Heutige Bachelor- und Masterstudiengänge zeichnen sich durch eine spürbare Regulierung aus. Die Frei- und Zeiträume zur eigenständigen persönlichen Entwicklung in Verbindung mit akademischer Bildung sind begrenzt. Studierende passen sich diesen Bedingungen an und zeigen nicht selten Verhaltensmechanismen wie effizientes Prüfungslernen. Die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten gerät aus dem Blickfeld, ist jedoch spätestens bei der Durchführung der Bachelor- oder Masterarbeit gefragt und gefordert. Und dabei ist es doch gerade der mit der wissenschaftlichen Arbeit verbundene Gewinn an Erfahrung und Bestätigung, der ein Studium in besonderer Weise bereichert und ausmacht.Dieses Buch lädt zum Denken ein: zum Nach-, Voraus- und Querdenken über die eigene wissenschaftliche Arbeit. Wie ist die Bachelor- oder Masterarbeit anzugehen, was ist bei der Themen- und Betreuerwahl zu bedenken? Was ist bei der Organisation und Strukturierung des persönlichen Forschungsprojektes zu beachten? Dieses Buch rückt nicht die Arbeitstechniken wie Literatursuche oder Ergebnispräsentation in den Vordergrund, sondern die Leitgedanken, die für das wissenschaftliche Arbeiten unverzichtbar sind: keine Checklisten, sondern Denkanstöße und Ratschläge, insbesondere für Studierende der Ingenieurwissenschaften, die die Herangehensweise an das wissenschaftliche Arbeiten schärfen und die Aussicht auf Erfolg erhöhen sollen.

eBook - ePub
Wissenschaftliches Arbeiten für Ingenieure
Denkanstöße zur erfolgreichen Bachelor- und Masterarbeit
- 80 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
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Wissenschaftliches Arbeiten für Ingenieure
Denkanstöße zur erfolgreichen Bachelor- und Masterarbeit
Über dieses Buch
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Information
Kapitel 1
Allroundtalente gesucht
Der Volksmund weiß: „Man muss die Dinge vom Ende her denken.“ Lassen Sie uns diese Weisheit einmal auf Ihre bald anstehende Bachelor- oder Masterarbeit übertragen. Auf welche Erfahrungen und Eindrücke möchten Sie als Studierende/r nach Abgabe Ihrer – hoffentlich erfolgreichen! – wissenschaftlichen Arbeit zurückblicken? Es sollte ein motivierendes Thema gewesen sein. Klar. Sie wollen etwas gelernt haben. Natürlich. Und die Erstellung der Arbeit soll Ihnen über weite Strecken Freude bereitet haben, weil Sie die Aufgabenstellung umfassend bearbeitet und neue Lösungen gefunden1 haben. Sicher. Und, ach ja, seien wir ehrlich, zu dieser Aufzählung gehört auch: Eine gute bis sehr gute Bewertung der Arbeit wäre natürlich sehr willkommen.
Die naheliegende Frage ist: Wie müssen Sie vorgehen, damit Sie zu einem solch positiven Rückblick auf Ihre Arbeit kommen? Befragt man Studierende, was es zum erfolgreichen Gelingen einer solchen wissenschaftlichen Arbeit braucht, erhält man häufig folgende Nennungen:
- Geeignetes Thema und geeigneten Betreuer2 finden
- Motivation aufbauen und aufrecht halten
- Klare Ziele verfolgen
- Zeitmanagement anwenden
- Strukturiertes und fokussiertes Arbeiten
- Verständliche schriftliche Ausarbeitung erstellen
Die genannten Punkte spielen eine wichtige Rolle – und einige mehr. Die erfolgreiche Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit verlangt eine Vielzahl von Fähigkeiten und Fertigkeiten. Woher kommt das?
Die Auswahl und die Durchführung einer Bachelor- oder Masterarbeit entsprechen der Definition eines Projektes. Ein solches wissenschaftliche Projekt zeichnet sich durch seine Einzigartigkeit (Aufgabenstellung) aus und wird mit begrenzten Ressourcen (Zeit, Arbeitskraft, Geld) durchgeführt. Es unterliegt vielen Anforderungen. Die betreuende Professur legt üblicherweise3 die inhaltliche Aufgabenstellung fest. Die Prüfungsordnung steckt den zeitlichen Rahmen ab. Und es gilt, das wissenschaftliche Regelwerk zu erfüllen. Aus diesen übergeordneten Anforderungen leiten sich viele spezifische Aufgaben ab. Daraus ergibt sich letztlich eine große Zahl notwendiger Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen, die Sie erwerben müssen, um den eingangs erwähnten Erfolg zu erreichen. Einige Beispiele für solche benötigten Schlüsselqualifikationen sind:
- Lernkompetenz
- Methodenkompetenz
- Kompetenz zur Informationsverarbeitung
- kommunikative Kompetenz
- Planungskompetenz
- Kompetenz zum Selbstmanagement und zur Selbstorganisation
- Schreibkompetenz
- Kompetenz zum wissenschaftlichen Arbeiten
- Kompetenz zur Präsentation wissenschaftlicher Ergebnisse
Die gute Nachricht: Die Mehrzahl dieser Kompetenzen haben Sie in Ihrem bisherigen Studium bereits erlernen und erproben können. Sie haben Fachwissen im wissenschaftlichen Kontext erlernt, komplexe Zusammenhänge erkannt und methodisches Wissen erworben. Und diese Kompetenzen lassen sich gut ausbauen, auch im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit und unter Zeitdruck.
