Die Baufinanzierung
Sie haben nun, idealerweise, ein passendes Objekt gefunden, alle offenen Fragen zur Immobilie geklärt und alle Unterlagen gründlich geprüft oder fachmännisch prüfen lassen. Dann ist es Zeit für den nächsten Schritt – die Finanzierung Ihres künftigen trauten Heimes.
Zunächst muss ich Ihnen leider jede Illusion nehmen – es wird kein Spaziergang und vielleicht sogar der schwerste Teil des Unternehmens Hauskauf. Ich möchte versuchen, Ihnen einen kleinen Überblick über die verschiedenen Arten und Möglichkeiten einer Finanzierung aufzuzeigen, aber vor allem auch die Vor- und Nachteile der möglichen Finanzierungsarten sowie die Fallstricke, die da gegebenenfalls lauern können.
Grundsätzlich erst einmal zu der Frage, mit wem Sie sich über Ihre Finanzierung unterhalten können und, um möglichst alle Varianten ausloten zu können, auch unterhalten sollten. Da bieten sich natürlich zunächst einmal auch hier diverse Internetplattformen wie Interhyp oder Dr. Klein an, um nur zwei zu erwähnen, oder natürlich auch die Seiten der Verbraucherzentralen. Hier können Sie sich einen ersten Überblick verschaffen. Generell rate ich jedoch dazu, sich in persönlichen Gesprächen beraten zu lassen. Als erster Anlaufpunkt empfiehlt sich da natürlich die eigene Hausbank, die Berater von Bausparkassen, aber durchaus auch ein Gespräch mit einem Kreditvermittler. Besonders wichtig ist es dabei, sich zunächst einen Plan zu machen, welche Institutionen Sie in welcher Reihenfolge ansprechen. Zudem sollten Sie sich bei den Gesprächen so viel Informationsmaterial wie möglich mitgeben lassen und sich auch selbst Notizen machen. Natürlich sollten Sie keine Scheu davor haben, nachzufragen, wenn Sie etwas nicht verstehen! Auch wenn Ihr Gegenüber Ihnen den Eindruck vermitteln möchte, dass Sie derjenige sind, der von ihm etwas will – seien Sie sich darüber im Klaren, dass Banken, Bausparkassen und Kreditvermittler ihr Geld damit verdienen, Ihnen eine Finanzierung zu ermöglichen, Sie müssen sich also durchaus nicht als Bittsteller fühlen und Sie sollten auch durchaus darstellen, dass Sie sich dessen bewusst sind! Natürlich hängt der Erfolg dieser Gespräche ganz erheblich von Ihren finanziellen Voraussetzungen ab, jedoch gehe ich einmal davon aus, dass Sie im Kapitel 3 bereits diese finanziellen Möglichkeiten abgewogen haben und zu einem positiven Ergebnis gekommen sind.
Sie werden sehr schnell feststellen, dass die Konditionen, die Ihnen besonders von Ihrer Hausbank angeboten werden, nicht unbedingt mit etwaigen Werbeangeboten konform gehen. Dies liegt ganz einfach an der Tatsache, dass diese „Superangebote“ von idealen Voraussetzungen bezüglich der Liquidität ausgehen, welche jedoch in den seltensten Fällen vorliegen werden. Ihre Liquidität hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Die Höhe des zur Verfügung stehenden Eigenkapitals
- Ihr Score (Angabe über Ihre Kreditwürdigkeit) bei der Schufa
- Die gewünschte Laufzeit der Finanzierung
- Die gewünschte Dauer der Zinsbindung
Eine Finanzierung ist generell auch ohne oder mit geringem Eigenkapital möglich, allerdings werden dann die Zinskonditionen sehr viel schlechter sein als bei ausreichendem Eigenkapital. Eine Finanzierung zu 100 %, also ohne Eigenkapital, ist grundsätzlich nicht anzuraten! Zumindest die Erwerbsnebenkosten (Grunderwerbssteuer, Notar, Maklercourtage) sollten in jedem Fall aus Eigenmitteln bestritten werden können. Die Höhe dieser Nebenkosten ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, Sie müssen jedoch mit circa 15 bis 20 % rechnen. Natürlich ist ein höherer Anteil des Eigenkapitals wünschenswert und trägt in aller Regel dazu bei, bessere Konditionen ausverhandeln zu können. Prinzipiell können Eigenmittel aus verschiedenen Quellen gespeist werden, also auch aus Bausparverträgen oder Lebensversicherungen. Letzteres ist jedoch nicht wirklich anzuraten, da solche Verträge besser als Sicherheit für unerwartete Ausgaben behalten werden, ich hatte bereits auf diese Problematik hingewiesen.
