Der Christ und das Eigentum
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Der Christ und das Eigentum

Die biblische Lehre von der Gemeinschaft

  1. 100 Seiten
  2. German
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Der Christ und das Eigentum

Die biblische Lehre von der Gemeinschaft

Über dieses Buch

Joseph Hauser, ein "Diener des Wortes" unter den Hutterischen Brüdern verfasste 1605 die Schrift "Der Christ und das Eigentum" um anderen Christen anhand der Heiligen Schrift zu zeigen, dass "alles" wirklich "alles" bedeutet, wenn der Herr uns sagt, wür müssen "allem" absagen, was wir besitzen, wollen wir wirklich Seine Jünger werden (Luk 14, 33).Für manche vielleicht verstörend, aber kompromisslos und herausfordernd legt Hauser die Worte Christi aus, die heute um nichts weniger gültig sind als damals, als Er sie in Galiläa das erste Mal aussprach.

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Information

Jahr
2017
ISBN drucken
9783743164185
eBook-ISBN:
9783743108196

1. Gütergemeinschaft ist eine neutestamentliche Lehre

Daß die Gemeinschaft der zeitlichen Güter eine Lehr des Neuen Testaments sei und von allen Gläubigen erfordert werde
Eingang des Schreibens, daß man die Gebote Christi soll halten zur Seligkeit. Darunter die Gemeinschaft auch gehört, und doch gar verachtet werde. Was die Gemeinschaft sei und wie in diesem Schreiben davon soll gehandelt werden.
Es ist ein großer Schatz und edles Kleinod um das ewige Leben, welches Gott geben will denen, die ihn lieben. Darum man billig alles tun soll. Wer das erlangt, dem kann nichts Böses widerfahren, und wer das einmal versäumt, der kann den Schaden ewiglich nicht wieder gutmachen. Der Weg, der dazu führt, ist schmal, spricht Christus und sind ihrer wenige, die ihn finden (Matth. 7,14). Es sind zwar viele Menschen, die danach trachten, daß sie hineinkommen, und werden es doch nicht tun können (Luk. 13,24). Und das allein ist die Ursache: daß sie nicht auf dem schmalen Weg wandeln wollten, der einzig und allein dazu führt. Das ist, daß sie die Gebote Gottes, die uns Christus gelehrt hat, nicht halten. Denn welche sie halten, die werden das Kleinod erlangen, und welche sie nicht halten, die haben sich Christo nicht zu rühmen, da ja erst diese Christum erkennen, die seine Gebote halten (1. Joh 2,4).
Daß aber die elenden Menschen die Gebote Christi nicht halten, daran ist ihre eigene Bosheit schuld. Etlichen geschieht es darum, weil sie dieselben aus Bosheit ihrer Herzen nicht verstehen, und ob es ihnen schon gesagt wird, so fällt der Same doch nur auf den Weg, und es kommt der Satan und nimmt’s hinweg. Etliche aber, ob sie die Gebote gleich wohlverstehen, so halten sie die aus Bosheit ihrer Herzen nicht. Der schmale Weg treibt sie ab. Diese erschreckt die Trübsal, die man darum erdulden soll. Da fällt der Same in das Steinige, bekommt nicht Wurzeln, und der Sonne Hitze macht’s welk und dürr. Sie erschreckt die Gelassenheit,1 und mögen den betrügerischen Reichtum, Wollust dieser Welt und Lebens und Sorge der Welt nicht übergeben; auch, wenn sie den Weg schon wissen, so ist er ihnen doch zu schmal.
Was soll es nun aber mit diesen allen werden? In Luk. 12 lehrt Christus, das der Knecht, der seines Herren Willen weiß und sich nicht bereitet hat, auch nicht nach seinem Willen getan, der werde viel Schläge leiden müssen. Der es aber nicht weiß und hat getan, das der Schläge wert ist, wird wenig Schläge leiden. Hieraus ist gut zu sehen, daß ein jeder, der da will selig werden, die Gebote Christi wissen, und so er sie weiß, auch tun muß. So ihr solches wisset, sagt der Herr, seid ihr selig, so ihr’s tut. Nun aber werden viele Menschen durch Betrug der Sünden verführt, und das darum, weil sie wissen, daß man die Worte