Performance
Nun geht es rein in die Situation – also rauf auf die Bühne. Es gibt so viele Aspekte, die deinen Auftritt top oder zum Flop machen können. Aber keine Angst: Für so gut wie jeden hat ein Top-Speaker ein Rezept und wenn du jedes davon verinnerlicht hast, kann dir fast nichts mehr passieren.
Wirkung
Weißt du, welchen riesigen Anteil die Körpersprache an der Wirkung deiner Präsentation hat? Experten sprechen von über 75 Prozent. Es ist also auf jeden Fall sinnvoll, in voller Pracht vor dein Publikum zu treten und niemals hinter einem Rednerpult oder einem Tisch zu verschwinden. Das war vielleicht in den 1970ern modern. Heute geht es darum, eine gewisse Nähe zum Publikum aufzubauen, anstatt Abstand zu halten.
Das wichtigste Instrument für Nähe hast du übrigens schon dabei. Das ist dein Lächeln. Auf der Bühne ist ein freundliches Gesicht wirklich sehr wichtig, denn es nimmt dir und dem Publikum den Stress.
Hier ein Beispiel für den Beginn eines Vortrages:
Am besten stellst du dich zunächst mit beiden Beinen fest auf den Boden, um sofort den richtigen Standpunkt zu finden.
Ich rate dir, dich aus dieser Position heraus möglichst natürlich zu bewegen und ganz normal zu laufen, so wie du es außerhalb der Bühnen- oder Seminarsituation auch tun würdest.
Um noch mehr Offenheit zu vermitteln, kannst du deine Handinnenflächen zeigen und sie seitlich oberhalb der Hüfte platzieren; dann kannst du mit den Händen in die natürlichen Bewegungsabläufe einsteigen, so, als würdest du einem Kind eine spannende Geschichte erzählen.
Das braucht etwas Übung und fühlt sich zunächst komisch an. Aber du weißt ja: Es geht nicht um dich, sondern um dein Publikum. Achte unbedingt auf natürliche Bewegungsabläufe; wenn du einen großen Bewegungsdrang hast, darfst du diesen auch auf der Bühne ausleben. Bist du in Bezug auf deine Körpersprache eher zurückhaltend, musst du es auch hier nicht übertreiben. Viele Menschen lernen mit den Augen, das darfst du mit deinem ganzen Körper und deinem schönsten Lächeln unterstützen.
Auf dem nächsten Bild kannst du gut erkennen, wie ich mich durch meine Gestik öffne. Außerdem halte ich einen großen, bunten Marker in der Hand. Was es damit auf sich hat, erfährst du später.
Auch wenn dir der folgende Tipp etwas verrückt vorkommt: Mir hilft er wunderbar. Damit ich immer daran denke, meine Hände zu öffnen, stelle ich mir vor, in jeder meiner Handinnenflächen sitze eine übergewichtige und äußerst grimmige Fee. Und immer, wenn ich meine Handinnenflächen nach unten drehe, wird die Fee wütend und hackt mit ihrem Zauberstab in meine Hand. Da das sehr schmerzhaft sein kann, lasse ich meine Hände offen!
Vielleicht fragst du dich, warum ich so viel Wert auf die Körpersprache lege. Nun, das hat mit einem der am meisten unterschätzten Punkte unserer Branche zu tun. Wenn du möchtest, dass Unternehmen dich buchen, oder wenn es dein Ziel ist, die beste Rede deines Lebens zu halten, kommt es nicht nur darauf an, wie und wo du auf der Bühne stehst. Es zählt vor allem, wie du auf andere wirkst. Nur wenn deine Zuschauer dich von Beginn an positiv bewerten – und ja, wir bewerten andere Menschen andauernd –, hast du die Möglichkeit, mit deinem Vortrag zu punkten. Gelingt dir das nicht, werden einige Menschen konstant nach Fehlern an dir und deiner Rede suchen.
