"Warum lesen wir nicht dieselbe Bibel wie die Apostel?" Diese Frage führte den Autor auf eine jahrelange Schatzsuche. Der Fund: Die Septuaginta (LXX), die griechische Übersetzung des Alten Testaments, die ab dem 3. Jh. v.Chr. für die Juden der Zerstreuung angefertigt wurde.In diesem Buch zeichnet der Autor die Geschichte dieser Übersetzung nach, wie Gott gerade dadurch Sein Wort auf zweifache Weise bewahrte: Davor, unverständlich zu werden, weil immer weniger Juden des Hebräischen mächtig genug waren, sowie vor der materiiellen Vernichtung, als der Seleukide Antiochus IV im 2. Jh. v.Chr. massenhaft biblische Handschriften verbrennen ließ.Akribisch vergleicht der Autor Buchstabe für Buchstabe der alttestamentlichen Zitate im Neuen Testament mit der LXX und kommt zum Schluss: "Tatsächlich! Wir lesen nicht dieselbe Bibel wie die Apostel!", und fragt: "Soll das so bleiben?"
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Ich will keinen falschen Eindruck vermitteln. Die LXX ist eine Übersetzung und wird als solche immer eine Übersetzung bleiben. Beim Übertragen eines Wortes in eine andere Sprache, muss man immer eine Entscheidung treffen, welches Wort aus der Palette an Möglichkeiten man wählt. Das ist bei jeder Übersetzung der Bibel ins Deutsche ebenso. Soll man pisteuo mit glauben übersetzen? Oder mit vertrauen? Oder mit Treue halten? Oft bestimmt es der Zusammenhang, manchmal fällt die Entscheidung schwer, weshalb sorgfältige Bibelausleger stets den griechischen Text zu Rate ziehen, wenn es um zentrale Lehrthemen geht.
Ähnlich verhält es sich mit der LXX. Seit ich sie parallel zur meiner „normalen“ Bibel (Schlachter 2000) lese, erkenne ich ihre unbestreitbaren Vorzüge, da sie einerseits zu einer Zeit übersetzt worden ist, als die Juden noch keine Vokalhilfszeichen brauchten, um ihre Bibel lesen zu können, und andererseits auf einem älteren Text beruht, der dem Masoretentext inhaltlich überlegen ist. Die LXX schuf zudem den Grundwortschatz des Neuen Testaments. Darum wird es in diesem Kapitel gehen.
Transliterationen und Umschreibungen
Ich habe nicht die Absicht, eine vollständige Dokumentation zu bieten, sondern will nur ein paar Beispiele geben, die illustrieren, dass die LXX unsere Bibeln keineswegs ersetzen sollen, sondern dass sie einander ergänzen. Dass die LXX dabei die Priorität über den Masoretentext haben soll, ergibt sich aus der Vorlage, von der sie übersetzt wurde; doch soweit es möglich ist, ist es immer sinnvoll, den der griechischen Übersetzung zugrunde liegenden hebräischen Wortlaut zu berücksichtigen.
Die biblischen Namen
Vor kurzen hörte ich den Namen Nechémja aus dem Mund eines Juden. Das ist unser Nehemia. Die biblischen Namen werden transkribiert, man versucht, den Klang in einer anderen Sprache in Buchstaben zu fassen. Das Griechische hat beispielsweise keinen sch-Laut. Darum heißt Salomo bei uns Salomo und nicht Sch(e)lomo. Bei uns? Bei uns gibt es ja das sch! Ja, aber Salomo ist ein Name, der seit den ersten Christen, seit dem Neuen Testament so ausgesprochen wurde, seit der LXX. Die biblischen Namen also, die wir auch im Neuen Testament finden, sind wir in der griechischen Transkription gewöhnt.
Nicht immer spiegelt sich das in den deutschen Übersetzungen wieder. Es dauerte bis ins 20. Jahrhundert, bis die Bibelgesellschaften sich auf eine einheitliche Schreibweise biblischer Namen einigten, wobei sich nicht alle daran halten. Seit 1966 gelten theoretisch die Loccumer Richtlinien, 1979 wurde das Ökumenische Verzeichnis Biblischer Eigennamen (ÖVBE) erstellt. Die seit einigen Jahren erhältliche LXX-deutsch zeigt sich davon eher unbeeindruckt und transkribiert die griechischen Transkriptionen des Hebräischen ins Deutsche. Das macht das Lesen meines Erachtens unnötig kompliziert und erschwert den Zugang zur LXX.