Christi zur Seligkeit tun soll, so tun sie es und unterlassen doch etwas, und machen sich selbst einen Trost um das, was sie tun, und nicht einmal Sorgen um das, was sie nicht tun. Den fleischlichen Menschen ist wohl mit dem Betrug, die gerne selig sein wollen, und es doch nicht gerne darum tun, wie es sich gehört. Aber die List wird ihnen nicht helfen, ihre Hoffnung wird ihnen fehlen. Denn Petrus lehrte uns in Mose, daß man den großen Propheten Christus in allem, was er uns sagt, hören soll, und wer das nicht tut, dessen Seele soll vertilgt werden (Apg. 3,22-23).
Paulus will, daß wir in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus, wachsen sollen (Eph. 4,15). Jakobus spricht, wer das ganze Gesetz hält und sündigt an einem, der sei am Ganzen schuldig (Jak 2,10). Christus der Herr erfordert die höchste Treue auch im Geringsten, und wer im Namen Christi schon etwas, ob es auch kräftige Taten wären, getan habe—wenn er übertritt und nicht in der Lehre Christi bleibst, so hat er Gott nicht und Christus kennt ihn nicht, sondern wird sagen: Weicht von mir, ihr Übeltäter (Matth 7,22). Darum warnt Paulus in Gal. 6,7 und sagt. Irrt euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten.
Unter den Geboten aber unseres Herrn Jesu Christi, deren man nicht achtet, sondern spricht und dagegen handelt, ist sonderlich die Gemeinschaft. Die ist bei manchen, auch die sich Brüder und Schwestern des Herrn nennen, sogar in Vergessenheit gekommen, sogar verachtet und verhaßt, daß man sie nicht allein für eine fremde Lehr ansieht, sondern noch spöttisch verlacht, sie als ein Greuel anfeindet und dagegen kämpft.
Ich verstehe aber hier bei dieser Gemeinschaft nicht, daß man nur, wenn man etwas übrig hat, gibt, und das meiste behält, wie es auch vorhin unter dem Gesetz geschehen, und die Reichen es noch in aller Welt tun (der eine mehr, der andere weniger). Der Gemeinde Brauch ist, besonders die Gemeinschaft, von der wir reden, daß man sich alles des, was man hat, entledigt, das Herz davon reinigt und zum gemeinsamen Nutzen der Heiligen freiwillig und fröhlich hingibt; wie das vollkommene Gesetz des Geistes, das Evangelium, vermag und den armen Witwen (Mark 12) samt andern mehr zukommen läßt, wie es bei allen Gläubigen zu Jerusalem Brauch war.
Diese Gemeinschaft, sage ich, wird geflohen, gehaßt und bekämpft, gleich, als wenn im Evangelium kein Wort davon geschrieben wäre. Ja, als wenn sie das Evangelium zu fliehen, zu hassen und es zu widersprechen befolgen und das Eigentum zu halten gebieten, wo doch nicht bald ein Artikel christlicher Religion im Evangelium reichlicher und ernstlicher getrieben wird. Der eine spricht, sie sei ein Menschengebot; der andere sagt, sie sei eine Sklaverei und Menschenzwang; der dritte nimmt sie als eine Gemütsverführerei und viele warnen jedermann davor. Lassen es nicht genug sein, daß sie dasselbe nicht tun, sondern wehren es mit aller Macht ab von denen, so es tun wollen. Es muß die Weisheit auch von ihren Kindern also gerechtfertigt und verspottet werden, daß auch viele guten Gemüter dadurch solches verlästern und eine Abscheu davor bekommen und sich vor einer Verführung hüten.
Deshalb habe ich mir vorgenommen, mit diesem einfältigen Schreiben aus Gottes Wort etwas dazu zu tun, den Liebhabern der Wahrheit zur Unterrichtung, den Verächtern aber ein Zeugnis, daß die Gemeinschaft eine Lehre der evangelischen Vollkommenheit sei, die im Neuen Testament von allen Gläubigen erfordert werde; welche Christus, da er auf Erden war, selbst reichlich gelehrt und auch selbst gelebt hat, und nachdem er durch die gerechte Hand Gottes erhöht war, vom Himmel durch seinen Heiligen Geist verordnet und aufgerichtet und durch seine Apostel unterhalten, und die Gläubigen angewiesen habe.

