Mein Leben als Unternehmensberater
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Mein Leben als Unternehmensberater

Teil 2: Vom Mittelstand in den Konzern

  1. 234 Seiten
  2. German
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  4. Über iOS und Android verfügbar
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Mein Leben als Unternehmensberater

Teil 2: Vom Mittelstand in den Konzern

Über dieses Buch

Wir alle haben Träume. Irgendwann beginnen sie, und bei denen, die ihr Leben leben, hören sie nie auf. Vielleicht verschieben sie sich, oder sie wechseln im Laufe der Zeit ihre Intensität. Aber sie enden nicht.Mein Wunschstudium durfte ich absolvieren. Um danach in meinen Wunschberuf bei meiner Wunschfirma ins Arbeitsleben zu starten. Nach neun Jahren in der Berufswelt habe ich nach wie vor immer noch viele Wünsche. Aber einige meiner ursprünglichen Träume sind inzwischen den Realitäten gewichen.Das vorliegende Buch beginnt mit meinen ersten Arbeitstagen im Konzern. Ich habe den Arbeitgeber gewechselt, werde nun hier an neuer Stelle den eigenen Weg finden müssen, und den Aufbau meines Netzwerkes von vorne beginnen. Auch hier handeln die Kapitel erneut von Menschen, Situationen und Stationen, die mich auf meinem Weg in besonderer Form geprägt haben, mein Menschen-, Unternehmens- und Gesellschaftsbild beeinflussten und erweiterten.Ich habe bis heute immer wieder das Glück, auf Führungskräfte, Kollegen und Kunden zu treffen, bei denen trotz aller Notwendigkeiten des betriebswirtschaftlichen Rationalismus der Mensch, der Mitarbeiter im Vordergrund steht. Natürlich werden wir alle daran gemessen, dass unsere neuen Lösungen letztendlich effizienter als die Vorhergehenden funktionieren. Aber nicht das Zahlen- und Methodenwerk macht uns alleinig erfolgreich. Eine langfristige Perspektive erzeugen wir nur mit der gemeinsamen Umsetzung der Veränderungen. Gemeinsam mit den beteiligten, betroffenen Mitarbeitern unserer Kunden.Allerdings muss ich auch zur Kenntnis nehmen, dass die Berufswelt den Menschen immer stärker aus dem Mittelpunkt herausdrängt. Zumindest ist das meine aktuelle Wahrnehmung. Diese Entwicklung müssen wir kritisch beobachten, und uns mit allen Mitteln dagegen zur Wehr setzen. Wir dürfen uns nicht zu "Endgeräten" in der digitalen Welt deklarieren lassen. Wir sind Individuen, die mit allen Stärken (und natürlich auch Schwächen) die Gesellschaft bilden und gestalten. Keine Bots.Unternehmensberater ist immer noch mein Wunschberuf. Nach wie vor glaube ich daran, die Welt Tag für Tag ein kleines bisschen besser machen zu können. Nicht mit unübersichtlichen Excel-Tabellen und langweilenden Powerpoint-Präsentationen. Sondern mit den handelnden Menschen in den Projekten und Unternehmen.Vielleicht laufen wir uns dabei irgendwann einmal über den Weg. Ich würde mich freuen!

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Information

Stufe 1: Fachteamleiter
oder
Kommt jetzt doch die Karriere?

