Ein Mördertrio auf dem Schafott
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Ein Mördertrio auf dem Schafott

Die Hingerichteten beim ersten Einsatz der Guillotine in Bayern

  1. 44 Seiten
  2. German
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Ein Mördertrio auf dem Schafott

Die Hingerichteten beim ersten Einsatz der Guillotine in Bayern

Über dieses Buch

Am 19. August 1854 gab es in München eine dreifache Hinrichtung. Dabei wurden die Delinquenten, darunter eine Frau, nicht mehr mit dem Richtschwert, sondern erstmals mit einer Guillotine enthauptet. Kurz nacheinander starben dabei eine Mordanstifterin, ihr Komplize und ein Raubmörder. Für die Presse war der Auftragsmord der grässlichste, der jemals vor einem bayerischen Schwurgericht verhandelt wurde. Und das Verbrechen des Dritten, eines Deserteurs, war nicht minder grausam. Versehen mit zahlreichen Hintergrundinformationen werden diese spektakulären Kriminalfälle hier unter Heranziehung zeitgenössischer Quellen eindrucksvoll dokumentiert.

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Information

Jahr
2018
ISBN drucken
9783752887280
eBook-ISBN:
9783752827583

XII. Tod bei Sonnenaufgang

Ihr letzter Tag endete für die drei Todeskandidaten bereits bei Morgengrauen. Kurz nach 5 Uhr öffnete sich das Tor der Angerfronfeste, aus der zwei sogenannte Armesünderkarren hinausfuhren und sogleich anhielten. Auf ihnen saßen, jeweils mit grauen Kutten angetan und von Geistlichen begleitet, Maria Aschmaier und Lambert Denkl. Sie mussten sich zunächst noch einmal anhören, was sie verbrochen hatten: »Vor der Eingangsthüre der Frohnveste war eine mit rothem Tuch überhängte Estrade, auf welcher der Gerichtsaktuar das Todesurtheil ablas, worauf der Stab über beide gebrochen wurde.«110
Danach setzten sich die zwei Armesünderwagen, getrennt durch eine Abteilung Kürassiere111, hintereinander in Bewegung. So »ging der traurige Zug im Trabe durch […] die Blumen-, Sonnen-, Schützen- und Salzstraße bis zur Jägerkaserne.«112 Hier, zwischen den zwei Salzstädeln, wartete der Wagen mit Maria Aschmaier, während der mit Denkl direkt zur Köpfstätte auf das Marsfeld weiterfuhr.113 Das Gerüst mit der Guillotine, die man damals gemeinhin »Fallschwert«114 nannte, war »erst kurze Zeit vor der Hinrichtungsstunde aufgerichtet« worden.115
Auf dem Schafott waltete wieder, wie schon die zwei Jahre zuvor bei den Exekutionen mit dem Richtschwert, der hiesige Nachrichter Lorenz Scheller(er) seines Amtes. Er stammte aus Amberg in der Oberpfalz und ging seit 1852 in München diesem blutigen Handwerk nach.116
Lambert Denkl sollte nun die fragwürdige »Ehre« zuteil werden, als Erster mit der neuen Tötungsmaschine Bekanntschaft zu machen. Er war ganz und gar gebrochen, schon vorher mehr tot als lebendig und musste von einem der beiden »Spitzwürfel«, einem Gehilfen des Nachrichters also, vom Wagen herabgehoben und auf das Schafott getragen werden.
Dort »ging alles sehr rasch vor sich: der Delinquent [wurde] an ein vor der Maschine senkrecht stehendes Brett geführt, an dieses durch 3 Riemen angeschnallt, umgelegt und an die Maschine geschoben, worauf der Scharfrichter das an einem Hebel […] hängende Fallschwert« herabließ.117 Dieses durchschnitt »ganz ruhig, aber mit Blitzesschnelle den Hals des Delinquenten«, wodurch der Kopf »in einen nebenstehenden, mit Sägspännen [sic] gefüllten Korb« fiel.118 Das war bei Denkl um 5:45 Uhr der Fall: »Schlag ¾ 6 Uhr fiel sein Haupt.«119
Danach bestieg Maria Aschmaier, die wie Denkl zuvor andächtig den Trostsprüchen der Geistlichkeit zugehört und drunten im Armensünderstübchen gebeichtet hatte, »noch ziemlich rüstig«120 das Schafott. Sie »zeigte sich mehr gefaßt und verwandte kein Auge von dem in den Händen gehaltenen Kruzifixe«121, bis auch sie betend den Tod fand: »Schlag 6 Uhr fiel ihr Haupt.«122
Damit war die Gattenmörderin Maria Aschmaier die erste Frau, bei der in Bayerns Strafvollzug die Guillotine zur Anwendung gelangte.123
Kurz vor der Hinrichtung Aschmaiers hatte auch der Wagen mit Markreiter die Salzstädel erreicht. Dem Ex-Soldaten war zuvor im Hof des Militärgefängnisses »vor einer aufgestellten Kompagnie des 2. Infanterieregiments der Kragen von der Uniform abgerissen« worden.124 Das symbolisierte seine mit dem Urteil verbundene Ausstoßung aus dem Heeresverband. Während der in starkem Trab gehaltenen Fahrt zur Richtstätte hatte er, aufrecht sitzend und laut betend, »mitunter einen kalten Blick auf die an den Straßen Stehenden« geworfen.125
An Schaulustigen mangelte es nämlich durchaus nicht: »Trotz frühester Morgenstunde und trotz unserer Krankheits-Verhältnisse fand sich doch eine ziemliche Volksmenge auf dem Richtplatze ein. Die Neuheit des heute zum Erstenmale durch unsern Nachrichter Schellerer in Anwendung gekommenen Fallschwertes mag das Ihrige hiezu beigetragen haben.«126
Markreiter verließ nun, »nachdem er das Schaffot [sic] und die Hinrichtungsmaschine, sowie die herumstehende Volksmenge genau betrachtet hatte, den Wagen, und begab sich festen Schrittes ohne Spitzwürfel in’s Armersünderstübchen.«127 Dort erhielt er, wie jeder Armersünder, nach seiner letzten Beichte die Generalabsolution eines Geistlichen.
Nachher aber schwand bei Markreiter »die physische Kraft, so daß er seine letzten Schritte zum Schaffot [sic] nur mit Unterstützung der Gehilfen des Scharfrichters machen konnte.«128 Dann, »20 Minuten nach 6 Uhr fiel auch sein Haupt«.129
Wie schon bei den beiden Enthauptungen vorher, folgte ein kurzes Gebet. Während die Leichname der Geköpften zu einem nahen Friedhof gebracht wurden, verließ die Volksmenge »mit sichtlich gutem Eindrucke die Richtstätte«.130 Schließlich war die Exekution »sicher und rasch« sowie »ohne Unfall« vonstatten gegangen.131 Lediglich »zwei Soldaten des aufgestellten Infanteriebataillons wurden von Ueblichkeiten [sic] befallen und auf einem Sanitätswagen in das Militärspital geschafft.«132
Und so gelangte die Münchner Presse zu folgendem Fazit: »Die Seitens der k. Civil- wie Militärbehörden getroffenen Anstalten, sowohl für Aufrechthaltung der solch traurigem Schauspiele gebührenden Ruhe und Ordnung, als bezüglich etwaiger Erkrankungsfälle unter den Zuschauern wie der commandirten Truppenabtheilungen verdient [sic] ehrende und dankende Anerkennung.«133
Die Guillotine war übrigens bei diesem Ersteinsatz in Bayern noch keine eigene: »Die Fallmaschine ist von Stuttgart entliehen, und wird von hier aus nach Passau gebracht, wo demnächst ein Soldat die Todesstrafe erleiden wird.«134 Vor Passau ging es damals aber noch ins oberpfälzische Amberg, wo eine Woche später erneut ein Mördertrio guillotiniert wurde.

