Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786 bis 1788 (Kommentiert)
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Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786 bis 1788 (Kommentiert)

Erweiterte Ausgabe. Reisebericht in Briefen

  1. 780 Seiten
  2. German
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Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786 bis 1788 (Kommentiert)

Erweiterte Ausgabe. Reisebericht in Briefen

Über dieses Buch

Karl Philipp Moritz' "Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786 bis 1788" ist weit mehr als ein Reisebericht der klassischen Grand Tour. In präzisen, reflektierten Beobachtungen erschließt Moritz Landschaften, Städte, Kunstwerke und Alltagskulturen Italiens, besonders Rom, aus der Perspektive eines deutschen Intellektuellen der Goethezeit. Sein Stil verbindet empirische Aufmerksamkeit, ästhetische Theorie und empfindsame Selbstbeobachtung; dadurch steht das Werk zwischen Aufklärung, Klassik und moderner Subjektprosa. Moritz, 1756 geboren, war Schriftsteller, Pädagoge, Journalist und ein früher Analytiker des inneren Lebens, berühmt durch den psychologischen Roman "Anton Reiser". Seine Italienreise fiel in eine Phase intensiver künstlerischer und theoretischer Neuorientierung; in Rom begegnete er Goethe und vertiefte seine Gedanken zur Autonomie des Kunstwerks. Seine Herkunft aus einfachen, pietistisch geprägten Verhältnissen schärfte zugleich den Blick für soziale Wirklichkeit und persönliche Bildungserfahrung. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Italien nicht nur als Reiseziel, sondern als Denkraum der europäischen Moderne verstehen möchten. Es bietet kunsthistorische Einsicht, literarische Eleganz und ein außergewöhnliches Dokument deutscher Selbstvergewisserung im Süden. Diese erweiterte Ausgabe wurde mit großer Sorgfalt gestaltet, um Ihr Leseerlebnis zu bereichern. - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

Information

Verlag
e-artnow
Jahr
2015
eBook-ISBN:
9788026841227
StartFragment
Karl Philipp Moritz

Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786 bis 1788


Reisebericht in Briefen

e-artnow, 2015
Kontakt: [email protected]

ISBN 978-80-268-4122-7


Erster Theil.

Inhaltsverzeichnis
Seiner Königl. Hoheit
dem
Kronprinzen von Preußen.
Der gnädige Beifall, welchen Ew. Königl. Hoheit mir über meine Reisen eines Deutschen in England zu bezeigen geruhten, hat mir den Muth eingeflößt, auch diese Reisen eines Deutschen in Italien Höchstdenenselben unterthänigst und ehrerbietigst zu widmen. Ich ersterbe in tiefer Ehrfurcht
Ew. Königl. Hoheit
Berlin,
den 18. Januar 1792.
unterthänigst
Moritz.

Die Kupfertafeln zum ersten Theil dieser Reisen.

Inhaltsverzeichnis
Ia. Ruinen vom Tempel der Konkordia auf dem alten römischen Forum; beim Aufgange auf dem Kapitolinischen Berg. — Hinter den Bäumen ragt die Rückseite von der Wohnung des Senators und das Thürmchen von dem jetzigen Kapitolium hervor.
Ib. Der Tempel der Vesta in Tivoli, in dem Hofe des Gastwirths Francesco, dicht neben dem Wasserfall des alten Anio, am Abhange eines steilen Felsen. Hinter dem Tempel zeigt sich der alte Mons Katilus, oder Monte Croce.

Vorbericht.

Inhaltsverzeichnis
Ich muß den Leser bitten, dieß erste Bändchen meiner Reisen eines Deutschen in Italien nur als eine Vorbereitung zu den folgenden zu betrachten, worin ich mich über Sitten, Gebräuche, Litteratur und Kunst, in Italien überhaupt, und vorzüglich in Rom, ausführlicher verbreiten werde.

[Von Verona nach Rom.]

