Ihr persönlicher Flugbegleiter
Das nun folgende Kapitel ist nicht nur zum Lesen, sondern auch zum Durcharbeiten gedacht. Stationsweise greift es zentrale Situationen einer Flugreise auf und gibt Ihnen Anregungen für Ihr persönliches Krisenmanagement. Die leeren Zeilen füllen Sie selbst aus, als Gedankenstütze. Schließlich wissen Sie nach dem Studium des Kapitels "Strategien zur Entkrampfung" am besten, mit welchen Übungen Sie Atem, Kopf, Magen, Herz und Kreislauf und erst recht Ihre Gedanken im Zaum halten und beruhigen. Wenn Sie dieses Buch nicht ohnehin mitnehmen, kopieren Sie sich doch einfach die Übungsseiten aus diesem Kapitel.
Welches ist Ihre persönliche "Feuerwehrübung", falls sich wider Erwarten doch panische Gedanken aufbauen? Als schnellwirksam erwies sich in Flugangstseminaren der "Muskelpanzer" (siehe Seite 57). Schnell mal üben!
Sie buchen einen Flug
Versuchen Sie, sich schon jetzt einen Platz am Gang und in der Mitte des Flugzeuges reservieren zu lassen. Bekennen Sie sich zu Ihrer Flugangst; dann kommen Sie von Anfang an in den Genuss einer Sonderbehandlung, etwa als Letzter ein- und als Erster aussteigen zu dürfen.
Noch eine Woche bis zum Flug
Erzählen Sie Ihren Freunden, Kollegen oder Verwandten von Ihrer Flugangst und dass Sie dennoch fliegen werden, von Ihrem Willen, sich und die Angst zu überwinden. Man wird Sie bewundern. Und auch Sie können auf sich stolz sein.
Üben Sie die progressive Muskelentspannung. Je häufiger Sie Ihre verschiedenen Muskelpartien anspannen, umso gezielter (und unauffälliger) gelingt es Ihnen, eine partiell begrenzte Muskelregion zu entspannen. Üben Sie, wo Sie gerade daran denken: an der Bushaltestelle, in Auto, Bus, Bahn, beim Anstehen im Supermarkt, auf der Rolltreppe, im Büro.
Machen Sie sich eine Checkliste und beginnen Sie rechtzeitig mit dem Packen. Vergessenes fällt einem auch ein, wenn man noch nicht in der Wartehalle sitzt, also gönnen Sie sich etwas Reserve.
Morgen werden Sie fliegen
Vermeiden Sie an diesem Abend Alkohol oder schweres Essen. Sorgen Sie durch "Atmen mit spannungslösender Wirkung" (Kapitel "Strategien zur Entkrampfung", Seite 42) für ruhigen Tiefschlaf. Die Fantasie macht keinen Unterschied zwischen Angst und Freude. Also: realistisch bleiben. Lassen Sie aufregende Bettlektüre im Bücherregal. Bleiben Sie locker. Es wird alles gut gehen.
Am Morgen Ihres Fluges
Vermutlich beunruhigt Sie der Gedanke an den heutigen Flug. Vielleicht sind Sie aber auch stolz auf sich, dass Sie zu Ihrer Entscheidung stehen. Damit hätten Sie schon eine entscheidende Hürde geschafft. Denn wenn Sie jetzt kneifen, lässt sich das zwar verheimlichen; aber Ihre Flugangst siegt, verstärkt sich womöglich und wird Sie ein Leben lang knebeln - und das nicht nur in Verbindung mit dem Fliegen. Setzen Sie den "Muskelpanzer" solange ein, bis Sie sich im Spiegel lächeln sehen. Dies ist der Tag der Befreiung. Sie lösen sich von der Flugangst, indem Sie ihr fest ins Auge schauen. Und Sie werden sich großartig fühlen.
Frühstück, Mittagessen?
Sie glauben, dass Sie keinen Bissen essen können? Erinnern Sie sich an das Kapitel "Angst bewusst machen" (Seite 18). Nichts essen aktiviert den Sympathikus, Aufruhr im Körper zu veranstalten. Ein bisschen Essen hingegen hilft dem Parasympathikus, für Ruhe und Ausgeglichenheit zu sorgen. Lassen Sie die Finger von Kaffee, schwarzem Tee, Cola und Alkohol. Ein Kräutertee hält Sie heute besser in Balance. Wenn Sie erst am Nachmittag fliegen, dann gönnen Sie sich ein superleichtes Mittagessen; vielleicht nur einen Snack mit Salat oder eine Suppe. Fliegen mit leerem Magen schmälert auch Gern-Fliegern das Vergnügen.
Zum Flughafen fahren
Vermeiden Sie jede Hektik. Wenn Sie mit dem Auto anreisen, haben Sie sicher bei einem früheren Besuch bereits das Parkterrain sondiert und wissen, wohin Sie fahren müssen. Unproblematischer ist es, mit der Bahn oder einem der Airliner-Pendelbusse anzureisen, vor allem wenn Sie nicht viel Gepäck haben. Nehmen Sie auf jeden Fall einen Turnus früher, als unbedingt notwendig ist. Auch Bahnen und Busse bescheren einem gelegentlich ungewollte Verzögerungen.
In der Abflughalle
Jede Fluglinie hat ihre(n) eigenen Schalter. Außerdem teilen sich große Flughäfen in drei Bereiche: Inland-, Ausland-, Charterflüge. Wenn Sie sich nicht zurechtfinden, fragen Sie entweder Flughafenpersonal oder an einem freien Schalter. Stellen Sie sich vor, Sie seien in einem neuen Kaufhaus. Auch da weiß man am Anfang nicht, wo welche Waren untergebracht sind. Das regt Sie doch auch nicht auf, oder?
