Tierschutzrechtliche Problemfelder im kontemporären Pferdesport
eBook - ePub

Tierschutzrechtliche Problemfelder im kontemporären Pferdesport

Rechtliche Betrachtung von Handlungsbedarfen und Entwicklung von Lösungsansätzen für Staat und Verwaltung

  1. 100 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub

Tierschutzrechtliche Problemfelder im kontemporären Pferdesport

Rechtliche Betrachtung von Handlungsbedarfen und Entwicklung von Lösungsansätzen für Staat und Verwaltung

Über dieses Buch

Die Arbeit analysiert die aktuelle Situation des Pferdesports aus tierschutzrechtlicher Sicht und nennt konkrete Lösungsansätze für Gesetzgeber und Behörden, auf Probleme zu reagieren. Nach einem Abriss über die Geschichte des Tierschutzrechts, sowie einer Beschreibung der aktuellen Normen einerseits und der Richtlinien der Reitsportverbände andererseits, werden zunächst Grundsätze des verfassungsmäßigen Tierschutzes erörtert, anhand derer die aktuelle Rechtslage unter Heranziehung aktueller Phänomene aus dem Pferdesport kritisch hinterfragt wird. Es folgt die Entwicklung von Lösungsansätzen im Verantwortungsbereich des Gesetzgebers, aber auch kurzfristig umsetzbarer Lösungen auf der Ebene der Verwaltungsbehörden. Neben aktuellen Erkenntnissen der Veterinärmedizin, Tierpsychologie und Reitlehre werden auch Gespräche mit Tierärzten, Veterinärbehörden und Reitpraktikern genutzt; insbesondere bei der Entwicklung von Lösungen wird auf Beispiele aus der Verwaltungspraxis und Vorschläge von Praktikern zurückgegriffen.

Häufig gestellte Fragen

Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst.
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Weitere Informationen hier.
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
  • Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
  • Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Beide Abopläne sind mit monatlichen, halbjährlichen oder jährlichen Abrechnungszyklen verfügbar.
Wir sind ein Online-Abodienst für Lehrbücher, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 1.000 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Weitere Informationen hier.
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Weitere Informationen hier.
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren.
Ja, du hast Zugang zu Tierschutzrechtliche Problemfelder im kontemporären Pferdesport von Lukas Sanders im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus Jura & Rechtstheorie & -praxis. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.

Information

Jahr
2016
ISBN drucken
9783738654837
eBook-ISBN:
9783739263144

C. Problemlagen und deren Ursachen

Es existieren zahlreiche auf das Pferd bezogene tierschutzrechtliche Problemlagen, wobei nicht alle ihre Ursache im Bereich des Reitsports haben oder unmittelbar mit diesem zusammenhängen. Die nachfolgende, keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebende Aufzählung orientiert sich an der Leitfrage, welche (dringenden) Handlungsbedarfe und Handlungsmöglichkeiten von staatlicher Seite bestehen und lässt daher in diesem Sinne nicht weiterführende Phänomene außer Acht.
Als Maßstab für die Einordnung als tierschutzrechtlich problematisch sollen neben den Vorschriften des Tierschutzrechts auch eine Betrachtung der verfassungsrechtlichen Grundlagen und historischen bzw. ethischen Hintergründe des deutschen Tierschutzrechts sowie die Heranziehung von Leit- und Richtlinien, Vorschriften anderer Staaten, Erkenntnissen aus der neuen Reitlehre und Einschätzungen von Veterinärmedizinern dienen.

I. Übermäßiger Einsatz von Hilfsmitteln

Immer wieder wird bemängelt, dass Reiter übermäßig Hilfsmittel einsetzen bzw. schädliche Hilfsmittel nutzen, um Pferde auszubilden oder die Leistung zu steigern. Hier kommt eine Reihe von Hilfsmitteln in Betracht, welche unter Umständen einen Verstoß gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen darstellen können.
Hilfsmittel sind in der deutschen Reitlehrer lediglich Unterstützung des Reiters; die FN mahnt zu verantwortungsbewusstem und mäßigem Einsatz63 und verbietet sowohl den übermäßigen Einsatz von Hilfsmitteln als auch den Einsatz bestimmter, besonders gefährlicher Hilfsmittel (u.a. §§ 70 ff LPO). Dennoch sind der übermäßige Hilfsmitteleinsatz und der Einsatz schädlicher Hilfsmittel zu beobachten.

