
- 124 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub
Über dieses Buch
Peter Salomons lyrische Notate sind in der Literatur das, was Hot Pants in der Kleidermode sind.Es handelt sich um Aufzeichnungen und Erinnerungen, kleine Betrachtungen in Prosa, manchmal auch um pointiert zugespitzte Aphorismen. Mal tiefsinnig, mal oberflächlich-keck, mal wortspielerisch oder vergangenheitsheraufbeschwörend. Die lyrischen Notate sind weniger als geistreich wollendes Versprühen von Sinn und Lebensweisheit zu verstehen, sie sollen die Leserinnen und Leser vor allem verblüffen und mit ihrer Themenfülle überraschen.
Häufig gestellte Fragen
Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst.
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Weitere Informationen hier.
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
- Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
- Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Wir sind ein Online-Abodienst für Lehrbücher, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 1.000 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Weitere Informationen hier.
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Weitere Informationen hier.
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren.
Ja, du hast Zugang zu Hot Pants von Peter Salomon im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus Literatur & Poesie. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.
Information
Die Reihenfolge ist Zufall. Kann man das glauben?
Die Menschen werden immer älter. Aber sie leben nicht so lang
Wenn man mehrfach sterben könnte, ließe es sich trainieren
Die Zeit vergeht nicht. Wir sind es, die vergehen. (Das klingt wie irgendwo abgeschrieben)
Die meisten Taxifahrer sind Geisteswissenschaftler
Wir begleiten Kranke auf ihrem Weg durch das Gesundheitssystem, sagt die Sprecherin im ZDF vor der Sendung. Natürlich mit der Kamera. Ich schalte ab, ich will mich nicht anstecken
Es ist ein Unterschied, ob man als Kind einen Alten sagen hört: In meiner Jugend war das so und so – oder ob man als Alter empfindet: In meiner Jugend war das so und so
Zu Allen Ginsberg: Ich sah die besten Köpfe meiner Generation an Ratenzahlung zugrunde gehen
Sich zu prügeln, ist nicht so einfach, wie es aussieht. Das wichtigste ist, jede Hemmung zu verlieren
Vorsicht, schwebende Lasten – dieses Schild scheint aus dem Verkehr gezogen. Was haben wir gelacht. »Vorsicht, Worte!« lese ich in den Aphorismen eines Dichters. Spricht er zu sich selbst, oder warnt er uns?
Ich habe alle Passbilder meines Lebens nebeneinandergelegt zu einem Mosaik. Sagen sie etwas über mein Leben, wie es mich verändert hat? Vor allem reizen Sie dazu, bekritzelt, übermalt und verändert zu werden. Die Veränderungen durch die Lebenszeit sind einfach zu schwach. Die Kunst braucht stärkere Reize.
Nachts das Radio – man denkt, man sei allein am Lautsprecher (im Bett, im Halbschlaf, nur mit halbem Ohr dabei). Und trifft am nächsten Tag jemanden, der die Sendung auch gehört hat, auch nur so halb. Zwei nächtliche Radiohörer, so halbe. Die Hälften passen nicht zusammen, aber sie fühlen sich brüderlich
Denken ist Glückssache – heißt ein Spruch, der dem Volksmund zugeschrieben wird. Gottfried Benn sprach vom »Gegenglück«, in dem der Denkende lebt, der dem Geistigen dient. Denken ist nicht Zufall, aber dem Glücklichen fällt es leichter
Ich habe meine Siebensachen immer gepackt – einen kleinen Notfallkoffer für Krankenhaus oder Hospiz. Aber ich fürchte, dass der Tod es ablehnt, mein Gepäck zu tragen. Der Tod will nicht für einen Gepäckträger gehalten werden
Wenn er schenkt, dann meistens mit ironischen Gesten. Will er sagen: Schenk dir deinen Dank?