Einchecken (Gepäckaufgabe)
Hier geben Sie, bis auf ein Stück Handgepäck, Ihr Gepäck auf: Auch ohne Gepäck benötigen Sie hier Ihr Flugticket. Die Bodenstewardess stellt eine Einstiegskarte (Boarding-Card) aus, auf der Ihr Sitzplatz, das Abfluggate (auch Flugsteig) und die Einsteigezeit vermerkt sind. Für das Gepäck erhalten Sie nach der Aufgabe einen Beleg, der auf Ihre Ticketkopie geklebt wird. Vermutlich müssen Sie einige Zeit in der Schlange warten. Eine gute Gelegenheit, um Hände und Unterarme zu entspannen. Also nacheinander erst die eine Hand zur Faust ballen und die Spannung fünf Sekunden halten. Nach 20 Sekunden Pause die andere Hand ballen, halten und lösen. Je länger Sie anstehen müssen, umso lockerer und sicherer reichen Sie später Ihr Ticket über den Tresen. Und die anderen merken nichts davon.
Der Weg zum Gate (Das Boarding)
Auf Ihrer Boarding-Card stehen nicht nur Ihre Flug- und Ihre Sitzplatznummern, sondern auch, zu welchem Terminaltor (Gate) Sie gehen müssen und die Boarding-(Einsteige-)zeit. Dieser Vorgang benötigt allerdings ein bisschen Zeit, der Sicherheit zu Liebe. Die erste Sperre prüft, ob Sie überhaupt eine Boarding-Card besitzen. Sie berechtigt Sie zum Eintritt in die Sicherheitszone für Flugpassagiere. Abholer müssen außerhalb dieser Zone warten. Vielflieger nennen diese Station: "Mit dem Ticket winken".
Sicherheitskontrolle
Sie dient, wie der Name sagt, der Sicherheit von Passagieren, Flugzeugen und Besatzung. Das Handgepäck wird durchleuchtet. Mit einem Metalldetektor als Handgerät oder einem Detektor-Tor, das man durchschreitet, werden die Passagiere auf metallische Körper abgesucht. Zunehmend sind sogenannte Körperscanner zu absolvieren, auf dem man tatsächlich noch ein Päckchen Papiertaschentücher entdecken kann.
Mäntel, Jacken, Taschen, Handy, Schlüssel, Geldbeutel wandern in einer Kunststoffwanne durch das Durchleuchtungsgerät. Schon ein kleiner Schlüssel in der Jackentasche, ein Eurostück oder eine metallische Schuheinlage bringt die Sensoren zum Piepsen. Und das ist gut so. Es könnte ja auch etwas Gefährlicheres sein. Falls sich wieder eine Schlange gebildet hat, kneifen Sie im Stehen die Gesäßmuskeln fest zusammen, fünf Sekunden halten und lösen. Nach 20 Sekunden Pause wiederholen Sie diese Übung, die Ihnen verstärkte Standfestigkeit und neue Energie verleiht.
Passkontrolle
Wer das Land verlässt, muss durch die Passkontrolle. Innerhalb Europas entfällt sie inzwischen bei den meisten Ländern. Im Ausland, besonders in osteuropäischen Ländern, nimmt man sich dafür etwas Zeit. Wenn Sie nicht zufällig steckbrieflich gesucht werden und Ihr Pass gültig ist, haben Sie nichts zu befürchten. Wieder Zeit, um Hände und Gesäß zu beschäftigen. Das wohltuende Gefühl breitet sich über Unterarme und Oberschenkel aus.
Im Warteraum des Gates
In den meisten Flughäfen gruppieren sich Sitzplätze und -bänke um das jeweilige Gate, an dem Ziel und Abflugzeit angezeigt sind. Auch hier betreibt die Fluggesellschaft einen Schalter, an dem Reisende, die nur Handgepäck mitnehmen, direkt einchecken können. Bleibt noch Zeit bis zum Einsteigen, können Sie im Sitzen gezielte Entspannungsübungen durchführen oder ein bisschen herumlaufen. Bewegung leitet Angst ab.
Wenn Ihnen das passive Abschalten nicht gelingt, dann üben Sie sich in kommunikativer Entspannung; eine Strategie, die auch in alltäglichen Situationen wahre Wunder wirkt. Kommunizieren Sie mit den Augen und dem Mund: Verwickeln Sie Mitreisende oder Mitwartende in ein Gespräch. Sprechen Sie ruhig über Ihre Flugangst oder über etwas anderes, möglichst Positives.
Vielleicht geht es einem anderen Reisenden ähnlich. Lächeln Sie. Loben Sie. Trösten Sie. Machen Sie Komplimente. Seien Sie nachsichtig mit quengelnden Kindern, hysterischen Müttern und gehetzten Flughafenangestellten. Erzeugen Sie Freude in fremden Gesichtern. Oder wie wäre es mit einem stillen Gebet?
Kommen trotzdem negative Gedanken, dann formulieren Sie sich daraus sofort positive, wie Sie es im Kapitel "Angst kommen lassen und ertragen" gelernt haben. Setzen Sie beim ersten Anflug von Angst die gelernten Atem- und Entspannungsübungen ein: Arme, Bauch, Rücken, Beine. Wenn Sie sich dessen schämen, gehen Sie dazu einfach auf die nächste Toilette. Üben Sie bereits zu Hause vor dem Spiegel, damit Sie die wichtigsten Details der progressiven Muskelentspannung unsichtbar beherrschen.
Blinkende Lä...