1. Sensibilisierung von Springpferden

Bei Ausbildung und Wettkampfvorbereitung werden häufig Methoden angewandt, die die Sprunghöhe der Pferde verbessern sollen.
Beim Barren wird während des Sprungs die Hindernisstange ruckartig angehoben, sodass sie gegen das Bein des Pferdes schlägt (aktives Barren)64. Auch kann eine Metallstange vor die eigentliche Hindernisstange gelegt 65 oder das Hindernis elektrifiziert 66 werden (passives Barren). Durch die zugefügten Schmerzen soll das Pferd lernen, Hindernisse höher einzuschätzen, seine Beine stärker anzuziehen und so seine Sprungfähigkeit verbessern67.
Eine weitere Methode ist das Blistern bzw. chemische Barren, bei dem die Beine des Pferdes mit ätzenden Substanzen, um die Pferdebeine berührungsempfindlicher zu machen und die Pferde so zu zwingen, die Beine verstärkt anzuziehen68. Diese Methode dient traditionell zur Behandlung von Entzündungen und Lahmheit sowie zur Förderung der Durchblutung, die Wirksamkeit gegen Lahmheit wird allerdings angezweifelt69.
Alle Methoden des Barrens zielen darauf ab, dem Pferd Schmerzen zuzufügen. Sie könnten daher einen Verstoß gegen § 3 Satz 1 Ziff. 1b, da es sich um eine Maßnahme der Leistungssteigerung im Wettbewerb handelt, und Ziff. 5, wenn die Methoden im Rahmen der Ausbildung angewendet werden, sowie das allgemeine Verbot des § 1 Satz 2 TierSchG darstellen, ebenfalls könnte Ordnungswidrigkeit nach § 18 Abs. 1 Ziff. 1 und 4 TierSchG vorliegen. Es ist jedoch die Erheblichkeit der zugefügten Schmerzen, Leiden und Schäden entscheidend.
Die Erheblichkeit ist ein unbestimmter Rechtsbegriff, der im Einzelfall nach allen Umständen des Einzelfalls ausgelegt werden muss, auch die Entwicklungsstufe des Tieres und Besonderheiten, beispielsweise besondere Bedürfnisse oder die Beschaffenheit betroffener Körperregionen, sollen hier Beachtung finden70.
Nach h.M. liegt die Erheblichkeit dann vor, wenn äußerlich wahrnehmbare Verhaltensauffälligkeiten das Vorliegen eines Leidens indizieren71; ob die Dauer der Leiden relevant ist, ist strittig72.
Konkretisierende Vorschriften liegen nicht vor; die Leitlinien Tierschutz im Pferdesport stellen bei der Beurteilung der Methoden des Barrens ebenfalls auf die Erheblichkeit der zugefügten Schmerzen ab (Ziff. III.1.g), lediglich das Blistern wird dort grundsätzlich verboten, ebenso die Verwendung von Eisenstangen oder stromführender Hindernisstangen.
Letztlich ist es nicht abschließend aus Rechtsprechung und Literatur ersichtlich, welche Methoden des Barrens verboten sind; es ist im Einzelfall auszulegen, ob die Handlung dem Erfordernis der Erheblichkeit genügt. Dies bedeutet, dass ein Einschreiten der Behörden im Zweifelsfall erst dann möglich wird, wenn bereits Verhaltensauffälligkeiten oder ernsthafte Verletzungen aufgetreten sind – ein präventives Einschreiten lässt sich daher kaum rechtfertigen, da für ein Eingreifen nach § 16a TierSchG ein Schaden bzw. eine konkrete Gefahr vorliegen muss73. Es obliegt also den Veterinärämtern, im Einzelfall die Erheblichkeit und die hinreichende Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts nachzuweisen, was sich regelmäßig schwierig gestalten dürfte74.

2. Hyperflexion

Als Hyperflexion oder auch Rollkur bezeichnet man das Überdehnen des Halses, insbesondere bei der Dressur, indem die Zügel stark nach unten gezogen werden; diese Methode soll die Handhabung des Pferdes verbessern75.
Diese Methode ist in den letzten Jahren verstärkt ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt und wird heftig kritisiert, zumal sie der deutschen Reitlehre widerspricht76.
Tierärzte bezeichnen diverse negative Folgen für das Pferd. Heuschmann77 und Miller78 sehen hier unter anderem eine Überspannung diverser Körperpartien und eine Anhebung des Rückens, welche zu Überlastung und Verschleiß der Hinterhand sowie Muskelschäden führen kann als Folge einer übermäßigen Hyperflexion, Miller darüber hinaus eine seelische Schädigung, da das Pferd als Fluchttier sein Bedürfnis nach Sicherheit durch ständige Erkundung der Umgebung nicht befriedigen kann.
Laut einer Studie des Graf-Lehndorff-Instituts für Pferdewissenschaften , bei welcher die oberen Atemwege hyperflexierter Pferde endoskopisch untersucht wurden, zeigten sich zudem eine Verengung der Atemwege, eine Erhöhung des Rachendrucks und eine Veränderung der Durchblutung79.
Dabei ist entscheidend, dass nicht die einmalige, kurze Anwendung der Hyperflexion zwangsläufig zu erheblichen Schädigungen führt, sondern erst der regelmäßige Gebrauch80.
Hier käme ebenfalls ein Verstoß gegen §§ 1 Satz 2 sowie 3 Satz 1 Ziff. 1b und 5 TierSchG in Betracht, sofern ...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Glossar
  3. Literaturverzeichnis
  4. Verzeichnis der sonstigen Quellen
  5. Danksagung
  6. A. Einleitung
  7. B. Grundlagen
  8. C. Problemlagen und deren Ursachen
  9. D. Mögliche Gegenmaßnahmen
  10. E. Fazit
  11. Anhang I – Vorschläge zu Normänderungen
  12. Anhang II – Vorschlag zu einem Kooperations- und Informationskonzept
  13. Impressum