Unterrichtswissenschaften
eBook - ePub

Unterrichtswissenschaften

Theorien des Lehrens und Lernens und berufspädagogische Handlungskompetenzen

  1. 148 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub

Unterrichtswissenschaften

Theorien des Lehrens und Lernens und berufspädagogische Handlungskompetenzen

Über dieses Buch

Dieses Buch dient als Arbeitsgrundlage für die berufspädagogische Lehrer/innenausbildung an der Pädagogischen Hochschule Steiermark und vermittelt sowohl Basiswissen des Lehrens und Lernens als auch berufspädagogische Handlungskompetenzen.

Häufig gestellte Fragen

Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst.
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Weitere Informationen hier.
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
  • Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
  • Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Beide Abopläne sind mit monatlichen, halbjährlichen oder jährlichen Abrechnungszyklen verfügbar.
Wir sind ein Online-Abodienst für Lehrbücher, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 1.000 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Weitere Informationen hier.
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Weitere Informationen hier.
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren.
Ja, du hast Zugang zu Unterrichtswissenschaften von Werner Moriz im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus Sozialwissenschaften & Soziologie. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.

Information

1 Allgemeines

1.1 Entwicklung der Pädagogik

Die allgemeine Pädagogik blickt auf eine lange Geschichte zurück, die ihre Ursprünge bereits in der Antike findet. In diesem Teil des Buches wird vornehmlich auf die Entstehungsgeschichte der Pädagogik im Allgemeinen und der Berufspädagogik im Speziellen eingegangen. Es wird weiters versucht, die unterschiedlichen Menschenbilder, die großen Persönlichkeiten der Pädagogik sowie deren Bedeutung für die heutige Schule herauszuarbeiten.

1.1.1 Die Antike

Seit jeher sind die Grundlagen einer Staatsbildung und Entstehung von Kultur: die Entwicklung einer Schrift, die Weitergabe von Tradition durch die „Alten“ und eine Ausbildung für die „Jungen“. In der griechischen Antike4 waren Bildung und Unterricht zunächst überhaupt nicht institutionalisiert und dienten ausschließlich dem Adel zum Erhalt des höfischen Standeswesens. Mit der Entstehung des komplizierten Rechts- und Staatswesens wurden höhere Qualifikationen erforderlich, die die Sophisten5 gegen Bezahlung in Vorträgen vermittelten. Gegen die Sophisten - vor allem gegen ihre Vorgangsweise - wandten sich die Philosophen Sokrates (470-399), Platon (427-347) und Aristoteles (383-321). Sie versuchten, durch gezielte Fragetechnik zu selbstständigem Denken anzuregen. Gelehrt wurden die sieben freien Künste: Grammatik, Rhetorik, Dialektik (Logik), Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik. Ziel aller Bildungsbemühungen in der Antike war die Erziehung zu guten Staatsbürgern, die zu politischem Handeln fähig waren
Primat der Politik (vgl. Gonschorek/Schneider, 2000, S. 73 ff). Mit der Konzeption der Paideia entstand die erste große Bildungstheorie mit den zentralen Bestimmungsstücken: Emanzipation zur Befreiung, Suche nach der Wahrheit und der Erschließung des Ganzen durch Denken. Das war der Beginn erziehungswissenschaftlicher Überlegungen. Bei den Römern waren die Ziele von Erziehung durch die militärisch-politische Orientierung vornehmlich zweckgebunden und staatsbezogen. Mit der Übernahme der griechischen Sprache und Literatur wurde auch die Paideia im Sinne einer reinen Menschenbildung übernommen.

1.1.2 Mittelalter

Die einzige Gemeinsamkeit des Mittelalters6 mit der griechischen Antike liegt darin, dass dort ebenfalls die sieben freien Künste gelehrt wurden, die damit tausend Jahre hindurch die Bildungsinhalte darstellten. Die schulische Bildung war im Mittelalter ausschließlich an das Schrifttum gebunden und deshalb nur einer kleinen Gruppe – dem Klerus7 – zugänglich. Die Wissenschaften beschränkten sich hauptsächlich auf die Auslegung und Interpretation von Bibeltexten, und man ging von der Annahme aus, dass bereits alles entdeckt sei, was es zu wissen gab
Primat der Kirche (vgl. Gonschorek/Schneider, 2000, S. 75 f). Es herrschte die Meinung: „Was nicht sein soll, darf nicht sein!“ Dieses als Scholastik bezeichnete Zeitalter lähmte die Entwicklung der Wissenschaften und verhinderte größere Fortschritte. Um 1100 entstanden die ersten Zünfte, die den Grundstein für die Handwerksausbildung mit dem klassischen Dreischritt, Lehrling – Geselle – Meister, legten.

