Lucas.
LUCAS, eigentlich Lucanus, wie selbst einige Handschriften haben, war ein heidnischer Arzt (Kol. 4, 14), und aus Antiochien gebürtig, wir Hieronymus und Eusebius berichten. Paulus soll ihn zu Antiochien zum Christentume bekehrt, und als Gefährten auf seine Reisen mit sich genommen haben. Soviel ist gewiß, daß er schon bei Paulus war, als dieser Apostel von Troas abschiffte; denn Lucas setzt sich, da er in seiner Apostelgeschichte (16, 8. 9. 10.) davon spricht, unter die Reisegefährten. Eine beinahe allgemein im Altertume angenommene Meinung ist, daß Lucas an der Seite des heiligen Paulus, unter äußerer Anleitung dieses Lehrers und innerer Erleuchtung des göttlichen Geistes, sein Evangelium geschrieben habe. Weniger übereinstimmend sprechen die alten Kirchenschriftsteller von der Zeit und dem Orte der Abfassung. Daß das Evangelium nicht vor dem Jahre 60 und nicht nach dem Jahre 70 verfaßt und ausgegeben wurde, kann man als gewiß annehmen; denn dahin stimmen die bewährtesten Zeugnisse zusammen. Was den Inhalt betrifft, so gibt Lucas mehreres, was in den zwei vorhergehenden Evangelien nicht aufgezeichnet wurde. Ihm verdanken wir die meisten Nachrichten von der jungfräulichen Mutter des Herrn, die Gleichnisse von dem barmherzigen Samaritan, von dem reichen Manne und armen Lazarus, vom verlornen Sohne, vom betenden Pharisäer und Zöllner und manches andere. Als Ort der Abfassung nennen einige Achaia in Griechenland, andere mit mehr Wahrscheinlichkeit Rom. Von den sonstigen Lebensumständen des heiligen Evangelisten ist wenig Sicheres bekannt. Nicephorus, der aus alter Überlieferung schöpfte, sagt bestimmt, daß Lucas auch ein Maler gewesen sei. Daß er ein sehr hohes Alter erreicht habe, erhellt aus allen Nachrichten, und einige alte Martyrerverzeichnisse melden, daß er den Glauben mit seinem Blute besiegelt habe.
Das heilige
Evangelium Jesu Christi nach Lucas.
Das 1. Kapitel.
Vorrede des heiligen Lucas. Verkündigung der Geburt des Joannes und Jesu. Die heilige Jungfrau besucht die Elisabeth. Lobgesang Maria. Die Geburt des heiligen Joannes. Lobgesang des Zacharias.
WEIL viele unternommen haben, die Erzählung der Dinge, die unter uns erfüllt worden sind, so zu verfassen. 2. wie uns jene überliefert haben, die vom Anfange an selbst sahen, und Diener des Wortes waren: 3. so habe auch ich für gut befunden, der ich über alles vom Anfange an genaue Kundschaft eingeholet, es dir der Ordnung nach aufzuschreiben, bester Theophilus, 4. damit du die Wahrheit desjenigen genau einsehest, wovon du unterrichtet worden bist. 5. In den Tagen Herodes, des Königs von Judäa, war ein Priester, mit Namen Zacharias, von der Priesterklasse Abia: sein Weib war eine von den Töchtern Aarons, und hieß Elisabeth. 6. Beide waren gerecht vor Gott, und wandelten in allen Geboten und Satzungen des Herrn tadellos. 7. Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar, und beide waren in ihren Tagen schon vorgerückt. 8. Es begab sich aber, als er nach der Ordnung seiner Priesterklasse vor Gott das Priesteramt verrichtete, 9. traf ihn nach der Gewohnheit des Priestertums das Los, zu räuchern, und er ging in den Tempel des Herrn hinein: 10. Die ganze Menge des Volkes aber war draußen, und betete zur Zeit des Räucherns. 11. Da erschien ihm ein Engel des Herrn, der zur Rechten des Rauchaltars stand. 12. Und Zacharias erschrak, als er ihn sah, und Furcht überfiel ihn. 13. Der Engel aber sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias; denn dein Gebet ist erhöret worden, und Elisabeth, dein Weib, wird dir einen Sohn gebären, den sollst du Joannes heißen. 14. Du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen: 15. denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken, und in seiner Mutter Leibe noch mit dem heiligen Geiste erfüllet werden. 