Der Halo-Effekt
Nein, es liegt kein Rechtschreibfehler vor, das zweite »l« wäre beim »Halo-Effekt« tatsächlich eins zu viel. Das Wort »Halo« stammt aus dem Griechischen; im Englischen bedeutet es übersetzt »Heiligenschein«. Was aber ist der Heiligenschein-Effekt? Zunächst einmal ist er ein psychologisches Phänomen, das uns veranlasst, von den dominanten Eigenschaften oder Merkmalen einer Person – die wir entsprechend schnell wahrnehmen – auf unbekannte zu schließen, ohne dass es dafür eine verlässliche Grundlage gibt. Klassisches Beispiel: Eine Person, die sehr gut aussieht, wird oft automatisch für intelligent und gesellig gehalten. Sie bekommt also eine Art Vorschusslorbeeren. Das funktioniert allerdings auch im umgekehrten Fall, wenn der Eindruck ein negativer ist. Und hier kommt dein Auftritt ins Spiel.
Menschen machen sich schnell ein Bild voneinander und reimen sich, daraus resultierend, ganze Geschichten über ihr Gegenüber zusammen – also auch über dich. Eine solche Geschichte muss nicht unbedingt viel mit der Wirklichkeit zu tun haben, aber sie bleibt haften. Du solltest dir also den Halo-Effekt besser zunutze machen, statt ihn gegen dich arbeiten zu lassen.
Erinnere dich daran, wie du zum letzten Mal einen Menschen kennengelernt hast, und überlege:
Wenn du jetzt ein klares Bild vor Augen hast, bin ich mir sicher, dass dein Gehirn dir in diesem Augenblick noch viel mehr über diese Person erzählt hat. Denn das ist es, was unser Gehirn zuweilen macht: Es erzählt uns Geschichten. Und zwar aus einem guten Grund. Unbewusst will das Rechenzentrum in unserem Kopf immer so viel wie möglich über eine andere Person wissen. So will es abwägen, ob von dieser neuen Bekanntschaft eine Gefahr ausgeht oder ob sie uns freundlich gesonnen ist. Knapp formuliert: Freund oder Feind?
Wenn wir uns nun ein Bewertungssystem mit einer Skala von 1 bis 10 vorstellen, dann reicht die Bewertung des ersten Eindrucks, den wir von einem Menschen haben, von »1« (ausschließlich negativ) bis »10« (ausschließlich positiv).
Eines steht fest: Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Unser Unterbewusstsein speichert die erste Begegnung mit folgender Information ab: Wie die Person diese eine Sache im Leben macht, so macht sie alle. Was bedeutet das also für uns als Speaker? Frag dich zunächst:
Wenn du diese Fragen mit »Ja« beantwortet hast – und davon gehe ich aus –, ist ein positiver erster Eindruck für dich essenziel. Und dieser baut sich schon ab dem Moment auf, in dem du am Veranstaltungsort aus dem Zug oder dem Auto steigst, also lange bevor dein Auftritt tatsächlich stattfindet. Dein Ziel: der perfekte erste Eindruck.
Wenn du dann bei deinem Auftritt von Anfang an hoch punktest, bist du deinen Teilnehmenden sympathisch und steigerst so deine Glaubwürdigkeit. So erreichst du die Menschen in deinem Publikum leichter und sie spüren, wenn überhaupt, eine wesentlich schwächere Abwehr. Wenn du hingegen mit einer sehr niedrigen Bewertung startest, wirst du deine Teilnehmenden nur mit sehr viel Mühe davon überzeugen, dass deine Inhalte viel besser sind als deine Ausstrahlung.
Erinnere dich daran: Der Rahmen ist wichtiger als der Inhalt. Die Art und Weise, wie du wirkst, ist Teil des Rahmens, denn du bist der Rahmen deines Themas.
Überprüfe doch selbst den Eindruck, den du auf der Bühne bietest:
Ich gebe zu, das ist verdammt anstrengend. Doch lass mich dir eines sagen: Wenn du wirklich die Rede deines Lebens halten willst, dann muss die »10« deine neue Lieblingszahl sein! Meiner Erfahrung nach wird bei Menschen, die einen intensiven, positiven ersten Eindruck hinterlassen, wesentlich weniger nach inhaltlichen Fehlern gesucht. Das funktioniert allerdings auch umgekehrt.
Überleg dir, wer bei dir schon einmal einen überaus positiven Eindruck ausgelöst hat und was du von dieser Per...