1.1.3 Neuzeit, Humanismus und Aufklärung

Mit Beginn der Neuzeit um 15008 gewannen die Naturwissenschaften mit der Erfindung des Buchdruckes durch Johannes Gutenberg (1400-1468), der Begründung des heliozentrischen Weltbildes durch Nikolaus Kopernikus (1473-1543), der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus (14461506), der Begründung des Experiments durch Galileo Galilei (1564-1642), uvm. an Bedeutung und fanden auch in die schulische Bildung Einzug. Dies bedeutete das Ende der mittelalterlichen Scholastik. Etwa zur gleichen Zeit entstand auf der Basis des italienischen Humanismus9 der Humanistische Bildungsbegriff, der erstmals den Menschen in den Mittelpunkt aller Überlegungen stellte
Primat des Menschen. Zentrale Intentionen waren eine umfassende Bildung, ein harmonisches Welt- und ein ausgeglichenes Menschenbild (vgl. Wehnes, 1994, S. 260). Die Verweltlichung in allen Lebensbereichen führte zu einer Umgestaltung der schulischen Bildung (vgl. Gonschorek/Schneider, 2000, S. 76 f). Ein weiteres Kennzeichen des Humanismus war die strikte Trennung zwischen beruflicher und allgemeiner Bildung, welche damals als unvereinbar galten.
Bis zum 17. Jahrhundert stand Bildung noch unter der Autorität der Kirche. Erst im 18. Jahrhundert, während der Aufklärung10, erhielt Bildung erstmals den Sinngehalt emanzipatorischer, kritischer Distanz gegenüber der Welt. Zum ersten Mal wurden gesellschaftliche Verhältnisse kritisch hinterfragt und reflektiert. Der deutsche Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) definierte die Aufklärung folgendermaßen: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit (...) Unmündigkeit ist das Unvermögen sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen“. Mit seinem Kategorischen Imperativ formulierte Kant auch die oberste Handlungsanweisung für den Menschen „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne", der bis heute als die Grundlage von gesellschaftlichem Zusammenleben gilt.
Als Vater der Unterrichtswissenschaften/Didaktik gilt der tschechische Priester Johann Amos Comenius (1592-1670). Er legte im 17. Jahrhundert aufgrund seiner didaktischen Überlegungen „Wie mit Erfolg zu lernen ist“ in der „Didactica Magna“ den Grundstein für die Unterrichtswissenschaften. Darin begründete er seine Unterrichtslehre und fand Prinzipien wie: Beachtung des Kindes,11 Fortschreiten vom Leichten zum Schweren, Lebensbedeutsamkeit des Lernens, Sinn und Bedeutung der Anschaulichkeit, sowie kunstgerechte Anordnung von Zeit, Stoff und Methode (vgl. Breinbauer, 1998, S. 45 ff).
Der englische Arzt und Philosoph John Locke [Lock] (1632-1704) entwarf ein Menschenbild, das er mit einer Tabula rasa12 verglich. Dem Menschen ist nichts in die Wiege gelegt, er wird geboren und muss erzogen werden, um überhaupt Mensch werden zu können. Dieses Menschbild schrieb der Erziehung also uneingeschränkte Bedeutung für die Menschwerdung zu
Erziehungsoptimismus (vgl. Breinbauer, S. 60 ff). Folgendes Zitat spiegelt seine Ansicht wohl am besten wider: „ ... und ich darf wohl sagen, dass neun von zehn Menschen, denen wir begegnen, neun das sind, was sie sind, gut oder böse, nützlich oder unnütz, durch ihre Erziehung sind. Sie ist es welche die großen Unterschiede unter den Menschen schafft“. Eine ähnliche Ansicht vertraten im 18. Jahrhundert Gottfried Wilhelm Leibniz (16461716) und Kant sowie im 20. Jahrhundert der Behaviorist James B. Watson: „Gebt mir ein Dutzend gesunder wohlgebildeter Kinder und meine eigene Umgebung in der ich sie erziehe, und ich garantiere, dass ich jedes nach Zufall auswähle und es zu einem Spezialisten in irgendeinem Beruf erziehe, zum Arzt, Richter, Künstler, Kaufmann oder zum Bettler und Dieb, ohne Rücksicht auf seine Begabungen, Neigungen, Anlagen und die Herkunft seiner Vorfahren“.
Der französische Pädagoge Jean Jaques Rousseau (1712-1778) entwarf in seinem Buch „Emile“ im Gegensatz zu Locke und in Anlehnung an Comenius ein ganz anderes Menschenbild. Bei ihm ist der Mensch von Natur aus gut, erst in der Gesellschaft kommen die schlechten Eigenschaften zum Vorschein: „Alles, was aus den Händen des Schöpfers kommt, ist gut, alles entartet unter den Händen des Menschen“. Der Mensch darf hier nun nicht mehr nach Gutdünken gebildet und geformt werden, sondern vielmehr muss man versuchen, das vorhandene Gute nicht zu zerstören. Er prägte den Begriff der negativen oder indirekten Erziehung, die allerdings nicht "nicht erziehen" bedeutet, sondern die Entstehung von Bösartigkeiten zu verhindern und das Gute im Menschen zu fördern
Erziehungspessimismus (vgl. Breinbauer, S. 60 ff).
Diese beiden sich kontrastierenden Menschenbilder (Erziehungsoptimismus versus Erziehungspessimismus) stehen sich seit Jahrhunderten scheinbar unversöhnlich gegenüber. In pädagogischen Diskussionen wird dafür häufig die Metapher des Gärtners und des Bildhauers verwendet (der Gärtner, der seine Pflanzen wachsen lässt und der Bildhauer, der eine Skulptur aus einem rohen Stein meißelt).