Es ist so schön, sein Wissen weiterzugeben.
Es ist so schön, wenn alle meinem roten Faden folgen.
Es ist so schön, Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen.
Es ist so schön, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.
Soweit die Theorie.
Nun ersetze „ist“ durch „wäre“.
Und du bist in der Praxis angekommen.
(unbekannter Autor)
10. Dezember 2000
Unser Unternehmen lädt Mitarbeiter und Kunden zu einem „Tannenbaum“-Fest ein. Wir haben für diesen Tag ein komplettes Freilichtmuseum angemietet. Man kann sich die historischen Gebäude ansehen, es gibt aber auch viele weitere Aktivitäten und Attraktionen. In einem großen Zelt werden Kaffee und Kuchen gereicht. Neben einer kleinen Kirmes, die extra für die jüngsten Besucher aufgebaut wurde, gibt es für die Eltern einen Glühweinstand. Und die Krönung: Beim Verlassen des Geländes darf sich jeder Teilnehmer einen Weihnachtsbaum mitnehmen. Da die Bäume bereits verpackt sind, kann ich hier - im Gegensatz zum Anbieter in unserem Dorf - nicht stundenlang die unterschiedlichen Wuchsformen gegeneinander abwägen. Aber beim Aufstellen im Wohnzimmer einige Tage später werden wir nicht enttäuscht.
Das Fest ist eine einmalige, anregende Plattform, die an jeder Ecke Gelegenheiten für zwanglose Gespräche mit Kunden und Kollegen bietet. Diesen Tag werden alle Teilnehmer noch lange und positiv in Erinnerung behalten. Es ist somit ein Gewinn für die Kunden. Ein Gewinn für die Mitarbeiter. Ein Gewinn für die Familien. Ein Gewinn für unser Unternehmen. Oder etwa doch nicht?
Im kommenden Jahr wird dieses Ereignis erneut stattfinden. Und auch im übernächsten. Dann aber schon ohne die Familien der Mitarbeiter und Kunden. Und mit insgesamt weniger Mitarbeitern. Es wird alles zu teuer. Jede Ausgabe steht auf dem Prüfstand. Wenige Jahre später stellt mein Unternehmen die Veranstaltung komplett ein. Wir versenden dann nur noch die obligatorischen Weihnachtskarten. Und mit dem stärkeren Fortschreiten der Digitalisierung sparen wir zum guten Schluss Papier, Umschlag und Porto. Versenden eCards.
eCards – zum Glück noch nicht im Jahr 2000
Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen damit geht. Ich freue mich inzwischen jedenfalls immer waaahnsinnig auf die weihnachtlichen eCards. Mir gefallen die super-kreativen Animationen, bei denen zum Beispiel ein Hund und eine Katze friedlich nebeneinander in den Sternenhimmel schauen. Und wo die Katze zum Abschluss dem Hund die Pfote auf die Schulter legt. Oder ist es umgekehrt? Vor allem freue ich mich, wenn ich diese Karte bereits das dritte Jahr in Folge vom gleichen Absender erhalte. Und weil sie offenbar so kreativ, sinnlich und schön ist, auch von mehreren anderen Absendern. Aus unterschiedlichen Firmen. Gibt es vielleicht eine Top-Ten der eCards? Und der Hund und die Katze stehen auch im dritten Jahr in Folge immer noch ganz oben?
Was wollen mir die Absender mit ihrem digitalen Gruß eigentlich sagen? Dass sie sich auch in diesem Jahr ganz besonders, persönlich und individuell für die gute Zusammenarbeit im ablaufenden Jahr bedanken möchten? Haben sie vielleicht vorher einmal darüber nachgedacht, welchen (meist) unpersönlichen Datenmüll sie hier verbreiten? Wahrscheinlich nicht. Habe ich den Absendern schon einmal auf ihre eCards geantwortet, dass ich spätestens beim dritten Abspielen der Hund-Katze-Anomalie einen zunehmenden Brechreiz verspüre? Nein. Es ist ja die Zeit des Friedens und der Liebe.
