Brennholzverleih
  1. 116 Seiten
  2. German
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eBook - ePub

Über dieses Buch

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um Texte in Prosa und Lyrik zu 100 Jahre DaDa im Jahr 2016, von Gregor Bendel, Rolf Habel und Karl-Peter Gerigk - mit Illustrationen von Rolf Habel und Rainer Hess. Texte und Bilder sind durchaus sozialkritisch zu verstehen.

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Information

Jahr
2016
ISBN drucken
9783741286179
eBook-ISBN:
9783741269912
Auflage
1
Thema
Poesie

Ursprünge

von Gregor Bendel
Vom Ursprung des Tabaks. I. (1)
Fischer hatten sich am Ufer des Wassers niedergelassen, um ihre Fische zu braten. Einer von ihnen öffnete mit seinem Messer den Bauch eines großen Fisches (2) und entdeckte darin den Tabak (3).
Rainer Hess, Acryl & Wein, Bristolkarton, 13x13 cm, 2008
Er versteckt den Fisch und raucht nur nachts, hinter dem Rücken seiner Gefährten. Diese riechen den Duft und überraschen ihn. Da entschließt er sich, mit ihnen zu teilen. Aber die Männer ziehen den Rauch ein, statt ihn auszustoßen. »So darf man nicht rauchen«, erklärt ihnen ein übernatürlicher Geist, der die Form eines Vampirs (4) angenommen hatte. »Macht zuerst ouufff..., und sagt dabei: Großvater, empfange den Rauch und entferne von mir das Übel! Sonst werdet ihr bestraft, denn der Tabak gehört mir.« Die Fischer gehorchten nicht, und so waren sie am nächsten Morgen fast blind geworden, in Fischotter (5) verwandelt. Aus diesem Grund haben die Otter (6) ganz kleine Augen (7). Rainer Hess, o.T,
1 C L-S, Mythologica I, Das Rohe und das Gekochte, Sonate der guten Manieren , S.143, M 27: Bororo.
2 Ein Kudogo, ein nicht-identifizierter Fisch; port. »abotoado« , E. B. = Albisetti, C., und Venturelli, A. J.; Enciclopee dia Boroo ro, Campo Grande 1962.
3 Hier lässt sich präzisieren, daß der Bororo-Terminus mea nicht nur den wirklichen Tabak und die benachbarten Arten der Gattung Nicotiana bezeichnet, sondern auch mehrere Arten von aromatischen Blättern, die auf dieselbe Weise geraucht werden. Unseren Quellen zufolge würde sich die folgende Erzählung - M 26 - auf Nicotiana tabacum beziehen, die zum Bokodori-Clan gehört, und diese oben nacherzählte - M 27 - auf ein Anemonengewächs, das dem Paiwé-Clan »gehört« (Colb., S. 212; 3, S. 213; E. B., Bd. I, S.287, 959).
4 Anstatt eines Vampirs wird hier wohl die weitverbreitete Vampirfledermaus gemeint sein. Eine ältere Version (Colb., S. 210 f.) enthält nicht die Episode des Vampirs. Der Held Baitogogo, der »den Tabak der Seelen« in den Bauch des Fisches gelegt hatte, dieser Baitogogo selbst ärgert sich darüber, daß seine Untertanen den Tabak schlecht rauchen und verursacht daraufhin ihre Verwandlung in »ariranhas«.
5 Arianhas: Bororo: ippié, ipié; ein Wort, das Colbacchini in seiner Übersetzung mit »lontra«, Fischotter, wiedergibt und von dem er im Glossarium eine seltsame Definition liefert: »um bichinho que fica a flor d´agua«, S. 422. Vgl. Magalhães, S.39 und E.B., I, S. 643: ipié, »arianha«. Normalerweise bezeichnet »arinanha« den Riesenfischotter Pteroneura brasiliensis, der über 2 Meter lang werden kann; doch in Zentalbrasilien und Südbrasilien bezeichnet dieses Wort den normalen Fischotter (Ihering, Bd.36, S. 379).
6 Somit gibt diese Erzählung nicht nur Aufkunft über den Ursprung des Tabaks, sondern auch über den Ursprung der kleinen Augen der Otter.
