Dimension 1: Optimismus
Die innere Haltung der Zuversicht und der
positiven Erwartung
„Optimismus ist in seinem Wesen keine Ansicht über die gegenwärtige Situation,
sondern er ist eine Lebenskraft, eine Kraft der Hoffnung, wo andere resignieren,
eine Kraft den Kopf hochzuhalten, wenn alles fehlzuschlagen scheint,
eine Kraft Rückschläge zu ertragen, eine Kraft, die die Zukunft niemals
dem Gegner lässt, sondern sie für sich in Anspruch nimmt.“
Dietrich Bonhoeffer
Optimismus ist das Gegenteil von Pessimismus. Das wohl bekannteste Beispiel, um Optimismus zu beschreiben: Für Optimist*innen ist das Glas halb voll, für Pessimist*innen ist es halb leer. Die eine Person sieht das, was da ist, und die andere sieht das, was fehlt. Es macht also einen sehr großen Unterschied, mit welcher Grundeinstellung wir auf die Welt, das Leben, bestimmte Situationen oder andere Menschen schauen. Die jeweilige Sichtweise wirkt wie ein Wahrnehmungsfilter. Wir können mit unserer Wahrnehmung das Gute, Gelingende sowie die Chancen herausfiltern oder eben auch das Schlechte, Misslingende und die Risiken. Eine stark ausgeprägte negative Sichtweise schränkt unsere Wahrnehmung für das Gute ein. Menschen mit einem hohen Resilienz-Faktor entscheiden sich bewusst oder unbewusst für eine positive Sicht auf das Leben. Sie richten ihre Aufmerksamkeit auf die guten und erfreulichen Aspekte des Lebens, ohne jedoch Gefahren und Risiken zu ignorieren.
„Inmitten der Schwierigkeiten liegt die Möglichkeit.“
Albert Einstein
Eine positive, optimistische Grundhaltung vermittelt uns ein gutes Gefühl, weil Einstellungen und Emotionen sich wechselseitig beeinflussen. Positive Emotionen wiederum halten uns gesund und bilden einen wichtigen Schutzfaktor gegen Stress. Mit Optimismus ist jedoch nicht die rosarote Brille oder eine oberflächliche Zuversicht gemeint, sondern eine freundliche, zugewandte und von Vertrauen geprägte Lebenseinstellung. Heute gibt es zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass Menschen, die positiv in die Zukunft sehen, seltener herzkrank werden und länger leben. 6 Zudem verändert eine positive Grundhaltung unser Denken, sie erweitert unseren Geist und wir werden kreativer. 7 Realistische Optimist*innen gehen davon aus, dass die Dinge sich grundsätzlich positiv entwickeln können, und tragen das, was sie tun können, dazu bei.
Daran erkennst du fehlenden Optimismus
Selbst in glücklichen und guten Zeiten davon auszugehen, dass dies bestimmt nicht lange so bleibt.
In einer Situation eher die Schwierigkeiten sehen und sich dann bestätigt fühlen, wenn diese auch so eintreten.
Daran glauben, dass man selbst meistens Pech hat und die anderen eben Glück haben.
Nichts Gutes erwarten, um eine Enttäuschung zu vermeiden.
Wie würdest du deine Grundhaltung beschreiben?
Wie gehst du mit Schwierigkeiten um?
Richtest du deine Aufmerksamkeit eher auf das, was geht oder auf das, was nicht geht?
Wie leicht fällt es dir, das Gute im Schlechten zu sehen?
Deine Selbsteinschätzung: Wie stark ist diese Dimension ausgeprägt?
„Mangel an Optimismus ist Mangel an Wunschkraft.“
Franz Marc
Ideen, um die Dimension Optimismus zu stärken
Mach dir zunächst deine eigenen Denkgewohnheiten bewusst, denn das ist der erste Schritt, um sie verändern zu können. Pessimistische Gedanken führen zu Ängstlichkeit und entmutigen uns. Optimistische Gedanken hingegen spenden Zuversicht und Hoffnung.
Wenn du dabei feststellst, dass dein Geist in Grübeleien gefangen ist, die dich sorgenvoll und traurig machen, dann mach dir bewusst, dass das deine Gedanken sind und keine Tatsachen. Distanziere dich innerlich von diesen Gedanken und sage bewusst „Stop“. Lenke deine Aufmerksamkeit bewusst auf die Gegenwart, auf diesen Moment.
Suche bewusst das Gute im Schlechten oder interpretiere positiv, denn in jeder Situation gibt es etwas Gutes oder zumindest etwas, was man lernen kann. So kann beispielsweise schlechtes Wetter gutes Wetter zum Lesen sein.
Nutze die Methoden der Positiven Psychologie wie beispielsweise folgende: Schreibe Tagebuch zu den folgenden Fragen: Was habe ich heute Schönes erlebt? Wofür bin ich heute dankbar? Worauf bin ich heute stolz? Was habe ich heute Gutes getan?
Aktiviere deinen Humor, denn Humor reduziert Angst und bringt positive Gefühlszustände hervor. Lachen befreit uns von Sorgen und schafft Abstand zu den Widrigkeiten des Alltags. Entdecke deine persönlichen Quellen für Humor. Vielleicht sind das Menschen, die dich zum Lachen bringen, bestimmte Comedians, dein Haustier oder lustige Filme.
Hilfreiche Einstellungen:
Auch wenn das Leben zurzeit nicht einfach ist, bin ich mir sicher, dass auch dies vorbei geht, und dass es bessere Zeiten für mich gibt.
Morgen ist ein neuer Tag.
Auch wenn es gerade schwer ist: Ich habe eine Zukunft, die ich gestalten und auf die ich mich freuen kann. Meine Erwartungen prägen das, was kommt.
Meine hilfreichen Einstellungen:
Transfer in den Alltag:
Was hast du bisher schon getan, um Optimismus zu entwickeln?
Welche der oben genannten Ideen und Impulse sind neu für dich?
Was davon möchtest du ausprobieren und in deinen Alltag integrieren?
Dimension 2: Lösungsorientierung
Die innere Haltung, dass Probleme prinzipiell
bewältigbar sind
„Wer etwas will, sucht Wege. Wer etwas nicht will, sucht Gründe.“
Monika Gruhl
Lösungsorientierung ist das Gegenteil von Problemorientierung. Diese innere Haltung bezieht sich darauf, wie wir einer schwierigen Situation oder einem Problem begegnen. Mit einer lösungsorientierten Grundhaltung lassen wir uns von einem Problem nicht erdrücken, sondern es gelingt uns einen gewissen Abstand zum Problem herzustellen. Der bekannte Begründer der lösungsorientierten Kurzzeittherapie Steve de Shazer sagte dazu: „Probleme sind Probleme, weil sie aufrecht erhalten werden. Sie werden einfach dadurch zusammen gehalten, dass man sie als Probleme beschreibt.“ 8 Es geht darum, sich auch in ...