06. Januar 2019, 23:43 Uhrzeit
Liebe Lucie,
danke für deine guten Wünsche zu meinem Geburtstag. Solche Wünsche können einen ja nie zu spät erreichen, oder? Es sei denn, dass man vorher das Zeitliche segnen würde, was ja aber nicht der Fall gewesen ist. Selbst darüber kann man "scherzen". Den Tod, Lucie, sollte man nicht zu "persönlich" nehmen, denn "Gevatter Hein" kennt weder mich noch dich noch sonst einen persönlich.
Natürlich schmerzt es sehr, wenn man einen geliebten Menschen verliert. Meine Großeltern, die sich sehr um mich gekümmert haben, sind schon seit geraumer Zeit tot.
Meine Eltern gaben mich zweimal in die Obhut der Großeltern. Ich möchte das aber in keinster Weise missen, d. h. eine andere Kindheit würde ich mir nicht wünschen. In bin nicht in der Wildnis Brandenburgs aufgewachsen, aber doch auf dem Land. Von daher meine Bekanntschaft mit Eseln und Pferden. Reiten ist eine sehr schöne Sache und durchaus ein ernst zu nehmender Sport. Ich war selber immer recht unsportlich in der Schule und habe dieses Fach überhaupt nicht gemocht.
Unsere Korrespondenz ergibt sich so. Dass wir überhaupt miteinander in Kontakt getreten sind, und irgendwie in diesem Internet gefunden haben, ist doch ein großartiger Zufall. Dass wir uns etwas zu sagen haben, ist noch schöner. Ein bisschen wie verwandte Seelen. Seelenverwandtschaft - - was für ein Wort. Auch in mag den Wald.
Früher lebte in den Staaten, im Bundesstaat Virginia. Dort bin ich stundenlang im Wald -- dem Shenandoah National Park -- auf dem AT-Wanderweg (Appalachian Trail) gewandert -- allein oder auch manchmal mit meinem Sohn. Einmal haben wir dort übernachtet; es gibt dort Braunbären und Kojoten. Schon spannend. Immerhin den Angriff eines Bären würde man sehr wahrscheinlich nicht überleben. Ich wusste gar nicht, dass Bäume Familien bilden. Man kann immer dazu lernen. Ich finde, dass Pflanzen allein schon wegen Ihrer Genügsamkeit recht intelligente Wesen sind.
Das ging mir nach meiner OP (2014) auf, als ich lange auf der Veranda sitzen konnte und eben diese Wesen beobachten durfte.
Manchmal muss man halt aus der Bahn geworfen werden, um bestimmte Dinge erst sehen zu können. So in etwa bin ich für dich ein Katalysator (aber keine Krankheit), die dich Dinge erst denken, verarbeiten und ausdrücken lässt. So gesehen, denke ich mal, dass ich überhaupt kein "Energiesparer" bin.
Interessant, wie du den Begriff verwendest.
Das wäre mir nicht eingefallen.
Du sagst gar nichts zu meinem Gedicht? Doch natürlich: du sagst sehr wohl etwas dazu.
Entschuldige. -- Gerade sitze ich mit dem Laptop in einem Vorraum zum Berliner Studio meines Sohnes und höre die Musik, die diese Musiker machen. Das ist also der musikalische Hintergrund, vor dem ich diese Mail schreibe. Nur so zur Info für dich. Hat dir mein Gedicht nicht zugesagt?
Es wäre aber gerade wegen deiner "Traurigkeit" wichtig, dass du tanzt, wenn dir das per se Spaß machen würde. Frage dich doch folgendes: Änderst du durch dein Nicht-Tanzen etwas? Nein. -- Aber tanze mal: Dann könntest du eventuell einen positiven Flow fühlen. Auch ist es besser nur einmal pro Tag zu lächeln, als gar nicht zu lächeln. Finde ich.
Ja, für "Gott", auch wenn es ihn nicht geben kann, gibt es keinen Ersatz. Göttin sei Dank, Müller sei Dank -- würde eh keiner so recht verstehen oder als humoristisch auffassen.
Das Schreiben ist für mich (sowie für dich wohl) ein ebenso schwieriger, aufwändiger, zäher, aber aus welchen Gründen auch immer lohnender Prozess, der mir Genugtuung verschafft und eine Art "Abrechnung" ist. Für meine nun 43 Seiten "Roman" habe ich eine halbe Ewigkeit gebraucht. Das Lesen geht in der Tat viel schneller. Das scheint eine Gesetzmäßigkeit zu sein. Ich bewundere Menschen, die mal so 10 bis 20 Romane in ihrem Leben schreiben. Auf der anderen Seite sind in meinem 28-jährigen Übersetzerleben (es dürften noch 12 Jahre folgen) wohl auch gut 22.000 (zweiundzwanzigtausend) Seiten zusammengekommen -- Tendenz steigend.
Nimmt man tausend Seiten für einen Roman, dann ergäben sich natürlich 22 Romane.
Natürlich nur rein theoretisch; rein theoretisch: 22 Romane. Und ja, meine Lehrer haben schon sehr deutlich in die Richtung der Geisteswissenschaften gewiesen: ich solle doch etwas mit Sprache machen; auch als Politiker hatte man mir Zukunftsaussichten prophezeit. Im letzten Punkt lag man wohl bisher verkehrt.
Liebe Lucie, ich bin der Ansicht, dass du glücklich sein darfst und auch kannst.
Grundsätzlich (dem Grundsatz nach) sollte das -- das Streben nach Glück -- auch jedem Menschen, ob Mann, Frau oder Kind -- ja sogar jedem Tier -- ermöglicht werden.