7 Colbacchini, A., und Albisetti, C.,Os Boróros Orientais, São Paulo-Rio de Janeiro 1942, S. 211 f.
Vom Ursprung des Tabaks. II. (1)
Die Männer kehrten von der Jagd nach Hause zurück und hatten, wie es Brauch ist, ihre Frauen herbei gepfiffen, damit sie ihnen entgegenkommen und ihnen helfen, das Wildbret zu tragen.Auf diese Weise belud sich eine Frau (2) mit dem Stück einer Boa-Schlange, die ihr Mann getötet hatte; das Blut, das aus dem Fleisch tropfte, durchdrang und befruchtete sie.
Noch in ihrem Schoß, führt der »Sohn des Blutes« Gespräche mit seiner Mutter und schlägt ihr vor, ihr beim Pflücken von wilden Früchten zu helfen. Er schlüpft in Form einer Schlange heraus, klettert auf den Baum, pflückt die Früchte und wirft sie hinunter, damit seine Mutter sie auflese. Diese möchte fliehen, doch die Schlange holt sie ein und kriecht wieder in ihren uteralen Unterschlupf.
Die entsetzte Frau vertraut sich ihren älteren Brüdern an, die sich auf die Lauer legen. Kaum ist die Schlange herausgekrochen, um auf den Baum zu klettern, flieht die Mutter; und als die Schlange herunterkommt, um sie einzuholen, töten die Brüder sie.
Man verbrannte den Kadaver auf einem Holzstoß, und aus der Asche wuchsen der Tabak und andere nützliche Pflanzen. (3)
1 C L-S, Mythologica I, Das Rohe und das Gekochte, Sonate der guten Manieren, S. 141, M 26: Bororo.
2 Der Name der Frau lautet: Aturuaroddo.
3 Die anderen Pflanzen, die aus der Asche wuchsen, sind der Harzbaum, der Mais und die Baumwolle und der Urucu (Colb. 3, S. 197 ff.). Der Urucu, Bixa orellana, ist eine sehr gesuchte Pflanze, die den roten Farbstoff für das Färben von Baumwolle und das Korn für eine Tinktur liefert. Um den Urucu zu stehlen, wurden Kriegsexpeditionen zu feindlichen Nachbarn organisiert,
Vom Ursprung des Tabaks und der Wildschweine. (1)
Zur Zeit, als der Großvater (2) bei den Menschen lebte, baten diese ihn, sie einmal Wildschweine kosten zu lassen, die es noch nicht gab. Der Großvater nutzte die Gelegenheit, dass alle Erwachsenen abwesend und nur die Kinder von weniger als zehn Jahren im Dorf geblieben waren, um diese in Frischlinge zu verwandeln. Als die Leute zurückkamen, gab er ihnen den Rat, auf die Jagd zu gehen, und er ließ gleichzeitig alle Frischlinge mit Hilfe eines großen Baumes zum Himmel steigen. Die Männer, die dies sahen, folgten den Frischlingen und töteten sie, als sie im Himmel ankamen. Der Großvater befahl nun den Ameisen, den Baum zu fällen, und die Kröten bauten mit ihren Leibern einen Wall dafür. Deshalb haben sie noch heute eine wulstige Rückenhaut, eine Folge der Stiche, die sie erlitten haben. (3)Den Ameisen gelang es, den Baum zu fällen. Da die Jäger nun nicht mehr herunter konnten, knüpften sie ihre Gürtel aneinander, um einen Strick daraus zu machen. Aber er war zu kurz, und sie fielen einer nach dem anderen auf die Erde und brachen sich die Knochen: »Deshalb sind unsere Hände und Füße an so vielen Stellen gebrochen, und wir beugen unsere Körper wegen der Brüche, die sich unsere Vorfahren durch diesen Sturz zugezogen haben.« Ins Dorf zurückgekehrt, hielten die Bewohner ein Festmahl mit dem Fleisch ihrer in Frischlinge verwandelten Kinder ab. Sie baten den Großvater, wieder vom Himmel herabzusteigen, wohin er den Kindern gefolgt war und doch bitte, bitte ins Dorf zurückzukommen: » Aber er wollte nicht und gab ihnen den Tabak an seiner Statt; die Menschen nennen ihn Badzé (4), weshalb sie dem Tabak zu bestimmten Zeiten Opfer darbringen.« (5)