Aber: Es gibt ja durchaus Alternativen. Ich muss mich nicht an der digitalen Firmenstandard-Weihnachts-eCard beteiligen. Ich kann auch ganz analog zu Stift und Papier greifen, und meinen geschätzten Kunden und Kollegen einen persönlichen Weihnachtsgruß senden. Und das Porto zahle ich selbst. Das sind mir diese Menschen wert. Probieren Sie es einmal aus. Es geht!18
14. Dezember 2000
Weihnachtsfeier. Die zweite! Innerhalb des gleichen Jahres!! Man kann es sich heute kaum noch vorstellen: Zusätzlich zu der Kunden-, Familien-, Firmenweihnachtsveranstaltung am 10. Dezember gibt es vier Tage später eine weitere Mitarbeiter- und Ehepartner-Firmenweihnachtsfeier. Unser Unternehmen lädt uns zu einem schönen Essen mit Rahmenprogramm in ein Restaurant ein. Ich freue mich sehr darüber, ist es doch mein erstes „Fest“ im neuen Umfeld. Meine Frau kommt mit, ich kann ihr meine Kollegen vorstellen. Sie bekommt einen Eindruck, kann sich ein persönliches Bild machen, mit welchen Menschen ich jeden Tag gemeinsam in den Projekten arbeite.
Eine wunderbare Chance, das Arbeitsumfeld des Ehepartners in entspannter Atmosphäre kennenzulernen. Auch einmal die Menschen zu sehen und zu hören, von denen der Mann oder die Frau am Abend bereits so oft erzählt hat. Ein Gesicht zu den Geschichten. Was kann es Besseres geben für ein gegenseitiges Verständnis der Arbeitssituation des Partners? Eigentlich gut investiertes Geld des Arbeitgebers. Im Verhältnis zum erzielten Nutzen ein vergleichsweiser kleiner Betrag.
Doch auch dieser verhältnismäßig kleine Betrag wird in den nächsten Jahren weggespart. Noch zwei Jahre wird gemeinsam mit den Ehepartnern gefeiert. Dann fordern vermutlich die Aktionäre eine höhere Dividende. Und die Ehepartner dürfen zuhause bleiben. Nur wenige Jahre später wird man die Abteilungsweihnachtsfeiern komplett einstellen. Die letzten Scham-Mäntelchen werden in der Form ausgebreitet, dass durch den Arbeitgeber tatsächlich der offizielle Vorschlag erfolgt, zur „Aufrechterhaltung der Tradition und zur Förderung des Betriebsklimas“ auch weiterhin Mitarbeiter-Weihnachtsfeiern durchzuführen. Als Privatinitiative. Privat organisiert. Auf private Kosten. Ein toller Vorschlag! Der die Kollegen rundum begeistert. So sehr, dass nach meiner Kenntnis keine einzige privat organisierte Weihnachtsfeier durchgeführt wird. An einigen Standorten entwickelt sich als Gegenbewegung die Tradition eines gemeinsamen Weihnachtsmarktbesuches. Mit Glühweinkonsum. Immerhin. Nach dem zweiten Glas Glühwein kommt dann spätestens die Erkenntnis. Früher war alles besser.
Wir entfernen uns ein weiteres Stück von unserem Unternehmen. Verlieren ein weiteres Stück der Bindung. Ein weiteres Stück mühsam und langjährig aufgebauter Kultur. Wir reden von den „guten alten Zeiten“. Schimpfen auf die Entscheidungen, die zu den jetzigen Zeiten geführt haben. Be- und verstärken unseren Unmut gegenseitig. Ein weiterer Schritt auf dem Weg der gegenseitigen Entfremdung von Arbeitgeber und Mitarbeitern.
17. Januar 2001
Auch so etwas gehört zum Beraterleben: Der Rückflug am Abend von Budapest nach Düsseldorf ist zuerst zwei Stunden verspätet. Dann wird er komplett annulliert. Dafür soll jetzt eine Maschine aus Wien in Budapest zwischenlanden, und die Passagiere mitnehmen. Allerdings nicht nach Düsseldorf, sondern nach Köln. Kurz vor Mitternacht landen wir in der Domstadt. Ein Bustransfer soll uns nach Düsseldorf bringen – denn dort steht ja mein Auto. Trotz aller Reiseerfahrung finde ich den Bus nicht. Irre im leeren Flughafen umher. Erfahre dann, dass der Bus bereits weg ist. Bekomme einen Taxi-Voucher. Taxi ist eigentlich auch viel angenehmer als Bus. Gegen halb drei morgens bin ich zuhause. Vier Stunden später als geplant.