Artikel 1 des GG (Grundgesetz): Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. -- Ich lese nur zum x-tenmal deine letzte Mail durch und bin auch "bezaubert", und zwar nicht nur vom Klang deiner Sprache, sondern vor allem ob deren Inhalt. Du hast Grips. Das sagte ich ja auch schon; und vor allem hast du Empathie oder das Vermögen dich in andere bzw. anderes hineinzufühlen; bist also empfindsam.
Empfindsam und wahrscheinlich auch empfindlich; man kann empfindlich sein, ohne empfindsam sein zu müssen. -- Ich muss bzw. will deine Mail mehrmals durchlesen, um sie zu ergründen, in allen Winkeln und Verästelungen zu verstehen. Schön der Gegensatz vom "freien Willen Gottes" und den sicht- oder spürbaren Gesetzen, die keiner zu lenken scheint.
Nein, es ist nicht alles gut. Aber gerade deswegen musst du dir selbst Gutes tun, damit du viel Leben in dir hast, das dann eventuell überschwappen kann. Think positive. -- Das Verhalten der "Feuerteufel" ist ein Tatbestand und ist entsprechend mit Strafe bedroht.
Bist du Zwilling? Deine Schwester und du -- meine ich.
Dass du nicht mehr zum Arzt gehst, verstehe ich sehr gut. Darüber habe ich auch mal ein Gedicht geschrieben; ich guck mal, ob ich das finde.
Lucie, du bereicherst mich und bringst meinen Lebensbecher zum Überlaufen. Das ist ein schönes, beglückendes Gefühl, das mich irgendwie (so finde ich) zu einem besseren Menschen macht. Also du leistest, ohne es zu wollen, eine positiven Beitrag. Es ist nicht schlimm und dein gutes Recht, dich nicht von mir umarmen zu lassen. Ich umarme halt gerne, aber nicht jeder bzw. jede muss das zwangsläufig mögen oder zulassen.
Nun, Neider wird es immer geben. Vielleicht ist es besser beneidet als bemitleidet zu werden, wenn man es so betrachten möchte.
Nun, ab Klasse 10 auf dem Gymni wurde des schon krass für mich, da ich meistens alleine in einer Ecke auf dem Hof stand.
Merkwürdigerweise machte es mir aber damals gar nicht so viel aus und es erfüllte mich sogar ein leichter Stolz, der sich mit 5 Milligramm "Verachtung" für die Anderen mischte. Ich war ja "Überzeugungstäter" und Klassenkämpfer (für die Arbeiterklasse and beyond); was sollte mich da ein bisschen Alleinsein bekümmern. Das Problem für die anderen liegt darin, dass du viel schneller lernst und deine Auffassungsgabe schärfer ausfällt; die anderen erklären sich den "Frust" damit, dass du lediglich "auswendig" gelernt hättest. Leider stellen sie nicht einmal unter Beweis, dass sie "zumindest" das könnten.
Und, ja, Lernen muss ja jeder und auf die Art des Lernens kommt es wohl entscheidend an:
Lernen aus Fehlern -- ja oder nein? Schnelles und dauerhaftes Lernen -- ja oder nein? Ein beliebtes "Argument" ist die Faulheit: der ist ja bloß faul. Das impliziert (idiotischerweise), dass alle Fleißigen bloß fleißig und ergo eigentlich doof sind. So ein abgrundtiefer Unsinn, den Lehrer verzapfen, weil sie sich im Klassenraum sonst nicht gegen die "Faulen" durchsetzen können. Der Lehrer lässt sie in der Illusion einer scheinbaren "Intelligenz" leben, die sie ja nie unter Beweis stellen müssen. Bei solchen Lehrern, die nicht selten sind (glaube ich), habe ich mental stets die "Klospülung" gleich zweimal betätigt.
Du weinst. Das kann ich bzw. muss ich auch zuweilen. Das ist doch nur ein Hinweis auf emotionale Tiefe und das muss nichts Ungesundes bedeuten (finde ich).
Die erste Mondlandung (1969?) -- da war ich ja sechs Jahre jung -- habe ich noch sehr bewusst in meiner Erinnerung. Das ganz Dorf, so schien es mir, hatte sich im einzigen Dorfgeschäft (bei Rosa), wo es einen Fernseher gab, versammelt. Und da stand ein kleiner Junge, der schwarzweiß einen Mann in einem weißen klobigen Anzug sah, wie er sich über die Mondoberfläche bewegte. Viele zweifeln ja immer noch an, dass es wirklich eine Mondlandung der Amerikaner gegeben hätte. So gesehen wird es nun Zeit, dass uns die Chinesen mal zeigen, was eine Harke ist und den Mond nun (endlich mal wirklich) betreten. Sollen sie es doch machen.
Genügend Problem zu lösen, hätten sie ja auch schon im eigenen Land (z. B. die Luftverschmutzung). Aber eine Mondlandung gibt was her und ist so super sexy.
Meine Mutter sagte oft, dass ein Rückzug zur rechten Zeit ein Sieg sei. Man muss auch den Mut aufbringen, einfach wegzugehen und sich zu verstecken. Und das stärkste Wort ist doch eigentlich das Wort, das nicht gesagt wird. Ziehe dich bitte nicht selbst runter!
Das Unterbewusstsein scheint bei dir eine wichtige Rolle zu spielen. Es ist wohl die Instanz, die bei dir zu Entscheidungen führt.
Sehe ich das richtig? -- Ich finde es völlig okay, wenn zwei Menschen, die intellektuell "ebenbürtig" (in ihrer Veranlagung und dem Ausleben dieser Veranlagung) sind, sich über "Gott und die Welt" (das ist ja "Gott" schon wieder, oh Gott) austauschen. Keine Macht der Welt kann uns daran hindern (solange die Server nicht abgeschaltet werden). Der Umstand, dass du 16 und ich in der Tat 40 Jah...