Anlagemöglichkeiten
NR. 1 : DIE SPAREINLAGE
Die Mutter aller Anlagen: die Spareinlage. Hierunter fällt z. B. das Sparbuch von oben. Es gibt am Finanzmarkt kaum ein sichereres Mittel, um sein Geld anzulegen. Jedoch bringt das Sparbuch aufgrund der herrschenden Niedrigzinsphase kaum Zinsgewinne und ist mithin mit einer kaum messbaren Rendite geschlagen.
Diese „Niedrigzinsphase“ haben wir der Europäischen Zentralbank (EZB) zu verdanken. Diese entscheidet über die Zinsen innerhalb der EU mittels des sog. „Leitzinses“. Mit diesem Leitzins legt die EZB fest, zu welchem Zinssatz die Zentralbank mit ihren Kreditinstituten (unseren Banken) handelt, soll heißen: Der Leitzins ist quasi der Preis für eine Anlage bei der EZB.
Wenn nun also die Banken mit der EZB Geschäfte tätigen, müssen sie mit diesem Preis kalkulieren. Hierdurch wirkt sich der Leitzins auf den Interbankenhandel aus, denn die Banken legen den Preis aufeinander und so schlussendlich auf die Kunden um.
Die Banken können dem Handel mit der EZB auch nicht entgehen, da ein sog. „Kontrahierungszwang“ besteht, die europäischen Banken also mit der Zentralbank handeln müssen.
Da der Leitzins niedrig ist, ist es leichter für die Banken, an das Geld von der EZB zu kommen. Man spricht auch von „billigem Geld“. Je mehr Geld jedoch im Umlauf ist, sprich je „billiger“ das Geld ist, desto weniger „wert“ ist unser Geld bzw. desto weniger Kaufkraft hat es. Man kann sich von den gleichen 5 € jetzt also weniger kaufen als vorher. Und das nennt man dann Inflation.
Auch das ist alles kein Grund zur Beunruhigung, denn in Deutschland liegt die Inflationsrate im Jahr 2020 bei 1,7 % und damit absolut in dem von der EZB vorgegebenen Rahmen von 2 %.
Wenn Sie sich jetzt fragen, wozu man diese Inflation denn überhaupt vorgibt, dann sind Sie nicht allein. Die Erklärung: Wenn das Geld „billig“ ist, dann ist es für Unternehmen leichter, Investitionen zu tätigen. Man will also ganz einfach die Konjunktur ankurbeln, denn mit einer gut laufenden Konjunktur werden dann wiederum Arbeitsplätze geschaffen, sodass die Menschen mehr verdienen, mehr kaufen und sich so am Ende die Waage hält.
Andersherum bestünde bei einer zu niedrigen Inflationsrate das Problem, dass die Unternehmen gerade keine Investitionen so einfach tätigen könnten und ein Wachstumsstopp drohen würde.
Ein weiterer Grund für die Inflation lässt sich aus dem bereits dargestellten herleiten, denn wenn man den Gedanken einmal weiterführt, so erkennt man, dass es nur dazu kommen kann, dass man die Konjunktur „ankurbeln“ muss, wenn es ein Angebot an Waren, Dienstleistungen etc. gibt, das hinter der Nachfrage zurückbleibt.
Das bringt die Unternehmen dazu, ihre Preise zu erhöhen, denn so lange die Nachfrage da ist, kann man auch die Preise erhöhen, nach dem Motto, „gebraucht wird es ja“.
Wie wir auch später sehen werden, kann man das gut am Immobilienmarkt sehen. Es herrscht beispielsweise eine hohe Nachfrage nach Wohnungen, die das begrenzte Angebot übersteigt, weshalb auch die Immobilienpreise stark gestiegen sind.
Zurück zu unserem Gedankenexperiment: Steigen die Preise, wird das Leben für die Konsumenten (die „Nachfrager“) immer teurer, da parallel zu den Preissteigerungen ja nicht mehr Geld im Umlauf ist. Um das Gleichgewicht wiederherzustellen, gibt die EZB nun mehr Geld aus.
Gibt es mehr Geld, führt das zunächst dazu, dass auch die Menschen mehr Geld ausgeben, sprich mehr kaufen. Auf die Handlung der EZB folgt also erst einmal eine Steigerung der Kaufkraft. Das hält jedoch nur so lange, bis die Kaufkraft höher ist als der Wert der angebotenen Waren. Dann bekommt man von seinen 5 € auf einmal weniger als vorher.
