Der 1791 verstorbene Graf Bellegarde hatte bei der sächsischen Kavallerie die so genannten Unterhaltungsstunden eingeführt, um die militärische und sittliche Bildung sowie den äußeren Anstand der Unteroffiziere und Gemeinen zu heben.Diese 1809 in Leipzig erschienene Anleitung zu Unterhaltungsstunden gibt auch heute dem Interessierten eine ganze Reihe von Definitionen und Erklärungen, die für das Verständnis militärischer Beschreibungen der damaligen Zeit von großem Nutzen sein können, da die darin enthaltenen Begriffe heute nicht mehr oder in einem anderen Sinne gebraucht werden und daher wenig oder nicht verständlich sind.

- 80 Seiten
- German
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Über dieses Buch
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Information
V.
Dienst im Felde
_____
F. Worauf muss der Soldat im Felde zuvörderst seine vorzügliche Aufmerksamkeit richten?
A. Er muss seine Waffen, besonders sein Feuergewehr, beständig in einem solchen Stande erhalten, um davon immer einen zweckmäßigen Gebrauch machen und sich darauf sicher verlassen zu können. Auch muss er stets wachsam und munter und zu allem aufgelegt sein, was ihm auszurichten befohlen und wozu er gebraucht wird.
F. Darf der Soldat im Felde von der sonst gewohnten Ordnung etwas weglassen?
A. Nein, vielmehr muss er dieselbe eher noch strenger in Acht nehmen, um auf jeden möglichen Fall gefasst zu sein und seine Schuldigkeit jedes Mal mit Besonnenheit und Genauigkeit zu erfüllen.
F. Welches sind die vorzüglichen Gegenstände des gewöhnlichen Dienstes im Felde?
A. Lagerwachen, Feldwachen, Pikets und Kommandos, welche zu verschiedenen Zwecken und zu Besetzung einzelner Posten ausgeschickt werden.
F. Was hat der Soldat auf jeder Wache im Felde in Acht zu nehmen?
A. Seine Munition gehörig zu verwahren, sich nach Verhältnis der Dauer und der Entfernung vom Lager mit dem nötigen Mundvorrat zu versehen und sich überall mit der größten Wachsamkeit und Munterkeit zu verhalten.
F. Wozu werden Feldwachen ausgesetzt?
A. Um die im Lager oder in Kantonierung stehende Armee vor Überfällen zu sichern und von jeder Annäherung des Feindes zeitig zu benachrichtigen.
F. Wie werden alle diese zur Sicherheit einer Armee vorausgesetzten Wachen gemeinhin genannt?
A. Die Vorposten.
F. Was versteht man unter der Chaine oder Kette der Vorposten?
A. Die zusammenhängende Linie, welche die vorausgestellten Wachen nebst ihren Schildwachen und Vedetten miteinander ausmachen.
F. Was sind Vedetten?
A. Doppelt oder auch einzeln von den Feldwachen ausgesetzte Schildwachen.
F. Was sind Pikets?
A. Sie bestehen aus derjenigen Mannschaft, welche sich im Lager beständig zum Ausrücken bereit halten muss, um die Feldwachen im nötigen Falle zu unterstützen und des Nachts, wo die Feldwachen die Gegend nicht so gut beobachten können, zwischen dieselben eingestellt zu werden.
F. Wie weit werden die Feldwachen vom Lager ausgestellt?
A. In freien und ebenen Gegenden bis Eine Stunde weit; in gebirgiger und durchschnittener Gegend aber etwas näher.
F. Welches nennt man eine durchschnittene Gegend?
A. Wo viele Gebüsche Hügel, Dörfer, Gärten und dergleichen Gegenstände sich befinden, welche den freien Ausblick behindern.
F. Wie weit dürfen Feldwachen von einander stehen?
A. Auch in einer offenen Gegend nicht über eine halbe Stunde, in einer beschränkten Gegend stehen sie aber noch näher beisammen.
F. Wie weit können die Vedetten von der Wache und untereinander selbst entfernt sein?
A. So, dass jede den dazwischen liegenden Raum bequem übersehen und man selbst bei widrigem Winde ihren Schuss noch hören kann.
F. Was hat eine Schildwache zu tun, wenn sie von weitem Truppen wahrnimmt?
A. Sie ruft es der Wache selbst oder der nächsten Schildwache zu, welche es dann weitergibt, bis es an erstere gelangt.
F. Wie verhält sie sich, wenn ihr bei Nacht etwas auf den Leib kommt?
A. Sie ruft, indem sie sich zugleich fertig macht, Wer da? und auf erfolgte Antwort: Halt! Ein Mann vor! worauf von der Mannschaft bloß Ein Mann herankommen darf, dem sie mit auf die Brust gesetztem Bajonett das Feldgeschrei abfordert.
F. Was ist hierbei für eine Vorsicht zu nehmen?
A. Das der Finger nicht an den Abdruck gelegt werde, um in dem Falle, wenn es bloß eine Ablösung, Patrouille, Ronde, ein Kommando u.dergl. wäre, durch unwillkürliches Losdrücken keinen Schaden anzurichten.
F. Wenn nun das Feldgeschrei richtig ist?
A. So ruft die Schildwache den Unteroffizier oder Gefreiten heraus.
F. Was tut sie aber, wenn das Feldgeschrei nicht richtig gegeben wird oder gleich der ganze Trupp auf sie los kommt?
A. Dann kann sie merken, dass es der Feind ist; daher gibt sie sogleich Feuer und zieht sich zurück, indem sie ihr Gewehr wieder ladet.
