Mädchen auf der Couch
eBook - ePub

Mädchen auf der Couch

  1. 64 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Mädchen auf der Couch

Über dieses Buch

Das "Mädchen auf der Couch" beinhaltet eine Sammlung humoristischer und satirischer Gedichte, die von Toleranz, Hoffnung und Lebensweisheit geprägt sind. Sie entstanden in den 40er Jahren des vorherigen Jahrhunderts bis heute.Mit scharfem Blick auf die menschlichen Schwächen, einer großen Spur, Wärme und Humor spiegelt die Autorin Lieben und Leben in Zeiten des Krieges, Umbruchs und Neuaufbaus wieder.

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Information

Jahr
2015
ISBN drucken
9783734732232
eBook-ISBN:
9783738666687
Auflage
2
Thema
Poesie

Die Nacht bringt es an den Tag

(Ballade um das Gruseln zu lernen)
Neulich in der Nacht
bin ich ganz plötzlich aufgewacht.
Die Uhr hatte gerade zwölf geschlagen.
Ich fühlte mich – des Reimes wegen – nicht gut im Magen.
Ich hab‘ so mal aus dem Fenster geseh‘n,
da sah ich zwei Hunde an der Ecke steh‘n.
Erst dachte ich, es wäre ein Traum,
dann hörte ich näher hin.
Die zwei Hunde standen an einem Baum
und bellten. Doch was sie bellten, hatte einen Sinn.
Es klang beinahe wie menschliche Laute,
und obwohl der eine Hund dabei eifrig verdaute,
hab‘ ich doch einiges Interessante vernommen
und etwas Erfahrung dazu bekommen.
Der eine Hund erzählte nämlich sehr ausführlich und genau,
was sein Herrchen des Nachts täte.
Aber nicht etwa mit seiner eigenen Frau.
Nein, die Dame hieß nicht Käte.
Der Hund hatte nämlich ganz verstört
plötzlich einen anderen Namen gehört.
Darauf war er dem Bett näher gekommen
und hatte da plötzlich Dinge vernommen,
die, das wusste er sicher, seit über zwei Jahren
bei diesem Ehepaar nicht üblich waren.
Dann erkannt er auch ein Gesicht
und gleich darauf ein wohlgeformtes Bein.
Sein Frauchen war das aber nicht,
das fiel dem Hund dabei ein.
So hatte er sich denn diskret verzogen,
er wollte sich mit seinem Kollegen beraten.
Er war seinem Herrchen nämlich sehr gewogen
und der Dame auch, denn ihr zuliebe gab‘s abends Braten.
Der andere Hund hat still da gesessen,
ich hätt‘ ihn beim Zuhören glatt vergessen.
Doch plötzlich erhob er ein wütendes Gebell,
stürzte auf den Kleinen und packte ihn schnell,
schüttelte ihn und hätt‘ ihn glatt totgebissen,
hätte nicht plötzlich ein Schrei die nächtliche Stille zerissen.
Eine schwach bekleidete Dame erschien am Fenster gegenüber.
Sie beugte sich über die Brüstung und schrie:
„Da bist du ja schon wieder,
du gottverdammtes Hundevieh!“
Zu dem Herrn hinter ihr sagte sie dann im Flüsterton:
„Das ist der Hund von meinem Mann!
Und da kommt er selber schon.
Ach, lieber Gott, jetzt bleibt er steh‘n!
Der Teufel hol ihn, er hat mich geseh‘n!“
So hatten zwei Hunde in finst‘rer Nacht,
die ganze Geschichte ans Licht gebracht.
Und die Moral von der Geschicht‘:
Trau auch dem eig‘nen Hunde nicht!

„Sie“

Bei uns in der Stadt, da gibt‘s eine Frau,
die weiß von jedem alles genau.
Sie weiß, wann Herr A. mal auswärts liebt
und wann Frau B. ihren Mann betrügt.
Sie weiß nicht nur wann, sondern auch mit wem und wo,
und ob‘s was Ernstes war oder bloß so.
Sie weiß, was jeder Miete zahlt und was er dreimal täglich isst.
Auch wann die Frau Regierungsrat ihren Affenpinscher vermisst.
Sie ist so furchtbar edel, will allen helfen, mischt sich überall ein,
dabei tut sie unverbindlich und gibt vor, diskret zu sein.
Zwei Leute haben einen Streit, nach fünf Minuten wären sie wieder vereint,
doch sie kommt und will sie versöhnen, weil sie‘s so gut mit ihnen meint.
Leute, die „sie“ versöhnt hat, bei denen bleibt alles vergebens,
sie bleiben Todfeinde bis ans Ende ihres Lebens.
So manchen brachte sie mit Geschick um sein armes bisschen Glück.
Und wenn du sie mal triffst, komm‘ ihr nicht ins Gehege.
Mach‘ lieber auf dem Absatz kehrt und geh‘ ihr aus dem Wege.

Christian Morgenstern à la Alice

Ich steh‘ allein auf weiter Flur.
Ich frage dich, allmächtige Natur,
ich frage Berge, Tal, Wiese, Feld.
Ich frage die Welt
und klage mein Leid –
wer gibt mir Bescheid?
Steh‘ ich hier wirklich auf weiter Flur?
Täusch‘ ich mich nicht?
Bin ich nicht vielleicht
bloß einer, der mir zufällig gleicht?
Man kann nie wissen.
Ach Gott, solche Ungewissheit ist peinbar.
Bin ich identisch oder wirklich da?
Bin ich tatsächlich oder bloß scheinbar?
Ja, ja, ja…

Die Wassermänner

Sie haben ein Organisationstalent,
eine Menge Intuition.
Manchmal ist das Talent leicht latent,
im Rechnen sind sie schwach, das zeigen ihre Rechnungen
am Telefon.
Sie sind vorurteilslos und souverän,
fle...

Inhaltsverzeichnis

  1. Widmung
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Ein Mann über Frauendichtung
  4. Ein Mann klagt an
  5. Eine Frau im besten Mannesalter
  6. Beschwipst
  7. Wie ich bin
  8. Handicap
  9. Herbert
  10. Manche Abende…
  11. Kapitel: „Verheiratete Männer“
  12. Eine kleine Warnung
  13. Wenn man denkt…
  14. Abends allein nach Hause geh‘n
  15. Die besorgten Eltern
  16. Nacht vor dem ersten Tag ohne dich
  17. Die ideale Frau
  18. Beim Friseur
  19. Der kleine Unterschied
  20. Männerchor
  21. Ich liebe dich
  22. Ein sogenannter Ball
  23. Das Märchen unserer Zeit
  24. Schluss mit…
  25. Eine Frau klagt an!
  26. Wenn man…
  27. Die Nacht bringt es an den Tag
  28. „Sie“
  29. Christian Morgenstern à la Alice
  30. Die Wassermänner
  31. Manche Leute und die moderne Kunst
  32. Salto Mortale
  33. Impressum