Linguistic Landscape als Spiegelbild von Sprachpolitik und Sprachdemografie?
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Linguistic Landscape als Spiegelbild von Sprachpolitik und Sprachdemografie?

Untersuchungen zu Freiburg, Murten, Biel, Aosta, Luxemburg und Aarau

  1. 366 Seiten
  2. German
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Linguistic Landscape als Spiegelbild von Sprachpolitik und Sprachdemografie?

Untersuchungen zu Freiburg, Murten, Biel, Aosta, Luxemburg und Aarau

Über dieses Buch

Wie äußert sich die Mehrsprachigkeit einer Stadt in ihrem Straßenbild? Lassen sich Rolle und Status der präsenten Sprachen erahnen? Zeigt sich ein Einfluss der lokalen Bevölkerungsstruktur und Sprachpolitik? Mit solchen Fragen befasst sich die vergleichende Untersuchung zur geschriebenen Sprache im öffentlichen Raum (der sogenannten "Linguistic Landscape") der Schweizer Ortschaften Freiburg, Murten und Biel sowie der Städte Aosta und Luxemburg. Anhand von quantitativen und qualitativen Analysen der insgesamt mehr als 5500 erhobenen Einheiten liefert sie einen empirisch fundierten Beitrag zur Soziolinguistik.

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Information

Jahr
2020
ISBN drucken
9783823383635
eBook-ISBN:
9783823301950

B Analyse – Untersuchungen zur Linguistic Landscape

B.1 Freiburg

B.1.1 Überblick über die Resultate

Wir fassen zunächst die Ergebnisse der Analysen zu Freiburg zusammen und stellen sie in B.1.6 abschliessend in den Kontext der historischen und – vor allem – aktuellen Sprachsituation der Stadt. Für die LL von Freiburg haben wir eine deutliche Dominanz der französischen Sprache festgestellt1. Dies gilt sowohl für den privaten (BU), als auch für den behördlichen Sprachgebrauch (TD). In Letzterem ist diese Dominanz stärker, namentlich durch die Häufung einsprachig französischer Einheiten. Des Weiteren ist festzustellen, dass einsprachige Einheiten in der LL von Freiburg klar häufiger vorkommen als mehrsprachige, wobei diese zu einem grossen Teil aus vollständigen Übersetzungen mit Französisch und Deutsch bestehen. Die mehrsprachigen Einheiten stammen eher von privater als von behördlicher Autorschaft. Die Minderheitensprache Deutsch ist insgesamt deutlich weniger stark vertreten als die Mehrheitssprache Französisch. Deutsch ist am häufigsten in mehrsprachigen Einheiten zu finden, die in den meisten Fällen Französisch mitenthalten – in den erhobenen Einheiten mit behördlicher Autorschaft sogar in allen Fällen. Mehrsprachige Einheiten sind zwar häufiger durch private Autorschaft entstanden als durch behördliche, die Dominanz der französischen Sprache ist jedoch in den nicht-behördlichen mehrsprachigen Einheiten stärker als in den behördlichen, wo sie sich lediglich zuweilen durch grafische Elemente und meist durch die Reihenfolge der Sprachversionen ausdrückt. Sowohl nicht-behördliche Einheiten als auch mehrsprachige Einheiten sowie Einheiten, die Deutsch enthalten, sind im als ‹Altstadt› abgegrenzten Bereich (vgl. die Resultate in E.2.1) stärker vertreten als im gesamten Territorium, wobei die genannten drei Phänomene zusammenhängen.

