Das Sivabhaktavilasam ist ein Teil des Skanda Puranam und die spätere Sanskritversion des Periya Puranam, der Legendensammlung der 63 südindischen Sivaheiligen aus dem 12. Jahrhundert. Die Heiligen zeichnen sich durch ihre kompromisslose Verehrung Sivas und den Dienst für andere Sivaverehrer aus. Die Geschichten spielen auf dem Hintergrund des reichen südindischen Tempelkults.
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1. DIE HERRLICHKEIT DER HINGABE AN ŚIVA (ŚIVABHAKTI)
Śiva mit Pārvati, Ga
eśa und Skanda auf dem Kailāsa Batu Caves Wikimedia Commons, Foto: StormChase
Śrī Mahāga
apati [den großen Ganapati = Ga
eśa]4, der sich als Juwel des Bildes des Universums5, das die Mutter Girija [Pārvati] gezeichnet hat, zeigt, den grüße ich aus vollem Herzen.
Mit seinem Elefantenrüssel sitzt er auf dem Schoß der Mutter Tripurasundari, dieses göttliche Kind, das mit den Lotusblüten spielt, die die Brust seiner Mutter zieren, und das wie ein Löwe mit gigantischen Hindernissen kämpft. Ihn verehre ich.
Ich stimme den sechs-gesichtigen Kumāra [Skanda] versöhnlich, Pārvatis Sohn, der im Schoß von Girija und Giriśa [Pārvati und Śiva] spielt.
Ich verneige mich vor den Śiva-Verehrern und trage auf meinem Kopf den Staub ihrer Füße, der wie die Sonne die Unwissenheit der latenten Neigungen vergangener Leben vertreibt.
Ich grüße auch Śrī Vi
u, Brahmā, Sūrya, Skanda, Hayagrīva und die Weisen (munis) wie Upamanyu.
Die munis von Naimiśāra
ya, die durch ihre lange Ausübung von Opfern gereift waren, fragten ehrfürchtig den Weisen Sūta, der in den achtzehn Purā
as bewandert war: „Oh Sūta, Schüler des Vyāsa, der du alle Schriften kennst und von reifem Verstand bist, wir haben Zweifel und wollen von dir über verschiedene philosophische Themen aufgeklärt werden. Worin besteht die Bedeutung des Vedānta, der Mantren, des Karmas, der Worte der Weisheit und der großen Aussagen der Upani
aden [mahāvākyas]? Wodurch wird bewirkt, dass das Universum immer wieder neu erschaffen wird? Weshalb ist die Erkundung des Vedānta, wie sorgfältig sie auch betrieben und verstanden wird, nicht in der Lage, die Bindung zu beseitigen? Bitte erkläre uns das.“
Nachdem die Edelsten aller munis ihn auf diese Weise angefleht hatten, bezeugte der allwissende Sūta dem personifizierten Guru Śiva in aller Demut die Ehre. Er bezeugte auch den verschiedenen Gottheiten und Weisen wie Ga
eśa, Śārada, Mahāsena Skanda, Nandīśvara, Mahā Vi
u, Brahmā, Pārvati, Veda Vyāsa, Agastya, Vyāghrapāda, Patanjali, Dadhīci, Bhārgava, Jaimini, Gautama, Bh
gu, Upamanyu, Mārkand
en anderen Vertretern dereya, den anderen Vertretern der Veden, den traditionellen Meistern und Śiva-Verehrern die dreifache Ehre (durch Körper, Sprache und Geist). Dann begann er, die herzerwärmende Geschichte namens Bhakta Vilāsa zu erzählen. Sie ist in den drei Welten berühmt, geheiligt, verdienstreich und geheimnisvoll, ein Meer aus Nektar, das von den Geschichten über die Verehrer des Herrn, die Upamanyu einst dargelegt hat, überfließt.“
Śrī Sūta:
Ihr besten unter den munis! Ihr habt mich danach gefragt, was bekannt ist. Ich werde dieses Wissen, das Upamanyu auf dem Kailāsa offenbart hat, mit euch teilen. Auch werde ich versuchen, alles, was ich von meinem Guru gehört habe, soweit auszuführen, wie mein Verstand es mir erlaubt.