Ewigkeit ist langweilig, heißt es. Aber wer weiß denn überhaupt, was Ewigkeit ist? Selbst Langeweile – was ist das? Einfach schön dahergeredet, aphoristisch sozusagen
Geh in dich, sagen die Eltern zum Kind, das gelogen hat. Das Kind betritt ein weitverzweigtes Labyrinth. An jeder Weggabelung steht ein Wegweiser, aber die angegebene Richtung ist in jedem Fall falsch. Das Kind hat einen langen Weg zu gehen. Es staunt, wie viele Lügen in seinem kleinen Körper verborgen sind. Es findet erst den Ausgang, als die Mutter ihm über das Haar streichelt und signalisiert: Jetzt ist alles wieder gut
Schweigen ist keine Willenserklärung, es bedeutet weder JA noch NEIN, sagen die Juristen. Aber im Alltag kann es etwas bedeuten. Zärtlichkeit zum Beispiel
Die Alten sprechen davon, dass sogar ihre Erinnerungen abnähmen – wie ein Stück Seife beim wiederkehrenden Händewaschen. Je älter ich werde, desto üppiger blüht meine Erinnerung. Ich muss mich nicht mehr sklavisch an das Vergangene halten, Fehlstellen können mit Erfahrung und Phantasie gekittet werden. Erinnerung und Phantasie sind ein flottes Paar
Im Museum darf man Gemälde nicht berühren. Der Sammler streicht zuhause gelegentlich mit zwei Fingern über die Malschicht. Auch gute Freunde dürfen das – sogar mal eine Zigarette rauchen. Es ist etwas anderes, mit Bildern zu leben. Zu den verschiedenen Tageszeiten zeigen sie sich immer anders. Manche blitzen nur in der Nacht auf, wenn du mit der Taschenlampe zur Toilette gehst
Literatur – eine Art Nekrophilie. Vivisektion des Lebens
Sag die Wahrheit! Tut mir leid, ich kenne sie nicht. Und kennte ich sie, könnte ich sie nicht sagen. Heißt sprechen nicht immer lügen?
Hat mir jemals jemand die ungeschminkte Wahrheit gesagt? Ich kann mich nicht erinnern. Aber wenn sie geschminkt gewesen wäre, wüsste ich es noch. Ich bin empfänglich für gepflegte und gut gestylte Menschen und Sachen. Die mit mir nicht einverstanden waren, haben unschön geredet, Ja, sie waren ungepflegt und ungeschminkt
Was ist Kunst? Kunst lindert den Schmerz. Die Freude verhindert ihn. Sich mit Freude der Kunst hingeben macht übermütig
Gerne streite ich mich über Dinge des Geschmacks, des guten wie des schlechten. Das funktioniert sehr gut, besonders wenn es um den schlechten Geschmack geht. Immer führt so ein Streit zu Ergebnissen. Der Satz »Über Geschmack lässt sich nicht streiten« wird dem Volksmund zugeschrieben, und mit dem lässt sich nicht streiten. Aber wer ihn benutzt, der kriegt Contra von mir
Suizid ist mir fremd. Ich fühle mich ihm nicht zugeneigt. Ich möchte nicht den Eindruck hinterlassen, ich wäre unglücklich gewesen. Würde die Ansicht vorherrschen, Suizidanten würden ihre Tat aus Lebensfreude und Glück begehen, fände ich ihn attraktiver. Andererseits: Man soll ja man selbst sein. Früher sagte man Selbstmörder
Vor dem MYLORD. Spreter zu Armin: »Du machst mich wahnsinnig. Ich bin verrückt nach dir. Du bringst mich noch ins Irrenhaus.« Armin zu Spreter: »Ich bringe dich nicht, ich rufe dir ein Taxi«
Ich bin nicht von hier – das konnte ich einige Jahrzehnte sagen. Aber nach fünfzig Jahren am selben Wohnort sage ich manchmal in Geschäften (um mich von Touristen abzugrenzen, um zu signalisieren, dass ich morgen noch mal wiederkommen könnte): Ich bin Konstanzer. Ich sage aber auch: Eigentlich bin ich Berliner
