
- 52 Seiten
- German
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eBook - ePub
Über dieses Buch
Die Exekution und Wiederauferstehung der Anne Greene hat in mehr als einer Hinsicht Geschichte geschrieben. Ihr grausamer Fall wirft ein Schlaglicht auf eine Zeit, als man auch in Europa vorzugsweise die Opfer hinrichtete, um einflussreiche Täter zu schützen. Anne Greene allerdings blieb nicht liegen: Die 1650 erhängte Frau gilt als erste Wiederbelebte der Medizingeschichte. Mit ihr begann die Geschichte der medizinischen Lebensrettung - mit Methoden, die heute nur noch bizarr erscheinen.
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Information
Teil 1: Die Geschichte eines Beinahe-Justizmordes
Steeple Barton im englischen Oxfordshire ist mit knapp 1500 Einwohnern bis heute nicht mehr als ein großes Dorf. Als dort im Jahr 1628 ein Mädchen namens Anne Greene geboren wurde, war es ein verschlafenes Nest mit wenigen Dutzend Einwohnern.
Niemand konnte ahnen, dass dieses Kind armer Leute wenige Jahre später zu internationaler Berühmtheit kommen sollte. Kinder in Schulen schrieben Aufsätze und Spottgedichte über ihren Fall. Selbst in Gelehrtenzirkeln und an Europas Fürstenhäusern sprach man darüber.
Ihr Name stand für einen sozialen Skandal, mehr noch aber für eine ans wunderbare grenzende Rettung, die überall in der westlichen Welt unerwartet weitreichende Veränderungen einleiten sollte. Anne Greene wurde bekannt als die Exekutierte, die von den Toten auferstand.
Greenes Untot wirkte bis in die Politik hinein, veränderte die Medizin und löste eine eineinhalb Jahrhunderte andauernde Massenhysterie aus: Die hysterische Angst davor, lebendig begraben zu werden.
Das alles erkennt man allerdings erst in Rückschau. Zunächst einmal ist Anne Greenes Geschichte eine zeittypisch zynische Farce: Eine Geschichte über Macht und ihren Missbrauch.
Die Reads und die Greenes: manche sind gleicher
Die Geschichte beginnt zu einer Zeit, als man im ach so zivilisierten Europa im Zweifelsfall noch eher das Opfer eines Verbrechens statt den Täter hängte, wenn man damit einen Skandal für die Reichen und Einflussreichen vermeiden konnte.
Annes Familie war weder das eine, noch das andere. Anne kam aus armen, kleinbäuerlichen Verhältnissen, viel mehr weiß man nicht über die Greenes. Damit wurde sie am unteren Ende der sozialen Trittordnung geboren – denn auch, wenn es in England seit circa 1500 keine Leibeigenschaft mehr gab, konnten Arme kaum darauf rechnen, vor dem Gesetz mit Bürgern höherer Stände gleichbehandelt zu werden.
England war zwar schon seit der Magna Carta von 1215 keine lupenreine, absolutistische Monarchie mehr. Seit 1295 wurde die Macht des Königs durch ein Parlament begrenzt, in dem neben Adeligen auch vermeintlich “normale” Bürger vertreten waren. In Wahrheit herrschte im Land nun aber neben dem Adel ein kaum minder standesbewusster Geldadel: Wenige besaßen fast alles, und sehr Viele besaßen weiterhin nichts. Die Teilhabe an der Macht aber war besitzgebunden.
So war England in Wahrheit noch sehr weit entfernt von einer parlamentarischen Demokratie, die diesen Namen wirklich verdient hätte. Das Wahlrecht war (in den meisten Aspekten sogar noch bis 1911) an Bedingungen geknüpft. Wer wählen oder gewählt werden wollte, musste
- ein Mann sein
- über Land- und Immobilienbesitz verfügen und
- ein vorgegebenes Mindest-Grundvermögen nachweisen.
Zu Greenes Zeiten konzentrierte sich die Macht also auf eine kleine elitäre, reiche und männliche Gruppe. Eine winzige Reichenkaste regierte, während die breite Mehrheit der Bevölkerung weder Macht noch Lobby besaß. So änderte die Abschaffung der Leibeigenschaft kaum etwas an der totalen Abhängigkeit gerade der armen Landbevölkerung von ihren “Landlords“: wer nichts hatte, galt auch nichts.
In Steeple Barton galt die Familie der Reads dagegen alles. Dass die junge Anne Greene als Magd in den Dienst von Sir Thomas Read genommen wurde, wird man wohl als Glück verbucht haben. Die Reads, die adeligen Herren des Herrschaftshauses im benachbarten Duns Tew, waren über Generationen die reichste und einflussreichste Familie der Region - faktisch regierte die Familie den Bezirk.
Sonderlich beliebt waren sie allerdings nicht. Für Thomas Read war Duns Tew nur eines von mehreren Besitztümern. Die Familie stand im Ruf, sie vor allem zu nutzen, ihren Reichtum zu mehren - zu Lasten der armen Landbevölkerung und ohne auf Nachbarn viel Rücksicht zu nehmen. In die lokale Geschichte von Duns Tew schrieben sich die Reads nicht zuletzt mit
Nachbarschaftsstreitigkeiten ein. Es ist aktenkundig, dass die Familie mit mehreren vermögenden Nachbarn gerichtlich im Clinch lag.
Und doch: Die Reads waren Lokalgrößen, an denen man nicht vorbeikam. Bei ihnen Anstellung zu finden bedeutete, sich um die Sicherheit seiner Lohnzahlungen keine Sorgen machen zu müssen.
Man läuft die sechs Kilometer von Steeple Barton nach Duns Tew in wenig mehr als einer Stunde. Für Anne Greene war es eine Reise, die sie ihrer Familie weitgehend entzog und dem Willen ihrer Herren unterstellte. Dienstbotin war ein Job für ein Leben - in relativer sozialer Sicherheit, aber auch in totaler Abhängigkeit. Wie weit das gehen konnte, sollte Greene bald erfahren.
Denn als die junge Frau 22 Jahre alt war, machte sich der erst 17-jährige Geoffrey Read über sie her, der Enkel des Hausherrn. Es ist nicht ganz klar, ob das eine Vergewaltigung im Sinne körperlicher Überwältigung gegen ihren aktiven Widerstand war oder eine zu der Zeit sicher nicht seltene, rücksichtslose Nötigung, ein Missbrauch des erheblichen Machtgefälles: Eine der glaubwürdigen Quellen spricht von “Verführung” oder “Überredung” - was auch immer das Mitte des 17. Jahrhunderts zwischen einem Adligen und einer Dienerin auch geheißen haben mag.
Ein irgendwie geartetes Verhältnis der Beiden ergab sich aus der Episode jedenfalls nicht. Doch zumindest für die junge Frau hatte der Vorfall ein folgenreiches Nachspiel: Sie wurde schwanger.
Solche Dinge mögen im noch immer feudal geprägten England Mitte des 17. Jahrhunderts kaum selten gewesen sein. Peinlich waren sie trotzdem: Man bemühte sich, die Namen der Täter aus solchen Skandalen herauszuhalten. Schuld, Sünde und Scham lagen bei der Schwangeren.
Im J...
Inhaltsverzeichnis
- Motto
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- Teil 1: Die Geschichte eines Beinahe-Justizmordes
- Teil 2: Die Nachwirkungen eines Nicht-Wunders
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