B.1.2 Einsprachige und mehrsprachige Einheiten

Wir gehen nun ausführlicher auf das Verhältnis zwischen ein- und mehrsprachigen Einheiten in der LL von Freiburg sowie auf die Eigenschaften der mehrsprachigen Einheiten ein. Die Resultate basieren auf der gesamten Datensammlung für die Stadt Freiburg und auf der Kategorisierung der einzelnen Analyseeinheiten gemäss A.3.3.2. Zunächst möchten wir die Anteile ein- und mehrsprachiger Einheiten festhalten:
Diagramm B.1.2.1: Ein- vs. mehrsprachige Einheiten (total)1
Von den 965 Analyseeinheiten, die wir in Freiburg aufgenommen haben, definieren wir 654 als einsprachig und 311 als mehrsprachig. Der Anteil der einsprachigen Einheiten macht also mehr als zwei Drittel aus.
Ein weiterer Parameter der Untersuchungen ist die Unterscheidung zwischen TD- und BU-Einheiten (vgl. A.3.3.2). Von unseren in Freiburg erhobenen Einheiten sind 549 als TD und 416 als BU definiert:
Diagramm B.1.2.2: TD vs. BU (total)
Wir können nun die Anteile der ein- und mehrsprachigen Einheiten in TD und BU vergleichen und kommen zum Schluss, dass die einsprachigen Einheiten zwar in beiden Kategorien überwiegen (418 zu 131 resp. 236 zu 180), prozentual jedoch in TD stärker vertreten sind (76,1% vs. 56,7%). Anders ausgedrückt: Von den mehrsprachigen Einheiten sind den Kategorien TD und BU ungefähr gleich viele Einheiten zuzurechnen, während bei den einsprachigen Einheiten knapp doppelt so viele zu TD gehören.
Diagramm B.1.2.3: Ein- vs. mehrsprachige Einheiten (nach TD und BU)
Dies lässt folgende Aussage zu: Die mehrsprachigen Einheiten werden in Freiburg nicht mehrheitlich durch die Behörden erstellt.
Für die einsprachigen Einheiten und die darin verwendeten Sprachen verweisen wir auf E.1.1 und konzentrieren uns hier auf die mehrsprachigen Einheiten. Diese lassen sich nach weiteren Parametern genauer kategorisieren (vgl. A.3.3.2). Zunächst unterscheiden wir Übersetzung und Kopräsenz, dies sowohl für die Gesamtheit der Einheiten als auch getrennt nach TD und BU:
Diagramm B.1.2.4: Mehrsprachige Einheiten: Kopräsenz vs. Übersetzung (nach total, TD und BU)
Zweisprachigkeit durch reine Kopräsenz ohne Übersetzung ist in BU zwar deutlich häufiger vertreten als in TD (51 zu 129 Einheiten oder 28,3% vs. 16 zu 115 Einheiten oder 12,2%), in Freiburg aber mit 21,5% (zu 78,5% Übersetzungen) insgesamt nicht sehr stark verbreitet (im Vergleich z.B. zu Luxemburg, vgl. B.5.2 und B.5.6).
Die Übersetzungen mit D und F unterteilen wir weiter in vollständige und partielle Übersetzungen und stellen auch hier Unterschiede zwischen den Kategorien TD und BU fest:
Diagramm B.1.2.5: Übersetzungen: Vollständige vs. partielle Übersetzung (nach total, TD und BU)
Insgesamt sind 138 von 241 oder 57,3% der Übersetzungen vollständig, in TD sind es 75 von 115 oder 65,2%, in BU 63 von 126 oder 50%. Wir können also feststellen, dass BU zwar mehr mehrsprachige Einheiten enthält als TD, davon allerdings weniger Übersetzungen. Diese sind hier zudem häufiger partiell als in TD.
Im Fall einer partiellen Übersetzung ist stets eine der beiden bei der Kategorisierung berücksichtigen Sprachen dominierend. Auch dies können wir wiederum für die Gesamtheit sowie für TD und BU erheben (bei dieser Auswertung werden ab hier nur diejenigen Einheiten berücksichtigt, die D2 und F enthalten):
Diagramm B.1.2.6: Partielle Übersetzungen: Dominierende Sprache (nach total, TD und BU)
F ist im Fall einer partiellen Übersetzung die klar am häufigsten dominierende Sprache mit 88 zu 15 oder 85,4%. Unterschiede zwischen TD und BU sind kaum auszumachen (34 zu 6 oder 85% vs. 54 zu 9 oder 85,7%).
Weiter können nun die vollständigen Übersetzungen in Bezug auf die grafische Darstellung der beiden betreffenden Sprachversionen kategorisiert und in Einheiten mit ausgeglichener oder nicht ausgeglichener grafischer Darstellung unterteilt werden (vgl. A.3.3.2 für die Kategorisierungskriterien sowie die Beispiele in B.1.4).
Diagramm B.1.2.7: Vollständige Übersetzungen: Ausgeglichene vs. nicht ausgeglichene grafische Darstellung (nach total, TD und BU...

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Inhaltsverzeichnis
  5. A Einführung
  6. B Analyse – Untersuchungen zur Linguistic Landscape
  7. C Schluss
  8. D Bibliografie
  9. E Anhang I – Untersuchungen: ausführliche Resultate
  10. F Anhang II – Ergänzungen und Aufstellungen
  11. Fußnoten

Häufig gestellte Fragen

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