Als ich noch Analphabet war, habe ich mir gerne vom Vater Geschichten erzählen lassen. Keine aus dem Krieg, sondern erfundene mit etwas Superman-Flair. Der Große und der Kleine Korse war sein Bestseller. Nach durchzechter Nacht und mit Restalkohol im Blut lief der Vater zu großer Form auf und lieferte Woche für Woche die geforderte Fortsetzung. Der Kleine Korse, der so hieß wie ich, seilte sich am Kaugummi aus dem Hubschrauber ab und vertrieb die Uran-Diebe. Es war Sonntag, ich durfte in Vaters Bett, während die Mutter im Badezimmer rumorte
Kann man Lachen lernen? Ja, sagte der Lehrer zu den Schauspielschülern. Ich meine aber nicht technisch-akustisch, sondern »von Herzen«. Wenn es so etwas gibt, lässt es sich bestimmt lernen. Aber kommt das Lachen nicht aus der Lunge und aus den Bronchien und wird von der Muskulatur des Thorax befördert? Man kann ja auch Weinen lernen – kommt da jemand auf die Idee, weinen käme »von Herzen«
Die ewigen Jagdgründe – das sagt mir nichts, ich habe nie gejagt. Ich will auch nicht in sie eingehen. Lieber in den Himmel, da habe ich gewisse Vorstellungen
Die Raben, diese ängstlichsten aller Vögel, sind zutraulich geworden wie früher die Tauben. Die Tauben sind fast ganz verschwunden, das bewirken regelmäßige Vergiftungsaktionen. Wer an der Bushaltestelle wartet, will nicht, dass Raben und Krähen ihm zwischen den Beinen durchlaufen und Abfälle aufpicken – auch wenn sie besonders klug sein sollen
Der Sammler hängt öfter Bilder um oder wechselt sie aus. Die Abgehängten haben eine Verfärbung auf der Wand hinterlassen. Aber diese alten Rechtecke reichen nicht aus, um künftig an das frühere Bild zu erinnern. Der alltägliche Blick sieht sie bald nicht mehr, das neue Bild dominiert den Schatten, der es umgibt
Wenn ich tot bin, werde ich endlich eine gute Nachtruhe haben
Ich trage gerne Hüte. Der Nachteil ist, bei Wind musst du sie festhalten, was ziemlich blöde aussieht. »Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut« – Jakob van Hoddis Gedicht »Weltende« ist die Vision von Unglück
Den Aphoristiker stelle ich mir als Fliegenfänger vor. Er liegt ständig auf der Lauer und muss blitzschnell mit dem Kescher zuschlagen. Ich kann das immer nur ganz kurz und statt des Keschers bevorzuge ich die Fliegenklatsche. Besser gegen Fliegen ist aber die Leimspirale unter der Deckenlampe. Die verrichtet die Arbeit sachlich, und ich kann was anderes machen
Übung eines Weges: In einer Buchhandlung auf Capri kaufte ich am 8. Juli 1987 diesen Gedichtband von Dieter Leisegang, einem wunderbaren, aber eher unbekannten deutschen Autor. Die Inhaberin der Buchhandlung sprach nur italienisch und führte auch sonst keine deutschen Titel. Wie war das Buch dort hingekommen? Ich stellte mir vor, dass ein deutscher Urlauber das Buch mitgebracht, gelesen und dann auf diese Art entsorgt hatte, um sein Reisegepäck zu erleichtern. Ich las die Gedichte auf der Terrasse des Grand Hotel Quisisana. Oscar Wilde und Jean Paul Sartre hatten hier auch schon gesessen. Ich finde es nicht schlimm, für einen Angeber gehalten zu werden
Die Dummen sterben aus – immer mehr Halbgebildete finden das Leben unerträglich. Sie haben Abitur, aber dann? Dumm sein und Arbeit haben, das war Gottfried Benns Definition von Glück. Halbgebildet sein und arbeiten müssen, das kann nicht glücken
