Wir haben ein Baby
Ein Baby kam zur Welt. Ein kleines Wesen, ein leeres Blatt, das so wunderbar und gleichzeitig so unbekannt ist. Bevor man überhaupt mit irgendeiner Erziehung des neugeborenen Kindes anfängt, hält man es erst in den Armen und ist erstaunt. Ist das wirklich unser Kind? Es ist so wunderschön! Wem sieht es ähnlich?
Die meisten Eltern sind einfach überwältigt. Doch eine Art der Erziehung fängt schon gleich am ersten Tag an. Viele Eltern werden sich dessen erst viel später bewusst, aber wie man sein Kind hält, wie lange man es weinen lässt oder wie großzügig man es anlächelt, sind schon die ersten Schritte in Richtung einer Erziehung.
Manche Eltern wollen sich bei der Kindererziehung an ein strenges Protokoll halten, weil ihnen dieses ermöglicht, sich sicher zu fühlen. Sie denken, so machen sie nichts falsch. Andere versuchen eher, auf ihr Baby zu hören und auf jeden Schrei eine Antwort zu haben. Dritte verfolgen eine Familientradition, die sich schon bei Tanten oder Cousins bewährt hat. Welchen Weg man am Anfang auch gewählt hat, zweifelt man sehr bald an seiner Richtigkeit. Kinder sind leider weder genaue Computer noch funktionieren und benehmen sie sich alle gleich.
Das, was bei einem Cousin funktioniert hat, löst bei Ihrem Kind vielleicht stundenlanges Weinen aus. Wenn Sie ein Protokoll verfolgen, denken Sie vielleicht, Sie wären zu streng oder andersrum, wenn Sie auf jede Meldung Ihres Neugeborenen reagieren, denken Sie vielleicht, Sie würden es verwöhnen. Aus diesem Grund ist es als Erstes gut, ein paar Grundsätze über die Entwicklung des Kindes zu wissen, um angemessen reagieren zu können. Es gibt nämlich ein paar Fakten, auf die man sich einstellen kann und ein paar Entwicklungsschritte, die bei den meisten Kindern in dieser Zeit passieren. Diese werden jetzt in den nächsten Kapiteln aufgezählt und danach besprochen. Am Ende jedes Kapitels werden kurze Erinnerungsratschläge für die jeweiligen Alter gegeben.
DIE GEBURT UND DIE ERSTEN ZWEI MONATE
- Wenn ein Kind schreit, dann stimmt etwas nicht
- Die häufigsten Gründe, warum Babys schreien, sind: Hunger, volle Windel, Müdigkeit, Krankheit
- Im ersten Jahr kann man die Kinder nicht verwöhnen
- Babys brauchen geregelte Abläufe
- Ein Baby sollte nur unter Aufsicht in Bauchlage schlafen
Sehr häufig suchen Eltern ärztlichen oder großelterlichen Rat, wenn es um das Weinen eines Babys geht. Die meisten jungen Eltern sind übermüdet und versuchen ihr Bestes, doch das Baby schreit weiter. Ist mein Baby ein Schreibaby? Vielleicht ist es ernsthaft krank! Vielleicht ist es einfach bockig! Mag mich mein Kind nicht? Dies sind nur einige der Fragen, die der Stress des Weinens von ihrem kleinen Wesen herbeiruft. In den meisten Fällen ist aber die Antwort auf die oberen Fragen ein klares Nein. Die Müdigkeit der Eltern lässt sie einfach ein paar Möglichkeiten vergessen. Die häufigsten Gründe, warum Babys weinen, sind zwar Hunger, volle Windeln, Müdigkeit und Krankheit, aber dies sind definitiv nicht alle Gründe, warum ein Baby zu weinen anfängt. Es kann auch ganz kleine Gründe für das Unwohlsein geben.
Zum Beispiel, wenn Sie Ihr Kind aufrecht zur Schulter halten und es lieber auf Ihren Armen liegen oder in der „Fliegerposition“ hängen würde. Jedes Kind mag eine andere Haltung am liebsten und hat auch das gute Recht, die Lieblingsposition zu ändern. Dies ist definitiv ein Grund, laut zu werden, aber auch etwas, was nicht schwer zu lösen ist. Man muss nur die nötige Geduld haben, um verschiedene Tragepositionen zu probieren.
Manchmal kann es auch an einem Kleidungsstück liegen, das eine unangenehme Falte gebildet hat und das angenehme Liegen stört. Manchmal entsteht so etwas durch zu große Kleidung, eine Decke oder ein Oberteil, das sich gerade am Rücken verdreht hat. Die Lösung für solch eine Situation wäre immer einmal am Rücken des Kindes entlang zu streicheln, bevor man es irgendwo hinlegt.
