
- 116 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
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eBook - ePub
Über dieses Buch
Amüsant bis nachdenklich, schrill oder elegant; in stets geschliffenen Versen bringt der Autor auf den Punkt, was ihm so im Gehirn rotiert. Die daraus resultierenden, meist gereimten Kurzgeschichten bewegen sich thematisch von der scheinbar schlichten Legende bis zur skurrilen Kriminalstory, von mancher Hommage an Großmeister der Literaturgeschichte bis an die Grenzen zur Parodie ebensolcher, vom unwiderleglichen Poetry-Nonsens bis zur Spekulation über Alles und Nichts.Witz und Überaschung ergeben sich aus den teils schrägen Sujets wie aus dem Experimentieren mit den Potenzialen der Sprache, aus Semantikjonglage und Wortakrobatik.
Häufig gestellte Fragen
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Information
ZEIT, RAUM, GOTT
Oder: Was wir so glauben
Wir meinen mit Uhren die Zeit zu ermessen
Und sehen doch nur
Zeiger wandern über Zahlen.
Zeit, substanzloses Fließen, ohne Anfang, ohne Ende.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit? Unmessbar!
Was wir messen ist nur,
Was in ihr
Fast wie ein Nichts geschieht.
Wir wähnen mit Teleskopen das All zu erblicken
Und erahnen doch nur
Einen Widerschein aus den Tiefen der Zeiten.
All, unvorstellbares Nichts, unendliche Leere.
Woher? Wohin? Grenzenlos!
Was wir sehen ist nur,
Was in ihm
Wie ein Staubwölkchen schwebt.
Wir planen mit Fähren den Raum zu erobern
Und gelangen doch nur
Kaum über Horizonte hinaus.
Raum, Theoriegebilde, manifest erst durch Grenzen.
Wie hoch? Wie weit? Unerreichbar!
Was wir erreichen ist nur,
Ein Fähnchen
Zu setzen auf dem nahen Trabanten.
Wir suchen mit Theorien die Welt zu erklären
Und stehen doch nur
Vor immer neuen, unlösbaren Rätseln.
Kosmos, geordnetes Chaos, sensibel brutales Gefüge.
Warum? Zufall? Zweckfrei!
Was wir verstehen ist nur,
Den Fragen
Ein paar Gesetze überzustülpen.
Wir glauben mit Furcht einen Gott zu erkennen
Und erstreben doch nur,
Unserem Sein übergeordneten Sinn zu verleihen,
Transzendenz in vagen, außerweltlichen Sphären.
Glaube? Liebe? Hoffnung!
Was wir finden ist nur
Ein Phantom,
Gespiegelt nach unserem Ebenbild.
2009/2013
KEIN MOND IST AUFGEGANGEN
Oder: Wenn Matthias Claudius heute leben würde4
Kein Mond ist aufgegangen.
Nirgendwo Sternlein prangen
Am trüben Himmelszelt.
Der Wald ist bald vernichtet,
Die Industrie verdichtet,
Bläst Emissionen in die Welt.
Nie ist die Welt mehr stille;
Verkehrsgetriebes Fülle
Bei Tag und Nacht stets lärmt
Wie all jene Maschinen,
Die uns angeblich dienen;
Weltweit das Klima sich erwärmt.
Zieht noch der Mond die Bahnen?
Kann man ihn doch kaum ahnen
In all dem üblen Dunst.
Vorbote schlimmer Zeiten,
Die wir uns selbst bereiten;
Ist nicht weit her mit uns'rer Kunst.
Wir schlauen Menschenkinder
Sind dumme Umweltsünder
Und wissen doch so viel.
Andauernd wird beraten,
Doch folgen keine Taten.
So kommen wir niemals zum Ziel.
Auch wenn wir Gott anflehen,
Es wird doch nichts geschehen,
Das wir nicht selber tun.
Der Mensch muss sich besinnen;
Denn es gibt kein Entrinnen,
Solange wir in Einfalt ruh'n.
Die Industrienationen
Können sich nicht schonen
Der ganzen Welt zur Last:
Chinesen wie Japaner,
Russen, Amerikaner,
Wir selbst, auch wenn es uns nicht passt.
Schafft man nicht bald die Wende,
Nimmt es ein böses Ende
Mit dieser Umweltnot.
Wenn wir so weiter machen,
Gibt's bald nichts mehr zu lachen.
Der kranke Nachbar ist schon tot.
2009
4 Vergl.: Claudius, Matthias, Abendlied, in u.a.:
Matthias Claudius' Des Wandsbecker Boten Gedichte, Gotha, (ohne Jahr).
Matthias Claudius' Des Wandsbecker Boten Gedichte, Gotha, (ohne Jahr).
ABSATZ
Oder: Kurt Schwitters sah ihn relativ5
Da ein Absatz grade ist,
Und das ja nicht schade ist,
Ist sein Sinn oft desto mehr
Geheimereer.
Doch fehlt ihm ein zweiter
Und so weiter und so weiter,
Wie's ja öfter schon gewesen,
Als Blocksatz wird er dann gelesen.
Sollt' er ohne Sinn sein,
Sieht's ein jedes Kind ein,
Dass relativ zu sehen ist,
Was nicht zu verstehen ist.
2012
5 Vergl.: Schwitters, Kurt, Relativität, in u.a.: Kurt Schwitters, Das literarische Werk, Schauspiel und Szenen, München, 2005.
WELTQUOTIENT
Oder: Weisheit ist stets relativ zu sehen
Ich hörte, fern im Osten, dass ein blinder Inder,
der stets nackt auf seinem Nagelbrett gepennt,
zeugte, kurz vor seinem Ende, noch zwei Kinder,
deren Verbleib doch leider niemand kennt.
Es hieß, sie seien irgendwo im Westen jetzt,
man wisse nicht genau, in welchem Land.
Er selber habe nie gezweifelt bis zuletzt,
dass für den Weltquotienten er die Lösung fand:
Dass die Menschheit nämlich, selber blind,
durch zwei hochbegabte Kinder
- blind wusste er, dass sie das sind -
wei...
Inhaltsverzeichnis
- Über den Autor
- Widmung
- Inhaltsverzeichnis
- I. Am Anfang war der Leserbrief
- II. Semantikjonglage und wortakrobatik
- III. Schräg gesponnenes garn
- IV. Wie ich das so sehe
- V. Grade noch die letzte wende
- Impressum