16. Er wird viele von den Kindern Israels zum Herrn, ihrem Gott bekehren. 17. Und er wird vor ihm hergehen im Geiste und in der Kraft des Elias, um die Gesinnungen der Väter auf die Kinder, die Ungläubigen zur Weisheit der Gerechten zu bringen, und dem Herrn ein vollkommenes Volk zu bereiten. 18. Da sprach Zacharias zu dem Engel: Woher soll ich das erkennen? denn ich bin alt, und mein Weib ist vorgerückt in ihren Tagen. 19. Und der Engel antwortete, und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt worden, mit dir zu reden, und dir diese frohe Botschaft zu bringen. 20. Und siehe, du wirst stumm sein und nicht reden können, bis auf den Tag, da dies geschehen wird darum weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die zu ihrer Zeit in Erfüllung gehen werden. 21. Das Volk aber wartete auf Zacharias, und es wunderte sich, daß er so lange im Tempel verweilte. 22. Als er nun herauskam, konnte er nicht zu ihnen reden; und sie merkten, daß er ein Gesicht im Tempel gehabt hatte: und er winkte ihnen und blieb stumm. 23. Und es geschah, als die Tage seines Dienstes vollbracht waren, ging er in sein Haus. 24. Nach diesen Tagen aber empfing sein Weib Elisabeth, und sie verbarg sich fünf Monate lang, und sprach: 25. So hat mir der Herr getan zur Zeit, da er mich angesehen, um meine Schmach vor den Menschen von mir zu nehmen! 26. Im sechsten Monate aber ward der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, mit Namen Nazareth, 27. zu einer Jungfrau, die mit einem Manne vom Hause Davids verlobt war, welcher Joseph hieß; und der Name der Jungfrau war Maria. 28. Und der Engel kam zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßt seist du, voll der Gnaden, der der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Weibern! 29. Da sie dies hörte, erschrak sie über seine Rede, und dachte nach, was das für ein Gruß sei. 30. Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast Gnade gefunden bei Gott! 31. Siehe, du wirst empfangen in deinem Leibe, und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus heißen. 32. Dieser wird groß sein, und der Sohn des Allerhöchsten genannt werden: Gott der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird herrschen im Hause Jacobs ewiglich, 33. und seines Reiches wird kein Ende sein. 34. Maria aber sprach zu dem Engel: Wie wird dies geschehen, da ich keinen Mann erkenne? 35. Der Engel antwortete, und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Allerhöchsten dich überschatten: darum wird auch das Heilige, welches aus dir geboren werden soll, Sohn Gottes genannt werden. 36. Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, auch diese hat einen Sohn in ihrem Alter empfangen, und sie, die unfruchtbar heißt, geht nun schon im sechsten Monate: 37. denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. 38. Maria aber sprach: Siehe, ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte. Und der Engel schied von ihr. 39. Maria aber machte sich in jenen Tagen auf, und ging eilends auf das Gebirg in eine Stadt (des Stammes) Juda. 40. Und sie kam in das Haus des Zacharias, und grüßte die Elisabeth. 41. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Maria hörte, hüpfte das Kind freudig in ihrem Leibe auf, und Elisabeth ward erfüllet von dem heiligen Geiste: 42. und sie rief mit lauter Stimme, und sprach: Gebenedeit bist du unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes! 43. Und woher geschieht mir dies, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44. Denn siehe, als die Stimme deines Grußes in meinen Ohren erscholl, hüpfte das Kind freudig auf in meinem Leibe. 