106 Der Volksbote für den Bürger und Landmann, Nr. 190, 14. August 1853, S. 760.
107 Ebd.
108 Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik (wie Anm. 87).
109 Ebd. Das »General-Auditoriat« war beim Militär das Pendant zum Obersten Gerichtshof (=Kassationshof). Die Abkürzung »l. J.« steht für »laufenden Jahres«.
110 Der Bayerische Landbote, Nr. 235, 20. August 1854, S. 326. Zum Stabbrechen, meist verbunden mit dem Spruch »Das Urteil ist gesprochen, der Stab ist gebrochen«, siehe oben, Anm. 76. Aufgrund einer einschlägigen Verfügung des Königs vom Juni 1854 (s. S. 22) wurde dieser Verwaltungsakt (hier durch einen Gerichtsbeamten, den Aktuar) gleich vor dem Untersuchungsgefängnis vorgenommen.
111 Die »Kürassiere«, gepa...

Inhaltsverzeichnis

  1. Zum Inhalt
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. I. Vom Galgen zur Guillotine
  4. II. Unfrieden auf dem Weinbergerhof
  5. III. Mordkomplott des Familienrats
  6. IV. Ein fehlgeschlagener Überfall
  7. V. Erneute Mordvorbereitungen
  8. VI. Die brutale Bluttat
  9. VII. Verdächtigungen und Verhaftungen
  10. VIII. Der Prozess
  11. IX. Hoffen auf Strafmilderung
  12. X. Raubmord eines Deserteurs
  13. XI. Fahndung, Ergreifung und Verurteilung
  14. XII. Tod bei Sonnenaufgang
  15. Bildnachweis
  16. Sprichwörtliches von Helmut A. Seidl
  17. Über den Autor
  18. Weitere Informationen
  19. Hinweise
  20. Impressum

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