1 Gelassenheit = das Loslassen u.a. vom Besitz, aber auch von den Sorgen und vom Selbst

2. Der Schatz im Acker

Christus habe Gemeinschaft in Matth. 13 gelehrt
Soviel nun das erste anbelangt, daß Christus, der Herr, die Gemeinschaft selbst gelehrt habe. Obwohl es an vielen Orten und Enden geschehen, will ich es doch sonderlich nur mit vier Schriften des Evangeliums erklären und hierbei auch viele andere Sprüche einführen. Nicht allein zur Bestätigung und Erläuterung, sondern auch als Hinweis, daß ein jeder fleißige Leser daraus erkennen soll, daß die Gemeinschaft vielfältig und auf mancherlei Weise vom Herrn Jesus angegeben worden ist. Der erste Spruch, damit Christus die Gemeinschaft gelehrt hat, nehme ich aus dem 13. Matth. Kapitel, da der Herr also spricht:
„Das Himmelreich ist gleich einem verborgenen Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand, verbarg ihn und ging hin vor Freuden über denselben, verkaufte alles, was er hatte und kaufte den Acker.“ (Matth 13,44)
Hier lehrt Christus ganz klar die freie Hingabe der Güter, welches dann die wahre Gemeinschaft ist. Sonderlich mit den Worten, die er spricht daß der Mensch vor Freuden über den Schatz hinging, alles verkaufte, was er hatte und kaufte den Acker. Die Bedeutung der ganzen Rede ist also, daß der allerteuerste Schatz nicht jedermann bekannt ist, sondern ist ein Geheimnis Gottes, der Gemeinde Christi beigelegt, welcher denen, die zum Glauben geschickt nicht um ihrer Werke willen und der Gerechtigkeit, die sie getan haben, sondern aus Gnaden, ohne Verdienst gleichwie gefunden, eröffnet sei. Welchen sie auch hoch und teuer achteten und nicht den Hunden und Säuen vorwarfen, sondern in ihrem Herzen wohl bewahrten, und deswegen vor Freude, und nicht aus Zwang oder Traurigkeit, wie es die Fleischlichen an sich haben, hingehen und sich bereiten, denselben zu überkommen auf solche unberühmte Weise, daß sie sich all ihrer Güter wider alle Natur gänzlich abtun und den Preis, oder Wert des Ackers, der Gemeine Christi aus Liebe zum allgemeinen Nutzen übergeben.
Diese erzählte Bedeutung der Worte Christi kommt in vielen gleichlautenden Schriften vor und ist auch an sich selber leicht zu sehen, wenn nur das Auge einfältig und man dem Eigentum nicht so ganz ergeben ist. Aber der Gott dieser Welt verblendet aller Sinn und macht ihre Augen schalkhaftig, daß es ihnen gar finster ist und sie mit sehenden Augen nicht sehen noch mit hörenden Ohren nicht hören noch mit verständigen Herzen nicht verstehn. Deshalb ist ihr Herz mit Geiz durchtrieben und hantiert mit erdichteten Worten, diese Lehr anders zu deuten, damit sie der Gemeinschaft, welche ihnen ein Zwang wäre, entrinnen, und bei dem Eigentum, welches ihrem Fleisch eine Freiheit ist, verbleiben mögen. Und sagen, daß bei dem „Verkaufen alles, was man hat“, nicht die Verlassenschaft aller zeitlicher Güter zu verstehn sei, sondern es werde damit gelehrt, daß man alle Laster meiden und verlassen solle. Lieber, laßt uns doch bedenken, wie sich diese Auslegung reimen will und ob sie mit andern dergleichen Worten, die sonst in der Heiligen Schrift stehn, übereinstimmt, denn diese Auslegung hat wohl eine Gestalt und Schein der Weisheit, dienet aber den Menschen zum Schaden. Aus diesem Mißbrauch entspringt, daß sie die Gemeinschaft Christi verdunkeln wollen. Wer aber zu hart im Eigentum verstrickt ist und die Heilige Schrift mit einfältigen Augen ansieht, wird es wohl finden, was der Satan mit dieser Auslegung meint. Daß aber diese Auslegung nicht Grund habe, ist daraus offenbar, wie folgt: Erstlich, daß im ganzen Neuen Testament nirgends an einem Ort mit den Worten gesagt ist, sondern allwegs, wie sie selbst lauten, die zeitlichen Güter bedeuten. Sehe man diese Stellen darum an Mark. 10, 21; Luk. 12,33; Apg. 2,45.
Zum andern, daß es keine Geschicklichkeit geben will, daß man diese Worte „Verkaufe alles, was man habe und den Acker kaufen“ auf die Laster beziehen will. Denn wer soll hier in diesem Gleichnis der Käufer sein? Wer will einem um einen Haufen Laster was geben, daß er den Acker kaufe? Ist es Gott der Herr? Das sei fern. Er begehrt keine Laster zu kaufen, und ist ihm alles gottlose Wesen viel zu feindlich. So tut es der Satan noch viel weniger, denn er begehrt die Laster niemand abzunehmen. So kann er auch nichts geben, daß man den Schatz dafür bekommen möchte. Oder sollen wir mit den Sünden und Lastern ein Geschäft machen? Wie der Antichrist seinem Haufen Ablaßbriefe dafür gibt, die man danach, so man zu der Himmelspforte kommt,2 Petrus zeigen und dafür das ewige Leben bekommen soll? Weg mit solcher Geschäftemacherei!