45. Und selig bist du, daß du geglaubt hast; denn was dir von dem Herrn gesagt worden ist, wird in Erfüllung gehen. 46. Und Maria sprach: Hoch preiset meine Seele den Herrn, 47. und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heilande. 48. Denn er hat angesehen die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich selig preisen aller Geschlechter: 49. denn Großes hat an mir getan, der da mächtig ist, und dessen Name heilig ist. 50. Er ist barmherzig von Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten. 51. Er übet Macht mit seinem Arme, zerstreuet, die da hoffärtig sind in ihres Herzens Sinne. 52. Die Gewaltigen stürzt er vom Throne, und erhöhet die Niedrigen. 53. Die Hungrigen erfüllt er mit Gütern, die Reichen läßt er leer ausgehen. 54. Er nimmt sich Israels an, seines Knechtes; eingedenk seiner Barmherzigkeit: 55. wie er zu unsern Vätern gesprochen hat, zu Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. 56. Und Maria blieb bei ihr ungefähr drei Monate, und kehrte dann zurück in ihr Haus. 57. Es kam aber die Zeit, da Elisabeth gebären sollte, und sie gebar einen Sohn. 58. Und es hörten die Nachbarn und ihre Verwandten, daß der Herr große Barmherzigkeit an ihr getan habe, und sie freuten sich mit ihr. 59. Und es geschah am achten Tage, da kamen sie, das Knäblein zu beschneiden, und hießen es nach seines Vaters Namen Zacharias. 60. Seine Mutter aber nahm das Wort, und sprach: Nein! sondern Joannes soll es heißen! 61. Und sie sprachen zu ihr: Es ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der diesen Namen hat! 62. Da winkten sie seinem Vater, wie er ihn wollte heißen lassen. 63. Und er forderte ein Schreibtäflein, und schrieb die Worte: Joannes ist sein Name. Und sie verwunderten sich alle. 64. Und sogleich tat sich sein Mund auf, und seine Zunge ward gelöst, und er redete, und lobte Gott. 65. Da überfiel alle, die umherwohnten, eine Furcht, und im ganzen Gebirge von Judäa breitete sich der Ruf aus von allen diesen Dingen. 66. Und alle, die es gehört hatten, nahmen es zu Herzen, und sprachen: Was wird wohl aus diesem Kinde werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. 67. Und Zacharias, sein Vater, ward voll des heiligen Geistes, weissagte und sprach: 68. Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels; denn er hat sein Volk heimgesucht, und ihm Erlösung verschafft. 69. Ein Horn des Heiles hat er uns aufgerichtet in dein Hause Davids, seines Knechtes; 70. wie er es durch den Mund seiner heiligen Propheten zu allen Zeiten verheißen hat: 71. uns zu erlösen von unsern Feinden, und aus der Hand aller, die uns hassen: 72. an unsern Vätern Barmherzigkeit zu tun, und eingedenk zu sein seines heiligen Bundes, 73. des Eides, den er unserm Vater Abraham geschworen hat, uns zu verleihen, 74. daß wir, aus der Hand unserer Feinde erlöset, furchtlos ihm dienen, 75. in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor ihm alle Tage unsers Lebens. 76. Und du, Kind, wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden: denn du wirst vor dem Angesichte des Herrn hergehen, um ihm den Weg zu bereiten, 77. um sein Volk zur Erkenntnis des Heiles zu führen, zur Vergebung ihrer Sünden, 78. durch die innigste Barmherzigkeit unsers Gottes, in welcher uns heimgesucht hat der Aufgang aus der Höhe, 79. um denen zu leuchten, die im Finstern und Todesschatten sitzen, und unsere Füße auf den Weg des Friedens zu leiten. 80. Das Kind aber wuchs, ward stark am Geiste, und war in der Wüste bis zu dem Tage, da es sich zeigen sollte vor Israel.
Das 2. Kapitel.
Die Geburt Jesu Christi. Sie wird durch einen Engel den Hirten verkündet. Jesu Beschneidung und Aufopferung. Simeons Weissagung. Anna, die Prophetin. Jesus unter den Lehrern im Tempel.