Inhaltsverzeichnis
Romam quaero!

[Ankunft in Verona.]

Inhaltsverzeichnis
Verona, den 2. Oktober 1786.
Das dort, ist nun hier geworden, mein lieber! Die zackigten Tyroleralpen, durch welche wir uns in manchen Krümmungen gewunden haben, sind hinter uns, und ich betrete nun den Boden des Landes, wohin ich so oft mich sehnte, das mir mit seinen Monumenten der Vergangenheit zwischen immer grünen Gefilden so oft in reizenden Bildern vorschwebte, und den Wunsch des Pilgrims in mir weckte, die heiligen Plätze zu besuchen, wo die Menschheit einst in der höchsten Anstrengung ihrer Kräfte sich entwickelte, wo jede Anlage in Blüthen und Frucht emporschoß, und wo beinahe ein jeder Fleck durch irgend eine große Begebenheit, ober durch eine schöne und rühmliche That, welche die Geschichte uns aufbewahrt, bezeichnet ist.
Aber dorthin eil' ich, wo auf den sieben Hügeln, das Größte und Glänzendste, was einst der Erdkreis sahe, sich gründete und bildete, und wo noch itzt die Kunst bei den erhabensten Ueberresten der Vorzeit ihren festen Wohnsitz findet; von jenem höhern Standpunkte aus, will ich meine Blicke auf diesen großen Schauplatz heften, und von dort aus meine Wanderungen anheben.
Deswegen erwarten Sie, mein theuerster Freund, ja nicht eher irgend etwas Ganzes oder Ausführliches, als aus Rom, von mir. Denn bis dahin reise ich nicht eigentlich, sondern eile dem Ziele der Wallfahrt zu, das mein Verlangen stillen, und meine Wünsche befriedigen soll, und welches ich eine Zeitlang wie meine Heimath betrachten will.
Jetzt ist mir meine Ankunft in diesem schönen Lande noch wie im Traume. — Als wir gestern Nacht nur wenige Meilen von Verona waren, brach uns ein Rad am Wagen. — In der Nähe war kein Dorf, und es dauerte einige Stunden, bis unser Fuhrwerk wieder im Stande war.
Ich setzte mich auf einen Stein am Wege, — es wehte eine angenehme Luft, und nach, und nach wurden die Gegenstände sichtbar. — Dicht vor mir lag ein Feld mit Bäumen bepflanzt, an welchen Reben hingen. —
Nun kam schon ein Winzer mit der Leiter in der Hand, und setzte sie an einen Baum, um sein frühes Tagewerk anzufangen. — Weinbeladne Wagen, von bekränzten Ochsen gezogen, fuhren vorbei, und jauchzende Knaben saßen reitend auf den Fässern.
Die umschattende Dämmerung, welche noch rund umher verstreut war, brachte dies alles so nahe, wie reizende Bilder eines Traumes, vor die Seele; und die laue Luft ließ es einen ganz vergessen, daß man sich in der Nacht auf dem Felde unter freien Himmel befand.
Dieß war also nun wirklich das milde italiänische Klima, welches sich in unsrer Vorstellung immer an das Bild von diesem reizenden Lande knüpft. — Am östlichen Himmel zeigten sich die ersten Streifen der Morgenröthe, worauf der eine von den Leuten, die aus dem nächsten italiänischen Dorfe zur Hülfe herbeigehohlt war, aufmerksam machte.
So wie es heller wurde, ragten in der Ferne die Spitzen der hohen Cypressen und weinbekränzten Hügel empor, und rund umher entfalteten sich die mannichfachen Schönheiten der Natur. —
Da dachte ich an Sie und S... und die Ferne zwischen uns wurde mir auf einmal lebhaft, als ich auf den Feldern von Verona am Wege sitzend, an dem schönen mit sanftern Blau sich wölbenden italiänischen Himmel den ersten Morgen anbrechen sah.

Das Amphitheater.