Beispiele aus dem Stammbaum Jesu in Matthäus
Name in Matthäus
Name in LXX
Schlachter 2000
LXX-d
᾿Ισαάκ
᾿Ισαάκ
Isaak
Isaak
᾿Ιεσσαί
᾿Ιεσσαί
Isai
Jessai
᾿Ουρίας
᾿Ουρίας
Uria
Urias
῾Ροβοάμ
῾Ροβοάμ
Rehabeam
Roboam
᾿Εζεκίας
᾿Εζεκίας
Hiskia
Ezekias
Σαλαθιήλ
Σαλαθιήλ
Schealtiel
Salathiel
Ζοροβάβελ
Ζοροβάβελ
Serubbabel
Zorobabel
Warum haben wir beispielsweise diesen krassen Unterschied zwischen Roboam und Rehabeam? Zum einen deshalb, weil die Übersetzer des Neuen Testaments der ÖVBE folgten; die alte Elberfelder hatte noch Roboam. Im Masoretentext finden wir Rechab
âm (ein Volk hat sich vergrößert). Zum anderen mag uns die Schreibweise Roboam einen Hinweis darauf geben, wie der Name zur Zeit des zweiten Tempels tatsächlich ausgesprochen wurde. Unsere deutsche Transkription gibt das angehauchte Rho übrigens nicht korrekt wieder; das Hauchzeichen zeigt uns, dass man eigentlich Chroboám lesen sollte.
Wir stehen jedenfalls vor der Situation, dass durch die ÖVBE mancherorts eine neue Transkription der hebräischen Namen ins Deutsche vorgenommen wurde, wodurch es zu Abweichungen zwischen der LXX und unseren Neuen Testamenten gekommen ist, die entbehrlich sind. Und vor allem inkonsequent: Warum heißt beispielsweise der Vater von Johannes dem Täufer Zacharias und nicht Sacharja? Es ist doch derselbe Name!
Der Name über alle Namen
Der Name unseres Herrn, Jesus, wurde nicht erst mit Seiner Geburt erfunden. Es ist ein alter Name, der uns auch in unseren alten Testamenten begegnen sollte. Tatsächlich enthalten unsere Bibeln diesen Namen nur im Neuen Testament. Ein paar Beispiele:
Jesus LXX
Schlachter 2000
„Ihm unterstanden Odom, Benjamin, Jesus, Semeï, Amarias und Sechonias, damit sie durch die Priester ihren Brüdern den Tagesabteilungen entsprechend gewissenhaft Anteil gäben, dem Großen wie dem Kleinen.“ (2.Chr 31,15)
„Und unter seiner Leitung waren Eden, Minjamin, Jeschua, Schemaja, Amarja und Sechanja, um in den Städten der Priester ihren Brüdern abteilungsweise getreulich ihren Anteil zu geben, den Kleinen wie den Großen.“ (2.Chr 31,15).
„Da stand Jesus, der (Sohn) des Josedek, auf und seine Brüder, die Priester, und Zorobabel, der (Sohn) des Salathiel, und dessen Brüder, und sie richteten die Opferstätte des Gottes Israels her,“ (1.Esdr 5,47).
„Und Jeschua, der Sohn Jozadaks, und seine Brüder, die Priester, und Serubbabel, der Sohn Schealtiels, und seine Brüder, machten sich auf und bauten den Altar des Gottes Israels.“ (Esr 3,2)
„Und er zeigte mir Jesus, den Hohenpriester, wie er vor dem Angesicht eines Engels des Herrn stand und der Verleumder stand zu seiner Rechten, um als sein Widersacher zu handeln. Und der Herr sprach zum Verleumder: Der Herr soll dich tadeln, Verleumder, und der Herr soll dich tadeln, der Jerusalem auserwählt hat! Siehe, ist das nicht wie eine aus dem Feuer herausgezogene Fackel? Und Jesus war mit schmutzigen Kleidern angezogen und stand vor dem Angesicht des Engels. Und er fuhr fort und sprach zu denen, di...
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Den Sack neu aufbinden?
Das Wort Gottes hat Kraft
Haben Übersetzungen dieselbe Kraft?
Die Notwendigkeit der Übersetzung
Die Sicherungskopie
Eine Übersetzung ist eine Übersetzung
Um wieviele Unterschiede geht es?
Die LXX treibet Christum
Die LXX in den Evangelien
Die LXX und die Apostel
Echte und vermeintliche Fehler
Die „gefährlichen“ Apokryphen
Epilog: Wie wir die LXX verloren haben
Anhang: Aristeasbrief
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