Pflegemodell für stationäre Hospize
eBook - ePub

Pflegemodell für stationäre Hospize

Theorierahmen und pflegepraktische Aspekte der Modellumsetzung

  1. 88 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub

Pflegemodell für stationäre Hospize

Theorierahmen und pflegepraktische Aspekte der Modellumsetzung

Über dieses Buch

Die Hospizpflege sieht sich zunehmend der Herausforderung gegenüber, ihr Selbstverständnis sowie ihre Individualität in ein theoriegeleitetes Handeln zu überführen, das in einem geeigneten Pflegemodell seinen Ausdruck finden kann. Bemüht man jedoch die gängige Pflegefachliteratur, so lassen sich kaum Hinweise auf ein hospizspezifisches Pflegemodell finden. Mitunter wird der Versuch unternommen, bereits bestehende, etablierte Pflegetheorien auf das pflegerische Hospizgeschehen zu übertragen, was häufig nur in Ansätzen gelingt. Das hier vorliegende ´Pflegemodell für stationäre Hospize' stellt nun erstmals einen theoretischen Bezugsrahmen für die palliative Pflege und Betreuung in einem stationären Hospiz dar. Dieser Bezugs- oder Handlungsrahmen gibt jedoch keine normativen Strukturen vor, sondern eröffnet theoriegeleitete Räume, die es ermöglichen, dem Sterbenden in der konkreten Pflegehandlung situativ, individuell, flexibel und intuitiv zu begegnen.

Häufig gestellte Fragen

Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst.
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Weitere Informationen hier.
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
  • Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
  • Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Beide Abopläne sind mit monatlichen, halbjährlichen oder jährlichen Abrechnungszyklen verfügbar.
Wir sind ein Online-Abodienst für Lehrbücher, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 1.000 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Weitere Informationen hier.
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Weitere Informationen hier.
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren.
Ja, du hast Zugang zu Pflegemodell für stationäre Hospize von Miriam Püschel im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus Medizin & Medizinische Theorie, Praxis & Referenz. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.

B. THEORIERAHMEN DES PFLEGEMODELLS

I. Hospizliche Wurzeln, Traditionen und Palliativpflege

Der Begriff Hospiz leitet sich aus dem Lateinischen ab. Das Wort ‚hospizium‘ assoziiert eine Herberge13, in der Menschen willkommen sind, verweilen dürfen und in der Gastfreundschaft gelebt wird. Ein Hospiz ist im Kern daher weitaus mehr als nur eine Institution für unheilbar erkrankte Menschen mit begrenzter Lebenserwartung. Der im lateinischen Begriff ‚hospizium‘ verankerte Sinn beschreibt eine Wertehaltung der Gastfreundschaft, die im heutigen Verständnis in einer Geborgenheit spendenden und einfühlsamen Sterbebegleitung lebendig wird. „Sich willkommen fühlen, Sicherheit und Vertrauen finden, wertschätzende, fürsorgliche Zuwendung erfahren, sich aufgehoben und angenommen fühlen“ mit all seinen Gedanken, Bedürfnissen, Sorgen und Ängsten sowie mit seiner Spiritualität, „sind Werte, die in der gastfreundlichen Hospizkultur ihre Ausprägung finden.“14
Aus diesem gastfreundlichen Ansatz resultiert auch die zentrale Bedeutung der Idee der ‚Selbstbestimmung bis zuletzt‘. Denn im Mittelpunkt der pflegerischen, psychosozialen und spirituellen Sterbebegleitung steht der betroffene Mensch mit seinem Autonomiebestreben und seinem sicheren Wissen, was gut für ihn ist. Er ist ein ‚Gast‘, dem mit Achtsamkeit begegnet wird und dessen Wünsche respektiert werden. Seine Lebensqualität sowie sein Wohlbefinden gilt es in seiner letzten Lebenszeit nach Möglichkeit zu erhalten bzw. gegebenenfalls zu verbessern.
Der hier beschriebene Hospizgedanke wurde maßgeblich von Cicerly Saunders geprägt, die die damalige Philosophie vom ‚guten Tod‘ weiterentwickelte15 und in den sechziger Jahren das erste Hospiz gründete.16 Im Kern war der Hospizgedanke Ausgangspunkt für eine bürgerliche Bewegung, die sich positiv von einer immer anonymer werdenden, zunehmend an der Technik orientierten Medizin abgrenzen wollte.17
Im Jahre 2002 übertrug die Weltgesundheitsorganisation das von Saunders geprägte Verständnis von Hospizpflege in eine eigene Definition, aus der sich mittlerweile der weit verbreitete Palliative-Care Ansatz entwickelt hat.18
„Palliative Care ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten/Patientinnen und ihren Zugehörigen, die mit einer lebensbedrohlichen Krankheit konfrontiert sind. Dies geschieht durch Vorbeugen und Lindern von Leiden durch frühzeitige Erkennung, sorgfältige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen Problemen körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art“
Weiter werden folgende erläuternde Aspekte hinzugefügt:
„Palliative Care…
  • verschafft Linderung von Schmerzen und anderen belastenden Symptomen,
  • bejaht das Leben und betrachtet das Sterben als normalen Prozess,
  • beabsichtigt den Tod weder zu beschleunigen noch zu verzögern,
  • schließt psychologische und spirituelle Aspekte in die Versorgung der Patienten/Patientinnen ein,
  • bietet Unterstützung, die dem/der Patienten/Patientin hilft, ihr Leben bis zum Tod so aktiv wie möglich zu gestalten,
  • bietet Zugehörigen Unterstützung während der Erkrankung des Patienten und in der Trauerzeit,
  • beruht auf einem Teamansatz, um den Bedürfnissen der Patienten und ihren Familien zu begegnen, auch durch Beratung in der Trauerzeit bei Bedarf,
  • fördert die Lebensqualität und kann möglicherweise auch den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen,
  • […]“19
Die hier vorliegende Beschreibung der Palliativpflege geht weit über das Maß einer herkömmlichen Definition hinaus. Ein Blick in den Brockhaus verdeutlicht dies. Dort wird zum Begriff ‚palliativ‘ lediglich erklärt: „[zu lateinisch palliare »mit einem Mantel bedecken«, »verbergen«], Medizin: krankheits-, schmerzlindernd, aber nicht die Krankheitsursache beseitigend (…)“.20
Im Verständnis dieser Definition wäre die Palliative Care ein pflegerisches Fachgebiet wie jedes andere auch im Gesundheitswesen; sie würde lediglich den Bereich abdecken, der sich mit der Leidenslinderung befasst, während beispielweise die HNO-Pflege ihrem Gebiet nachgeht oder die Pflege im Rahmen der Orthopädie die Gesundung des Halteapparates unterstützt.21 Die WHO geht hier jedoch begrifflich weiter. Sie gibt in ihrer Umschreibung zur Palliativpflege sehr detailliert vor, wie und auf welchem Wege eine Pflegefachkraft Menschen in ihrer finalen Lebensphase professionell begleiten und betreuen soll.22 Umschrieben wird zugleich eine bestimmte Wertehaltung, die sich geschichtlich bedingt aus der Hospizbewegung speist und sich an der Erhaltung bzw. Förderung der Lebensqualität und des Wohlbefindens des Sterbenden orientiert. Zu den von der WHO skizzierten Werten gehören hierbei im Wesentlichen zwei Säulen, die jedoch als eng verzahnt miteinander betrachtet werden müssen:

1. Bewusste Orientierung am sterbenden Menschen

Da wäre zunächst einmal die starke, in der Pflegepraxis vielfach auch als ‚radikal‘ bezeichnete Orientierung am sterbenden Menschen, einschließlich der Akzeptanz seiner Individualität. Gerade die Wahrnehmung dieser Individualität ermöglicht es erst, den Sterbenden in seiner physischen, psychosozialen und spirituellen Ganzheit und Einzigartigkeit zu erkennen, ihn zu verstehen und die Pflege an seinen Bedürfnissen, Wünschen und Entscheidungen auszurichten.23
Der häufig in diesem Zusammenhang auftauchende Begriff ‚radikal‘ weist auf eine unbedingte und konsequente Ausrichtung aller Pflegehandlungen und - entscheidungen am Sterbenden hin.24 Denn das ist die Wurzel der palliativen
Grundhaltung. Nur der Sterbende allein kann einschätzen, was für ihn gut ist, ihn unterstützt, und was für ihn weniger wichtig ist. Er ist der „Experte seines eigenen Lebens“.25 Der Sterbende steht im Mittelpunkt der Palliativpflege.

2. Systematische Einbeziehung und Begleitung der Zugehörigen

Zudem erfasst die Palliativpflege auch die Wahrnehmung, Einbeziehung und Begleitung der Familie sowie der Freunde des Sterbenden, die als Zugehörige bezeichnet werden. Diese sind in vielfältiger Art und Weise an seiner letzten Lebensphase beteiligt, bringen aber auch ihre eigene, persönliche Betroffenheit ein. Zugehörige sind Begleiter für den Sterbenden, Helfer und Unterstützer in der Pflege26, aber auch Trauernde, somit Menschen in einer Verlustsituation.27
Im Rahmen der Palliativpflege werden daher Zugehörige – sofern dies vom Sterbenden gewünscht wird - in den Begleitungsprozess einbezogen28; sie werden aber auch im Rahmen ihres gegenwärtigen Abschiedsprozesses sowie während der Sterbe- und Trauerzeit psychosozial begleitet. Aus diesem Verständnis heraus gehört zur Palliativpflege sowohl die lebensbegleitende als auch die post-mortem-basierte Trauerarbeit mit den Zugehörigen.29 Das unterstützt sie dabei, eine eigene, für sie passende Trauerkultur zu entwickeln.

II. Philosophische Grundannahmen und Perspektiven

Die hospizlich verwurzelte Palliativpflege setzt nach alledem bei der Überzeugung an, dass eine die Lebensqualität erhaltende Pflege erst oder nur gelingen kann, wenn alle Menschen, die in dieser letzten Lebensphase betroffen...

Inhaltsverzeichnis

  1. Danksagung
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Abkürzungen
  4. Abbildungen und Tabellen
  5. Glossar
  6. Vorwort
  7. A. Grundgedanken zur Modellentwicklung
  8. B. Theorierahmen des Pflegemodells
  9. C. Zusammenfassende Modellanalyse
  10. D. Pflegepraktische Aspekte der Modellumsetzung
  11. Anhang: Fachliche Spezialkenntnisse im Überblick
  12. Literatur
  13. Impressum