Zum dritten hat es im Neuen Testament viele Sprüche, nach welchen diese Worte, ohne gewählt, wohl mögen und sollen verstanden werden. Der Spruch, den der Herr redet in Luk. 16,9: „Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn es euch gebricht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten“, kommt mit diesem Sinn wohl überein Desgleichen die Lehr in Matth. 19,21, die Christus dem reichen Jüngling gibt, daß, wenn er schon alle Gebote gehalten hat und wolle vollkommen sein, solle er hingehen und alles verkaufen, was er habe und es den Armen geben; so werde er einen Schatz im Himmel haben. Ist es doch ganz und gar einerlei Meinung und schier einerlei Worte.
Ebenso sagt der Herr: „Gebt die Habe (etliche griechische Texte sagen, gebt alle Habe) als Almosen. Siehe, so ist’s euch alles rein.“ (Luk. 11,41) „Ein jeglicher unter euch, der nicht absagt allem, was er hat, der kann mein Jünger nicht sein.“ (Luk 14,33) Mit diesen Schriften sollen diese Worte ungezwungen füglich und wohl ausgelegt werden.
Zum vierten. So haben wir auch hierüber den allergewissesten Ausleger, den Geist der Wahrheit, auf den es Christus alles gegeben hat, wie er es in den Geschichten der Apostel ausgelegt und gelehrt hat. Er erinnert auch alle Gläubigen in Jerusalem, wie sie es verstanden und sich danach angestellt haben, welches uns billig genug sein sollte, daß nicht alles falsch sein kann, daß diese Leute die Worte nach den obengenannten Schriften und Exempeln der Heiligen nicht ausgelegt haben wollen, sondern ihnen viel lieber einen andere Bedeutung Satans lehren, der doch unerwünscht ist und ihnen, die Schrift auf solcher Art zu reden, überall zuwider ist. Ist deshalb der Wahrheit der Schrift, des Heiligen Geistes Auslegung und dem Verstand der Gemeinde Gottes zu Jerusalem gemäß, daß Christus mit diesen Worten die fröhliche Verlassung und Darreichung aller zeitlichen Güter, das ist die Gemeinschaft, gelehrt habe.
Doch wenn wir schon hierin zugeben (wider die einfältige Wahrheit), daß mit diesen Worten (alles verkaufen, was man hat,) die Meidung der Laster möchte verstanden werden, so soll diese Schrift nicht destoweniger sich soweit erstrecken, daß sie der Gemeinschaft kräftig, doch nicht so klärlich dienen soll; denn, so hiermit alle Laster zu verlassen gelehrt wird, so würde die Wurzel des Geizes, samt allen Übeln die aus ihr erwachsen, auch müssen verlassen sein. Alsdann könnten in der Gemeinde Christi kein Eigennutz noch Eigenliebe, keine Reue noch Wucher, keine Sorge der Welt noch Sorge um Nahrung, keine Schulden noch Erbteilung, keine List des Fleisches noch irdische Sinnlichkeit geduldet werden (Röm. 13; Luk. 12). Denn aus dieser Wurzel wachsen dicke Übel und andere noch viel mehr, die alle sollen verlassen sein. Wo bleibt denn nun das Eigentum? Wo bleibt der Dienst des Mammons?
Die Gemeinschaft, die eine Ausmerzerin solcher Laster ist, würde also bald überhand nehmen und dein Reich fallen müssen. Wie würde abermals mancher Eigennütziger hiermit, wie der reiche Jüngling, betrübt sein. Der Erbteiler, als ein Geiziger, müßte sich verkriechen, der nur von dem Übrigen etwas einlegt, würde beschämt, und keiner wäre dem andern etwas schuldig, denn Liebe. Jedermann suchte nicht das Seine, sondern des Nächsten Nutzen und würde also die Gemeinschaft in völligen Schwung getrieben und das Eigentum würde sich verlieren. Denn die Freude über diesen teuren Sch...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Motto
  3. Vorwort des Herausgebers
  4. 1. Gütergemeinschaft ist eine neutestamentliche Lehre
  5. 2. Der Schatz im Acker
  6. 3. Der reiche Jüngling
  7. 4. Almosen und Halljahr
  8. 5. Allem absagen, um ein Jünger zu werden
  9. 6. Jesu eigenes Vorbild
  10. 7. Der Heilige Geist stiftete die Gemeinschaft
  11. 8. Die Apostel bestätigen die Gemeinschaft
  12. 9. Schlussworte
  13. Weitere Bücher von FDGC
  14. Impressum

Häufig gestellte Fragen

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