Als von 1983 bis 1986 die kleine Reihe der Neuen Arche Bücherei erschien, geschah dies in einer Phase des Wandels der Buchkultur, die sich von Nachkriegstraditionen zu lösen versuchte. Dazu gehörten neue Literaturtitel wie auch sich verändernde gestalterische Maximen - nicht zuletzt unter dem Einfluss des massenhaft verbreiteten Taschenbuches.Der Grafiker und Buchgestalter Max Bartholl nahm das verlegerische Konzept des unter neuer Leitung stehenden Arche Verlages auf, schloss an die Kleinen Bücher der Arche an und kreierte ein Reihen-Layout, das ein hohes Maß an auch gestalterischer Individualität des Einzeltitels einforderte.Im Rahmen der Neuen Arche Bücherei sind nur insgesamt 18 Bände erschienen. Als kleine Sammlung werden sie beschrieben und komplett abgebildet sowie in den Kontext des Arche Verlages und der Tätigkeit der seinerzeitigen Verlegerinnen gestellt.

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Die Neue Arche Bücherei und Max Bartholl
Zum Wandel des Buchdesigns kleiner Reihen
- 112 Seiten
- German
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Über dieses Buch
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Information
Zur großen Sammlung der
Kleinen Bücher der Arche
Die besondere Geschichte des Arche Verlages und seines Verlegers Peter Schifferli (1921-1980) ist vielfach beschrieben und achtungsvoll bewundert worden. Sowohl für die Literatur-Entwicklung der Nachkriegszeit in der Schweiz, in Deutschland und in Europa als auch für das Definieren (neuer) verlegerischer Standards wirkte „die Arche“ in vielerlei Hinsicht richtunggebend. Dies mag im vorliegenden Zusammenhang im Wesentlichen aber nur als Hintergrund dienen.
Der Arche Literatur Verlag wurde 1944 von Peter Schifferli als Verlags AG Die Arche in Zürich gegründet (und erfuhr 1983, 1994 und 2008 maßgebliche organisatorische Veränderungen). Im Frühjahr 1945 kam das erste Buch heraus und markierte eine späterhin große Gruppe von bedeutungsvoller, auch internationaler Literatur, die im deutschen NS-Staat verboten gewesen war. Etwa für Übersetzungen fehlten der Verlagsbranche zu Beginn noch die Möglichkeiten. Auch die deutschsprachige Erstausgabe von Saint-Exupérys Der kleine Prinz erschien 1950 im Verlag der Arche und gilt als Meilenstein der Verlagsgeschichte.
Der Arche Verlag publizierte Texte von berühmten bis bekannten Autoren wie Gottfried Benn und Werner Bergengruen sowie Gesamtausgaben von Georg Heym, Georg Trakl und Hans Carossa. Der Verleger Schifferli war auf der höchsten Ebene des Literaturbetriebs umtriebig engagiert. Seine „Arche“ war Programm und bot verschiedensten Autoren eine Heimat, die nach dem Krieg Schwierigkeiten hatten, einen Verlag zu finden, nachdem sie zuvor nicht selten verfemt oder verboten gewesen waren.
Gottfried Benns Statische Gedichte erlebten ihre erste Ausgabe 1948 im Arche Verlag. Namen wie Hans Arp, Walter Mehring oder Kurt Schwitters aus den 1950er Jahren sollten später in der Neuen Arche Bücherei erneut auftauchen ebenso wie Peter Bichsel, dessen Band Des Schweizers Schweiz 1969 erstmals erschien.
Zweifellos war „die Arche“ im ersten Nachkriegsjahrzehnt einer der wichtigsten deutschsprachigen Verlage und bot eine Plattform für einen der ambitioniertesten Teile des deutschsprachigen Literaturbetriebs. Von 1952 bis 1980 ist Friedrich Dürrenmatt der wohl wichtigste Autor des Verlages gewesen – ihm gesellten sich zahlreiche junge Schweizer Autorinnen und Autoren hinzu.
