Die Detlefsen-Gesellschaft legt nun zum 20. Mal ihre Vorträge dem geneigten Leser vor.Inhalt: Ulf Buhse: In der Marsch und an der Elbe - Infrastruktur in besonderer LageElke Witt: Dörfliche Schulchroniken - Spiegel der Zeitgeschichte. Vor 100 Jahren - die Jahre 1917-1919Christian Boldt: Seuchengeschichte GlückstadtsH.-Peter Widderich: Atelier bitte! Der Maler H. WehrmannH.-Peter Widderich: Erinnerungen an Ebbe BierbaumIngo Lafrentz: Hinrich Lohse: Eine NS-KarriereChristian Boldt: Nachricht aus dem Archiv - Eine Organistenprüfung in Glückstadt

- 226 Seiten
- German
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Vorträge der Detlefsen-Gesellschaft 20
Über dieses Buch
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Information
In der Marsch und an der Elbe –
Infrastruktur in besonderer
Lage
Ulf Buhse
Die Existenz des Dorfes Kollmar beruht ganz wesentlich auf der Schaffung Infrastruktur, einer „langlebigen materiellen Einrichtung“: den Deichen. Dies ist seiner Gründung als Siedlung in den Elbmarschen geschuldet. Mit dem Deichbau ging aber auch die Anlegung eines weiteren Infrastrukturelements einher: des Entwässerungssystems. Als institutionelle Einrichtungen waren und sind die Deich- und Schleusenkommünen bzw. deren Nachfolgeorganisationen für Deich- und Entwässerungswesen zuständig. In den früher schwer zugänglichen Marschen entwickelten die Menschen, wo es möglich und nötig war, auch eine besondere Verkehrsinfrastruktur. So wurden die Wasserwege genutzt und ausgebaut. In Kollmar und Bielenberg entstanden schon früh Landeplätze und Häfen. Hierüber und über Straßen und Wege war Kollmar mit der übrigen Welt verbunden und wickelte seinen Handel ab. Das Gemeinwesen, dessen Aufbau und Unterhaltung seiner Infrastruktur über einige Jahrhunderte in diesem Beitrag betrachtet wird, ist das Gebiet der heutigen Gemeinde Kollmar, ehemals der adligen Güter Groß-Kollmar, Klein-Kollmar sowie teilweise Neuendorf.
Der Schutz durch die Deiche
Um 1100 findet das Kirchspiel Asvlete Erwähnung in einer Schenkungsurkunde. Detlefsen vermutet wie auch für andere untergegangene Orte, dass Asfleth auf dem erhöhten Ufer der Elbe errichtet wurde.1 Am Rande des Flusses hatten sich Sanddünen gebildet, die im Laufe der Jahrhunderte zu Erhebungen anwuchsen, die auch bei hohen Fluten nicht überschwemmt wurden. Zwischen diesen Uferwällen und der Geest erstreckten sich die Schwemmlandgebiete, wo sich bei Überflutung Sedimente ablagerten und den Marschboden bildeten, eingesprenkelt weitere Sanddünen. Durchzogen von Nebenflüssen der Elbe und von Prielen waren sie weiter den Gezeiten unterworfen. Es bildeten sich Seen und Moore. Die Verlandung war im 1. bis 2. Jahrhundert im Wesentlichen abgeschlossen, da sich der Meeresspiegel wieder senkte.2
Auf den erhöhten Uferwällen verortet Detlefsen in unserer Marsch vornehmlich altsächsische Ansiedlungen, zu denen er auch Asfleth zählt. Von hier aus wurden auch die höher aufgeschwemmten Marschgebiete schon vor der holländischen Kolonisierung bewirtschaftet und besiedelt. Die Lage von Asfleth wird allgemein im Gebiet vor dem Esflether Steindeich vermutet. Allerdings verzeichnete der Kartograph Johannes Mejer den Ende des 13. Jahrhunderts untergegangenen Ort „Esfleth“ in der „Landt Carte von der Grafschaft Pinnenberg ao 1650“ weiter stromaufwärts.3
Projiziert man diese historische Karte in eine aktuelle, so kommt Esfleth direkt vor Kollmar zu liegen (Abb. Seite →). Zwar scheint Meijers Werk eine sehr vereinfachte Darstellung der Geografie unserer Marsch zu sein, bringt man aber die Uferlinie der Elbe mit den heutigen Gegebenheiten in Deckung, finden sich auch die Örtlichkeiten wie Herrenfeld, Langenhalser Wettern und Kollmarer Kirche an fast der identischen Stelle. Selbst Strohdeich und Langenhals sind bei Mejer nahe den heutigen Ortsteilen von Kollmar verzeichnet. Große Abweichungen gibt es im Bereich der Krückaumündung. Aus der Verortung Asfleths durch Mejer und der später angenommenen Lage vor dem südlichen Teil des Steindeichs kann man das Kerngebiet von Asfleth zwischen Kamperreihe und Kollmar Hafen in der Elbe annehmen.
Die eingangs erwähnte Schenkungsurkunde betrifft, wie auch jene aus dem Jahre 1142 bezüglich Bishorst, den Kirchenzehnten, den der Erzbischof Adalbero dem Kloster Neumünster zusprach.4 Diese lohnenswerte Abgabe konnte nur aus wertvollem Land erwirtschaftet werden. Die eher kleinflächigen Sanddünen hätten den Ertrag nicht erbracht. Daher vermutet Detlefsen, dass auch die altsächsischen Siedlungen bereits über eingedeichte Ländereien verfügten.5 Von Höhe und Profil würden wir heute aber eher von Dämmen statt von Deichen reden.