ES geschah aber in denselben Tagen, daß vom Kaiser Augustus ein Befehl ausging, das ganze Land zu beschreiben. 2. Dies war die erste Beschreibung, und geschah durch Cyrinus, den Statthalter von Syrien. 3. Und alle gingen hin sich anzugeben, ein jeder in seine Stadt. 4. Und es ging auch Joseph von Galiläa, von der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, welche Bethlehem heißt, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, 5. um mit Maria, seinem verlobten Weibe, die schwanger war, sich anzugeben. 6. Es begab sich aber, als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. 7. Und sie gebar ihren erstgebornen Sohn, wickelte ihn in Windeln, und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. 8. Und es waren Hirten in derselben Gegend, die hüteten und Nachtwache hielten bei ihrer Herde. 9. Und siehe, ein Engel des Herrn stand vor ihnen, und die Herrlichkeit Gottes umleuchtete sie, und sie fürchteten sich sehr. 10. Der Engel aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht: denn siehe, ich verkündige euch eine große Freude, die allem Volke widerfahren wird: 11. denn heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren worden, welcher Christus, der Herr ist. 12. Und dies soll euch zum Zeichen sein: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln eingewickelt und in einer Krippe liegend. 13. Und sogleich war bei dem Engel eine Menge himmlischer Heerscharen, welche Gott lobten, und sprachen: 14. Ehre sei Gott in der Höh’, und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind. 15. Und es geschah, als die Engel von ihnen geschieden waren in den Himmel, sprachen die Hirten zueinander: Laßt uns bis nach Bethlehem gehen, und das sehen, was zu uns gesprochen worden ist, und was der Herr uns angezeigt hat. 16. Und sie kamen eilends, und fanden Maria und Joseph, und das Kind, das in der Krippe lag. 17. Als sie es aber sahen, fanden sie wahr, was von diesem Kinde zu ihnen gesagt worden war. 18. Und alle, die es hörten, verwunderten sich über die Dinge, welche die Hirten ihnen erzählt hatten. 19. Maria aber behielt alle diese Worte, und überlegte sie in ihrem Herzen. 20. Und die Hirten kehrten zurück, und priesen und lobten Gott um alles dessen willen, was sie gehört und gesehen hatten, so wie ihnen gesagt worden war. 21. Und als acht Tage um waren, und das Kind beschnitten werden sollte, ward sein Name Jesus genannt, wie ihn schon der Engel genannt hatte, ehe er im Mutterleibe empfangen war. 22. Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetze Mosis erfüllt waren, brachten sie ihn nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen, 23. wie geschrieben steht im Gesetze des Herrn: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geheiligt werden, 24. und um ein Opfer darzubringen, wie es im Gesetze des Herrn geboten ist, ein Paar Turteltauben oder ein Paar junge Tauben. 25. Und siehe, es war ein Mann zu Jerusalem, mit Namen Simeon, und dieser Mann war gerecht und gottesfürchtig, und wartete auf den Trost Israels, und der heilige Geist war in ihm. 26. Es war ihm von dem heiligen Geiste geoffenbaret worden, daß er den Tod nicht sehen werde, bis er den Gesalbten des Herrn gesehen. 27. Und er kam aus Antrieb des Geistes in den Tempel: und als die Eltern das Kind Jesus hineinbrachten, um da für ihn zu tun, was nach dem Gesetze Gewohnheit war, 28. nahm er es auf seine Arme, pries Gott, und sprach: 29. Nun entlassest du, Herr, nach deinem Worte deinen Diener in Frieden; 30. denn meine Augen haben dein Heil gesehen, 31. das du bereitet hast, vor dem Angesichte aller Völker, 32. als ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Verherrlichung deines Volkes Israel. 33. Und sein Vater und die Mutter wunderten sich über die Dinge, welche von ihm gesagt wurden. 