1 C L-S, Mythologica I, Das Rohe und das Gekochte, Sonate der guten Manieren , S.139, M 25: Cariri.
2 Der Großvater ist der Demiurg: (m.; -s oder -gen; unz.) Weltschöpfer [<grch. demiurgos; <demos »Volk« + ergon »Werk, Tat«]. [der; grch., „Handwerker“], Weltbaumeister, Mittler zwischen der höchsten Gottheit und der Schöpfung; als Schöpfergott in der Gnosis dem Erlösergott gegenübergestellt.
3 Jetzt wissen wir also auch, so ganz en passant, woher die Kröten ihr warziges Aussehen haben.
4 Zu „Badzdé“ findet sich keine weitere Wortbedeutung in der MYTHOLOGICA von C L-S.
5 Martin de Nantes, Relation Succinte et Sincère, etc. Quimper o. J., S. 228 - 231, Dieser Mythos ist sehr entstellt. Er wurde von einem Missionar um 1690 aus dem Amazonas-Gebiet berichtet, der keine Gelegenheit versäumte, seine Verachtung für den Glauben der Eingeborenen zu bekunden. Deutlich bleibt aber, daß die Überlieferung mit anderen Geschichten vom Ursprung der Wildschweine - zum Beispiel mit M 16 - verwandt ist. In beiden Fällen ist es der Tabak, oder der Greis Tabak, Großvater genannt, der die Trennung der menschlichen Familie in Menschen einerseits und Schweine andererseits bewirkt.
Vom Ursprung des Tabaks. III. (1)
Es war einmal eine Frau, die war Zauberin. Sie beschmutzte mit ihrem Menstruationsblut die Lauch-Pflanzen (2), deren mittlere Blätter seither an der Wurzel rot gefleckt sind. Diese Pflanzen gab sie dann ihrem Mann zu essen. Von seinem Sohn unterrichtet, verkündet der Mann, daß er in den Busch gehe, um Honig zu holen.Nachdem er die Sohlen seiner Sandalen aneinander geschlagen hatte, »um den Honig leichter zu finden«, entdeckte er am Fuß eines Baumes einen Bienenstock und dicht daneben eine Schlange. Den reinen Honig hob er für seinen Sohn auf, für seine Frau bereitete er ein Gemisch aus Honig und dem Fleisch des Schlangenembryos, das er aus dem Bauch der getöteten Schlange herausgezogen hatte.
Kaum hat die Frau ihre Portion zu essen begonnen, fängt ihr Körper an zu jucken. Sich kratzend, verkündet sie ihrem Mann, da sie ihn verschlingen werde. Der Mann flüchtet, klettert auf einen Baum, wo Papageien nisten. Er besänftigt seine Frau, die Menschenfresserin, für den Augenblick, indem er ihr nacheinander drei kleine Vögel herunterwirft, die in dem Nest lagen. Während sie dem größten nachläuft, der ihr davonflattern will, rettet sich ihr Mann zu einer Fallgrube, die er selbst gegraben hatte, um wilde Tiere zu fangen. Er weicht ihr aus, aber die Frau fällt hinein und kommt dabei um. Der Mann schüttet die Grube zu und bewacht sie. Eine unbekannte Vegetation beginnt zu sprießen. Neugierig trocknet der Mann die Blätter an der Sonne; in der Nacht raucht er sie heimlich. Seine Gefährten entdeck...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Wasser zu Dampf
  3. Erwachsen
  4. Immer noch
  5. Unser Land
  6. Gefällt mir
  7. Der Vater aller Dinge
  8. Alles ist böse
  9. Liebe
  10. Der Winter
  11. Ein Könner und ein Schöner
  12. Extrem – unangenehm
  13. Menschenfresser
  14. Nimmerlein
  15. Hegeholz
  16. Idiom
  17. IrRealität
  18. Mehr Liebe...
  19. Luna
  20. Macht Bilder
  21. Kommt da einer
  22. MiniMax
  23. Marktwesen
  24. Neun Staaten und die Lämmer
  25. Schublade
  26. Sandalen
  27. Täusch´ Dich nicht
  28. Verzehrend
  29. Was Dich ernährt
  30. Was Ihr wollt
  31. Wie Dir
  32. Wunderbar
  33. Ursprünge
  34. Geldgebet
  35. Vitae cursus
  36. Impressum

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