F. Was ist bei diesem Schießen die Hauptabsicht?
A. Um die übrigen Vedetten und die Wache selbst aufmerksam und dadurch Lärm zu machen; doch sucht sie auch wo möglich ihren Mann zu treffen.
F. Was hat die Schildwache zu beobachten indem sie sich zurückzieht?
A. Dass sie nicht gerade nach der Wache, sondern seitwärts zurückgeht und das Schießen wiederholt.
F. Was hat die Schildwache zu tun, wenn sie in der Ferne fahren, reiten, sonst ein Geräusch oder auch schießen hört?
A. Sie muss es sogleich zurück melden.
F. Dürfen die Schildwachen jemand über die Postenkette hinaus oder herein lassen?
A. Außer die Generale und deren Adjutanten niemand, wenn sie keine besondere Anweisung haben.
F. Wie ist sich zu verhalten, wenn Bauern oder andre Leute kommen, die mit Pässen versehen sind?
A. Es muss dem Kommandanten des Postens Nachricht davon gegeben werden und ehe die Antwort zurückkommt, dürfen sie nicht durch.
F. Was hat die Schildwache zu tun, wenn ein feindlicher Trompeter herankommt?
A. Sie lässt ihn halten, rechtsumkehrt machen und gibt dann der Wache Nachricht davon.
F. Darf sie sich in ein Gespräch mit ihm einlassen?
A. Nein, auf keine Weise.
F. Was hat sie zu tun, wenn feindliche Deserteurs ankommen?
A. Sie lässt sie ebenfalls halten, die Waffen ablegen, Front auswärts machen, wenn es Leute zu Pferde sind, sie absitzen und meldet es sodann zurück.
F. Wenn nun die vorgegebenen Deserteurs dies nicht befolgen?
A. So gibt sie Feuer und verhält sich wie gegen jeden andern feindlichen Trupp.
F. Was hat eine Schildwache zu tun, wenn sie gewahr wird, dass eine ihrer Nebenschildwachen sich nicht mehr auf ihrem Posten befindet?
A. Sie muss dem Kommandanten der Wache Nachricht davon geben.
F. Was hat eine Schildwache des Nachts zu beobachten, um hier ihre Aufmerksamkeit zu verdoppeln?
A. Sie muss, um durch den Laut ihrer eigenen Tritte nicht gehindert zu werden, oft stillstehen und zuweilen das Ohr an den Fußboden halten, weil man da das geringste Geräusch sehr weit hört.
F. Was hat sie bei Regenwetter in Acht zu nehmen?
A. Sie muss ihr Gewehr zu verwahren suchen, damit das Pulver auf der Pfanne nicht nass werde und sich vorsehen, dass ihr Gesicht durch den fallenden Regen nicht behindert werde, das was sich ihr nähern möchte wahrzunehmen.
F. Darf sie den Pfanndeckel auf dem Gewehr haben?
A. Nein, denn dies würde verhindern, geschwind genug im schussfertigen Stande zu sein.
F. Was hat die Schildwache zu tun, wenn sich ihr bei Nacht etwas nähert und auf ihr drei Mal kurz hintereinander wiederholtes Anrufen keine Antwort erfolgt?
A. Sie gibt Feuer und zieht sich seitwärts etwa fünfzig Schritte weit zurück, worauf sie ruhig stehen bleibt und Acht gibt, was weiter vorgeht, um inne zu werden, ob es 1) wirklich etwas Feindliches ist oder ob 2) sie sich nur getäuscht hat.
F. Was tut sie im ersten Falle
A. Sie wiederholt das Feuern und setzt ihren Rückzug fort.
F. Was im zweiten?
A. Sie nimmt sofort ihren ersten Posten wieder ein, sucht die Ursache ihres Irrtums zu entdecken und ruft es den übrigen Schildwachen und der Wache zu.
F. Was hat eine Schildwache zu tun, wenn ihr bei den erwähnten Gelegenheiten das Gewehr versagt?
A. Sie schreit so laut sie vermag: Feuer! Feuer! Zum Gewehr! und wenn das Pulver von der Pfanne abgebrannt sein sollte, steht sie einen Augenblick still, um neues Zündkraut aufzuschütten.
F. Wie verhält sich eine Schildwache, wenn sie so unvermutet überfallen wird, dass sie schlechterdings nicht entkommen kann?
A. In diesem Falle muss sie dennoch, und wenn sie sich wirklich schon in der Gewalt des Feindes befindet, Feuer geben und aus allen Kräften schreien.
F. Wovor hat sich die Schildwache zu hüten, welche von dem, was sie bemerkt hat, Nachricht gibt?
A. Ja nie mehr sagen als sie gesehen und vernommen hat und nichts größer und gefährlicher auszugeben, als es wirklich ist, weshalb sie auch das, was vor und neben ihr vorgeht mit ruhiger Aufmerksam...
Inhaltsverzeichnis
- Über das Buch
- Einleitung
- Inhaltsverzeichnis
- I. Bestimmung und Eigenschaften des Soldaten
- II. Militärische Einrichtungen und Benennungen
- III. Dienst im Lande
- IV. Verhalten auf Märschen
- V. Dienst im Felde
- VI. Militärischer Anstand und Verhalten außer Dienst
- Weitere Informationen
- Impressum
Häufig gestellte Fragen
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