albrecht den Ausbau von Schloss Gottorf und seiner Gärten fort und erbaute in den Jahren 1669-1670 ihr zu Ehren auf der obersten Terrasse des Neuwerkgartens das Lustschloss Amalienburg. Das 1826 abgerissene Schlösschen wurde im Jahr 1671 vom Hofmaler Jürgen Ovens ausgemalt. Zwischen zahlreichen mythologischen Motiven waren wohl auch Friederike Amalie und die noch nicht geborenen (!) Kinder des Herzogspaares abgebildet. Zweimal reiste das Paar gemeinsam nach Schweden, dessen König Karl XI. mit Friederike Amalies Schwester Ulrike Eleonore verheiratet war.
Im Jahr 1694 wurde Friederike Amalie Witwe, aber wegen des zerrütteten Staatshaushalts war ihr Witwensitz Kiel nicht vertragsgemäß restauriert worden. 1685 war sogar ein Teil des alten Hauses eingestürzt. Doch sie besaß die Mittel, das Schloss auf eigene Kosten restaurieren zu lassen. Die Leibrente, die ihr Sohn Friedrich IV. ihr aus den Ämtern Kiel, Cismar und Oldenburg zugestand, verwendete sie zur Gänze dazu, einen neuen West- und Südflügel von Dominicus Pelli, dem Architekten ihres Bruders, errichten zu lassen.
Für ihren Lebensunterhalt und ihre Hofhaltung standen ihre eine Leibrente vom dänischen Hof und Kapital aus der Erbschaft ihrer Eltern zur Verfügung. Im Jahr 1697 war das Schloss fertiggestellt. Der Neubau enthielt die Kanzlei und eine Wohnung für den Herzog. Friederike Amalie und ihre jüngste Tochter Marie Elisabeth zogen mit ihrem Hofstaat in die renovierte Wohnung von Herzog Adolf. Dort starb sie 1704.
Viele Gemälde und Porträts, auch von ihren Kindern und Verwandten, lassen sich in den Schlössern und Museen sowie im Internet finden. Aus der Ehe mit Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf stammten vier Kinder; außerdem soll sie 12 Enkelkinder gehabt haben:
- Sophie Amalie (1670–1710) verheiratet 1695 mit August Wilhelm von Braunschweig (1662–1731).
- Friedrich IV. (1671–1702), Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf (1695–1702), verheiratet 1698 mit Hedwig (1681–1708), Tochter des Königs Karl XI. von Schweden.
- Christian August (1673–1726), Fürstbischof von Lübeck (1705–1726), verheiratet 1704 mit Albertine Friederike, (1682–1755), Tochter des Markgrafen Friedrich VII. von Baden-Durlach.
- Marie Elisabeth (1678–1755), Äbtissin zu Quedlinburg seit 1718.
Christine Berg nach https://de.wikipedia.org/wiki/Friederike_Amalie_von_Dänemark

Prinzessin Friederike Amalie mit den Kindern Christian August, Friedrich IV. und Sophie Amalie, Gemälde von Jürgen Ovens, 1675 entstanden, heute im Nationalmuseum in Schweden.
(Quelle: Diese Fotodatei wurde Wikimedia Commons durch das Nationalmuseum in Stockholm im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit Wikimedia Sverige zur Verfügung gestellt.)
2 Siehe dazu Jens Martin Neumann: „Das Schloss aus Ruinen wieder zu erwecken.“ Friederike Amalie von Gottorf und ihr Witwensitz zu Kiel. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte. 87 (2013), S. 1–30.
Hex...
Inhaltsverzeichnis
- Hinweise
- Widmung
- Grußwort
- Inhaltsverzeichnis
- „Das glückt uns auch!“
- Die berühmteste Frau Glückstadts ist die Fortuna
- Teil 1: Das erste Jahrhundert von 1617 bis 1717 Ereignisse in Glückstadt
- Teil 2: Das zweite Jahrhundert von 1717 bis 1817 Ereignisse in Glückstadt
- Teil 3: Das dritte Jahrhundert von 1817 bis 1917 Ereignisse in Glückstadt
- Teil 4: Das vierte Jahrhundert von 1917 bis 2017 Ereignisse in Glückstadt
- Ergänzungen und Errata zu Band 1 Inhaltsverzeichnis
- Danksagungen
- Autorinnen und Autoren
- Sponsorinnen und Sponsoren
- Herausgeberinnen
- Verzeichnis der Fortunae des Umschlags
- Weitere Informationen
- Impressum
Häufig gestellte Fragen
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