1.1.4 Entstehung der Berufspädagogik

Grundlegend entstand der Beruf, aufgrund der beginnenden Arbeitsteilung im Sinne etwas gut zu können, dies zu perfektionieren und das Können zu bewahren, bereits im Altertum. Die Entstehung der Berufspädagogik dahingegen ist eng mit der Industriellen Revolution13 verbunden. Durch den Einsatz von Maschinen und Produktionsmitteln (Webstühle, etc.) entstanden neben den klassischen Zunfthandwerken neue Berufe, wie beispielsweise der des Mechanikers. Bildete der Humanismus die Basis für die Entwicklung der allgemeinen Pädagogik, so liegen die Wurzeln der Berufspädagogik in der Industrialisierung.
Der Neuhumanismus als Erneuerung der humanistischen Bewegung ab etwa 1750 war eine Epoche der intensivsten Auseinandersetzung mit dem Erziehungs- und Bildungsbegriff. In dieser Zeit wird das Bild des ganzheitlich gebildeten Menschen der griechischen Antike wieder aufgegriffen. Der durch die Industrielle Revolution hervorgerufene rasante Bevölkerungszuwachs und die sich rasch entwickelnde Technisierung führten zu Abkehr von der natürlichen Lebensweise der bis dahin hauptsächlich in der Landwirtschaft tätigen Menschen. Die entstehende Industrie benötigte Arbeitskräfte und zog die Menschen in die Städte. Damit erlangte eine gewisse Grundbildung an Bedeutung, denn wer lesen, schreiben und rechnen konnte, war produktiver.
1763 wurde in Deutschland durch das „General-Landesschulreglement“ und 1774 unter Maria Theresia in Österreich aus Gründen der Produktivitätssteigerung die allgemeine Schulpflicht eingeführt.14 Durch die Industrialisierung wurde die Schule zu effektivem Unterricht und Erfolgsnachweisen gezwungen – es begann die Verschulung der Gesellschaft.
Der preußische Kultusminister, Jurist und Diplomat Wilhelm Humboldt (1767-1835) prägte aufgrund seiner Befürchtung, dass der Mensch durch die einsetzende Industrialisierung verzweckt werde, den Klassischen Bildungsbegriff vom mündigen, autonomen Menschen, der in der Lage ist, kritisch und reflexiv Zusammenhänge zu erkennen und aufgrund dessen verändernd in seine Lebenswelt eingreifen kann. Für Humboldt lag in der Bildung des Menschen die Ursache für eine aufgeklärte und humanistische Gesellschaft; denn Bildung ermöglicht Selbstreflexion und Gesellschaftskritik. In seinen Schulplänen versuchte er 1809 diese Bildung zu verwirklichen, scheiterte jedoch an den damaligen Herrschaftsinteressen (vgl. Heydorn, 1995, S. 223).
Nach der gescheiterten Bürgerlichen Revolution von 1848 kam es zu einer Rückentwicklung des Schulwesens. Preußen machte die ausgedehnte Volksbildung für die Unruhen im Land verantwortlich und reduzierte im „Stiehlschen Regulativ“ die Schulbildung auf Lesen, Schreiben, Rechnen und Religion. Aber bereits 1872 erfolgt wieder eine Erweiterung der Bildungsinhalte.
Der schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) baute zwar auf Rousseaus Gedanken über Erziehung auf, erkannte aber die Bedeutung einer institutionalisierten Bildung und Erziehung in der zunehmenden Industrialisierung. Aufgrund der damals herrschenden Armut gründete er eine Armenanstalt für diejenigen, die nicht an Bildung teilhaben konnten, und unterrichtete die Kinder neben gewerblichen und handwerklichen Fähigkeiten auch im Lesen, Schreib...

Inhaltsverzeichnis

  1. Der Autor
  2. Motto
  3. Inhaltsverzeichnis
  4. Vorwort
  5. Einleitung
  6. 1. Allgemeines
  7. 2. Die Humanwissenschaften
  8. 3. Begriffsdefinitionen
  9. 4. Lerntheorien
  10. 5. Didaktische Theorien
  11. 6. Lehrplan versus Curriculum
  12. 7. Inhalte
  13. 8. Lehr- und Lernziele (Intentionalität)
  14. 9. Unterrichtsmittel und -medien
  15. 10. Unterrichtsmethoden
  16. 11. Unterrichtsplanung
  17. 12. Leistungsfeststellung und -beurteilung
  18. 13. Unterrichtsevaluation
  19. 14. Führungsstile
  20. 15. Reformpädagogik
  21. Literaturverzeichnis
  22. Tabellenverzeichnis
  23. Abbildungsverzeichnis
  24. Impressum