In den Veden, Ᾱgamas, Purā
as und Mantra Śāstras wird bezeugt, dass der große Gott Mahādeva sich verwandelt und als die Welt erscheint wie das Meer, das als Wellen, Blasen, Wirbel usw. erscheint. Śaśiśekhara, der Eine mit dem Mond auf dem Haupt, erscheint als die vielfältige Welt aus Formen und Namen. Dies ist ohne Zweifel die Grundlage der Wahrheit, die die Veden rühmen. Die Grundnote (śruti)6, die am Anfang der Veden gesungen wird, ist an ihrem Ende fest verankert (im Vedānta, das ausschließlich von der Erkenntnis des Selbst handelt). Durch dieses śruti wird das Selbst verwirklicht. Maheśvara ist das Selbst jenseits der śruti-Note, die vom Lärm des Vielfältigen verschlungen wird. Er ist das höchste Selbst, das die vielfältige Welt durchdringt (und ist auch ihr Substrat). Ihn allein verherrlichen die śāstras. Durch diesen Höchsten Herrn (Parameśvara) allein, den die Weisen wie Sanaka usw. verwirklichen, verschwinden die Zweifel durch das Yoga der Erkenntnis (jñana) und Wissen (vijñana).
Ist die Welt vergänglich oder ewig? Unterscheidet sich der jīva von Śiva? Gewährt die Erkenntnis Erlösung? Ist das Selbst der Körper oder nicht? All diese Zweifel können nicht zerstreut werden, bis der Guru, der die Wahrheit preisgibt, als göttlich betrachtet wird. Die śāstras betonen, dass der Guru Śiva ist. Das Ego bewirkt irrtümlich, dass der Guru als sterbliches Wesen erscheint. Durch die begrenzende Kraft von prak
ti erscheinen die vergänglichen Schichten aus Kaste und Glaube als wahr.
Die Weisen haben versucht, diese falsche Selbst-Wahrnehmung zu beseitigen, was die Schriften allesamt nicht bewirken können. Viele Menschen, denen es an Unterscheidungsvermögen fehlt, führen verschiedene Mittel an, um die Befreiung durch Selbsterkenntnis zu erlangen, wie etwa Buße, Gelübde, Wohltätigkeit, die Errichtung von Wasserspeichern usw., heilige Bäder, das Verweilen an heiligen Orten, der achtfache Yoga, das Nachdenken über die Bedeutung der Schriften, die Verehrung von Götterbildern, die Gemeinschaft mit Heiligen usw. Obwohl man das alles befolgt, fällt man doch wieder in einen Mutterleib [wird wiedergeboren]. Andere erlangen fast ohne Anstrengung die Befreiung, ohne das alles zu befolgen. Abgesehen davon gibt es ein unfehlbares Mittel, das alle Bindungen zerreißt. Es ist bhakti (Verehrung).
Der Verehrer, der bhakti übt, hat keine Sorgen mehr. Wie ein Kätzchen von seiner Mutter von einem Heim ins andere getragen wird, gibt er sich dem Willen des Herrn hin. Wie das Affenkind seine Mutter nicht loslässt, mag kommen, was da wolle, so soll der Verehrer unter allen Umständen Zuflucht beim Herrn Śiva nehmen. Solch höchste Verehrung befreit schließlich von jeder Bindung.
Es gibt drei Stufen von Hingabe: leichte, mittlere und höchste Hingabe. Ein gelegentliches Interesse, die Taten Śivas zu hören, seinen Namen zu singen und sich seines Ruhmes zu erinnern, wird leichte Hingabe genannt. Wenn man die Füße des Gurus, des Meisters, verehrt und das Lingam, die Darstellung, die Śiva repräsentiert, zeremoniell verehrt, kommt man nach dem Tod in die Welt Śivas. Das ist mittlere Hingabe. Wenn man nicht mal mehr ansatzweise denkt: „Ich diene dem Herrn“ und die Vorstellung „Ich bin Er“ überwindet, und alles ein für alle Mal Maheśvara, dem großen Herrn, unterwirft, ist das die endgültige und höchste Hingabe.
Es gibt neun verschiedene Wege, Hingabe auszudrücken. In der Reihenfolge ihrer Vorzüglichkeit sind das: Śiva-Geschichten zu hören, Śivas Namen zu singen, Meditation, seine Schreine z...