Wichtig ist die Erkenntnis:
Die erfolgreiche Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit erfordert viele Kompetenzen. Bringen Sie Ihre bereits erworbenen Talente und Fähigkeiten zur Geltung! Und begreifen Sie Ihre Bachelor- oder Masterarbeit als Ihre persönliche Chance: Nachdem Sie bisher fast ausschließlich eine Prüfung nach der anderen absolviert haben, steht nun endlich ein Projekt – Ihr Projekt! – an: Sie erhalten die Gelegenheit, an einer Stelle Ihres Fachgebietes tiefer zu bohren, selbständig und kreativ zu arbeiten. Dies führt wie von selbst dazu, dass Sie Ihre Kompetenzen weiterentwickeln und ausbauen werden.
Nichts formt eine Persönlichkeit und stärkt das Selbstbewusstsein mehr als eine erfolgreiche Arbeit, bei der um die Lösung einer Aufgabe oder eines Problems gerungen werden musste: Diese Ausbildung der Persönlichkeit ist der wahre Kern von Bildung und Wissenschaft.
Wissenschaft ist mehr als Fachwissen. Wissenschaft erfordert Generalisten mit vielfältigen Fähigkeiten – oder formulieren wir salopp: Wissenschaftler sind Allroundtalente.
1 Dieser Erkenntnisgewinn ist wissenschaftlich gewünscht und macht den Kern von Wissenschaft aus.
2 Zur besseren Lesbarkeit in diesem Buch schließt die männliche stets die weibliche Form ein.
3 Es gibt ebenso das Szenario, dass ein Studierender für einen eigenen Themenvorschlag eine betreuende Professur gewinnt.
Kapitel 2
Vom Geist der Wissenschaft
Die revolutionäre Entdeckung gelang – ausgerechnet! – während einer Vorlesung vor Studierenden. Ein kleines unmerkliches, mit dem menschlichen Auge kaum zu bemerkendes Zittern sollte die Technikwelt und damit unsere Welt nachhaltig verändern, wie dies wohl nur bei wenigen physikalisch-technischen Entdeckungen der Fall gewesen ist. Die Rede ist von einer kleinen Kompassnadel, die sich in der Nähe eines stromdurchflossenen Leiters befand. Dieser elektrische Leiter übte eine Kraftwirkung auf die magnetische Kompassnadel aus, was zu ihrer leichten Bewegung – einem Zittern – führte.
Der Entdecker war der dänische Physiker Hans Christian Ørsted (1777-1851). Die beschriebene Zufallsentdeckung war der Nachweis, dass Elektrizität und Magnetismus in direkter Beziehung zueinander stehen. Diese Entdeckung im Jahr 1820 begründete den Elektromagnetismus [Boët2006]. Daraus resultierten bahnbrechende Entwicklungen unter anderem in den Gebieten der Energieerzeugung, der elektrischen Antriebe und der Kommunikation.
Das Außergewöhnliche in der Entdeckung durch Ørsted besteht darin, dass die elektrische Leistung der damaligen Batterien und damit die resultierende magnetische Kraft des elektrischen Leiters ebenfalls sehr gering waren. Das beschriebene Zittern der Kompassnadel war nur äußerst schwer zu bemerken. Ørsted muss ein ungewöhnlich hohes Maß an Aufmerksamkeit besessen haben, um die gemachte Beobachtung wahrzunehmen. Wir dürfen uns die Frage stellen, wieviel Entdeckerdrang und Demut Ørsted besessen haben muss. Und wäre – hypothetisch gefragt – eine solche filigrane Entdeckung in unserer heutigen lauten und von Reizen überfluteten Welt überhaupt noch denkbar?