Projizierung der Landkarte der Grafschaft Pinneberg anno 1650 von Johannes Mejer in einen neuzeitlichen Plan der Gemeinde Kollmar (Bearbeitung U. Buhse).
Fischer nimmt ebenfalls an, dass von den sächsischen Siedlungen in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts eine Teilbedeichung des umliegenden Gebiets ausging.6 Mitte des 12. Jahrhunderts ist der Ackerbau in den Marschen urkundlich nachgewiesen.7
Mit der Besiedelung durch holländische Einwanderer seit Anfang des 12. Jahrhunderts begannen systematischer Deichbau und Entwässerung.8 Hinweise auf Deiche in der Elbmarsch, die im 13. Jahrhundert geschlagen wurden, finden sich in Ortsnamen wie Crumendieke an der Stör (1247)9 oder in Urkunden, wie der von Graf Adolf IV. über eine Gerichtsverhandlung aus dem Jahr 1237, in der von der Ausbesserung der Deiche bei Bole die Rede ist, ebenso vom Hovedik an der Krempau. Aus dieser Urkunde schließt Detlefsen, dass die Kirchspiele der Kremper Marsch bereits eine Art Deichverband bildeten. Allerdings fühlten sich die Einwohner von Grevenkop, Neuenbrook und Redwisch zu den Arbeiten am Elbdeich bei Bole gezwungen. Davon wurden sie durch das Urteil für die Zukunft befreit, wurden aber verpflichtet, den Hovedik zu erhalten. Der Verband hatte nicht gehalten. Von der Obrigkeit und den Nachbarn im Stich gelassen ging Bole verloren.10
Auf einer 1996 angefertigten Karte des Amtes für Land und Wasserwirtschaft wird ein „alter Elbdeich“ aus der Zeit vor 1300 auf der Linie Borsflether Altendeich, Kremper Altendeich, Kamerlander Deich, Brunsholt, Hinterm Deich, Gehlensiel, Langenhals, Selkweg verzeichnet (Abb. Seite →). Der Anschluss an den alten Deich von Raa, dessen Verlauf die heutige B431 zwischen Neuendorf und Elmshorn folgt, ist unklar. Vermuten könnte man einen Deich dorthin vom Selkweg über Dorfreihe (heute ebenfalls B431).11
Der von Langenhals über Strohdeich, Sushörn, Auf dem Ort und Deichreihe an die Elbe geführte Deich könnte bereits 1304 gestanden haben, denn Detlefsen berichtet: „ … im Jahre 1304 war nur 3 – 4 km von Asfleth entfernt die Kirche von Langenbrok vorhanden, die später nach Neuendorf verlegt wurde. Damals verpfändete Erzbischof Giselbert von Bremen an Graf Heinrich I. das Kirchspiel Langenbrok mit dem Zehnten, der dikschowing, den Einkünften aus dem Gericht, ….. Die dikschowing, d.h. die Einkünfte aus den Brüchen [Strafgeldern] bei der Deichschauung, von denen die Urkunde redet, muß sich auf den Deich bei Kollmar beziehen.“12

Der „alte Elbdeich“ und andere mittelalterliche Deiche auf einer heutigen Landkarte; erstellt vom Amt für Land und Wasserwirtschaft Itzehoe zum 5oo-jährigen Deichjubiläum in Kollmar 1996 (Chronikarchiv Kollmar).
Fischer nennt das Deichstück von Langenhals bis Sushörn Kodiek. Den versunkenen Ort Kodiek setzt er vor die Schleuermündung in die heutige Elbe.13 (Abb. Seite →)
Der Deich von 1304 wird einen Anschluss an den Kollmarer „Ringdeich“ gehabt haben. Um den Kollmarer Koog zu schließen, muss auch ein Deich vom südlichen Zipfel des „Ringdeiches“ an der Krückauniederung entlang über Kuhle zur Dorfreihe existiert haben.14 Entwässert wurde der Koog über Klappsiele beim späteren Kollmarer Hafen und bei der Überdeichung der Langenhalser Wettern bei der heutigen Brücke der B431 über dieselbe.
Kollmar wird erstmals am 20. März 1300 im Hamburger Schuldbuch erwähnt. Der Eintrag nennt einen „Geradus von Collma“. 1377 ist in einer Urkunde von „Kulmere“ die Rede.15
Auch die Schreibweisen Collmar, Colmar oder Collmer und Colmer werden bis ins 19. Jahrhundert verwendet. Vermutlich wurde neben Langenbrok auch Kollmar durch den oben erwähnten Deich von Sushörn über die Deichreihe zur Elbe gegen Überschwemmung geschützt. Solange Asfleth existierte wird Kollmar nach Südwesten durch dessen Deiche geschützt gewesen sein. Das Kirchspiel Asfleth wurde aber 1393 letztmalig erwähnt.16
Detlefsen schreibt über Kollmar: „Es liegt etwas weiter aufwä...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Ulf Buhse: In der Marsch und an der Elbe – Infrastruktur in besonderer Lage
- Elke Witt: Dörfliche Schulchroniken – Spiegel der Zeitgeschichte. Vor 100 Jahren – die Jahre 1917–1919
- Christian Boldt: Seuchengeschichte Glückstadts
- H.-Peter Widderich: Atelier bitte – Der Maler Hermann Wehrmann (1897–1977)
- H.-Peter Widderich
- Ingo Lafrentz: Hinrich Lohse: Eine NS-Karriere
- Christian Boldt: Nachricht aus dem Archiv – Eine Organistenprüfung in Glückstadt
- Impressum
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