Wird in der Literatur von Gefühlen gesprochen, dann meistens von solchen, die »tief gehen«. Das verstehe ich nicht und kehre es spaßeshalber um: »Er hatte hochgehende Gefühle.« Noch witziger wäre »hochtrabende«
Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos. Buchtitel, die in den kollektiven Phrasenschatz eingegangen sind. Dabei sind die Bücher nicht schlecht. Allerdings schrieb Peter Handke nach Erscheinen der Artisten über Kluges Buch einen bösen Verriss, ja schlimmer: er verspottete das Buch
»Mit deinem dummen Gerede raubst du mir noch den Verstand.« Diese dumme Phrase hörte ich schon Leute benutzen, die wirklich darüber verfügten
Wirklich, ich wurde gefragt: »Können Sie uns ein Motto sagen, das ganz auf Sie zutrifft?« Ja, konnte ich: »Leichen pflastern meinen Weg«
Jemand behauptet, er würde an jedem Tag tausend neue Erfahrungen machen. Warum nicht gleich zehntausend? Und kann jemand, der eine Zahl aussprechen kann, auch zählen? Nebenbei: Unter Erfahrungen (so abstrakt daher gesagt) kann ich mir nicht viel vorstellen
Mein Freund Norbert (71) tut schockiert: Im Bus hat ihm eine junge Frau neulich ihren Sitzplatz angeboten. Mir (72) passiert das schon seit zwanzig Jahren. Norbert ist Autofahrer, ich hatte nie eins
Altgeworden phantasieren, wie schön es sein müsste, mit dem Bewusstsein von heute noch den Körper der Jugendzeit zu haben. Die Erscheinung wird aber nicht nur von organischen Prozessen bestimmt, sondern auch vom Bewusstsein. Der Schmelz der Jugend ist ohne Unwissenheit und Besserwisserei nicht denkbar
Kann man sich vorstellen, dass Kafka Aphorismen geschrieben hätte? Nein, das ist undenkbar
Vergessen – was ist das?
Die meisten Lyriker sind eine Bedrohung für die Dichtkunst
Dichtkunst ist eine Gefahr für die Dichter
»Eine Hand wäscht die andere« sagt man – aber doch nur bei ein und derselben Person!
Auch Aphorismen kommen aus grauen Zellen. Aber man soll es ihnen nicht anmerken
Jeder Kopf hat schon einmal eine Idee gehabt. Aber das macht die Kopfträger nicht gleich
Tot sein – es wird kein böses Erwachen geben
Selbstmörder erregen immer Neid – ihnen wird viel Schlimmes erspart bleiben
Im Kurort: Als der junge Körper noch von Hormonen überschwemmt wurde, waren Touristen ideale Objekte der Begierde; im Gegensatz zur arbeitenden Bevölkerung hatten auch sie Zeit und Lust für Erlebnisse. Fünfzig Jahre später nehmen sie ihm bloß die Sitzplätze im Bus weg
Man soll nicht mit dem Strom schwimmen. Aber gegen den Strom schwimmen – ist das denn vernünftig? Besser wäre es, ein Motorboot zu haben. Ich ziehe es vor, am Ufer spazieren zu gehen
»Ich lache mich tot« – die Floskel scheint mir aus der Mode gekommen
Ist Gott geizig? Ich stelle ihn mir als Schwarzarbeiter vor. Er will keine Steuern an Petrus bezahlen und arbeitet im toten Winkel des Himmels. Da sehen ihn nicht mal die Engel. Nur der Teufel sieht ihn, doch der verpetzt ihn nicht
Ich habe viele Erinnerungen, und ich kann mich gut erinnern. Das ist wie ein zweites Leben
Habe ich eine Lebensaufgabe? Nein, so etwas gibt es nicht
Als ich...
Inhaltsverzeichnis
- Vorbemerkung
- Textbeginn
- Weitere Informationen
- Impressum