Inhaltsverzeichnis
Es versteckt sich auf einem großen und weitläuftigen Platze hinter unansehnlichem Gemäuer. — Freilich verliert die Einbildungskraft bei dem wirklichen Anblick ihren schönen Spielraum, wo sie nach Gefallen zusetzen und abnehmen konnte. —
Allein die Wirklichkeit tritt bald wieder in ihre Rechte. — Der Anblick der simplen Majestät erhält die Oberhand über jede übertriebene Vorstellung, welche hier wie Nebel verschwindet, da das Auge seinen sichern Maaßstaab hat.
Ich blickte von der Arena, oder dem mit Sand bedeckten Kampfplatz in die Höhe, bis dahin, wo die obersten Stufen rund umher den Horizont beschränken und die Ruinen, welche sich in der Luft abschneiden, einen wählerischen Anblick machen. — Dann stieg ich hinauf, und hatte nun die Aussicht von jenen obersten Stufen, bis auf die Arena hinunter, wie in einen tiefen Trichter. —
Ein kleines modernes Theater mit Vorhang und Kulissen, das unten auf der Arena erbaut ist, und worauf man von oben herab sieht, verursacht mit seiner großen Umgebung einen seltsamen Kontrast. Wie sonst die Sitze zum Theater, so hat man hier ein Theater zu den Sitzen erbaut.
Heute Nachmittag streifte ich noch ein wenig in der Gegend vor Verona umher, um die Fluren zu sehen, wo der zärtliche Katull als Knabe spielte, und die erste Nahrung seines Geistes aus der umgebenden Natur einsog.
Von den Anhöhen bei Verona macht die alte Stadt mit ihren Brücken über die Etsch, von welcher sie durchströmt wird, einen sehr schönen Prospekt; kömmt man aber hinein, so findet man größtentheils enge und krumme Straßen, in welchen dennoch eine ziemliche Lebhaftigkeit herrscht, die freilich vorzüglich mit dadurch bewirkt wird, daß die Werkstätten der Handswerksleute nicht in verschlossenen Zimmern, sondern in offenen Boutiquen, im Freien sind, und einige sogar ihren Arbeitstisch auf die Straße hinausgerückt haben.
Mantua, den.4. Oktober.
Hier, sagt Daphnis in Virgils Ekloge, ruhe dich im Schatten aus, wenn du ein Weilchen Zeit hast, Meliböus! die Stiere werden von selbst schon hier auf die Weide kommen um ihren Durst zu löschen. Hier deckt der Mincius mit zartem Schilf das grünende Ufer, und um die heilige Eiche summt der Bienenschwarm!
Meliböus läßt sich willig finden; setzt die Arbeit noch ein wenig hindan, und legt sich in den Schatten, um dem Wettgesange der beiden Hirtenknaben, die seinen Richterspruch verlangen, zuzuhören.
Auch ich verweile hier, mit meinem Dichter in der Hand, eine kurze Zeit auf meinem Wege am schönen Ufer des Mincius, der in seinem schlängelnden Laufe, schmale Inseln bildet, auf welchen Heerden zwischen dunkeln Gebüschen im Grünen weiden, indeß den Wiesenrand das zarte Schilf umkränzt.
Vor mir liegt die Stadt mit ihren Thürmen, zur Linken der hohe Damm, und um mich her die grüne Ebene, welche der sanfte Fluß durchirrt.
Alles wird Leben und Gegenwart um mich her, das Bild der Vorzeit spiegelt sich in diesem reizenden Umfange, der noch dieselbe Flur um, schließt, welche der Dichter sang.

Virgils Grotte.

Inhaltsverzeichnis
Mantua, den 4. Oktober.
Ich machte dann auch einen Spa...

Inhaltsverzeichnis

  1. Einführung
  2. Synopsis
  3. Historischer Kontext
  4. Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786 bis 1788
  5. Analyse
  6. Reflexion
  7. Unvergessliche Zitate
  8. Notizen

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