Budapest
Nur eine gute Stunde Autofahrt trennt meinen Projektstandort von Budapest. Schon länger habe ich die Idee, mir am Abend einmal einen Eindruck von der ungarischen Hauptstadt zu verschaffen. Bei diesem Aufenthalt funktioniert es, und ich kann sogar einen Kollegen als Begleiter gewinnen. Am späten Nachmittag laufen wir durch die Altstadt, von dort über die Kettenbrücke, fahren mit der Bahn auf den Burgberg. Genießen die wunderbare Aussicht auf die Donau und das Parlament.
Von einem Kundenmitarbeiter haben wir einen Tipp für eine Diskothek bekommen, die wollen wir uns nach dem Abendessen noch ansehen. Gegen zweiundzwanzig Uhr steppt zwar noch nicht der Bär, aber es ist schon einiges los. Die Eintritts- und Getränkepreise sind für ungarische Verhältnisse üppig. Entsprechend ist das bereits anwesende Publikum. Ungarische Oberschicht und ausländische Geschäftsreisende. Coole Musik. Eine beeindruckende Licht- und Lasershow. Schade eigentlich, dass wir schon nach zwei Stunden diese tolle Umgebung wieder verlassen müssen. Aber vor uns liegt ja noch die Rückfahrt. Und morgen ein ganz normaler Arbeitstag. Wie schaffen das eigentlich die anderen Besucher, die jetzt erst kurz nach Mitternacht eintrudeln?
Begeistert erzählen wir am nächsten Morgen beim Frühstück den Kollegen von unserer Stadtbesichtigung und dem Diskothekenbesuch. Der Atmosphäre, der guten Musik und den Lichteffekten. Sie ärgern sich, dass sie nicht mitgekommen sind. Bei einem erneuten Aufenthalt einige Wochen später werden wir erfahren, dass die Diskothek zwischenzeitlich geschlossen wurde. Wegen Rauschgiftverkauf. Und Prostitution.
Zwei Möglichkeiten. Entweder hat das alles erst nach Mitternacht stattgefunden. Als wir gerade weg waren. Oder die gute Musik und das Licht haben uns von den Schattenseiten abgelenkt.
7. Februar 2001
Unser Chef ist sehr vertrieblich geprägt. Ihn treibt permanent der Gedanke an, welche Leistungen er wem heute und auch morgen verkaufen kann. Dazu gehört für ihn, immer wieder neue Themen und Trends zu erkennen, und dazu passende Angebote intern bis zur Marktreife aufbereiten zu lassen.
Um diese Aufgaben etwas zielgerichteter und transparenter aufzusetzen und durchzuführen, regt er die Gründung von Fachteams an. Ein festgelegter Kreis von Kollegen wird sich dediziert (und vor allem regelmäßig) um ein bestimmtes Thema kümmern. Mir überträgt er in unserer Region die Leitung des Teams Prozessmanagement. In meinen Bewerbungsgesprächen haben wir bereits diskutiert, dass gerade die prozessorientierte Beratung zukünftig für unseren Erfolg immer wichtiger werden wird. Meine Kollegen aber häufig noch sehr isoliert in ihren Softwaremodulen (Verkauf, Einkauf, etc.) denken. Das soll sich schnellstmöglich ändern. Jetzt können wir offiziell mit dem Aufbau einer Methodik und des erforderlichen Knowhows starten. Ich freue mich sehr über diese neue Verantwortung!
Unser initiales Treffen. Einige Kollegen kenne ich bereits, mit anderen hatte ich bisher noch nichts zu tun. Am Abend nach dem Workshop ein erstes Resümee: Wir sind alle sehr engagiert. Das ist gut! Wir verfügen alle über eine langjährige und breite Beratungserfahrung. Das ist noch besser! Wir haben gravierend unterschiedliche Meinungen von unserem Thema und der an uns gestellten Aufgabe. Das ist nicht so gut. Da werden wir in den kommenden Wochen zuerst einmal an den Grundlagen und Definitionen arbeiten müssen. Aber hatte jemand gesagt, dass es einfach werden würde?