Das Geld wird „billiger“ und da haben wir sie auch schon, die Inflation, denn wie wir bereits gesehen haben, bedeutet eine Steigung des Geldes, das im Umlauf ist, immer auch stets einen Verlust an Kaufkraft dieses Geldes.
Das Problem der Inflation ist damit quasi offensichtlich: Wenn man das Niveau von 2 % stets einhielte, so würde das Geld von Jahr zu Jahr an Kaufkraft verlieren.
Aber genau das ist ja das, was jeder Sparer bzw. Anleger vermeiden möchte. Wir wollen ja gerade Werte aufbauen.
Ist Sparen mit der Inflationsrate demnach nicht zu vereinbaren? An sich nicht. Das Problem liegt für die Sparer beim sog. „Realzins“. Das ist der Zinssatz, der genau die oben beschriebene Änderung der Kaufkraft unseres Geldes anzeigt. Dabei ist es natürlich völlig unerheblich, ob diese Wertänderungen aufgrund von Inflationen oder Deflationen („teures Geld“) eintreten.
Und wenn man sich einmal in die Lage einer Bank versetzt, die diesen Realzins errechnet, verwundert das auch nicht, denn die Banken, wie auch alle anderen Wirtschaftsunternehmen, wollen am Ende des Wirtschaftsjahres einen Gewinn verzeichnen. Und das gelingt nur, wenn man sich an die Begebenheiten des Marktes anpasst.
In diesem Fall muss sich die Bank demnach an der Geldpolitik der EZB orientieren. Und wie wir bereits gesehen haben, besteht diese (unter anderem) aus dem Leitzins und der Inflationsrate.
Das sind die beiden Indikatoren, die den Geld- und Finanzmarkt bewegen und somit auch unsere Banken und am Ende auch den Sparer interessieren.
Wird das Geld über die Jahre aufgrund der Inflation weniger wert, will die Bank diesem Umstand Rechnung tragen und für sich ökonomisch einen Vorteil mitnehmen.
Und woher kommt der Realzins? Dieser Zinssatz errechnet sich im Grundsatz nach dem Nominalzins, also dem Zinssatz, den man normalerweise z. B. für einen Kredit bei der jeweiligen Bank zahlt, minus der erwarteten Inflation.
Da das alles sehr abstrakt ist und die einzelnen Begriffe teils verwirrend sein können, hier ein Beispiel: Hat man einen Nominalzins bei der Hausbank von 0,7 % (so niedrig sind die Zinsen leider momentan) und eine Inflationsrate von 1,7 %, dann errechnet sich der Realzins wie folgt: 0,7 % - 1,7 % = -1 %
Man erhält also keine Zinsen von der Bank, sondern zahlt am Ende drauf. Aus den 0,7 %, die zwar nicht hoch, jedoch immerhin über den 0 % lagen, wurden -1 %. Diesen 1 % des angelegten Geldes erhält man demnach nicht von der Bank, sondern verliert ihn durch den Wertverlust, der wiederum von der Inflation herrührt.
Nachdem man sich dies alles einmal verdeutlicht hat, weiß man schon eine ganze Menge von dem, was einem bei der Orientierung am Finanzmarkt später helfen wird. Auch kann man sich die Aufgabe des Leitzinses und der EZB im Ganzen besser vorstellen.
Fazit: Die Lage ist also so, dass es im Moment einen niedrigen Leitzins gibt. Die Banken bekommen leichter Geld von der EZB bzw. können es dort zu günstigen Konditionen anlegen. Das Geld ist „billig“, wir haben eine Inflation, die in Deutschland allerdings absolut im gewünschten Rahmen liegt. Alles unter Kontrolle, so weit, so gut.
Dieser niedrige Leitzins und die dadurch herrührende Inflation führen zu den niedrigen Realzinsen bei den Banken, denn diese wollen schließlich auch am Ende Gewinn machen. Und der Realzins der Bank ist dann auch der, der Sie unmittelbar trifft.
Hat man also nun ohnehin schon niedrige Zinsen bei Banken und eine Inflation durch den niedrigen Leitzins, so bewirkt das, dass man bei dem sog. Realzins der Banken (der sich aus dem jeweiligen Anlagenzins der Bank und der Inflationsrate errechnet) regelmäßig ins Negative ru...