Die frühe Geschichte des Arche Verlags ist zweifellos die persönliche Geschichte des Büchermachers Peter Schifferli gewesen. Mit seinen sorgfältig gestalteten Editionen hat er sich ein Stück weit den Kommerzialisierungstendenzen des Buchmarktes widersetzt und ist zu keiner Zeit auf das auflagenstarke Taschenbuch „eingestiegen“. (Ob diese Aussage noch zu modifizieren wäre, könnten Blicke in das Verlagsarchiv der Arche mit Beständen zwischen 1944 und 1982 erweisen, das sich in der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern befindet.)
Bereits in den 1940er Jahren wurde von Peter Schifferli parallel zum Hauptprogramm des Verlages auch die Reihe Kleine Arche-Bücherei (ganz zu Beginn ohne den Zusatz „klein“, später dann: Die kleinen Bücher der Arche) ins Leben gerufen mit Texten wie Werner Bergengruens Dies Irae, Christian Morgensterns Galgenliedern oder Reinhold Schneiders Die letzten Tage.
Die Reihe mit ihren kleinformatigen Ausgaben war zunächst für deutsche Kriegsgefangene in englischen Lagern konzipiert, entwickelte sich wenig später allerdings rasch zu einem festen Bestandteil der deutschsprachigen Literaturszene der Nachkriegszeit und hat mit später stark abnehmenden Tendenzen eine Auflage von etwa zwei Millionen Exemplaren erreicht.
Die Geschichte der Kleinen Bücher der Arche, bei denen die unverzichtbare literarische Qualität immer höher bewertet wurde als mögliche Auflagenzahlen und Verkaufserfolge, verläuft bis in die 1970er Jahre hinein, dann mit dauerhaften Einbrüchen nicht zuletzt aufgrund des Siegeszuges der Taschenbücher. Die letzten Neuerscheinungen der Reihe mit Bandnummern über 500 datieren zu Beginn der 1970er Jahre.
Anders als etwa bei dem nahezu unüberschaubar gewordenen „Nummernsalat“ der Insel-Bücherei ist an der Nummerierung der kleinen Arche-Bücher konsequent festgehalten worden, auch wenn es im Einzelfall zahlreiche Nachdrucke, Neuauflagen und aufgefrischte Covergestaltungen gab wie bei einem der „Renner“ des Verlages, Bergengruens Drei Falken (Abbildungen S. → und S. → / →).
Die in Richtung Literaturkritik und Feuilleton stets ambitionierten kleinen Arche-Bücher mit ihrem fest gebundenen und außerordentlich zurückhaltend dekorierten Papp-Umschlag besetzten oder bildeten sogar, in der Nachfolge zahlreicherer Vorkriegsreihen (nicht nur der Insel-Bücherei oder von Langen Müller), ein eigenes Segment für Literatur- und Bücherfreunde, das jedoch relativ klein blieb. Deshalb erwuchs ihm nach 1945 nur noch in einem vergleichsweise begrenzten Umfang neue, nachahmende bis epigonenartige Konkurrenz, unter vielen anderen in Gestalt von christlichreligiösen Reihen wie provita oder der bereits etwas älteren Furche-Bücher, der Anker-Bücherei, der Kleinen Bertelsmann-Bücher oder, mit deutlich gesteigertem gestalterischen Aufwand, der Piper-Bücherei (hinzu zu nehmen sind entsprechende oder vergleichbare Reihen in der DDR). Das Element des bibliophilen Sammelns war und blieb in diesem Segment immer präsent im Sinne von konstitutiv.
