Hunde in der Psychotherapie
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Hunde in der Psychotherapie

  1. 76 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Hunde in der Psychotherapie

Über dieses Buch

Diplom­Psychologin Rosa van Almen setzt in ihrer Praxis für Verhaltenstherapie seit über 30 Jahren Therapiebegleithunde ein. Von Angststörungen über Zwangsstörungen zu Burn­out, die Psychologin nimmt Sie mit auf eine Reise durch ihren Praxisalltag.Anhand von anschaulichen Fallbeispielen lernen Sie, wie ein Hund in der Psychotherapie hilft. Wertvolle Tipps erklären Ihnen, was Sie beachten sollten, und machen deutlich, wie sich der Einsatz von Hunden in der Psychotherapie von anderen Therapiebegleithunden unterscheidet. Dieses Buch zeigt Ihnen praxisnah Schritt für Schritt, wie die Arbeit mit dem Co­Therapeuten Hund in der Psychotherapie erfolgreich umgesetzt werden kann.

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Kapitel 1

Was können Hunde in der tiergestützten Psychotherapie leisten?

Hunde sind vertrauensbildende „Türöffner“. Zu Beginn fungieren sie als „Eisbrecher“, indem sie die Beziehungsgestaltung zwischen TherapeutIn und PatientIn förderlich unterstützen. Sie helfen anfängliche Widerstände der Patienten zu mindern, indem sie helfen, eine angenehme offene Atmosphäre entstehen zu lassen, in der es leichter fällt, über die eigenen Probleme und Schwierigkeiten zu sprechen. Hunde können während der Sitzungen beruhigend und angstmindernd wirken.
Durch Übertragungs- und Projektionsprozesse können sie Patienten helfen, leichter über ängstigende und beunruhigende Aspekte zu sprechen und auch leichter an unbewusste Inhalte zu gelangen. Gleiches gilt, wenn Hunde als „sicherer Hafen“ und „sichere Basis“ fungieren.
Auch fällt es dann in der Regel leichter, schmerzhafte Erlebnisse zu reflektieren. Zudem wird der/ die PatientIn eher neue Möglichkeiten erkennen und kreative neue Verhaltensweisen erproben, wenn er/sie sich sicher fühlt und emotionale Unterstützung erfährt.
Seit geraumer Zeit werden Tiere ganz bewusst wegen ihrer positiven und beruhigenden Wirkung auf den Körper, die Seele sowie den Geist des Menschen im Rahmen therapeutischer Settings eingesetzt. Hierbei kommt dem Hund als „Freund des Menschen“ eine ganz besondere Bedeutung zu. Er ist das erste Tier in historischer Hinsicht, welches domestiziert wurde. Der Hund gehört unter den Vierbeinern zu denjenigen, welche sich in der gemeinsamen Geschichte in ihrem Ausdrucksverhalten am besten auf den Menschen eingestellt haben und bei vielen Menschen positive Gefühle, Gedanken und Erinnerungen auslösen. Seine wohltuende Wirkung auf den Menschen ist inzwischen hinlänglich bekannt. Verschiedenste Untersuchungen wurden initiiert, um die Wirkmechanismen tiergestützter Therapie nachzuweisen.1
Doch bedingt durch die Vielfalt der unterschiedlichen Interventionsformen und ein fehlendes theoretisches Gesamtkonzept ist es ungeheuer schwierig, die Wirksamkeit tiergestützter Interventionen nachzuweisen. „Zwar liegen zahlreiche Einzelfallberichte vor und auch jeder, der mit Tieren arbeitet, weiß um deren besondere Bedeutung im therapeutischen oder pädagogischen Prozess, jedoch ist es bis heute offen, ob Tiere eine spezifische Wirkung entfalten oder eher unspezifisch die Atmosphäre so verändern, dass Therapie erleichtert wird.“2
