Geschichte der Tabakarbeitergenossenschaft – ein Lehrstück
  1. 88 Seiten
  2. German
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Über dieses Buch

Die Tabakarbeitergenossenschaft existierte von 1892 bis 1909. Sie war "im Kampf geboren", in der Abwehr gegen die große Aussperrung der Hamburger Tabakarbeiter und diente zunächst der Beschäftigung gemaßregelter Gewerkschafter. Mit drei Betrieben in Hamburg, Hockenheim (Baden) und Frankenberg (Sachsen) und zeitweilig fast 900 Beschäftigten wuchs siezu einem respektablen Unternehmen heran. Sie war die größte Produktivgenossenschaft in ihrer Zeit. Schließlich wurde sie von der Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Consumvereine übernommen, die die Betriebe weiterführte und mit ihren Produkten die Konsumgenossenschaften versorgte.

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Information

Jahr
2013
ISBN drucken
9783848223015
eBook-ISBN:
9783848282159
Auflage
1

IV. Umwandlung der Tabakarbeitergenossenschaft und Aufwärtsentwicklung

Der Geschäftsbericht für das Jahr 1900 konstatiert zunächst die erfreuliche Tatsache, dass der Absatz von 4.316 Mille im Jahre 1899 auf 5.065 Mille, der Gewinn von 3.667 M auf 7.539 M im Jahre 1900 gestiegen sei; er gibt weiter eine Gesamtübersicht der Entwicklung von 1891 bis 1900 und begründet dann die Anträge der Verwaltung auf eine Umwandlung der Genossenschaft aus einer Produktivgenossenschaft zu einer Produzenten- und Konsumentengenossenschaft. Die zehnjährige Periode, für welche laut Statut jegliche Gewinnverteilung ausgeschlossen wurde, war abgelaufen. Die Frage war jetzt, was soll und muss geschehen, um die Entwicklung der Genossenschaft den Absichten ihrer Gründer entsprechend weiter zu fördern.
Die Verwaltung beantragte, die Haftsumme von 100 M auf 25 M zu ermäßigen, den Höchstbetrag der zu erwerbenden Geschäftsanteile auf 100 festzusetzen, den Mitgliedern vom Reingewinne eine Kapitaldividende bis zu 6 % zu gewähren und, nach einer Vermehrung der eigenen Reserven um mindestens 3 % im Jahr, die Abnehmer von Waren sowie die Arbeiter und Angestellten mit dem gleichen Prozentsatz an dem verbleibenden Gewinn zu beteiligen.
Für die den Privatabnehmern zu gewährende Umsatzprovision sollte Voraussetzung sein, dass sie während des ganzen Jahres ihren Bedarf fast ausschließlich von der Tabakarbeitergenossenschaft gedeckt hatten; für die Einführung von Ausnahmesorten von Privatfirmen sollte die Einwilligung der Geschäftsleitung vorher eingeholt werden. Für den den Arbeitern und Angestellten zu gewährenden Lohnzuschlag wurde die Bedingung gestellt, dass sie mindestens sechs Monate in dem betreffenden Jahr bei der Genossenschaft gearbeitet hätten.
In der Begründung zu diesen Anträgen heißt es:
„Es sei ferne von uns, aus der Tabakarbeitergenossenschaft eine kapitalistische Dividendengesellschaft zu machen, dazu werden Genossenschafter, welche zehn Jahre lang ohne jegliche Verzinsung ihrer eingezahlten Gelder der Genossenschaft in allen Nöten treu geblieben sind, ihre Hand nie bieten. 93.897 M Gewinn (siehe Kapitalkonto) sind von der Genossenschaft in zehn Jahren erzielt worden; diese Summe auf die Inhaber der 301 Anteilsscheine, welche Ende 1900 zu Buch standen, verteilt, ergibt das für einen Arbeiter schon ganz respektable Sümmchen von 312 M.
Aber wir sind keine „Teiler“; nicht die Aussicht auf hohen Gewinn hat die Genossenschafter zusammenhalten lassen, sondern der in fast allen Geschäftsberichten wiederkehrende, am Schlusse des ersten Berichts namentlich betonte Grundsatz: „Eine immer größere Anzahl von Berufsgenossen aus ihrer abhängigen Lage zu befreien“. Wenn nun auch dies bisher nicht in dem erhofften Maße möglich war, so glauben wir doch, dass wir der Verwirklichung dieses Zieles heute um ein gutes Stück näher gerückt sind.
In den letzten Jahren hat die Organisation der Konsumenten große Fortschritte gemacht, vor allem aber ist der Gedanke der Eigenproduktion auf genossenschaftlicher Grundlage immer mehr propagiert worden; wir geben uns der begründeten Hoffnung hin, dass – sofern unsere Genossenschaft wie bisher ihren genossenschaftlichen Charakter wahrt und die Interessen der Konsumenten mit denjenigen der produzierenden Arbeiter in einen vernünftigen Einklang zu bringen versteht – die Tabakarbeitergenossenschaft von der weiteren Entwicklung der Genossenschaftsbewegung eine bedeutende Vermehrung ihres Absatzes erwarten kann. Der Absatz an die Konsumvereine im letzten Jahr hat sich wesentlich gehoben, im Vergleich zu dem Gesamtabsatz ist derselbe allerdings noch minimal; er betrug nur ein Viertel desselben; wenn er jedoch nur im gleichen Verhältnis wie im letzten Jahre wächst, so dürfte uns der nächste Geschäftsbericht schon ein wesentlich günstigeres Bild zeigen.