Die Entwicklung der Umschlag-Gestaltung der Kleinen Bücher der Arche in den Nachkriegsjahrzehnten scheint bisher nicht näher betrachtet worden zu sein. Das mag mit daran liegen, dass einerseits die Art ihrer schlichtreduzierten Gestaltung für „Taschenbuch-Design-Historiker“ kein Thema darstellt und andererseits für die Entwicklung der klassischen Buchkunst die Reihe wohl als zu klein und unscheinbar und auch zu wenig anspruchsvoll gesehen wird, sowohl bezüglich der Inhalte als auch in Richtung bibliophiles Design.
Der Blick auf die Umschläge der kleinen Arche-Bücher kann hier nur so etwas wie eine erste Stichgrabung sein, die hoffentlich als Ergebnis die Notwendigkeit zeitigt, sich mit diesem Thema anhand aussagekräftiger Quellen näher zu beschäftigen. Im Verlagsarchiv der Arche in Bern lassen sich sicherlich solche Quellenbestände auffinden, die zu repräsentativeren Aussagen führen würden, als sie hier möglich sind. Dazu gehören vor allem die Namen der Umschlaggestalter, die in den Bänden selbst häufig nicht genannt worden sind und im Einzelfall vielleicht auch dem Verlag angehört haben. Angesichts des oftmals außerordentlich schmalen Umfangs der Bändchen, einige haben nicht mehr als 36 Seiten, dürfte die Umschlaggestaltung nicht selten möglichst kostengünstig gestaltet worden sein.
Das bedeutet jedoch nicht, dass das Gesicht der Reihe von Dilettanten gestaltet worden ist. Bei ihrem Grundkonzept hat vielleicht sogar auch Jakob Hegner, der Verleger-Freund von Peter Schifferli, als buchgestaltender Typograf beeinflussend mitgewirkt. Jedenfalls war Hegner berühmt dafür, jegliche Bildumschläge für (nicht nur) seine verlegerischen Objekte abzulehnen und in strenger Form an Schriftumschlägen festzuhalten. Entsprechend sind zu Beginn auch die Kleinen Bücher der Arche zur Zeit des Weltkriegsendes auf den Markt gekommen.
Ihr Cover-Design in seinen konkreten, vielhundertfachen Ausgestaltungen lässt sich sodann relativ mühelos und klar in vier Gestaltungsphasen untergliedern (wenngleich diese Phasen sich zeitlich überschneiden

Bergengruens Rosenstock-Erzählung (Nr. 2, 6. Auflage, 1946) in einer frühen Ausgabe aus der ersten gestalterischen Phase sowie einer späteren Ausgabe von 1962.
können). Generell haben von Phase eins bis Phase vier die Farbigkeit und die Wirkung von Titelillustrationen immer mehr zugenommen sowie auch die Variabilität der Typografie. Die vierte Phase war freilich hinsichtlich des Gesamt-Designs dann wieder sehr viel strenger angelegt, insbesondere in Richtung Typografie und beim grafischen Aufbau zuungunsten kreativerer Bildgestaltung.

Bergengruens Tempelchen-Erzählung in zwei Ausgaben aus der ersten Gestaltungsphase der Kleinen Arche-Bücher - als Gestalter der Sonderausgabe (rechts) ist Werner Rebhuhn genannt.
Die erste, bildfreie Phase begann 1945 und dauerte zumindest bis 1952 (bisher: Nr. 146/47). Sie ist gekennzeichnet durch ein elegantes, bibliophiles Layout, bei dem die Insel-Bücherei offenkundig Pate gestanden hat. Die aufgedruckten Titel- und Rückenschilder sind in identischer Weise, kleinformatig und grafisch einförmig angelegt und unterscheiden sich nur durch ihre Farbigkeit auf durchgängig beigem Untergrund, der eine vorsichtige Marmorierung in ganz le...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Zur großen Sammlung der Kleinen Bücher der Arche
- Die Neuerinnen Regina Vitali und Elisabeth Raabe
- Neue Arche Bücherei
- Max Bartholl
- Die 18 erschienenen Bände als Reihe
- Weitere Informationen
- Nachwort
- Literaturhinweise
- Danksagung
- Hinweise
- Impressum
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