
- 756 Seiten
- German
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Scepter und Hammer
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Scepter und Hammer ist der erste Teil eines Doppelromans. Die Juweleninsel ist der zweite Teil. Es gehört zum Frühwerk von Karl May.
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Vierzehntes Kapitel. Der schwarze Kapitän.
Nach den zuletzt erzählten Ereignissen waren zehn Jahre vergangen. Es war im März, dem heißesten Monat Egyptens. Die Sonne brannte glühend hernieder; der Sand der Wüste vermochte ihre Strahlen nicht mehr aufzunehmen; er warf sie wieder von sich, so daß sie sich wie ein wallendes Gluthmeer über die Ebene lagerten und dem nach einem grünen Punkte sich sehnenden Auge Schmerzen verursachten.
Eine kleine Karawane zog durch die Wüste. Voran ritten zwei Männer zu Pferde. Der eine war alt, sein Bart hatte das Grau des Silbers angenommen; dennoch aber machte er noch den Eindruck der Kraft und Ausdauer, welche zu einem Wüstenritte unbedingt erforderlich sind. der andere war bedeutend jünger. Seine Gestalt überragte die des ersten um Kopfeslänge.
Hinter ihnen kam ein kostbar aufgezäumtes Kameel mit einem Tachterwahn (Frauenkorb), in welchem eine verschleierte Frau saß, die ein ungefähr zweijähriges Mädchen in den Armen hielt, dessen kindliche Züge auf die Schönheit der Mutter schließen ließen.
Dann folgte eine Diener, welcher mehrere Lastkameele leitete, und den Zug beschlossen einige bewaffnete Männer, denen man es ansah, daß sie ihre krummen Säbel und langrohrigen Büchsen wohl zu gebrauchen wußten. Die beiden Anführer unterhielten ein lebhaftes Gespräch.
»Weißt Du gewiß, daß wir uns in der rechten Richtung befinden, Katombo?« frug der Ältere.
»Ja, Vater,« antwortete der Gefragte. »Ich weiß es ganz genau, daß wir am Abende, also in ungefähr drei Stunden, die Uah (Oase) erreichen werden.«
»Dann Gott sei Dank! Wir fürchten uns natürlich vor einer solchen Reise nicht; aber Ayescha und das Kind besitzen unsere Kräfte nicht und bedürfen es sehr, daß der Ritt zu Ende geht. Was wird Omar-Bathu sagen!«
»Und Sobeïde! Sie haben keine Ahnung, daß wir kommen, und ihre Überraschung wird ebenso groß sein wie die Freude, welche unser Besuch erregen wird.«
»Zehn Jahre! Es ist eine lange, lange Zeit, daß wir sie nicht gesehen haben; für Dich war sie glücklich, für Omar nicht. Du wurdest Kapudan Pascha (Oberadmiral), und er wurde zum Tode verurtheilt, weil es ruchbar wurde, daß er der Tödtung des Mudellir von Assuan und unserer Flucht nicht fern gestanden hatte. Es gelang ihm zu entkommen, und nun muß er als ein Geächteter und Verfolgter in der Wüste leben, die ganz allein ihm Sicherheit gewährt.«
»Das ist schlimm; doch ist sein Unglück nicht so groß, als wie es scheint. Er und Sobeïde lieben sich, und seine Mameluken sind ihm treu ergeben. Ich werde all meinen Einfluß aufbieten um zu erlangen, daß ihm der Khedive die Erlaubniß gibt zurückzukehren.«
»Wird Dein Einfluß so weit reichen? Der Vizekönig ist beinahe selbstständiger Herrscher seines Landes, in Mesr (Egypten) gilt der Wille des Sultans jetzt so viel wie nichts, und außerdem mußt Du bedenken, daß Du in den Augen des Vizekönigs ja selbst der Strafbare bist.«
»Es kommt darauf an, ob man in Nurwan-Pascha den Katombo erkennt, welcher den Mudellir überlistete und besiegte. Doch halt! Was sind das für Punkte?«
Er deutete mit der Hand vorwärts, wo am Horizonte einige weiße Punkte erschienen, welche sich näherten. Die Karawane hielt an, und die Männer griffen zu den Waffen.
»Sind es Feinde?« frug mit ängstlicher Stimme die Verschleierte.
»Das kann man nicht wissen, Ayescha,« antwortete Katombo. »Jeder Wüstenbewohner ist mehr oder weniger ein Räuber oder Dieb.«
»Es sind ihrer viele,« meinte Manu-Remusat. »Kannst Du sie zählen, Katombo?«
Dieser hielt die Hand über die Augen, um von der Sonne weniger geblendet zu werden.
»Fünf – zehn – zwölf – fünfzehn – zwanzig! Wenn es Feinde sind, so sind sie uns an Zahl überlegen.«
»Dennoch werden wir uns wehren!«
Die Reiter kamen näher. Ihre weißen Haïks (Burnus mit Kaputze) schimmerten im Lichte der Sonne. Sie hatten die Reisenden bemerkt und hielten in einer breiten Front auf sie zu, deren Flügel sich nach und nach verschoben, so daß die Karawane umzingelt wurde.
Ayescha zitterte vor Angst und drückte ihr Töchterchen fest an sich. »Kämpft nicht, sondern ergebt Euch lieber,« bat sie.
»Beruhige Dich,« sprach Katombo; »wir haben nichts zu fürchten. Ich kenne einen von ihnen. Er war mit Omar-Bathu, als dieser Sobeïde holte.«
Die Reiter schwangen drohend ihre Lanzen und Flinten, und als der Kreis um die kleine Karawane geschlossen war, frug der Anführer:
»Wer seid Ihr?«
»Wir sind Reisende, die eine Uah suchen, und wünschen Frieden mit Euch.«
»Wo kommt Ihr her?«
»Aus Mesr.«
»Und wo wollt Ihr h...
Inhaltsverzeichnis
- Erstes Kapitel. Die Zigeunerin.
- Zweites Kapitel. Belauscht.
- Drittes Kapitel. Die Brüder Jesu.
- Viertes Kapitel. Im Hause der Irren.
- Fünftes Kapitel. An der Grenze.
- Sechstes Kapitel. Der Beginn des Kampfes.
- VII. Schachzüge
- VIII. Almah.
- Neuntes Kapitel. Der tolle Prinz.
- Zehntes Kapitel. Vor Jahren.
- XI. Paroli.
- XII. Ein Rückblick.
- XIII. Vom Reïs zum Kapudan Pascha.
- Vierzehntes Kapitel. Der schwarze Kapitän.
- Fünfzehntes Kapitel. Am Vorabend.
- Sechzehntes Kapitel. Kampf und Sieg.
- Anmerkungen zu dieser Geschichte
- Impressum
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