34. Und Simeon segnete sie, und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Falle und zur Auferstehung vieler in Israel, und als ein Zeichen, dem man widersprechen wird: 35. und ein Schwert wird deine eigene Seele durchdringen, damit die Gedanken vieler Herzen offenbar werden. 36. Es war auch eine Prophetin, Anna, eine Tochter Phanuels, aus dem Stamme Aser: diese war vorgerückt zu hohen Jahren, hatte nach ihrer Jungfrauschaft sieben Jahre mit ihrem Manne gelebt, 37. und war nun eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie kam nimmer vom Tempel, und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. 38. Diese kam in derselben Stunde auch hinzu, und pries den Herrn, und redete von ihm zu allen, welche auf die Erlösung Israels warteten. 39. Und da sie alles nach dem Gesetze des Herrn vollendet hatten, kehrten sie nach Galiläa in ihre Vaterstadt Nazareth zurück. 40. Das Kind aber wuchs, ward stark, war voll Weisheit, und die Gnade Gottes war in ihm. 41. Und es gingen seine Eltern alle Jahre nach Jerusalem auf das Osterfest. 42. Als er nun zwölf Jahre alt war, reisten sie wie gewöhnlich, zum Feste nach Jerusalem. 43. Und da sie am Ende der Festtage wieder zurückkehrten, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, ohne daß es seine Eltern wußten. 44. Da sie aber meinten, er sei bei der Reisegesellschaft, so machten sie eine Tagreise, und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. 45. Und da sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück, und suchten ihn. 46. Und es geschah, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel, sitzend unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte, und sie fragte. 47. Und es erstaunten alle, die ihn hörten, über seinen Verstand und seine Antworten. 48. Und als sie ihn sahen, wunderten sie sich, und seine Mutter sprach zu ihm: Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht! 49. Und er sprach zu ihnen: Warum habet ihr mich gesucht? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist? 50. Sie aber verstanden die Rede nicht, die er zu ihnen sagte. 51. Und er zog mit ihnen hinab, und kam nach Nazareth, und war ihnen untertan. Und seine Mutter bewahrte alle diese Worte ihrem Herzen. 52. Und Jesus nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.
Das 3. Kapitel.
Joannes predigt die Buße. Er gibt Zeugnis von Christo, und tauft ihn. Das Geschlechtsregister Jesu Christi.
ABER im fünfzehnten Jahre der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Landpfleger von Judäa, Herodes Vierfürst von Galiläa, Philipp, sein Bruder, Vierfürst von Ituräa und der Landschaft Trachonitis, und Lysanias Vierfürst von Abilene war, 2. unter den Hohenpriestern Annas und Kaiphas, erging das Wort des Herrn an Joannes, den Sohn des Zacharias, in der Wüste. 3. Und er kam in die ganze Gegend am Jordan, und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden, 4. so wie geschrieben steht im Buche der Reden Isaias, des Propheten: Die Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet gerade seine Pfade. 5. Jedes Tal soll ausgefüllt, und jeder Berg und Hügel abgetragen werden: was krumm ist, soll gerade, was uneben ist, soll ebener Weg werden. 6. Und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen. 7. Daher sprach er zu den Volksscharen, die hinausgingen, um von ihm getauft zu werden: Ihr Natternbrut, wer hat euch gelehret, dem zukünftigen Zorne zu entfliehen? 8. Bringet also würdige Früchte der Buße, und waget nicht zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken! 9. Denn die Axt ist schon an die Wurzel der Bäume gesetzt. Ein jeder Baum also, der keine gute Frucht bringet, wird ausgehauen, und ins Feuer geworfen. 10. Und das Volk fragte ihn, und sprach: Was sollen wir denn tun? I1. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Röcke hat, der gebe dem einen, der keinen hat: und wer Speise hat, der tue desgleichen. 12. Und es kamen auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen wir tun? 13. Er aber sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als was euch gesetzt ist. 14. Und es fragten ihn auch die Kriegsleute, und sprachen: Was sollen wir denn tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemanden Gewalt noch Unbild an, und seid zufrieden mit euerm Solde. 15. Als aber das Volk in dem Wahne stand, und alle in ihren Herzen von Joannes dachten, ob er nicht etwa Christus wäre: 16. so antwortete Joannes, und sprach zu allen: Ich taufe euch zwar mit Wasser; es wird aber einer kommen, der mächtiger ist, als ich, dem ich nicht wert bin, die Schuhriemen aufzulösen: dieser wird euch mit dem heiligen Geiste und mit Feuer taufen. 17. Er hat seine Wurfschaufel in seiner Hand, und wird seine Tenne reinigen: den Weizen wird er in seine Scheune sammeln, die Spreu aber mit unauslöschlichem Feuer verbrennen. 18. Und noch viel anderes lehrte und verkündigte er dem Volke. 19. Als aber Herodes, der Vierfürst, von ihm gestraft wurde um der Herodias, seines Bruders Weibes willen, und wegen aller Übeltaten, die Herodes begangen hatte: 20. fügte er zu allem noch dieses hinzu, daß er den Joannes ins Gefängnis schloß. 21. Es geschah aber, als alles Volk sich taufen ließ, daß auch Jesus getauft wurde, und da er betete, öffnete sich der Himmel, 22. und der heilige Geist stieg in leiblicher Gestalt, gleich einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme erscholl vom Himmel: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich mein Wohlgefallen. 23. Und Jesus war, als er anfing, ungefähr dreißig Jahre alt, und wurde für einen Sohn Josephs gehalten. dieser war (ein Sohn) des Heli, dieser ein Sohn des Mathat, 24. dieser ein Sohn des Levi, dieser ein Sohn des Melchi, dieser ein Sohn des Janne, dieser ein Sohn des Joseph, 25. dieser ein Sohn des Mathathias, dieser ein Sohn des Amos, dieser ein Sohn des Nahum, dieser ein Sohn des Hesli, dieser ein Sohn des Nagge, 26. dieser ein Sohn des Mahath, dieser ein Sohn des Mathathias, dieser ein Sohn des Semei, dieser ein Sohn des Joseph, dieser ein Sohn des Juda, 27. dieser ein Sohn des Joanna, dieser ein Sohn des Resa, dieser ein Sohn des Zorobabel. dieser ein Sohn des Salathiel, dieser ein Sohn des Neri, 28. dieser ein Sohn des Melchi, dieser ein Sohn des Addi, dieser ein Sohn des Cosan, dieser ein Sohn des Elmadan, dieser ein Sohn des Her, 29. dieser ein Sohn des Jesus, dieser ein Sohn des Eliezer, dieser ein Sohn des Jorim, dieser ein Sohn des Mathat, dieser ein Sohn Levi, 30. dieser ein Sohn des Simeon, dieser ein Sohn des Juda, dieser ein Sohn des Joseph, dieser ein Sohn des Jona, dieser ein Sohn des Eliakim, 31. dieser ein Sohn des Melea, dieser ein Sohn des Menna, dieser ein Sohn des Mathatha, dieser ein Sohn des Nathan, dieser ein Sohn des David, 32. dieser war ein Sohn des Jesse, dieser ein Sohn des Obed, dieser ein Sohn des Booz, dieser ein Sohn des Salmon, dieser ein Sohn des Naasson, 33. dieser ein Sohn des Aminadab, dieser ein Sohn des Aram, dieser ein Sohn des Esron, dieser ein Sohn des Phares, dieser ein Sohn des Judas, 34. dieser ein Sohn des Jacob, dieser ein Sohn des Isaak, dieser ein Sohn des Abraham, dieser ein Sohn des Thare, dieser ein Sohn des Nachor, 35. dieser ein Sohn des Sarug, dieser ein Sohn des Ragau, dieser ein Sohn des Phaleg, dieser ein Sohn des Heber, dieser ein Sohn des Sale, 36. dieser ein Sohn des Cainan, dieser ein Sohn des Arpharad, dieser ein Sohn des Sem, dieser ein Sohn des Noe, dieser ein Sohn des Lamech, 37. dieser ein Sohn des Mathusale, dieser ein Sohn des Henoch, dieser ein Sohn des Jared, dieser ein Sohn des Malaleel, dieser ein Sohn des Caina...