Beim Thema Versicherungen möchte ich die Gelegenheit nutzen, Sie auf einen wichtigen Aspekt hinzuweisen, das Thema Absicherung. In aller Regel wird das finanzierende Institut bereits einige solcher Absicherungen von Ihnen verlangen. Da ist zu aller erst die Gebäudeversicherung, also die Absicherung der Immobilie gegen Schäden wie Brand, Vandalismus oder Elementarschäden. Schließlich möchte Ihr Finanzierer sicherstellen, dass der Gegenwert der Finanzierung auch bis zum Ende abgesichert ist.
Darüber hinaus sollte aber auch eine entsprechende Gebäudehaftpflichtversicherung vorhanden sein. In aller Regel wird man Ihnen eine Restschuld- oder auch Ratenschutzversicherung anbieten. Diese ist jedoch ausdrücklich nicht zu empfehlen, da diese zumeist sehr teuer ist und viele Ausschlussklauseln enthält, also im Zweifel gar nicht greift. Zudem sind die Konditionen für eine solche Versicherung sehr undurchsichtig und können den tatsächlichen Zinssatz gegebenenfalls sogar verdoppeln. Besser ist es, die Finanzierung mit einer gewissen Flexibilität zu gestalten, also die Möglichkeit von Ratenpausen, aber auch von Einmal- oder Sonderzahlungen in den Vertrag aufzunehmen. So behalten Sie sich die Freiheit, unter bestimmten Voraussetzungen (Krankheit, Arbeitslosigkeit) und festgelegter Dauer (zumeist maximal für ein halbes Jahr) die Zahlung auszusetzen oder aber auch ungeplant zur Verfügung stehende Geldmittel für Tilgungen außerhalb der Raten zu verwenden. Dies würde dann die Laufzeit Ihrer Finanzierung verkürzen.
Eine geradezu unerlässliche Absicherung möchte ich Ihnen jedoch noch anraten, die Absicherung für den (hoffentlich nicht eintretenden) Todesfall. Hierbei spreche ich ausdrücklich nicht von einer klassischen Kapitallebensversicherung, sondern von der sogenannten Risikolebensversicherung, die, wie der Name schon erwarten lässt, lediglich das Risiko des Todesfalls absichert. Dadurch sind sowohl Ihr Partner als auch Ihre Erben (Kinder, Enkel) nicht in der Gefahr, neben dem Schmerz des menschlichen Verlustes dann auch noch den der Immobilie durch Zusammenbruch der Finanzierung und der damit einhergehenden Zwangsveräußerung zu riskieren.
Wichtig:
Lassen Sie sich zu allen Fragen bezüglich Ihrer Absicherung sowie zu der Absicherung rund um Ihre Immobilie unbedingt fachlich beraten! Dies ist in aller Regel nicht kostenfrei möglich, kann Sie aber vor bösen Überraschungen und den damit einhergehenden finanziellen Schäden schützen!
Lassen Sie uns nun zu den verschiedenen Arten und Möglichkeiten einer Finanzierung kommen. Sehr oft wird es Ihnen passieren, dass im Zusammenhang mit Ihrer Finanzierung vom Bausparen die Rede ist. Nicht nur Banken, die oft eigene Bausparkassen betreiben, bieten sehr gerne eine Finanzierung über einen Bausparvertrag an, auch Finanzvermittler haben diese Art der Finanzierung im Angebot. Dies ist jedoch nicht verwunderlich, versprechen doch Bausparverträge sehr ordentliche Provisionen. Nur kann es ja nicht in Ihrem Interesse liegen, die Taschen anderer zu füllen. Was Sie wollen, ist Ihr eigen...