In ihrem tiefsten Kern verleiht die Wissenschaft der menschlichen Neugier ihren Ausdruck: Neues entdecken, mehr wissen, mehr verstehen, mehr beherrschen. Dieser Drang nach Wissen spiegelt sich im Wortstamm von “Wissenschaft“ wider: Es geht darum, Wissen zu schaffen oder zu erschaffen, sich mit Wissen zu beschäftigen.
Nicht jedem Wissenschaftler ist die Entdeckung des Elektromagnetismus vorbehalten, und nicht jeder Forscher wird mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Glücklicherweise gibt es viele Möglichkeiten, den Forscherdrang zu leben: Es geht in der Wissenschaft beileibe nicht nur um wegweisende Entdeckungen, sondern auch um Fortschritte beim Verstehen und Verbessern – beispielsweise von technischen Anwendungen. Ganz besonders die Ingenieurwissenschaften zeichnen sich durch eine starke erfinderische Komponente aus: Sie zielen nicht nur auf fundamentale Erkenntnisse ab, sondern sie begeben sich häufig auf die ideenreiche Suche nach neuartigen oder verbesserten Lösungen. Dieser schöpferische Prozess kann sehr motivierend wirken und Genugtuung verschaffen. Dies gilt in gleicher Weise für Bachelor- und Masterarbeiten in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern, die oft spezifischen und anwendungsbezogenen Fragestellungen nachgehen: Welchen Einfluss hat Langzeitparken auf die Batterie eines Elektromobils? Kann Simulation das Verhalten eines technischen Systems mit der erforderlichen Genauigkeit vorhersagen? Lässt sich der Durchsatz in einer Produktion mit intelligenter Maschinensteuerung erhöhen? Durch welche technischen Maßnahmen kann man die Energiebilanz eines Universitätsgebäudes verbessern?
Wissenschaftliches Arbeiten und Forschung verfolgen das Ziel, das bestehende Wissen zu erweitern und zu vertiefen. Dies gilt allgemein sowohl für die zuvor benannten anwendungsbezogenen als auch für grundlegende Fragestellungen. Damit dies gelingt, müssen einige grundlegende Regeln4 beachtet werden:
- Die Wissenschaft ist – idealisiert formuliert – die Suche nach der Wahrheit. Sie setzt eine ehrliche und objektive Grundhaltung ihrer Akteure voraus. Objektivität verlangt, eine selbstkritische Distanz zu den eigenen Forschungsergebnissen zu bewahren und diese regelmäßig zu hinterfragen. Unerwünschte Beobachtungen und Ergebnisse dürfen nicht verschwiegen werden. Falscher Ehrgeiz, Zeit- und Erfolgsdruck rechtfertigen keine Täuschungen wie Plagiate oder Datenfälschungen. Wissenschaftler sind für den Inhalt ihrer Arbeit verantwortlich. Ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in Ihre Person sind Ihr wertvollstes Kapital, das die Chance auf Zitierung und Verwertung Ihrer Ergebnisse vergrößert.
- Es ist ein Grundsatz in der Wissenschaft, systematisch und genau zu arbeiten. Die eingesetzten (Untersuchungs-)Methoden müssen angemessen sein. Planvolles und durchdachtes Vorgehen schafft die Voraussetzung für Nachvollziehbarkeit und Verständlichkeit.
- Wie andere Arbeitsprozesse auch, ist das wissenschaftliche Arbeiten dem Risiko von Fehlern, Irrtümern und der Selbsttäuschung ausgesetzt. Diese Risiken lassen sich niemals ganz ausschließen. Daher ist es ein Gebot, dass wissenschaftlich erarbeitete Ergebnisse transparent sein müssen: Die Offenlegung der Vorgehensweise und der erzielten Ergebnisse ist ein Muss, um eine unabhängige Nachprüfbarkeit zu ermöglichen. Daher ist es ein Grundprinzip der Wissenschaft, dass alle Ergebnisse einem Vorbehalt unterliegen, bis sie widerlegt oder endgültig bestätigt werden.
- Neu gewonnenes Wissen...
Inhaltsverzeichnis
- Autor
- Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Kapitel 1: Allroundtalente gesucht
- Kapitel 2: Vom Geist der Wissenschaft
- Kapitel 3: Die Sache mit der Kopfarbeit
- Kapitel 4: Ein kleiner Schritt für einen Menschen
- Kapitel 5: Lebensabschnittspartnerschaft
- Kapitel 6: Ein Projekt – kein Abenteuer!
- Kapitel 7: Ein Auftakt nach Maß
- Kapitel 8: Vom Organisieren, Motivieren und Überleben
- Kapitel 9: Zum guten Schluss
- Anhang: Literaturverzeichnis
- Anhang: Beispiel für ein Exposé
- Impressum
Häufig gestellte Fragen
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