Wenn wir in diesem Jahre zu Reorganisation unserer Genossenschaft schreiten, so meinen wir, muss dies auf einer Grundlage geschehen, wie solche sich die organisierten Konsumenten bei Errichtung einer eigenen Fabrik auch nicht besser zu schaffen imstande wären. Nach dieser Richtung bewegen sich die Vorschläge der Verwaltung.
Eine Kapitaldividende für die Mitglieder der Genossenschaft bis zu 6 % wird jeder für berechtigt halten. Im Übrigen werden dieselben Einrichtungen empfohlen, die sich in den Genossenschaftsfabriken Großbritanniens längst bewährt haben: Gleichmäßige Beteiligung der Konsumenten und der Arbeiter am Gewinn. Wir sind der Überzeugung, dass wir dadurch das Interesse beider Teile an der Genossenschaft wesentlich stärken werden. Selbstverständlich ist und bleibt, dass wir nach wie vor im Einvernehmen mit der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter bezüglich Festlegung der Lohn- und Arbeitsbedingungen in unseren Fabriken handeln werden; wenn wir die Arbeiter dann weiter noch am Gewinn beteiligen, so hoffen wir dadurch zu bewirken, dass dieselben aus eigenem Antrieb, ohne, wie dies in anderen Fabriken üblich, bei jeder Gelegenheit von den Meistern dazu angehalten zu werden, bei ihrer Arbeitsleistung das Interesse der Genossenschaft im Auge haben. Gerade bei der Zigarrenfabrikation hängt ein günstiges Ergebnis der Produktion nicht unwesentlich von den Resultaten ab, welche die Arbeiter bei der Bearbeitung des Materials erzielen; wir hoffen, dass je mehr die Arbeiter überzeugt sind, dass mit der Fortentwicklung der Genossenschaft auch ihre Interessen gewahrt werden, diese an ihren Mitarbeitern für die Zukunft gewinnen wird.“
In der Generalversammlung der Genossenschaft, am 11. März 1901 wurden die Anträge auf Herabminderung der Haftsumme, Erhöhung der Zahl der Geschäftsanteile sowie der Antrag auf Gewährung einer Warenrückvergütung ohne Widerspruch angenommen; eine längere Debatte verursachte dagegen der Antrag, den Arbeitern einen Lohnzuschlag zu gewähren. Dessen Annahme erfolgte mit einer Mehrheit von nur ein Viertel der Stimmen. Zur Annahme des Antrages war statutarisch Dreiviertelmehrheit der Anwesenden erforderlich; für den Antrag stimmten 25 anwesende Mitglieder, dagegen 8.
AufGrunddergefasstenBeschlüsseerfolgtedann eine vollständige Umarbeitung des Status; das neue Statut wurde in der Generalversammlung am 3. Februar 1902 einstimmig angenommen. Die geschäftliche Entwicklung der Genossenschaft im Jahre 1901entsprach durchaus den Erwartungen, welche man an die vollzogene Umwandlung geknüpft hatte.
Der Absatz stieg gegenüber dem Vorjahr von 5.065 auf 6.202 Mille, von 207.100 M auf 256.488 M, der Absatz an die Konsumvereine von 50.734 M auf 110.963 M, von 24,6 % auf 43,3 % vom Gesamtumsatz. Zur Steigerung des Absatzes trug erheblich auch der Umstand mit bei, dass die Genossenschaft jetzt die Konsumvereine durch einen von ihr angestellten Geschäftsreisenden besuchen ließ. Von den Konsumvereinen war der Hauptabnehmer der im Jahre 1899 in Hamburg gegründete Konsum-, Bauund Sparverein „Produktion“, der sich verpflichtete, seine Zigarren ausschließlich von der Tabakarbeitergenossenschaft zu beziehen und die ihm pro rata seines Bezuges zu gewährende Warenrückvergütung nicht abzuheben, sondern auf das Anteilkonto der Genossenschaft zu zeichnen.
Die Verrechnung des Warenbezuges der übrigen Konsumvereine erfolgte durch die Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine. Die letzte bezog im Jahre 1901 an Waren von der Tabakarbeitergenossenschaft für 95.185 M, die „Produktion“ für 15.236 M.
Der Geschäftsabschluss für das Jahr 1901 war ebenfalls ein guter; die Erübrigung3 betrug 13.075 M, wovon eine Rückvergütung für den Warenbezug 3 % = 6.319 M, an Zuschlag zu den gezahlten Löhnen ebenfalls 3 % = 2.773 M zur Verteilung gelangten.
Von dem dann verbleibenden Reingewinn von 3.983 M wurden den Mitgliedern 6 % Zinsen für ihre Anteile = 629 M gezahlt und der Restbetrag den Reserven der Genossenschaft zugeschrieben.
Mit diesem guten Resultat war das neue System wirkungsvoll eingeführt, über die daran geknüpften Hoffnungen heißt es zum Schluss des Geschäftsberichts pro 1901:
„Wir sprechen am Schlusse nur noch die Erwartung aus, dass der günstige Rechnungsabschluss der Genossenschaft neue Freunde überall erwerben und die alten in ihrer Treue zur Genossenschaft festigen möge, dass vor allem aber die Konsumvereine in der Produktion der Tabakarbeitergenossenschaft immer mehr ihre eigene Produktion erblicken und dieselben durch ihren Beitritt zu unserer Genosse...

Inhaltsverzeichnis

  1. Titelseite
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Vorwort
  4. I. Stellungnahme der organisierten Zigarrensortierer in Hamburg zur Gründung einer Genossenschaft
  5. II. Gründung der Tabakarbeitergenossenschaft und geschäftliche Schwierigkeiten im Gründungsjahr.
  6. III. Kampfperiode 1892 bis 1899
  7. IV. Umwandlung der Tabakarbeitergenossenschaft und Aufwärtsentwicklung
  8. V. Schlussbetrachtungen
  9. Impressum