9. April 2001
Dies ist in diesem Jahr bereits mein dritter Aufenthalt in Ungarn. Nachdem mein Automobilzulieferer sein eigenes internes Optimierungsprogramm aufgesetzt hat, sind unsere (meine) Kanban-Erfahrungen (wieder) sehr gefragt.
Das Hotel in dem Ort, wo auch das von uns aktuell betreute Werk liegt, ist leider ausgebucht. Im Nachhinein muss ich sagen: Zum Glück! Denn in nur fünfzehn Kilometern Entfernung darf ich heute in einem ehemaligen Reitergut der „Von Esterhazys“ übernachten. Weit ab von jeglicher Besiedlung liegt in den Hügelketten ein wunderbar renoviertes Anwesen. Die Zimmer sind groß und modern eingerichtet. Das Restaurant hat eine hervorragende Karte. Für ungarische Verhältnisse sehr teuer. Selbst für unsere Spesensätze schon ganz nett. Aber eben auch eine außergewöhnlich hohe Qualität.
Vor dem Abendessen mache ich noch einen kleinen Spaziergang durch die Abendluft. Der ehemalige Baron hat vor vielen Jahren direkt neben seinem Gut ein Arboretum19 anlegen lassen. Mitten in der ungarischen Provinz wandele ich plötzlich durch exotische Bäume und Sträucher. Ein einmaliges Erlebnis. Einmalig ist übrigens auch, dass hier oben (noch) kein Mobilfunkanbieter eine Verbindung bereitstellt. Telefonieren vom Festnetz ist nach wie vor sehr teuer, so bleiben heute Abend nur ein paar kurze Sätze nach Hause.
Kommunikation
Für mich ist es „Standard“, dass meine Familie bei den regelmäßigen Geschäftsreisen immer meinen Aufenthaltsort kennt, eine Adresse und eine Telefonnummer vorliegen hat. Und ich habe es mir seit den ersten Beratertagen zur Angewohnheit gemacht, jeden Tag einmal mit zuhause zu sprechen. Das ist wichtig. In einem Beruf mit ständig wechselnden Aufenthaltsorten braucht man einen stabilen Pol. Es ist gut, mit dem Partner am Abend die Eindrücke des Tages auszutauschen. Zumindest kurz. Und bei Bedarf auch die ein oder andere dringende Entscheidung gemeinsam zu treffen.
In meinem vorigen Arbeitsverhältnis laden wir einen Kollegen und seine Frau privat zu uns ein. Beim Abendessen erwähnt meine Frau, dass ich ja in der kommenden Woche Dienstag und Mittwoch beim Kunden X in Süddeutschland sein werde. Die Frau meines Kollegen ist komplett verblüfft. Darüber spricht dein Mann mit Dir? Ja, natürlich. Spricht dein Mann nicht mir dir über seine Reisen? Nein. Auch nicht über seine Arbeit? Nein. Warum nicht? Das haben wir noch nie gemacht. Seitenblick zum Ehegatten. Das fällt doch alles unter die Verschwiegenheitspflicht. Oder?
Es stellt sich heraus, dass die Frau nie die Reiseziele ihres Mannes kennt. Sie telefonieren während der mehrtägigen Dienstreisen nicht miteinander. Und sie reden auch nach seiner Rückkehr nicht über die Erlebnisse und Eindrücke. Weder über die beruflichen noch über die „freizeitlichen“20. Für meine Frau und mich ein komisches, ein nicht vorstellbares, und insbesondere ein (für uns) nicht tragfähiges Miteinander. Aber letztendlich muss jede Partnerschaft, jede Familie ihr ei...

Inhaltsverzeichnis

  1. Widmung
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Über das Buch
  4. Vorwort
  5. Erwartungen
  6. Der neue Arbeitgeber
  7. Stufe 1: Fachteamleiter
  8. Stufe 2: Projektleiter
  9. Stufe 3: Vielflieger
  10. Stufe 4: Abteilungsleiter?
  11. Resümee
  12. Ausblick
  13. Danksagung
  14. Impressum