Babys können sich sehr schnell vor etwas erschrecken oder der Reiz, den sie erleben, kann zu heftig sein. Dies ist ein Grund, der besonders müden Eltern nicht gleich einfallen wird. Manchmal kann ein plötzliches Einschalten eines Fernsehers (auch wenn er nicht laut ist), ein bellender Hund, eine zugeschlagene Tür, zu grelles Licht, ein sehr dunkler Raum oder zu warmes oder kaltes Badewasser auch ein Quell des Schreckens sein. Dies können auch Sachen sein, an die wir Erwachsene gar nicht denken. Diese Dinge empfinden wir gar nicht als furchteinflößend, doch es ist häufig so, dass diese Gründe gerade bei solch kleinen Babys andere Gefühle hervorrufen können.
Die Außentemperatur ist ein wichtiger Faktor im Babyleben. Ist einem Baby entweder zu kalt oder zu warm, wird dieses Unwohlgefühl ein so langes Weinen verursachen, bis sich diese Situation gelöst hat. Babys können ihre Körpertemperatur nicht gut selbst regulieren, weswegen wir Erwachsene uns darum kümmern müssen, dass das Umfeld stimmt. Allgemein kann man sagen: Babys dürfen nicht zu wenig oder zu viel angezogen werden, das Zimmer, in dem das Baby, schläft muss eine angenehme Temperatur haben und Winterspaziergänge bei sehr kalten Temperaturen dürfen nicht zu lange dauern.
Welche Temperatur Ihrem Kind genau passt, kann man dabei nicht genau im Voraus sagen, aber generell gilt: Spaziergänge bei Temperaturen zwischen 10-20 Grad sind unbedenklich, je kälter, desto mehr muss man die Kinder einpacken. Man muss dabei auch bedenken, dass es einem Menschen, der im normalen Schritttempo einen Kinderwagen schiebt, viel eher warm und wohl sein wird als einem Kind, das sich noch nicht viel bewegt und nur da liegt. Warme Temperaturen sind eher weniger ein Problem als die pralle Sonne.
Wenn man also im Sommer ein schattiges Plätzchen gefunden hat, kann man davon ausgehen, dass ein Baby höchstwahrscheinlich nicht wegen der hohen Temperatur weint. Man kann aber, um herauszufinden, ob es Ihrem Kind zu warm ist, einen kurzen Test machen: Fassen Sie Ihr Kind einfach mal zwischen die Schulterblätter – wenn es Ihm zu warm ist, wird es dort schwitzen.
Was die Zimmertemperatur angeht, kann man noch weniger Regeln aufschreiben, die für alle Kinder gleich wären. Manche Kinder wollen fest in eine Decke eingewickelt schlafen, andere wiederum finden einen Schlafsack, der lose um sie herum ist, viel angenehmer und wiederum Dritte wollen am liebsten gar keine Bedeckungen, egal wie kalt/warm es im Zimmer ist. Um herauszufinden, was dem eigenen Kind am besten passt, kann man Folgendes machen: An drei Tagen hintereinander ausprobieren, wie das Kind tags- und nachtsüber in den verschiedenen Varianten schläft. An dem Tag, an dem es die längsten Schläfchen macht, hat es ihm am besten gepasst.
Ein weiterer und auch sehr bekannter Grund für das frühkindliche Weinen sind Koliken. Hierbei geht es um Bauchweh, was durch eine Vielzahl an Gründen hervorgerufen wird. Die meisten Kinder haben damit eher nachmittags oder abends Probleme. In der Zeit wird alles, was Eltern machen, nur kurzzeitig gegen das Weinen helfen und das Baby wird bald wieder anfangen zu weinen. Sollten Sie denken, dass dies der Grund für das Weinen Ihres Kindes ist, versuchen Sie, mit Ihrem Kinderarzt/Kinderärztin darüber zu sprechen. Aber seien Sie darauf vorbereitet, dass es für Koliken keine garantiert wirkende Medizin gibt. Manchmal hilft, dass stillende Mütter etwas an ihrer Ernährung ändern, manchmal geben Ärzte Tropfen oder man kann eine Wärmeflasche auf das kleine Bäuchlein bzw. auf den Babyrücken legen. Nichts davon verspricht die komplette Lösung des Problems. Sollte aber Ihr Kind an diesem Problem leiden, trösten Sie sich darin, dass diese Zeit meist nach dem dritten Lebensmonat vorbei sein wird.
Einer der einfachsten Gründe, warum Babys weinen, ist manchmal aber auch etwas, das manchen Eltern in bestimmten Situationen völlig kontraintuitiv vorkommt: Ihr Baby ist müde. Sie wissen das ga...