Für den Bereich der tiergestützten Interventionen zeigte eine Untersuchung der Arbeitsgruppe um Andrea Beetz (Beetz et al. 2011), dass in einer Stresssituation in der Anwesenheit von Tieren die physiologischen Indikatoren von Stress weniger stark ansteigen.3
Im Kontakt zu einem Hund erleben Patienten erstmals häufig nach langen Jahren bedingungslose Akzeptanz, ehrliche und direkte Rückmeldung. Hunde besitzen einen hohen Aufforderungscharakter, dem sich das menschliche Gegenüber kaum entziehen kann. Ein Patient muss nicht befürchten, von einem Hund abgewiesen oder alleingelassen zu werden. Hunde akzeptieren ihr menschliches Gegenüber vorbehaltlos und ungeachtet von Äußerlichkeiten, Lebensgeschichten, Krankheiten, Intelligenzquotienten und Neurosen. Sie vermitteln Sicherheit, da sich das menschliche Gegenüber der uneingeschränkten Zuwendung gewiss sein kann, der Hund nicht kritisiert, in seiner Botschaft Eindeutigkeit liegt und das Verhalten relativ vorhersagbar ist.
Eine weitere sehr wertvolle Eigenschaft von Hunden ist, dass sie instinktiv die Stimmungslagen der sie umgebenden Menschen wittern und dementsprechend reagieren. Positive Erfahrungen im Mensch-Tier-Kontakt führen im besten Fall dazu, dass die betroffenen Menschen ermutigt werden, Vertrauen zu einem anderen Lebewesen aufzubauen und diese Erfahrungen auf die Beziehungsebene Mensch-Mensch mit dem Tier als Brückenfunktion zu übertragen.
Die stressreduzierenden Effekte von sozialer Unterstützung – sei es von einem Menschen oder einem Haustier – beruhen wahrscheinlich auf der Aktivierung des Oxytozinsystems. Insbesondere dann, wenn es zu Körperkontakt in einer vertrauten Beziehung kommt, wird das Hormon Oxytozin freigesetzt. Da Oxytozin die Aktivierung der Stress-Systeme hemmt, reduziert sich der Stress von Individuen, die in einer belastenden Situation die Nähe zu einer vertrauten Bindungsfigur suchen und von dieser (psychisch und körperlich) getröstet werden. Die beschriebene, stressreduzierende Wirkung von Hunden beruht meiner Meinung nach auf diesem Mechanismus. Aber Oxytozin hemmt nicht nur die Stress-Systeme. Oxytozin erhöht zudem die Fähigkeit sowie die Bereitschaft, sozial angemessen zu interagieren. So bewirkt ein höherer Oxytozinspiegel beispielsweise eine geringere soziale Ängstlichkeit, eine höhere Empathie sowie ein höheres Vertrauen in Andere. Sollte also tatsächlich in der Beziehung zu einem Tier das Hormon Oxytozin freigesetzt werden, dann bieten tiergestützte Interventionen jenseits der Stressreduktion ein noch größeres Potential.
Weitere Glückshormone neben Oxytozin werden im Kontakt mit einem Tier in der tiergestützten Psychotherapie gebildet, sogenannte „Glückshormone“. Als Glückshormone werden populärwissenschaftlich häufig bestimmte Botenstoffe (Hormone, Neurotransmitter) bezeichnet, die Wohlbefinden oder Glücksgefühle hervorrufen können, und zwar durch stimulierende und/oder entspannende und/oder schmerzlindernd-betäubende Wirkung. Beispiele sind: Dopamin, Serotonin, Noradrenalin, Endorphine, Phenethylamin (PEA).4
Darüber hinaus gibt es bis heute noch keine eindeutigen Studien, ob tatsächlich überdauernde Effekte durch tiergestützte Interventionen ausgelöst und langfristig konditioniert und manifestiert werden können.
Mir scheint es in diesem Zusammenhang wichtig zu betonen, dass Tiere von sich aus keinen therapeutischen oder pädagogischen Prozess gestalten, sondern dass sie die vom Therapeuten oder Pädagogen eingeleiteten Lern- und Veränderungsschritte unterstützen und begleiten.