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Vorwort der Übersetzerin ins Deutsche
Vorwort des indischen Verlegers
Vorwort des Übersetzers ins Englische
Śivabhaktavilāsam nach der Erzählung des Weisen Upamanyu im Skānda Upapurāṇam
1. Die Herrlichkeit der Hingabe an Śiva (Śivabhakti)
2. Die Fragen der Weisen
3. Śiva manifestiert sich als strahlende Gestalt
4. Sundara nimmt das Hālāhala-Gift
5. Śiva verflucht Sundara
6. Sundaras Hochzeitsriten
7. Der Streit zwischen Sundara und dem alten Mann
8. Sundaras Verpflichtungsvertrag und Śivas Manifestation
9. Sundara kommt nach Kamalālayam
10. Viṣṇus Verehrung des Somāskanda Mūrti
11. Indra darf das Somākanda Mūrti sehen
12. Mucudunda stellt das Tyāgeśvara-Lingam auf
13. Der grosse Co
14. Der Friseur-Verehrer
15. Die Liebesgeschichte von Sundara und Parava
16. Śiva wird zu Sundaras Abgesandten
17. Tyāgeśvara unterweist Sundara
18. Der Töpfer Nīlakanṭha
19. Bhaktengitaprada
20. Māra
21. Satyārtha
22. Vīraminda
23. Amaranīti
24. Dāraka
25. Enādinātha
26. Der Stammesführer Dhīra
27. Dhīras Eintauchen in den heiligen Fluss Svar
28. Dhīra verehrt Śrī Kaḷahastīśvara
29. Dhīras Sārūpya Mukti
30. Kalānātha
31. Māna Vikrama
32. Śankulādāya
33. Gonātha
34. Mūrtinātha
35. Skandanātha
36. Śrī Rudra Paśupati
37. Nanda
38. Bhaktengitavetta
39. Canḍeśvara
40. Tilakāvati
41. Ajñānabhit (Vāgīśa)
42. Vāgīśa
43. Die Befreiung von Vāgīśa
44. Kulabandhana
45. Kurumba
46. Punītavati
47. Adbhuti
48. Nīlanagna
49. Navanandi
50. Die Geburt von Jñāna Sambandha
51. Jñāna Sambandhas Upanayanam
52. Die herrlichen Taten von Jñāna Sambandha 1
53. Die herrlichen Taten von Jñāna Sambandha 2
54. Die herrlichen Taten von Jñāna Sambandha 3
55. Die herrlichen Taten von Jñāna Sambandha 4
56. Die herrlichen Taten von Jñāna Sambandha 5
57. Jñāna Sambandhas Vereinigung mit dem Herrn
58. Die Geschichte von Sundara 1
59. Die Geschichte von Sundara 2
60. Sundara heiratet Ś
61. Kalikāma
62. Mūlanātha
63. Dan
64. Mūrkha
65. Māra Somayāji
66. Die Befreiung von Māra Somayāji
67. Śakyanātha
68. Naraśārdūla
69. Die Geschichte von Dabhra 1 – Śrīpatis Geburt
70. Die Geschichte von Dabhra 2
71. Dhabaras Gespräch mit dem Bhairava
72. Die Befreiung von Dabhra
73. Śrī Mu
74. Der Cera-König
75. Gaṇanātha
76. Purāntaka
77. Satya Dāsa
78. Dharma Ketana
79. Narasimha
80. Atibhakta
81. Kalikampana
82. Kalinīti
83. Śakti
84. Pancapāda
85. Mālā Tṛṇaka
86. Avikāri
87. ‚Sundara‘ Pāṇḍya
88. Vāyula
89. Śūrabhit
90. Simhānka
91. Aiḍanka
92. Yuddha Sakha
93. Kīrti Sakha
94. Śūravyāghra
95. Śambhu Dhyāyi
96. Mahiḷeśvari
97. Bhaktapriya
98. Śoṇākṣa
99. Der Musiker Nīlakanṭha
100. Jaṭila und Jñānavati
101. Sundara und Cera
102. Sundara erreicht Kailaśam
103. Ausführliche Beschreibung des Samsāra
104. Die Belehrung Sanakas und anderer Weisen durch den Herrn
Anhang I
Anhang II
Glossar
Orte Śivabhaktavilāsam – Periya Puranam
Literaturverzeichnis
Impressum
Häufig gestellte Fragen
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