1 FITT Forschungsbericht 4/2013 des Freiburger Instituts für tiergestützte Therapie (Rainer Wohlfarth, Bettina Mutschler, Eva Blitzer).
2 ebd. S. 5.
3 ebd. S. 7.
4 vgl. Nagasawa, M., Kikusui,T., Onaka,T. & Ohta,M. (2009). Dog’s gaze at its owner increases owner’s urinary oxytocin during social interaction. Hormones and Behaviour, 55, 3, 434-441.

Kapitel 2

Wie alles begann – die Geschichte meiner Liebe zu den Molossern

Oftmals werde ich gefragt, woher ich meine Liebe zu Tieren habe. Vermutlich liegt es in meinen Genen. Mein Urgroßvater war königlich bayerischer Tierarzt und meine Familie über Generationen extrem mit Tieren verbunden. Mein Leben war stets begleitet von Hunden, Pferden, Hühnern, Wachteln. Insbesondere die Hunde haben es mir angetan. Im Lauf der Jahre habe ich mich zunehmend auf die sogenannten Molosser eingeschossen. Zu den Molossern gehören als Urstammväter die römischen Kampfhunde, die bis zu 100 kg auf die Waage bringen, aber als Therapiehunde wenig geeignet sind, da allein ihr Anblick alle Patienten lautschreiend in die Flucht schlagen würde. Als Schulmädchen las ich einmal einen Bericht über die Englische Bulldogge in einer Zeitschrift. Sie wurde als sehr eigenwillig bis stur beschrieben, furchterregend aussehend, ein idealer Beschützer- und Familienhund, unendlich gutmütig, schmerzunempfindlich, phlegmatisch und so laut schnarchend, dass man den Lautsprecher des Fernsehers oder Radios in ihrer Gegenwart lauter stellen müsse. Die Englische Bulldogge wurde in diesem Artikel als fürchterlich grimmig aussehend beschrieben, dabei strotzend vor Liebenswürdigkeit und Charme. Meine späteren Erfahrungen haben dies mehr als bestätigt. Die spezielle Form des Kopfes und die unzähligen Falten verleihen dem Gesicht der Bulldogge ein unendliches Spektrum von Ausdrucksmöglichkeiten. Bulldoggen können strahlen, Grimassen schneiden, lachen, wenn sie unternehmungslustig und fröhlich sind. Umgekehrt können sie todtraurig werden und in unermessliche Trübsal verfallen. Dann sehen sie so gottserbärmlich depressiv aus, dass man sich sofort bei ihnen entschuldigen muss, weil dieser Anblick nicht auszuhalten ist. Dieser Hund ist demnach eine faszinierende Mischung von überströmender Liebenswürdigkeit und verblüffendem Draufgängertum. Blitzschnell sind ihre Angriffsaktionen, wenn es darum geht, jemanden aus der Familie zu verteidigen. Wer diesen auf den ersten Blick gemütlichen, massigen Hund sieht, kann nicht einmal ansatzweise erahnen, wie unerhört rasch sein Reaktionsvermögen ist und mit welcher Höchstgeschwindigkeit er von null auf hundert losrast. Wie ein Porsche.
Um eine Englische Bulldogge besitzen zu wollen, bedarf es einer sehr wesentlichen Grundvoraussetzung an den Besitzer: Er oder sie benötigt ein unendliches Quantum Humor sowie eine gute zahlungsfreudige Hundehaftpflichtversicherung. Die Englische Bulldogge entschädigt dies alles im Übermaß, denn sie ist ein liebebedürftiger, rührend anhänglicher Hund, zeigt in jeder Situation Charakter und ist treu bis in den Tod.
Ich war als kleines Mädchen derart begeistert von dieser Beschreibung, dass ich beschloss, mir irgendwann einen solchen Hund zuzulegen. Da es sich bei der Englischen Bulldogge um eine äußerst seltene Rasse handelte, bekam ich jahrzehntelang niemals lebend eine zu Gesicht. Stattdessen befanden sich die unterschiedlichsten Rassen an meiner Seite. Dackel, Zwergschnauzer, Riesenschnauzer, American Bulldog und Mops. Als mich nach dem Ableben unseres Rauhaardackels wieder mal meine alte Sehnsucht nach einem Englischen Bulldog überkam, fragte ich meinen Sohn Maximilian, ober er eine Ahnung habe, wo man so ein seltenes Exemplar zu Gesicht bekäme. Da Maxi ein ungewöhnlich kluger und sozial gut vernetzter junger Mann war, antwortete er wie aus der Pistole geschossen: „Die Jessica, aus meiner Schule, hat eine Englische Bulldogge“. Auf meine Frage, wie er den Hund fände, grinste er verhalten und empfahl mir, ihn mir anzusehen. Das tat ich dann auch.
Als ich bei Jessicas Familie – selbstverständlich nach vorheriger telefonischer Anmeldung – am nächsten Tag läutete, öffnete sich die Türe mit einem Summton. Ich blickte in einen schmalen langen Gang. Aus dem Hintergrund hörte ich ein ohrenbetäubendes Japsen und Grunzen und bevor ich reagieren konnte, schoss mir eine etwa kniehohe Pelzkugel wie ein rotierender Wirbelwind in voller Geschwindigkeit entgegen und rammte mich derart gekonnt, dass mir beide Beine weggezogen wurden und ich äußerst unsanft auf dem Boden landete. Das war Oskar. Im Hintergrund schrien Jessica und ihre Mutter: „Keine Angst, er tut nichts!“ Im nächsten Moment wurde ich von einer glückseligen Englischen Bulldogge , die alles Gezetere ihrer Besitzerinnen geflissentlich überhörte, von oben bis unten abgeschlabbert. Als ich mich endlich aufgerappelt hatte, wurde ich binnen weniger Sekunden erneut so zu Boden geworfen, dass mir Sehen und Hören verging.
Das war meine erste Konfrontation mit einer Englischen Bulldogge. Obgleich mehr am Boden liegend als die Situation überblickend, wurde mir schlagartig klar, mit was für einem enormen Kraftpaket ich es hier zu tun bekommen hatte. Gigantisch. Auch wenn mir jeder Knochen weh tat – ich war mehr als beeindruckt. Nachdem Oskar sich in seinem Freudentaumel einigermaßen so eingekriegt hatte, dass man in dem Getümmel sein eigenes Wort wieder verstand, fragte ich, woher die beiden Damen ihren sensat...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Kapitel 1: Was können Hunde leisten?
  3. Kapitel 2: Wie alles begann
  4. Kapitel 3: Mein Einstieg in die Arbeit mit Tieren
  5. Kapitel 4: Einmal Molosser – immer Molosser
  6. Kapitel 5: Eine 30-jährige Erfolgsgeschichte
  7. Kapitel 6: Therapiereitpferd & Co
  8. Kapitel 7: Zwangsstörung
  9. Kapitel 8: Angsterkrankungen
  10. Kapitel 9: Burn-out bei einer Asperger-Patientin
  11. Kapitel 10: Selbstverletzung
  12. Kapitel 11: Holocaust in meiner Praxis
  13. Kapitel 12: Trauer- und Sterbebegleitung
  14. Kapitel 13: Möglichkeiten und Gefahren
  15. Kapitel 14: Tipps für den Einsatz eines Therapiebegleithundes in der Psychotherapie
  16. Über die Autorin
  17. Impressum